Hallo Peter,
ich kenne Kretzschmaria clavus aus Kolumbien und fand es witzig, als ich mitbekam, dass auch Ustulina zu Kretzschmaria gestellt wurde.
Jetzt bin ich kein Ascomyzetenspezialist und habe nur rudimentäres Wissen über diese Gruppe. Dennoch tut mir die Einstufung in Hypoxylon gewissermaßen weh und ich verstehe nicht, warum das im deutschsprachigen Raum quasi durchgesetzt wurde. Die Nebenfruchtform schließt Hypoxylon ohnehin aus. Auch physiologisch: diese extreme Sprödfäule passt nicht und auch nicht die Fruchtkörperkonsistenz. Auch nicht die Makroskopie der Neenfruchtform (diese große, teigartige Masse).
Kretzschmaria s.str. sieht auch in der HFF irgendwie xylarioid aus (finde ich), da die Stromata gestielt sind (keulig, oben abgeflacht). Anatomisch scheinen Ustulina und Kretzschmaria ja recht ähnlich zu sein... Zumindets sind sie wohl nöher mit Xylaria als mit Hypoxylon verwandt.
Die Namensänderungen zeigen natürlich, dass das Wissen um die Verwandtschaft der Pilze noch lange nicht gesichert ist. Es ist noch viel Forschungsbedarf vorhanden.
Wegen meiner Affinität zu Kolumbien/den Tropen ist mir Kretzschmaria "sympathisch", was jetzt völlig unwissenschaftlich ist 
LG
Christoph
Hallo Martin,
schon rein makroskopisch ist das, wie ja inzwischen von vielen bestätigt, der
"Brand(fladen)krustenpilz. Noch vor ein paar Jahren als Ustulina d.
gehandelt, weisen ihn Bollmann et al. als Hypoxilon (Kohlenbeere) aus.
Index fungorum sieht ihn aber als Kretschmaria deusta, wie Ingo schon
erwähnt hat. Für mich ist der genannte Index als Ausfluss von CABI, als
die weltweit vernetzte Nachfolge des Pilzlexikons von Ainsworth and Bisby
zwar ein bisschen das "non plus ultra", trotzdem wäre hier der
Kommentar eines ausgewiesenen Mykologen oder sonstwie Kundigen recht
hilfreich, in welche Ecke wir den Pilz in Zukunft stellen sollen! Das
ständige Umlernen (s. Ganoderma applanatum / lipsiense [Flacher
Lackporling], Lepista oder Clitocybe nebularis [Nebelgrauer {Rötel-}
Trichterling] und vielen anderen mehr) nervt einen
"Gebrauchs-Mykologen" manchmal doch sehr. Immer, wenn man mal
auf schlau machen will, steht man anschließend doof da! Wäre echt schön,
wenn sich da ein Kundiger mal trauen würde, sich "aus dem Fenster zu
hängen".
Der Pilz an sich ist aber faszinierend. Aus einem grauweißen Pilz im
Jugendstadium entwickelt sich im Laufe des Jahres ein Etwas, dass
Nichtkundige allenfalls als Folge eines Versuchs, einen Baumstumpf zu
verbrennen erkennen.
Gruß, Peter!