Knollenblätterpilzvergiftung

Hans Weckermann, (vor 6629 Tagen)

Am gestrigen Dienstag, 2.9.08, wurde ich vom KH Bietigheim-Bissingen nachmittags darüber informiert, daß sie eine Patientin mit Verdacht auf Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz hätten. Die Begutachtung der Pilzreste, welche mir der Ehemann vorbeibrachte, bestätigten leider den Verdacht.
Zu der Vergiftung kam es, weil die Frau einen "grünen Täubling" abgeschnitten hatte und, weil dieser mild schmeckte, die Probe geschluckt hatte. Da die Latenzzeit noch sehr kurz war, hoffe ich auf einen glimpflichen Ausgang für die Pilzsammlerin.
Aus meiner Sicht führte der Glaube des Pilzsammlerpaares, daß man Pilze abschneiden müsse, um das Myzel zu schonen, zum Vergiftungsfall. Dass man Pilzproben grundsätzlich wieder ausspucken sollte, steht auf einem anderen Blatt. Allen Pilzfreunden sei deshalb geraten, insbesondere auf dem Boden wachsende (Lamellen-)pilze grundsätzlich heraus zu drehen oder die Basis freizulegen, um den ganzen Pilz betrachten zu können. An Holz wachsende Pilze kann man getrost abschneiden. Und das Myzel wird normalerweise überhaupt nicht geschädigt, insbesondere dann nicht, wenn man die Stelle wieder zuschiebt.

Eintrag gesperrt

Re: Knollenblätterpilzvergiftung

Evchen, (vor 6629 Tagen) @ Hans Weckermann

Auf jeden Fall rausdrehen. Ich hatte neulich auch einen grünen Knolli in der Hand, der von oben sehr nach Täubling aussah.
Das Problem war etwas das trockene Wetter. Die Pilze entwickeln nicht immer ihre volle Größe und so schirmte dieser Knolli recht bodennah auf und hatte von oben diesen Täublingslook.
Seither mache ich auch ganz ordentlich wieder die Bruchprobe am Stil und begutachte die Lamellen. Der untypische Knolli hat mich das Gruseln gelehrt.

Grüßle,

Evchen

Eintrag gesperrt

Re: Knollenblätterpilzvergiftung

olly, (vor 6629 Tagen) @ Hans Weckermann

Schlimm!:-(

Der Ausgang dieser Geschichte würde mich auch interessieren.

Vor vielen Jahren ist mir auch ein Knollenblätterpilz untergekommen. Wir fanden damals eine Menge Steinpilze, viele davon waren noch sehr jung. Damals bin ich nicht besonders schonend mit meinen Pilzfunden umgegangen und nahm alles, was essbar war – zumal ich mich von zuhause aus gut mit Pilzen auskannte. So habe ich auch ganz junge, noch fast weisse Steinpilzchen – die ich heute grundsätzlich stehen lasse – ausgebuddelt. Wie im Rausch habe ich einen Pilz nach dem anderen in den Korb geschmissen. Als ich zu Hause dann meine erdverschmierte Ernte – heute schüttele ich mich beim Anblick unsachgemäß geernteter und transportierter Pilze - zu putzen anfing, viel mir dann auf, dass ein »Steini« doch einen sehr glatten Hut hatte. Ich schnitt den noch völlig verschlossenen Pilz durch und fand sowohl weisse Lamellen, als auch eine Knolle. Da bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun, denn mir wurde klar, dass mein Jagttrieb mir zu sehr in den Kopf gestiegen ist. Seitdem glaube ich, dass man fast jeden Pilz (Ständerpilz) mit einem Knollenblätterpilz verwechseln kann, wenn man nicht genau hinguckt.

LG,

olly

Eintrag gesperrt

Re: Knollenblätterpilzvergiftung

Hermann, (vor 6629 Tagen) @ Hans Weckermann

Zu der Vergiftung kam es, weil die Frau einen "grünen Täubling"
abgeschnitten hatte und, weil dieser mild schmeckte, die Probe geschluckt
hatte.

Wow, dann hat die Dame entweder den Begriff "Probe" falsch verstanden, oder das Exemplar hatte einen sehr hohen Gehalt an Amanitinen. So 10-15g Frischpilz müßte die Dame ja gegessen haben um so schwere Symptome zu zeigen. Da das ja eher unwahrscheinlich ist (naja, wer weiß..), war das Ding also wohl sehr toxisch.
Gut zu wissen, daß auch sehr geringe Mengen schon schwere Symptome auslösen können. Hmm...

Eintrag gesperrt

Das soll ein grüner Knolli sein...?

Karl-Heinz ⌂, (vor 6629 Tagen) @ Hans Weckermann

Gibt es da kein besseres Bild von?

Gruß
Karl-Heinz

Eintrag gesperrt

Re: Knollenblätterpilzvergiftung

Evchen, (vor 6629 Tagen) @ Hermann

Wow, dann hat die Dame entweder den Begriff "Probe" falsch
verstanden, oder das Exemplar hatte einen sehr hohen Gehalt an Amanitinen.
So 10-15g Frischpilz müßte die Dame ja gegessen haben um so schwere
Symptome zu zeigen. Da das ja eher unwahrscheinlich ist (naja, wer
weiß..), war das Ding also wohl sehr toxisch.
Gut zu wissen, daß auch sehr geringe Mengen schon schwere Symptome auslösen
können. Hmm...

So eine echt griffige Korrelation zwischen aufgenommener Pilzmenge und Vergiftungsschwere gibt es laut meinem Pharmabuch nicht. Leider steht nicht drin wodurch die Brecherei eigentlich ausgelöst wird. Bei dem was das Amanitin macht müßte es dazu eigentlich nicht zwangsweise kommen. Könnte auch einfach lautlos nach drei Tagen die Leber zerstören. Tut es aber nicht. Ich wüßte wirklich gerne warum.

Mich wundert etwas die Geschwindigkeit in der das aufgetreten ist. Die Pilze waren zum Glück ja wohl noch nicht verarbeitet. Acht Stunden sollten zwischen der Mahlzeit und den Erscheinungen doch wenigstens liegen... zumindest laut Büchern. Aber ich möchte auch anderes nicht ausschließen, denn was heißt schon "laut Büchern".

Eintrag gesperrt

Re: Knollenblätterpilzvergiftung

Hermann, (vor 6629 Tagen) @ Evchen

So eine echt griffige Korrelation zwischen aufgenommener Pilzmenge und
Vergiftungsschwere gibt es laut meinem Pharmabuch nicht.

Bei mir finde ich Angaben von unter 35-50g Frischpilze für eine tödliche Dosis.
Bekannt ist aber, daß Pilze einen sehr unterschiedlichen Gehalt an Wirkstoffen haben, weshalb ja auch von dem gezielten Rauschgenuss von Fliegenpilzen dringend gewarnt werden muss. Für Amanita verna finde ich Werte* von 1mg-4,5mg/g Amatoxin (Trockengewicht) und daß schon 5-7mg Gift tödlich sein kann, was gerade mal 2g Trockenpilz entsprechen könnte. Hmmm..

Leider steht
nicht drin wodurch die Brecherei eigentlich ausgelöst wird. Bei dem was
das Amanitin macht müßte es dazu eigentlich nicht zwangsweise kommen.
Könnte auch einfach lautlos nach drei Tagen die Leber zerstören. Tut es
aber nicht. Ich wüßte wirklich gerne warum.

Es ist ja nicht nur Amatoxin drin, sondern auch z.B Phallolysine, die normal beim Kochen zerstört werden - und vermutlich noch weiteres. Roh genossen können die Symptome also durchaus sehr verschieden sein - gut für den Patienten, denn die sehr frühen Symptome machen eine rechtzeitige Behandlung möglich.

*Bresinsky/Besl