Täubling aus dem Bergnadelwald *PIC*

interhias ⌂, (vor 6431 Tagen)

Hallo zusammen,

bevor hier die große Morchellawine anrollt, frage ich schnell noch, ob euch zu diesem Täubling hier etwas einfällt, den ich im August letzten Jahres bei Fichten und Tannen am Rand eines Bachlaufs gefunden habe:

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Es handelt sich um einen höllisch scharfen Ockersporer mit isoliert warzigen Sporen und mehrfach septierten Pileozystiden in der HDS. Beim Versuch, die Teile zu schlüsseln, lande ich bei einer Russula badia mit etwas zu hellem Sporenpulver und etwas zu kleinen Sporen. Aber kann R. badia so aussehen? Ich kenne sie viel intensiver gefärbt und kompakter.

Bescheibung und Mikros:

Funddaten: 06.08.2008, MTB 8136-4-3-1, 750 m, Warngau, Taubenberg, Sulzgraben; Bergmischwald; bei Fichten, Tannen und (weiter entfernt) jungen Buchen; gesellig; Hut: bis 8 cm breit, Mitte vertieft, Rand bisw. kurz kanelliert, deutlich bis schwach glänzend, Farben fleischbräunlich, rötlichbraun, im Zentrum stellenweise schwarzbraun, Rand oft ockerbräunlich verblasst; Stiel: bis 7,5 x 2,7; zylindrisch bis spindelig, basal zugespitzt und schwach braunfleckig, weiß; Lamellen: abgerundet angewachsen, gedrängt, spröde, cremefarben; Fleisch: kompakt (Stiel hohlgefressen) weiß, im Schnitt unveränderlich; Geruch: angenehm obstartig (Birne); Geschmack: Lamellen brennend scharf, Fleisch: scharf; Chemie: (Reaktion auf Hutfleisch) FeSO4: sofort blassrosa; Guajak: mäßig rasch blaugrün; Phenol: langsam violett (keine Brauntöne beigemischt); HDS: Haare: lang, dünn, fädig, glatt bis leicht wellig, wenig verzweigt, TZ immer zur Spitze verjüngt, Enden oft spitz, Maße an den Septen ca. 2-4 µm, Pigment unauffällig; Pileozystiden lang (oft >100), plurisettati (ca. 1-4 Septen), zylindrisch-schlangenförmig, Endzellen bisw. auch keulig, Köpfe ca. 6-10 breit, auffallend marmoriert (siehe Fotos in Wasser), in SV (beim Exsikkat) nicht reagierend; Sporen: breitellipsoid, 7,7 x 6,6 (7-9 x 6-7,5), Q=1,17 (1,08-1,23), 20 Sp. gemessen; Ornamentierung: isoliert warzig, Warzen stumpfkeglig und grob, bisw. verlängert und zu kurzen Graten verbunden, seltener dünne Stege vorhanden, keine netzigen Verbindungen oder Maschen, ca. 1 µm vorstehend; Plageflecken relativ klein und mäßig amyloid (grau); Sporenpulver: (trocken) IIIa-b;

Haare in Kongo:
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Pileozystiden in Sulfovanillin:
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Sporen in Melzer:
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Beste Grüße
Hias

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Re: Täubling aus dem Bergnadelwald

Andreas ⌂, (vor 6431 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

also rein optisch kann Russula badia so aussehen, meiner Meinung nach.
Etwas blass, aber der Glanz und der "Grundfarbton" passen schon. Kein Rot am Stiel, aber das darf ja auch mal sein und wenn eh der Pilz blass ist verwundert es noch weniger ...

beste Grüße,
Andreas

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Re: Täubling aus dem Bergnadelwald

Ingo, (vor 6431 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

Erstens: R. badia kann schon so aussehen
Zweitens: Muss aber nicht ;-)

Ich halte es für nicht ganz unwahrscheinlich, dass unter R. badia
mehrere Arten verschubladet werden.

Nach MHK sind da alle möglichen Farbvariatäten von hellrot bis kastanienbraun
drin. Vielleicht erinnerst du dich noch an die merkwürdigen, hellbraunen
Exemplare von mir vom letzten Herbst. Die Exsikkate hatte ich Felix geschickt.
Nachdem er sie sich angeschaut hatte, gingen sie per Post an einen anderen
Experten. Seither habe ich davon nichts mehr gehört. Vielleicht weiß er ja
mittlerweile mehr dazu.

Nur soviel. Der von dir beschriebene Obstgeruch weist auf etwas anderes hin.
R. Badia riecht gänzlich unobstig. Das in der Literatur beschriebene
Bleistiftaroma ist irgendwie schwierig zu fassen. Ich empfinde den Geruch von
R. badie irgendie als unspezifisch trocken, keinesfalls aber als erfrischend nach
Obst.

Grüßlis Ingo

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Re: Täubling aus dem Bergnadelwald

interhias ⌂, (vor 6430 Tagen) @ Ingo

Servus Ingo,

die bräunlichen Exemplare aus deinem Herbstbeitrag habe ich mir angeschaut. Wirklich sehr interessant!

Der Geruch ist einer der Gründe, die mich zweifeln lassen, dazu das sehr helle Sporenpulver und die kleinen Sporen. Zu zwei Kollektionen, die ich guten Gewissens als R. badia bestimmen konnte, hatte ich mir zwar auch schwachen Obstgeruch notiert. Aber diese hier roch doch sehr auffallend nach Birne.

Was mich natürlich am meisten umtreibt an der Geschichte:
Wenn es keine R. badia ist, was ist es dann?

Ich kenne mich zwar wirklich nicht gut aus mit Täublingen, aber die Kombination aus Sporenpulverfarbe und Mikroskopie gibt zumindest laut Schlüsseln nicht so viel anderes her.

Beste Grüße
Hias

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Re: Täubling aus dem Bergnadelwald

Ingo, (vor 6430 Tagen) @ interhias

Was mich natürlich am meisten umtreibt an der Geschichte: Wenn es keine R.
badia ist, was ist es dann?

Hallo Hias,

habe heute nochmal mit Felix konferiert. Die Untersuchungen ergaben gut 50%
Übereinstimmung mit R. badia.

Bei einer kriminalistischen Untersuchung mit menschlichem Erbgut dürfte das
Urteil mit einem solchen Übereinstimmungsgrad ziemlich eindeutig ausfallen:
In dubio....

In meinem Fall sei aber noch angemerkt, dass dem Experten Einhellinger und
Sarnari zur Verfügung stehen. Da diese nicht weiter halfen, heißt es nun:
Augen auf im nächsten Herbst und weitere Indizien zusammen tragen.

Du hast übrigens nicht erwähnt, wie sich der Schärfeverlauf nach der Kostprobe
entwickelte. Badia ist erst mild, und schärft dann langsam nach. Oft erst nach
einer Minute. Daran zumindest hielten sich meine braunen Täublinge.

Eine ähnlich aussehende Kollektion mit deutlichem Obstgeruch, die ich leider
nicht fotografiert hatte, schmackte sofort böse scharf.

Meine Meinung dazu ist, dass es im Umfeld von R. badia durchaus noch gute Arten
geben könnte, die auf ihre Erstbeschreibung warten.
Das sorgt immerhin für genügend Motivation, weiter am Ball zu bleiben.

Grüßlis Ingo

p.s. wer heuer auf brandenburgische Morcheln wartet; die Schneeglöckchen
gehen nun langsam auf. Ansonsten gibt es im Wald keinerlei frische Vegetation.
Genauso gut hätte es an einem frostfreien Neujahrstag auschauan können.

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Starkbier statt Pilzesuchen

interhias ⌂, (vor 6430 Tagen) @ Ingo

p.s. wer heuer auf brandenburgische Morcheln wartet; die Schneeglöckchen
gehen nun langsam auf. Ansonsten gibt es im Wald keinerlei frische
Vegetation.
Genauso gut hätte es an einem frostfreien Neujahrstag auschauan können.

Servus Ingo,

an den Schärfeverlauf bei meiner Kollektion kann ich mich nicht mehr genau erinnern, aber meinen Notizen zufolge (Geschmack: Lamellen brennend scharf, Fleisch: scharf) waren die Teile sofort scharf. Übrigens im Gegensatz zu meinen anderen, typisch aussehenden badia-Kollektionen, bei denen die Chili-Schärfe vorschriftsmäßig mit Verzögerung einsetzte.

Vermutlich lohnt es sich wirklich, dranzubleiben.

Was die Morchelsuche in Oberbayern betrifft: Bei uns wurden die Schneeglöckchen gerade wieder tief eingeschneit. Die Exkursion des Pilzvereins am vergangenen Wochenende haben wir hauptsächlich beim Starkbier in Andechs verbracht, da vorherige Nachtfröste unter -5°C das Pilzesuchen überflüssig machten.

Beste Grüße
Hias