Mykodiesel

Thomas Pruss, (vor 6569 Tagen)

Moin zusammen, gerade frisch aus der "Wissenschaft online" gezogen:
Besonders den Begriff "Mykodiesel" finde ich sehr gelungen und schon fast marktreif.

Pilz macht Diesel aus Pflanzenresten

"Im südamerikanischen Regenwald haben US-Forscher einen Pilz entdeckt, der einen dieselähnlichen Treibstoff herstellt. Der Pilz namens Gliocladium roseum[/b] produziert aus Pflanzenresten ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen, wie die Forschergruppe um den Botaniker Gary Strobel von der Montana State University in Bozeman berichtet. Der neu entdeckte Pilz sei damit eine vielversprechende Quelle für Biotreibstoffe aus nicht-fossilen Energiequellen, so die Biologen.

Entdeckt haben die Forscher den Treibstoffproduzenten in einer Chilenischen Scheinulme (Eucryphia cordifolia), einer Baumart, die in den gemäßigten Regenwäldern im Süden des Landes wächst. Zwar sind Mikroorganismen, die Kohlenwasserstoffe produzieren, nichts Neues. Doch Gliocladiums Verbindungsmix sei dem handelsüblichen Diesel viel ähnlicher, als man bisher bei anderen Pilzen und Bakterien beobachtet habe, berichtet Strobels Gruppe. Die Wissenschaftler nannten das neue Treibstoffgemisch daher Mykodiesel, nach dem griechischen Wort myces für Pilz.

"Gliocladium roseum macht Kohlenwasserstoffe direkt aus Zellulose, der Hauptkomponente in Pflanzen und Papier", betonte Strobel. Damit verdaue der Pilz auch Stängel und Sägemehl. Fast 430 Millionen Tonnen Pflanzenabfall entstünden jedes Jahr in der Landwirtschaft. Andere Mikroben könnten daraus nur dann Treibstoff produzieren, wenn ein weiterer Verarbeitungsschritt zwischengeschaltet würde. Gliocladium könne die Produktion von Biotreibstoffen also stark vereinfachen.
Strobel, G. et al.: The production of myco-diesel hydrocarbons and their derivatives by the endophytic fungus Gliocladium roseum (NRRL 50072). In: Microbiology 154, S. 3319-3328, 2008."

Grüßlis
Thomas

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Re: Mykodiesel

Mycelio, (vor 6569 Tagen) @ Thomas Pruss

Interessanter Fund!
Ich denke zwar, daß so ziemlich jeder Pilz Zellulose in einfachere Kohlenwasserstoffe zerlegen kann, aber meistens wird da nur Zucker rauskommen.
In einer englischen Zusammenfassung auf
http://mic.sgmjournals.org/cgi/content/abstract/154/11/3319
ist leider von einer extrem geringen Ausbeute die Rede. Schade, das dauert wohl noch...

Grüße, Carsten

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Re: Mykodiesel

Thomas Pruss, (vor 6569 Tagen) @ Mycelio

In einer englischen Zusammenfassung auf
http://mic.sgmjournals.org/cgi/content/abstract/154/11/3319
ist leider von einer extrem geringen Ausbeute die Rede. Schade, das dauert
wohl noch...

Moin Carsten,
gemessen wurde die Ausbeute eines Wildstammes in einer Agarkultur. Da bekommt man natürlich nicht viel. Wenn es aber gelänge, den Pilz in Reaktoren zu züchten und noch ein bißchen an der "Genschraube" zu drehen, bzw. die entsprechenden Gene in produktivere Organismen einzuschleusen (Bsp.: Escherichia-coli-Bakterien) könnte man die Produktion um mehrere Zehnerpotenzen steigern.
Ich denke eher, es scheitert an den Fianzen, denn so lange man den "Oil Peak", den Punkt, an dem man mehr Öl braucht, um 1 l Öl zu produzieren, nicht erreicht oder überschritten hat, wird in solche Projekte kaum Geld fließen. Und wenn es dann so weit ist, dass man die Ergebnisse braucht, könnte es schon zu spät sein.
Grüßlis
Thomas

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Re: Mykodiesel

Gábor, (vor 6569 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Carsten,
gemessen wurde die Ausbeute eines Wildstammes in einer Agarkultur. Da bekommt
man natürlich nicht viel. Wenn es aber gelänge, den Pilz in Reaktoren zu
züchten und noch ein bißchen an der "Genschraube" zu drehen,
bzw. die entsprechenden Gene in produktivere Organismen einzuschleusen
(Bsp.: Escherichia-coli-Bakterien) könnte man die Produktion um mehrere
Zehnerpotenzen steigern.
Ich denke eher, es scheitert an den Fianzen, denn so lange man den "Oil
Peak", den Punkt, an dem man mehr Öl braucht, um 1 l Öl zu
produzieren, nicht erreicht oder überschritten hat, wird in solche
Projekte kaum Geld fließen. Und wenn es dann so weit ist, dass man die
Ergebnisse braucht, könnte es schon zu spät sein.
Grüßlis
Thomas

Moin Thomas,

das macht doch nix, wenn der Mykodiesel weiterhin unwirtschaftlich bleibt.
Die Entwicklung muss endlich wegkommen von diesem permanent explodierenden Verbrennungsmotor:-)

LG, Gábor

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ein View

Thriller zum Thema OT

Thomas Pruß, (vor 6569 Tagen) @ Gábor

"Ausgebrannt" von Andreas Eschbach. Zitat 1. Satz: "Auch mit dem letzten Tropfen Treibstoff kann man noch beschleunigen ".
Lesenswert unter zeitweisem Einsatz von Tranqulizern, sonst reißt es einen aus dem Sessel ;-)
Grüßlis
Thomas

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Re: Mykodiesel

Joachim, (vor 6569 Tagen) @ Thomas Pruss

Da brechen "goldene Zeiten" für PSV an, ich sehe schon wie die Mineralölgesellschaften bei uns Schlange stehen und nicht die Frage stellen:
"Kann man den Essen?", Die werden uns fragen: "Kann man den Tanken?"
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

Moin zusammen, gerade frisch aus der "Wissenschaft online" gezogen:
Besonders den Begriff "Mykodiesel" finde ich sehr gelungen und
schon fast marktreif.
Pilz macht Diesel aus Pflanzenresten
"Im südamerikanischen Regenwald haben US-Forscher einen Pilz entdeckt,
der einen dieselähnlichen Treibstoff herstellt. Der Pilz namens
Gliocladium roseum produziert aus Pflanzenresten ein Gemisch von
Kohlenwasserstoffen, wie die Forschergruppe um den Botaniker Gary Strobel
von der Montana State University in Bozeman berichtet. Der neu entdeckte
Pilz sei damit eine vielversprechende Quelle für Biotreibstoffe aus
nicht-fossilen Energiequellen, so die Biologen.
Entdeckt haben die Forscher den Treibstoffproduzenten in einer Chilenischen
Scheinulme ( Eucryphia cordifolia ), einer Baumart, die in den gemäßigten
Regenwäldern im Süden des Landes wächst. Zwar sind Mikroorganismen, die
Kohlenwasserstoffe produzieren, nichts Neues. Doch Gliocladiums
Verbindungsmix sei dem handelsüblichen Diesel viel ähnlicher, als man
bisher bei anderen Pilzen und Bakterien beobachtet habe, berichtet
Strobels Gruppe. Die Wissenschaftler nannten das neue Treibstoffgemisch
daher Mykodiesel, nach dem griechischen Wort myces für Pilz.
"Gliocladium roseum macht Kohlenwasserstoffe direkt aus Zellulose, der
Hauptkomponente in Pflanzen und Papier", betonte Strobel. Damit
verdaue der Pilz auch Stängel und Sägemehl. Fast 430 Millionen Tonnen
Pflanzenabfall entstünden jedes Jahr in der Landwirtschaft. Andere
Mikroben könnten daraus nur dann Treibstoff produzieren, wenn ein weiterer
Verarbeitungsschritt zwischengeschaltet würde. Gliocladium könne die
Produktion von Biotreibstoffen also stark vereinfachen.
Strobel, G. et al.: The production of myco-diesel hydrocarbons and their
derivatives by the endophytic fungus Gliocladium roseum (NRRL 50072). In:
Microbiology 154, S. 3319-3328, 2008."
Grüßlis
Thomas

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Danke für Deinen Literaturtip!

Gábor, (vor 6569 Tagen) @ Thomas Pruß

Habe ich mir vorgemerkt für die kommenden langen Winterabende.
Neben dem Sichten und Aufbereiten all der Funde und Bilder, versteht sich...

LG, Gábor

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Re: Mykodiesel

Thomas Pruß, (vor 6568 Tagen) @ Joachim

Da brechen "goldene Zeiten" für PSV an, ich sehe schon wie die
Mineralölgesellschaften bei uns Schlange stehen und nicht die Frage
stellen: "Kann man den Essen?", Die werden uns fragen:
"Kann man den Tanken?"
Mit freundlichen Grüßen
Joachim

*gggg*
"Pack den Steinpilz in den Tank!"