Nachlese 2008 Blätterpilze *PIC*

Markus Wilhelm ⌂, (vor 6493 Tagen)

Hallo zusammen,

hier ein Sammelsurium einiger nicht so alltäglicher Blätterpilze:

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Amanita lepiotoides, Braunscheidiger Wulstling: Diese wirkliche Rarität aus dem Grenzraum Elsass/Schweiz brachte ein Mitglied des Vereins an den Bestimmungsabend. Es ist eine südliche Art, aber auch dort recht selten und in wenigen Exemplaren. Auf den ersten Blick ein Riesenschirmling, rötend wie der Perlpilz. Aber aufgrund der markanten Scheide unverwechselbar!

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Gerhardtia piperata: Sieht wie ein Maipilz oder weisser Ritterling oder Rötelritterling aus. Riecht etwas komisch und schmeckt scharf. Mit siderophiler Reaktion der Basidien. Aufgrund der sehr zylindrischen Sporen zu bestimmen. Ist nur im Bon- Buch enthalten, bei Horak oder Gröger fehlt der Pilz! Bon fand diese mehr Amerikanische Art am Kaiserstuhl, mein Elsässer Fund stammt aus der Oberrheinebene, hier der 2. Nahchweis.

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Pluteus pseudoroberti: Grauscheiteliger Dachpilz. Von einem Kollegen währen einer Tagung in der Schweiz an Buche gefunden. Mit Hakenzystiden, also in der Sektion Pluteus. Mit normalen, glatten Cheilozystiden. Diese sehr seltene Art fällt durch den stark faserigen Hut auf, den in dieser Gruppe keine andere Art hat. Einige Bildverweise zeigen meist die veränderliche P. petasatus, die aber einen fast glatten Hut hat. Ob die bläulichen zonen am Stiel typisch sind, weiss ich nicht!

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Entoloma xanthochroum, Rosthütiger Zärtling (Rörtling): Sehr schöne Art, nahe E. formosum. (Oder eventuell nur eine Variation?) Meistens ist der Hut stark gestreift, das Bild im Ludwig ist meinem Fund sehr ähnlich.

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Laccaria pumilus, Zwerg-Farbtrichterling: Erst Zuhause bemerkt, dass dies was anderes ist. Von L. tortilis, ebenfalls 2-sporig, durch die viel weniger stacheligen Sporen unterschieden.

Es folgt sogleich Teil 2 , Grüsse, Markus

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Ich finde...

zuehli ⌂, (vor 6493 Tagen) @ Markus Wilhelm

... das ist stellenweise sensationell!
Danke fürs Zeigen!

Gruß Harald

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Re: Nachlese 2008 Blätterpilze

Stephan Weißer, (vor 6493 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus,
ich schlackere richtiggehend mit den Ohren. Das sind alles Blätterpilze, die auch eine wirklich markante Makroskopie haben (also nicht nur irgendwelche kleinen weißlichen/graubraunen Pilzchen), aber fast nirgends verzeichnet sind. Und dann bei dir alle auf einem Haufen...

Frage: Wie wird die Gattung Gerhardtia eingeordnet? Ritterlingsartige vermutlich, aber dann?

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Re: Nachlese 2008 Blätterpilze

Krötenhocker, (vor 6492 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Marcus,

tolle Pilze und schöne Aufnahmen zeigst du uns hier.

Gerhardtia piperata: Sieht wie ein Maipilz oder weisser Ritterling oder
Rötelritterling aus. Riecht etwas komisch und schmeckt scharf. Mit
siderophiler Reaktion der Basidien. Aufgrund der sehr zylindrischen Sporen
zu bestimmen. Ist nur im Bon- Buch enthalten, bei Horak oder Gröger fehlt
der Pilz! Bon fand diese mehr Amerikanische Art am Kaiserstuhl, mein
Elsässer Fund stammt aus der Oberrheinebene, hier der 2. Nahchweis.

Bei Gröger ist Gerhardtia piperata als Rhodocybe smithii = Rhodocybe piperata
im Kleingedruckten unter 13a auf S.602 aufgeführt.
Ansonsten ist die Art aber auch noch bei Lubwig Bd.1 S.293 als Lyophyllum piperatum aufgeführt.
Was sind denn die speziellen Gattungsmerkmale von Gerhardtia, die die Gattung von Rhodoybe und Lyophyllum abtrennen?

VG,
Jens

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Klasse

Georg, (vor 6492 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hi Markus,
super Darstellung. Insbesondere das Bild von Pluteus pseudorobertii
ist sehr interessant.

Georg

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Entoloma xanthochroum *PIC*

interhias ⌂, (vor 6492 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus,

die Pilze auf dem Foto habe ich letzte Jahr als E. formosum bestimmt, weil ich nur extrem sporadisch gefärbte Zystiden gefunden habe. Danach habe ich dann auf dem Foto des alten Fruchtkörpers, den ich nicht mitgenommen hatte, die gefärbten Lamellenschneiden entdeckt.

Beste Grüße
Hias

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Re: Nachlese 2008 Blätterpilze

Andreas ⌂, (vor 6492 Tagen) @ Krötenhocker

Hallo Marcus,
tolle Pilze und schöne Aufnahmen zeigst du uns hier.
Bei Gröger ist Gerhardtia piperata als Rhodocybe smithii = Rhodocybe piperata
im Kleingedruckten unter 13a auf S.602 aufgeführt.
Ansonsten ist die Art aber auch noch bei Lubwig Bd.1 S.293 als Lyophyllum
piperatum aufgeführt.
Was sind denn die speziellen Gattungsmerkmale von Gerhardtia, die die Gattung
von Rhodoybe und Lyophyllum abtrennen?
VG,
Jens

Hallo Jens,

die Merkmale siderophile Granulation der Basidien wie alle Lyophylloideae, aber keine Schnallen.
Von Rhodocybe, die ebenfalls (teilweise?) siderophile Basidien zeigen und meist keine Schnallen haben, durch die elliptischen Sporen ohne Kanten unterschieden.

Ich persönlich habe nie was von der Gattung Gerhardtia gehalten und ich denke, dass im Bereich Lyophyllum-Calocybe-Tephrocybe und ihrer Beziehung zu Rhodocybe völlig umgedacht werden muss. Ich glaube nicht, dass die siderophile Granulation überhaupt eine größere Rolle spielt, nicht auf Gattungsebene und schon gar nicht noch höher.
Andererseits wird in der Funga Nordica die gattung aufrechterhalten, also muss sie wohl molekular unterstützt sein. Trotzdem bin ich da nicht überzeugt, in dieser Gruppe scheint mir uzviel unklar zu sein, was überhaupt Merkmale sind und was nicht. Wie kommt eine Art wie der Mai-Ritterling überhaupt in diese Gruppe rein, wo er doch noch nicht mal siderophile Basidien hat? Ist das nun wichtig oder nicht? Ich bin sehr gespannt, wie das in zwanzig Jahren alles beurteilt wird!

beste Grüße,
Andreas

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Re: Nachlese 2008 Blätterpilze

myco_loco, (vor 6492 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

was die siderophile Granulation angeht, bin ich auch skeptisch. Meines Wissens tritt sie quer Beet in den Agaricales auf. Nur sind die Granula bei den meisten Arten zu klein, also unter der Auflösungsgrenze des Lichtmikroskops bzw. unscheinbar klein. Wenn nicht das Vorhandensein des Effekts, sondern nur die Größe eine Rolle spielen soll, bin ich auch skeptisch. Ich habe die Information über die Granula von Prof. Clemencon und er hat auch etwas in seinem Anatomiebuch darüber geschrieben.

LG
Christoph

Hallo Jens,
die Merkmale siderophile Granulation der Basidien wie alle Lyophylloideae,
aber keine Schnallen.
Von Rhodocybe, die ebenfalls (teilweise?) siderophile Basidien zeigen und
meist keine Schnallen haben, durch die elliptischen Sporen ohne Kanten
unterschieden.
Ich persönlich habe nie was von der Gattung Gerhardtia gehalten und ich
denke, dass im Bereich Lyophyllum-Calocybe-Tephrocybe und ihrer Beziehung
zu Rhodocybe völlig umgedacht werden muss. Ich glaube nicht, dass die
siderophile Granulation überhaupt eine größere Rolle spielt, nicht auf
Gattungsebene und schon gar nicht noch höher.
Andererseits wird in der Funga Nordica die gattung aufrechterhalten, also
muss sie wohl molekular unterstützt sein. Trotzdem bin ich da nicht
überzeugt, in dieser Gruppe scheint mir uzviel unklar zu sein, was
überhaupt Merkmale sind und was nicht. Wie kommt eine Art wie der
Mai-Ritterling überhaupt in diese Gruppe rein, wo er doch noch nicht mal
siderophile Basidien hat? Ist das nun wichtig oder nicht? Ich bin sehr
gespannt, wie das in zwanzig Jahren alles beurteilt wird!
beste Grüße,
Andreas

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Gattungs-Problem

Markus Wilhelm ⌂, (vor 6492 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas und alle anderen,

zuerst vielen Dank für die Rückmeldungen und Kommentare! Dass dieser Pilz im Kleingedruckten ist, habe ich leider nicht bemerkt.
Dass dieser Komplex (Lyophyllum, Calocybe, Rhodocybe etc.) in einigen Jahre ziemlich anders aussieht, glaube ich auch! Die Frage war auch noch die Abtrennung von Gerhadtia:
Rhodocybe hat gefärbte, hellbraune Sporen. Lyophyllum hat Schnallen.
Nun ist es so, dass eben die meisten Arten dieses Komplexes kaum wesentliche Mikromerkmale haben, ähnlich den Trichterlingen. Viele Arten sind zudem sehr selten, somit kennt man die Varationsbreite auch nicht wirklich.

Viele Grüsse, Markus

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Re: Gattungs-Problem

Krötenhocker, (vor 6491 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo zusammen,

vielen Dank für eure Ausführungen. Ich bin ja eher ein Freund von einer Gattung mehr, als immer wieder Gattungen zusammenzuführen. Mein Gehirn kommt jedenfalls eher mit einer(oder mehreren) zusätzlichen Gattung(en) aus, als daß in einer Gattung viele Arten mit erheblichen Mikro-Makro-Unterschieden erheblichen Ausmaßes zusammengefasst sind.
Ja, jetzt fällt es mir gerade wieder auf: was ist "erheblich"?
Ist wohl eher Geschmackssache, bzw. auch bestimmt abhängig vom Gesamtüberblick, den man innerhalb einer Ordnung oder Gattung hat, was einem lieber ist oder wäre.

VG,
Jens