Lactarius citriolens var. intermedius?!?

myco_loco, (vor 6517 Tagen)

Nachdem das Weihnachtsfest vorüber ist und hoffentlich jeder reich beschenkt wurde, gleich ein mykologisches Thema smiley

Mir ist ein kleiner Faux Pas aufgefallen, der seltsamer weise von Index Fungorum geschluckt wurde... German Krieglsteiner wollte den Grubigen Weißtannenmilchling (Lactarius intermedius Krombholz 1843) nicht anerkennen. Deshalb schmiss er ihn als Varietät zu Lactarius citriolens Pouzar 1968.

Gut, dass Lactarius citriolens andere HDS-Zellen besitzt, dass er gar keine Gruben am Stiel hat und bis auf (noch blassere) Gelbtöne und eben Stiel und Lamellen irgendwie ganz was anderes ist, vergessen wir mal nebenbei.

Aber wie kommt man darauf, die ältere Art unter die jüngere zu stellen? Lactarius intermedius ist über 100 Jahre älter als L. citriolens. Liegt es daran, dass L. intermedius im Moser vergessen wurde und auch in der nordischen Lactariusmonographie nicht erscheint?

Man müsste es also umdrehn: Lactarius intermedius var. citriolens (müsste noch kombiniert werden, macht aber taxonomisch ebenso wenig Sinn...).

Ich empfehle dringend, den Gebrauch dieser "Kombination" einzustellen. Nicht nur aus taxonomischer, sondern auch aus nomenklatorischer Sicht...

Was mich aber am meisten wundert: warum wird die Kombination im Index Fungorum nicht als inkorrekt angegeben? Oder hat sich wieder was an den Nomenklaturregeln geändert?

LG
Christoph

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Re: Lactarius citriolens var. intermedius?!?

Lothar, (vor 6517 Tagen) @ myco_loco

Hi Christoph,
konnte das tatsächlich nicht glauben und habe es gleich nachgeschlagen (Flora BW), aber es stimmt: GJK hat intermedius zur Varietät von citriolens gemacht. Ich kann es nachvollziehen, wenn man ihn zur Varietät oder Subspecies von scrobiculatus macht (vermutlich gibts diese Kombination), aber kaum zu citriolens. Was die Taxonomie betrifft: da hast Du wohl auch recht.
LG,
Lothar

Nachdem das Weihnachtsfest vorüber ist und hoffentlich jeder reich beschenkt
wurde, gleich ein mykologisches Thema smiley
Mir ist ein kleiner Faux Pas aufgefallen, der seltsamer weise von Index
Fungorum geschluckt wurde... German Krieglsteiner wollte den Grubigen
Weißtannenmilchling (Lactarius intermedius Krombholz 1843) nicht
anerkennen. Deshalb schmiss er ihn als Varietät zu Lactarius citriolens
Pouzar 1968.
Gut, dass Lactarius citriolens andere HDS-Zellen besitzt, dass er gar keine
Gruben am Stiel hat und bis auf (noch blassere) Gelbtöne und eben Stiel
und Lamellen irgendwie ganz was anderes ist, vergessen wir mal nebenbei.
Aber wie kommt man darauf, die ältere Art unter die jüngere zu stellen?
Lactarius intermedius ist über 100 Jahre älter als L. citriolens. Liegt es
daran, dass L. intermedius im Moser vergessen wurde und auch in der
nordischen Lactariusmonographie nicht erscheint?
Man müsste es also umdrehn: Lactarius intermedius var. citriolens (müsste
noch kombiniert werden, macht aber taxonomisch ebenso wenig Sinn...).
Ich empfehle dringend, den Gebrauch dieser "Kombination"
einzustellen. Nicht nur aus taxonomischer, sondern auch aus
nomenklatorischer Sicht...
Was mich aber am meisten wundert: warum wird die Kombination im Index
Fungorum nicht als inkorrekt angegeben? Oder hat sich wieder was an den
Nomenklaturregeln geändert?
LG
Christoph

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Re: Lactarius citriolens var. intermedius?!?

myco_loco, (vor 6517 Tagen) @ Lothar

Hiu Lothar,

ja, er steht auch meines Erachtens näher bei Lactarius scrobiculatus. Manchmal ist es makroskopisch schwierig, meist kann man ihn aber gut an der fehlenden weißen Linie unter den Lamellen am Stiel erkennen (L. scrobiculatus hat diese helle, fast weiße Zone an der Stielspitze).

Anatomisch kann man hier auch die Endzellen der HDS zur Unterscheidung verwenden (nicht publiziert, haben wir in München aber mal anhand von Belegen aller drei Arten getestet). Die Mykorrhizen von Lact. scrobiculatus und Lact. intermedius unterscheiden sich auch voneinander, wenngleich das Merkmal für uns Normalmykologen nicht so einfach nachvollziehbar ist.

Witzigerweise gibt es keine Kombination von Lact. intermedius unter L. scrobiculatus. Ich denke, dass es wirklich daran lag, dass diese Art lange Zeit vergessen wurde, insbesondere durch das Fehlen im klassischen Moser-Schlüssel.

LG
Christoph

Hi Christoph,
konnte das tatsächlich nicht glauben und habe es gleich nachgeschlagen (Flora
BW), aber es stimmt: GJK hat intermedius zur Varietät von citriolens
gemacht. Ich kann es nachvollziehen, wenn man ihn zur Varietät oder
Subspecies von scrobiculatus macht (vermutlich gibts diese Kombination),
aber kaum zu citriolens. Was die Taxonomie betrifft: da hast Du wohl auch
recht.
LG,
Lothar

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Re: Lactarius citriolens var. intermedius?!?

Andreas ⌂, (vor 6516 Tagen) @ myco_loco

Hiu Lothar,
ja, er steht auch meines Erachtens näher bei Lactarius scrobiculatus.
Manchmal ist es makroskopisch schwierig, meist kann man ihn aber gut an
der fehlenden weißen Linie unter den Lamellen am Stiel erkennen (L.
scrobiculatus hat diese helle, fast weiße Zone an der Stielspitze).
Anatomisch kann man hier auch die Endzellen der HDS zur Unterscheidung
verwenden (nicht publiziert, haben wir in München aber mal anhand von
Belegen aller drei Arten getestet). Die Mykorrhizen von Lact.
scrobiculatus und Lact. intermedius unterscheiden sich auch voneinander,
wenngleich das Merkmal für uns Normalmykologen nicht so einfach
nachvollziehbar ist.
Witzigerweise gibt es keine Kombination von Lact. intermedius unter L.
scrobiculatus. Ich denke, dass es wirklich daran lag, dass diese Art lange
Zeit vergessen wurde, insbesondere durch das Fehlen im klassischen
Moser-Schlüssel.
LG

Hallo,

L. intermedius wurde einerseits von MOSER "vergessen", jedenfalls nicht aufgeführt, andererseits auch von weiteren monografischen Bearbeitern nicht behandelt, wie KORHONEN (Suomen rouskout), KYTÖVUORI (Monografie der Scrobiculati) oder HEILMANN-CLAUSEN et al (Fungi of Northern Europe vol. 2). Schlicht weil die Art in deren Florengebiet nicht vorkommt. Lediglich bei BASSO (Fungi Europaei) ist sie enthalten.

Ich halte L. intermedius für eine gute Art, die mit L. scrobiculatus auch nicht näher verwandt scheint als die anderen Arten dieser Gruppe (leonis, tuomikoskii, aquizonatus etc.).

Den Lapsus, eine ältere Art zu einer jüngeren kombiniert zu haben, teile ich mit German Krieglsteiner im selben Band 2 der Ba.-Wü.-Flora, als ich dämlicherweise X. communis als var. zu X. rubellus stellte .....

beste Grüße,
Andreas

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Re: Lactarius citriolens var. intermedius?!?

Lothar, (vor 6516 Tagen) @ Andreas

Hallo,
L. intermedius wurde einerseits von MOSER "vergessen", jedenfalls
nicht aufgeführt, andererseits auch von weiteren monografischen
Bearbeitern nicht behandelt, wie KORHONEN (Suomen rouskout), KYTÖVUORI
(Monografie der Scrobiculati) oder HEILMANN-CLAUSEN et al (Fungi of
Northern Europe vol. 2). Schlicht weil die Art in deren Florengebiet nicht
vorkommt. Lediglich bei BASSO (Fungi Europaei) ist sie enthalten.
Ich halte L. intermedius für eine gute Art, die mit L. scrobiculatus auch
nicht näher verwandt scheint als die anderen Arten dieser Gruppe (leonis,
tuomikoskii, aquizonatus etc.).
Den Lapsus, eine ältere Art zu einer jüngeren kombiniert zu haben, teile ich
mit German Krieglsteiner im selben Band 2 der Ba.-Wü.-Flora, als ich
dämlicherweise X. communis als var. zu X. rubellus stellte .....
beste Grüße,
Andreas

Hallo Andreas und Christoph,
also: ich tendiere auch dazu, dass intermedius eine eigene Art ist. Wenn sich die Mykorrhizen von denen des L. scorbiculatus unterscheiden, ist das noch ein weiteres wichtiges Argument hierfür. Im Welzheimer Wald kommen beide recht häufig vor, wobei sie sich typisch schon sicher unterscheiden lassen. Bei manchen Kollektionen - auch wenn Fichte und Tanne miteinander und auch manchmal beide Arten gemeinsam vorkommen, kann es schwierig werden, Einzelfruchtkörper im Feld zuzuordnen. Ich bin also schon der Meinug, dass beide sehr nahe stehen, zumindest äußerst ähnlich sind. Leonis, tuomikoskii und aquizonatus kenne ich alle nicht durch eigene Funde ;-( , da kann ich wenig zu sagen, ob die auch so nahe an scrobiculatus stehen.
Thema falsche Kombinationen: da ist keiner vor gefeit und es ist m.E. keine Schande, wenn einem so was mal passiert ist.
LG an Euch beide und guten Rutsch,
Lothar

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Re: Lactarius citriolens var. intermedius?!?

myco_loco, (vor 6516 Tagen) @ Lothar

Hallo Lothar, hallo Andreas,

nein, eine Schande ist es ganz sicher nicht. Es ist sogar psychologisch nachvollziehbar, dass man am liebsten die am wenigsten gebräuchliche Art wegkombinieren möchte. Absolut nicht tragisch ;-). Passiert halt.

Nochmal zur Unterscheidung - man kann den "scrobi" vom "intermedius" wirklich gut in der HDS unterscheiden. Andere Maße bzw. Endzellen. Wir haben in München an einem Lactarius-Mikroskopierwochende Belege aller drei Arten angeschaut. Innerartlich waren sie konstant, zwischen den Arten aber verschieden. Ich habe es jetzt nicht mehr im Kopf, wer welche Merkmale hatte, aber es war gut kenntlich.

Vor einer Publikation wollen wir aber mehr Material zusammensammeln. Insbesondere von Lactarius citriolens. Der ist bei uns mit Abstand der seltenste der drei.

LG
Christoph

Hallo Andreas und Christoph,
also: ich tendiere auch dazu, dass intermedius eine eigene Art ist. Wenn sich
die Mykorrhizen von denen des L. scorbiculatus unterscheiden, ist das noch
ein weiteres wichtiges Argument hierfür. Im Welzheimer Wald kommen beide
recht häufig vor, wobei sie sich typisch schon sicher unterscheiden
lassen. Bei manchen Kollektionen - auch wenn Fichte und Tanne miteinander
und auch manchmal beide Arten gemeinsam vorkommen, kann es schwierig
werden, Einzelfruchtkörper im Feld zuzuordnen. Ich bin also schon der
Meinug, dass beide sehr nahe stehen, zumindest äußerst ähnlich sind.
Leonis, tuomikoskii und aquizonatus kenne ich alle nicht durch eigene
Funde ;-( , da kann ich wenig zu sagen, ob die auch so nahe an
scrobiculatus stehen.
Thema falsche Kombinationen: da ist keiner vor gefeit und es ist m.E. keine
Schande, wenn einem so was mal passiert ist.
LG an Euch beide und guten Rutsch,
Lothar