Die nordische Maud
"Die nordische Maud" war früher ein relativ bekanntes Phänomen, ist aber heute, mit zunehmender Entfernung von der Natur kaum noch ein Begriff.
Die "nordische Maud" bezeichnet einen sehr intensiven Erdgeruch, der in norddeutschen Geestböden (und auch ausserhalb Deutschland bei glazialen Sandböden) v.a. nach kühlen, regenreichen Witterungsperioden auftritt.
Lange war die Ursache des plötzlich auftretenden, starken Erdgeruchs unbekannt, erst im Jahr 1872 wurde erstmal eine Pilzart (Nemuoda germanica, früher als Unterart von Nemuoda borealis betrachtet) entdeckt, die heute allgemein als Verursacher anerkannt ist.
Wenig erforscht ist bisher das Wuchsverhalten dieses Pilzes, die neusten Erkenntnisse lassen vermute, das er den grössten Teil des Jahres nur als langsamwachsenden Myzel existiert, dass erst bei einer Bodenerwärmung auf 20° in ca. 5 cm tiefe aktiviert, jedoch im Ruhezustand bleibt, bis eine langanhaltende feuchte Witterungsperiode eintritt. Ist dies der Fall, breitet sich das Myzel rasch aus und bildet dann zahlreiche mikroskopisch kleine Fruchtkörper.
Tritt während des beginnenden Myzelwachstum Trockenheit ein, stirbt es bis auf einige Nester ab, die erst nach einer erneuten Erwärmung auf 20° mit nachfolgender Niederschlagsphase wieder zu wachsen beginnen.
Während der Wachstumsphase, die nur etwa 1 Woche bis zur Fruchtreife benötigt,
erzeugen die Myzelstränge, die den gesamten Boden durchziehen, einen intensiv erdigen Geruch.
Früher wurde die "nordische Maud" als göttliches Zeichen betrachtet, welches eine gute Ernte versprechen sollte.
Ich wollte dieses Phänomen mal wieder in Erinnerung rufen, momentan tritt die nordische Maud stärker als in den vergangenen Jahren auf.
PN