Stadt-Morcheln *PIC*

ajuga, (vor 6398 Tagen)

Hallo!

Seit letztem Jahr (2008) kenne ich in Jena (Thüringen) eine Morchelstelle, die quasi mitten in der Stadt liegt. Es handelt sich um einen Böschungshang an ausgebauter Zufahrtstraße (Zeiss-Werk) weit ab von größeren Bäumen (z.B. Eschen).

Hier nochmals Bilder des Standortes (vom April 2008):

[image]
Blick Richtung Osten

[image]
Blick Richtung Westen

Nach dem ich letztes Jahr hier drei Fruchtkörper gefunden habe, waren es dieses Jahr bislang schon 10.

Hier einige Bilder vom 19.04.2009:

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Von den meisten Passanten völlig unbehelligt

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in Nahaufnahme

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weiteres Exemplar in Hanglage

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vergrößert

Was mir auf jedenfall auch in diesem Jahr aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass sich diese Morcheln von anderen unterscheiden. Sie machen keine schönen Waben, wie es bei Speisemorcheln eigentlich üblich ist. Die Grate sind oft sehr "verschnörkelt".

Bereits im letzten Jahr kam die Diskussion auf, ob es sich hierbei um eine Unterart oder gar eigene Art handeln könnte (doch Richtung steppicola?).

Hier nochmal ein Bild von einem der 3 Exemplare aus dem Jahr 2008:

[image]

Vollständigkeitshalber auch nochmal die Links zu bisherigen Informationen/Bildern/Diskussionen zu diesem
Fundort:

2008:
Beitrag 138744
Beitrag 138753

2009:
Beitrag 159050

Und für all die, die Morcheln schon über haben, mal was anderes:

[image]
Bellis perennis
;-)

ajuga

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Steppen-Morchel!

Andreas ⌂, (vor 6398 Tagen) @ ajuga

Hallo ajuga, Felix und die die's sonst noch interessiert,

Was mir auf jedenfall auch in diesem Jahr aufgefallen ist, ist die Tatsache,
dass sich diese Morcheln von anderen unterscheiden. Sie machen keine
schönen Waben, wie es bei Speisemorcheln eigentlich üblich ist. Die
Grate sind oft sehr "verschnörkelt".
Bereits im letzten Jahr kam die Diskussion auf, ob es sich hierbei um eine
Unterart oder gar eigene Art handeln könnte (doch Richtung steppicola?).

Ich bin mittlerweile der Ansicht, dass die verschlungenen, ziemlich dicken und breiten Grate zwischen den vertieften Waben tatsächlich ein gutes Merkmal für die Steppen-Morchel sind. Wir hatten dieses ahr diese Morchel auch schon im Blendax-Steinbruch im Pennickental, auf reinem Gipslehm an der Böschng zum Bach, an Bäumen gibt es dort lediglich Büsche von Öhrchen-Weide. Auch diese waren so merkwürdig geformt.
Auf den Bilder die Felix und Jochen bisher gepostet haben von ihren Gipshügeln mit Adonisröschen sieht man dieses Merkmal ebenfalls sehr gut.

Ich gehe daher davon aus, dass diese "baumlos" wachsenden Speisemorcheln neben dem Standort auch an der Ausformung der Grate erkannt werden kann. Damit hätte zum molekularen Befund, der ja eine eigene Art ergab, auch ein morphologisches Merkmal gefunden - wenn es sich als konstant herausstellt.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Steppen-Morchel!

Jochen Girwert, (vor 6398 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

bislang mache ich die Steppenmorchel fest an:
- dem ungewöhnlichen Standort, eben baumlos und Trockenrasen,
- und daran, dass sie auch bei guter Konsistenz und ausgewachsen ausnahmslos sehr klein bleiben.
Mitunter sind sie auf den Rippen auffällig schorfig, was ich auf die Bedingungen am Standort zurückführe (für Wind, Sonne, Temperaturschwankungen exponiert). Vielleicht wirken die Grate deshalb so breit, weil die Fruchtkörper so klein bleiben? Das ist nur so eine Vorsichts-Idee.
Nach dem, was ich bisher gesehen habe: Die Steppenmorcheln sind unterscheidbar, wenn man eine gute Kollektion hat.
Bis morgen?

Alles Gute, Jochen.

Hallo ajuga, Felix und die die's sonst noch interessiert,
Ich bin mittlerweile der Ansicht, dass die verschlungenen, ziemlich dicken
und breiten Grate zwischen den vertieften Waben tatsächlich ein gutes
Merkmal für die Steppen-Morchel sind. Wir hatten dieses ahr diese Morchel
auch schon im Blendax-Steinbruch im Pennickental, auf reinem Gipslehm an
der Böschng zum Bach, an Bäumen gibt es dort lediglich Büsche von
Öhrchen-Weide. Auch diese waren so merkwürdig geformt.
Auf den Bilder die Felix und Jochen bisher gepostet haben von ihren
Gipshügeln mit Adonisröschen sieht man dieses Merkmal ebenfalls sehr gut.
Ich gehe daher davon aus, dass diese "baumlos" wachsenden
Speisemorcheln neben dem Standort auch an der Ausformung der Grate erkannt
werden kann. Damit hätte zum molekularen Befund, der ja eine eigene Art
ergab, auch ein morphologisches Merkmal gefunden - wenn es sich als
konstant herausstellt.
beste Grüße,
Andreas

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Hundsrose

ajuga, (vor 6398 Tagen) @ ajuga

Ein Detail, das ich bisher zu diesem Standort nicht erwähnt habe, weil ich es bislang für unwichtig hielt, ist die Tatsache, dass an dieser Böschung drei Hundsrosensträucher stehen (siehe Bilder).

Als ich heute die Stelle erneut inspiziert habe, fand ich Exemplare 11 und 12 direkt nebeneinander und unmittelbar unter einem dieser Rosensträucher. Damit habe ich 3 der diesjährigen 12 Morcheln in unmittelbarer Nähe zu den Rosenstämmen gefunden. Generell tauchen die Morcheln eher im Umkreis zu diesen Sträuchern auf, nicht aber auf der großen Fläche Richtung Brücke (siehe Bild 1).

Ist bekannt, dass Morchelvorkommen mit Hundsrosen (Hagebutten-Sträucher) in Verbindung stehen?

Ich frage mich, warum ich diesen möglichen Zusammenhang nicht vorher ernst genommen bzw. hier erwähnt habe...

ajuga

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Re: Hundsrose

Andreas ⌂, (vor 6398 Tagen) @ ajuga

Ein Detail, das ich bisher zu diesem Standort nicht erwähnt habe, weil ich
es bislang für unwichtig hielt, ist die Tatsache, dass an dieser
Böschung drei Hundsrosensträucher stehen (siehe Bilder).
Als ich heute die Stelle erneut inspiziert habe, fand ich Exemplare 11 und 12
direkt nebeneinander und unmittelbar unter einem dieser Rosensträucher.
Damit habe ich 3 der diesjährigen 12 Morcheln in unmittelbarer Nähe zu
den Rosenstämmen gefunden. Generell tauchen die Morcheln eher im Umkreis
zu diesen Sträuchern auf, nicht aber auf der großen Fläche Richtung
Brücke (siehe Bild 1).
Ist bekannt, dass Morchelvorkommen mit Hundsrosen (Hagebutten-Sträucher) in
Verbindung stehen?
Ich frage mich, warum ich diesen möglichen Zusammenhang nicht vorher ernst
genommen bzw. hier erwähnt habe...
ajuga

Hallo Mario,

das hielte ich für durchaus denkbar, da ja allgemein das Gemörch oft in Verbindung mit Rosaceen gebracht wird. Besonders bei der Fingerhut-Verpel havbe ich den Eindruck, dass sie eher Weissdorn oder Schlehe benötigt als Esche. Dagegen muss ich sagen, dass wir heute Speise-Morcheln sammeln waren bei Loberschütz in der Gegend der Zietschkuppe und an den dortigen Böschungen zwar alles ein Weissdorn-Schlehen-Rosen-Gestrüpp ist, die Morcheln darin jedoch ausschließlich in der Umgebung der vereinzelt darin stehenden Easchen vorkamen. Das war schon recht auffallend. Die Verpeln dagegen standen nicht in Eschennähe, aber immer bei Weissdorn.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Hundsrose *PIC*

Gábor, (vor 6398 Tagen) @ Andreas

Hallo Mario,
das hielte ich für durchaus denkbar, da ja allgemein das Gemörch oft in
Verbindung mit Rosaceen gebracht wird. Besonders bei der Fingerhut-Verpel
havbe ich den Eindruck, dass sie eher Weissdorn oder Schlehe benötigt als
Esche. Dagegen muss ich sagen, dass wir heute Speise-Morcheln sammeln
waren bei Loberschütz in der Gegend der Zietschkuppe und an den dortigen
Böschungen zwar alles ein Weissdorn-Schlehen-Rosen-Gestrüpp ist, die
Morcheln darin jedoch ausschließlich in der Umgebung der vereinzelt darin
stehenden Easchen vorkamen. Das war schon recht auffallend. Die Verpeln
dagegen standen nicht in Eschennähe, aber immer bei Weissdorn.
beste Grüße,
Andreas

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Hallo Mario & Andreas,

das mit den Fingerhutverpeln finde ich sehr interessant.

Meine beiden V. conica Standorte vom vergangenen Wochenende sind da anders.
Auf dem einen Standort wuchsen sie unter Weiden.
Und auf dem anderen Standort mit M. semilibera gemeinsam wachsend in einem Mischwald von Eschen und Vogelkirschen.

Hier ist noch mal ein Bild, auf dem beide Arten zu sehen sind:
[image]
Wobei der Hintere etwas unscharf geriet.
Allerdings kann man den Unterschied noch recht gut erkennen, finde ich.

Und hier noch eine Käppchenmorchel aus einer größeren, genauso gestalteten Gruppe:
[image]
Da kann sich einem der Gedanke an Böhmische Verpeln schon aufdrängen, gell?
Insbesondere, wenn man sich all die anderen Käppchen am gleichen Standort anschaut...

LG, Gábor

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Re: Hundsrose

Andreas ⌂, (vor 6398 Tagen) @ Gábor

Hallo Gabor,

das mit den Fingerhutverpeln finde ich sehr interessant.
Meine beiden V. conica Standorte vom vergangenen Wochenende sind da anders.
Auf dem einen Standort wuchsen sie unter Weiden.
Und auf dem anderen Standort mit M. semilibera gemeinsam wachsend in einem
Mischwald von Eschen und Vogelkirschen.

Vogelkirsche ist aber eine Rosacee! Bei dem Standort unter Weiden war nicht auch zufällig noch wo ein Prunus padus oder sowas zugegen?

Da kann sich einem der Gedanke an Böhmische Verpeln schon aufdrängen, gell?
Insbesondere, wenn man sich all die anderen Käppchen am gleichen Standort
anschaut...

Der gepustelte statt genatterte Stiel verrät die Halbfreie aber dann doch ....

beste Grüße,
Andreas

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Re: Hundsrose

Gábor, (vor 6398 Tagen) @ Andreas

Hallo Gabor,
Hallo Andreas,
Vogelkirsche ist aber eine Rosacee! Bei dem Standort unter Weiden war nicht
auch zufällig noch wo ein Prunus padus oder sowas zugegen?
Momentan ist hier noch alles in voller Blüte und mir ist zumindest nichts dergleichen bewußt aufgefallen.

Leider ist die Stelle etwas weit weg, sonst würde ich da schnell noch vorbeiradeln.

Der gepustelte statt genatterte Stiel verrät die Halbfreie aber dann doch
Ist denn die Natterung immer so deutlich?

Ich meine auch schon mal Abbildungen ohne erkennbare Stielnatterung gesehen zu haben.
Auch das mit dem hell abgesetzten Hutrand scheint mir kein konstantes Merkmal zu sein.
Das man allerdings für die endgültige Gewißheit einen Fruchtkörper halbieren kann, ist eh klar...

beste Grüße,
Andreas
Schöne Grüße, Gábor