Frage an Meteorologen

Jochen Girwert, (vor 6372 Tagen)

Hallo miteinander,

meine folgende Frage ist typisch für Leute, die wohl sonst keine Sorgen haben:

Das ganze letzte Jahr kamen die Regengebiete aus dem Westen und lösten sich sozusagen mit dem Thüringer Wald auf. Mit den für mich in Erfurt bekannten deprimierenden Ergebnissen. Es ist ja auch einleuchtend und ganz typisch, dass nach dem Mittelgebirge der Regenschatten kommt. Richtig gut sind hier eigentlich nur Gebiete, die sich von Nordosten her ins Becken eindrehen. In den letzten Wochen ist das anders und m.E. völlig untypisch. Die Gewitterfronten kommen zwar immer noch aus Westen/Südwesten, überwinden den Thüringer Wald und gewinnen sogar teilweise an Kraft. Dafür sind diesmal andere benachteiligt.
Handelt es sich dabei um die zufälligen Wetterlaunen oder haben wir eine definierte Großwetterlage, bei der solche Ergebnisse typisch sind?
Übrigens: bitte weiter so und die Pilzfreunde in Sachsen-Anhalt usw. mögen bitte auch bedacht werden.

Alles Gute, Jochen.

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Re: Frage an Meteorologen

Stephan Weißer, (vor 6372 Tagen) @ Jochen Girwert

Hallo Jochen,

Es hängt vielleicht mit der Stärke der Tiefdruckgebiete (sehr niedrige HPa-Werte) sowie den daraus resultierenden Windgeschwindigkeiten zusammen, welche den Regenwolken über den Kamm hinweghelfen, bevor sie sich vollends abgeregnet haben (so wie letztes Jahr). Unstrittig ist meiner Meinung nach, dass sich kurz hinter dem Kamm des ThW eine veritable Wettergrenze befindet. Die war fast immer da, wenn ich von BY nach TH fuhr.

Auf jeden Fall teile ich deine große Vorfreude auf einen feuchten, pilzigen Sommer im Thüringer Becken, weil! du mir an dem von euch angekündigten Juli-Wochenende mal eure Erfurter Kalklaubwälder zeigen sollst, die ja nach dem schlimmen letzten Jahr so richtig Nachholbedarf haben müssen. Bin schon auf den Vergleich mit meinen Hohenloher Kalklaubwäldern gespannt.

Freundliche und erwartungsvolle Grüße nach TH
Stephan

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Re: Frage an Meteorologen

Rainer Wald, (vor 6372 Tagen) @ Jochen Girwert

Hallo guten Morgen Jochen!

ich bin zwar kein Metreologe, aber ich will es mal versuchen.

Was wohl der Hauptgrund für die zur Zeit (für uns Pilzler) günstigen Wetterverhältnisse ist, ist eine Luftmassengrenze die zur Zeit relativ fest quer über Deutschland liegt. Diese Luftmassengrenze verschiebt sich zwar immer ein wenig nach Süden und Westen und wieder zurück, aber geografisch gesehen wohl relativ ortsfest. Verursacht wird diese wohl durch ein kompacktes Tiefdrucksystem über der Iberischen Halbinsel(schaufelt feucht warme Luft aus Südwest) und einem relativ stabielen Hochdruckgebiet über Nord-Ost Europa, welche verhältnismäßig kühle aber vor allem trockene Luft dagegenhält.Tiefdruckgebiete drehen sich auf der Nordhalkugel gegen den Uhrzeigersinn, Hochdruckgebiete drehen sich mit dem selbigen. Wenn ich mich recht erinnere nennt der Fachmann das Korioliskraft oder so ähnlich. Auf der Südhalbkugel ist dies umgekehrt. An dieser Grenze schiebt sich dann die feucht-warme Südwestluft über die trockne verhältnißmäig kühle Nordost Luft. Durch diesen Aufgleitvorgang kommt es eben zu Niederschlägen. Wenn nun auch noch die Luft schräg aufeinander trifft entsteht die für Gewitter wohl ausschlaggebende Scherung die dann zu Entladungen führt! Dazu sind aber dann noch andere Punkte Notwendig wie Hebung und Taupunkt, aber das kann wohl nur ein Met erklären. Dann ist es zur Zeit auch relativ schwachwindig und die Niederschlagsgebiete ziehen nur sehr langsam weiter. Bei Kaltluftdurchgängen mit einhergehendem Luftmassenwechsel sind die Gewitter zwar auch sehr heftig, ziehen aber sehr schnell weiter und können dadurch nicht so viel Niederschlag an Ort und Stelle abregnen. Bei einer Luftmassengrenze spielt die geografische Lage wohl auch ehrer nur eine untergeordnete Rolle, weil sich der Aufgleitvorgang in höheren Luftschichten abspielt und vorgelagerte Gebirge nur bedingt einen Lee Effekt begünstigen können. Ich beobachte gleiches Verhalten hier auch in der Eifel. Wäre selbes Wetterverhalten etwas später im Jahr, würden die Folgen wohl etwas schwächer sein, da die zur Zeit noch kühle kontinentale Nordostluftmasse im Hochsommer wärmer wäre und dadurch an der Luftmassengrenze weniger Temperaturdifferenz weniger oder gar keine Niederschläge bringen würde. Jetzt im Frühjahr sind halt die Temperaturunterschiede von Süd nach Nordeuropa noch relativ Groß!

In groben Zügen müsste das die Antwort auf Deine Frage sein, natürlich nur in Laienausführung. Nicht umsonst ist Metreologie ein Studienfach, aber vielleicht gibt Georg Dir noch eine Hinweis.

Schönen Sonntag und viele Grüße,

Rainer

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Danke!! *oT*

Jochen Girwert, (vor 6370 Tagen) @ Rainer Wald

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