Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Gottfried, (vor 9235 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,
eher gewarnt durch die mageren Fundberichte der letzten Tage aber reichlich Regen (ca. 70 mm) bin ich heute Nachmittag mit verhaltenem Optimismus zur Pilzsuche in "meinen" Wald gegangen:
Ich wurde weder positiv noch negativ überrascht. Hier nun der Fund von Zeulenroda/ Ostthüringen:
1 eßbarer Perlpilz (mehrere madig),
12 graue Wulstlinge jung und gesund,
1 Pfefferröhrling und
2 Mini- Pfifferlinge, für mich ein Novum.
Zusammen mit einigen Shii- Take aus dem eigenen Anbau werde ich wohl doch eine Mahlzeit zusammen bekommen!
Bei mir setzt sich immer mehr der Gedanke fest, wonach die alte Regel stimmt, daß nach einem guten Pilzjahr (2000) ein eher mageres (2001) folgt. Doch darauf kann man sich auch nicht immer verlassen und deshalb hoffe ich weiter für dieses Jahr.

Beim Gang durch den Wald stelle ich eine Unsitte mit steigender Tendenz fest: Die Forstwirtschaftsbetriebe sägen das Unterholz ab und lassen es an Ort und stelle zurück. Diese so "vergewaltigten" Wälder sind damit für den Pilzsammler für Jahre undurchdringlich geworden. Die verantwortlichen Leute darauf angesprochen, begründen es mit ökonomischen Zwängen. Man kann über die untergegangene DDR denken wie man will: Da Geld und Profit eher zweitrangig waren, gab es solche Auswüchse nicht.
Auch ist zu beobachten, daß die Wälder zunehmend "vermüllt" werden. Heute z.B. hätte ich locker 5 DM Dosenpfand verdienen können, wenn das Gesetz nicht im Bundesrat zu Fall gebracht worden wäre!
Wie ist es im "Rest der Welt" mit diesen Problemen?

Gruß G.

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Mine-O, (vor 9235 Tagen) @ Gottfried

Hallo Gottfried.

Interessanter Beitrag.
Ich komme aus Hamburg und gehe in Niedersachsen und Schleswig Holstein Pilze sammeln. Dort wird das Unterholz abgesägt und an Waldpfaden auf kleine Stapel gelegt, die dort dann scheinbar unbeachtet vor sich hin modern. Hier kann man interessante Insektenlarven und Baumpilze finden. Daß das Unterholz einfach an Ort und Stelle liegengelassen wird, habe ich noch nicht beobachtet. Auf Müll bin ich auch gestossen, aber nicht auf Bierdosen. In der Nähe von größeren Straßen habe ich einmal eine durchwühlte Handtasche (offensichtlich die Beute eines Handtaschenräubers), ein anderes mal an einer anderen Stelle in Plastiktüten verpacktes Fleisch gefunden (Die Waldtiere hatten sich bereits des Inhaltes angenommen, anhand von Knochenfunden konnte ich den Inhalt als nicht menschlich identifizieren. -Hier wollte sicherlich jemand in seiner Tiefkühltruhe Platz schaffen). An einer anderen Stelle unfern der Straße, fand ich einmal ein paar pornografische Zeitschriften. Das sind Einzelfunde gewesen. Ansonsten findet man in den Wäldern in meiner Gegend wenig Müll, nur manchmal halt diese etwas unheimlichen Dinge.

Gruß Meino

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Re: Wenig Pilze, viele Unsitten und eine Frage

Frank H., (vor 9235 Tagen) @ Mine-O

Hallo zusammen,

zunächst mal die mageren Fundberichte von heute. Eine Hand voll Pfifferlinge, ein paar vereinzelte Täublinge und Perlpilze, und ein paar kleinere unidentifizierte Exemplare. Und dann habe ich noch einen Pilz gesehen, den ich nun überhaupt nicht einordnen konnte. Vielleicht kann mir einer von Euch weiterhelfen. Der Pilz war ziemlich groß, ca. 20 cm hoch, hatte einen dicken, weißen Stiel, einen im Querschnitt U-förmigen, großen Hut. Grundfarbe war hellbraun, aber auch mit dunkelbraunen Flecken. Die Lamellen waren weiß und das Fleisch ziemlich fest. Er stand unter einer alten Buche im Eichen/Buchenmischwald am Wegesrand. Ich stehe vor einem Rätsel.
Was die Unsitten anbetrifft, kann ich mich Gottfried nur anschließen. Auch bei uns ist viel Holz gemacht worden, und der Kleinkram ist im Wald liegen geblieben. Der starke Einschlag erklärt evtl. auch das weitgehende Ausbleiben der Pilze (Zerstörung des Mycels). Unrat ist bei uns im Wald Gott sei Dank nicht viel zu finden, allerdings am Waldrand sieht es teilweise aus wie auf einer Müllkippe. Eine Schande, die Verursacher gehören auf das Empfindlichste bestraft. Und leider sind die Waldwege durch das Abholen des Holzes durch schwere LKW in einem teilweise schlimmen Zustand, ist aber wohl nicht zu ändern. Das mit dem Restholz sehr wohl, aber da wird zumindest bei uns nichts passieren.
So bleibt mir nur, auf besssere Pilzzeiten zu hoffen.

Gruß, Frank

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rätselraten

coco, (vor 9234 Tagen) @ Frank H.

Hallo zusammen,
zunächst mal die mageren Fundberichte von heute. Eine Hand voll Pfifferlinge,
ein paar vereinzelte Täublinge und Perlpilze, und ein paar kleinere
unidentifizierte Exemplare. Und dann habe ich noch einen Pilz gesehen, den
ich nun überhaupt nicht einordnen konnte. Vielleicht kann mir einer von
Euch weiterhelfen. Der Pilz war ziemlich groß, ca. 20 cm hoch, hatte einen
dicken, weißen Stiel, einen im Querschnitt U-förmigen, großen Hut.
Grundfarbe war hellbraun, aber auch mit dunkelbraunen Flecken. Die
Lamellen waren weiß und das Fleisch ziemlich fest. Er stand unter einer
alten Buche im Eichen/Buchenmischwald am Wegesrand. Ich stehe vor einem
Rätsel.

hallo frank,

schwierig, schwierig. vielleicht ein schirmling oder egerlingsschirmling?

stielbasis? hutoberflächenstruktur? hutdurchmesser? lamellen angewachsen?

gruss

coco

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Re: Wenig Pilze, viele Unsitten und eine Frage

Mine-O, (vor 9234 Tagen) @ Frank H.

Hallo, Frank.

Die Beschreibung würde zu einem Parasolpilz bzw. Riesenschirmling (Lepiota procera) passen. Hast Du ein Pilzbuch? - Dann schau' doch mal nach, ob er es sein könnte.

Gruß Meino

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

bleem, (vor 9235 Tagen) @ Gottfried

Hallo Gottfried!

Hier bei mir ist es nicht anders! Da waren letztens 2 Waldarbeiter die im Auftrag des Försters Bäume umsägten die über die Hälfte der Waldwege ragten (Sicherheitsrisiko). Dagegen kann man ja nichts sagen,aber alles wird einfach ins Unterholz geschmissen, irgendwann holt es jemand ab-natürlich nur die Stämme-und der Rest (dicke Äste usw.) bleibt einfach liegen. Jetzt könnte man sagen, okay da freuen sich die Baumpilze in 1-2 Jahren, aber da es hier immer so gemacht wird sieht der Wald mittlerweile aus wie eine Holzmülldeponie. Ich denke es wäre besser wenn die mit einem Schredder in den Wald fahren und die Äste und sonstigen Holzabfälle für die Spanplattenindustrie schreddern anstatt sie so vergammeln zu lassen. Es gibt Gegenden da wird das so gemacht (einige Ecken in Bayern z.B.).

Ciao bleem

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Knud L., (vor 9235 Tagen) @ Gottfried

Hallo Pilzfreunde,

das Vermüllen des Waldes mit Unterholz stelle ich auch vermehrt fest.
Einer "meiner" besten Rotkappenwälder, wurde so undurchdringlich gemacht, dass ich nur noch einen großen Bogen um den Wald machen kann und an die schönen Rotkappen denke, die darin so vor sich hinmodern. Naja ein Gutes hat die ganze Sache ja zumindest, die Pilze können ungestört für Nachkommen sorgen.

Apropos Nachkommen, in anderer Hinsicht werden diese wohl nicht in Aussicht stehen.
Eine ganz andere Art der Vermüllung, sind die vielen Kondome die sich auf so manchen straßennahen Waldweg befinden. Wenn es wenigstens nur Kondome wären, wäre die ganze Sache ja gar nicht so schlimm, denn diese sind nunmal biologisch Abbaubar. Nein Sektflaschen, Plastbecher, MC-Donald's-Tüten, Kunstfaser-Steppdecken usw., halt alles was auf solch einer "Waldspielwiese" benötigt wird, bleibt unbeachtet liegen.

Anderer Müll wäre da z. B. Kühlschränke, Flaschen aller Art, Prospekte (in Bündeln) die ein netter Zusteller den Rehen nicht vorenthalten wollte, Autoreifen, Fernseher, Radios, Blumentöpfe um nur einiges zu nennen. Kurz gesagt der Müll einer Konsumgesellschaft. Warum nur macht man sich die Arbeit und fährt das Zeug kilometerweit in den Wald? Es gibt doch genug möglichkeiten seinen Müll auf legale Art loszuwerden!

Nochmal zurück zu der Sache mit dem Schnittholz und kleinstbäumen die im Wald verbleiben. Führt das nicht zu einen erhöten Waldbrandrisiko? Das Kleinholz ist trocken und ein mögliches Feuer hätte da genug "frische Nahrung" um sich ungestört ausbreiten zu können, kann man da nicht irgendetwas unternehmen? Ich denke da an Feuerwehr oder Bund Umwelt und Naturschutz, um den Waldbesitzer zum "Saubermachen" zu zwingen?

MfG Knud

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Gottfried, (vor 9234 Tagen) @ Gottfried

Hallo Pilzfreunde,
eher gewarnt durch die mageren Fundberichte der letzten Tage aber reichlich
Regen (ca. 70 mm) bin ich heute Nachmittag mit verhaltenem Optimismus zur
Pilzsuche in "meinen" Wald gegangen: Ich wurde weder positiv
noch negativ überrascht. Hier nun der Fund von Zeulenroda/ Ostthüringen: 1
eßbarer Perlpilz (mehrere madig),
12 graue Wulstlinge jung und gesund,
1 Pfefferröhrling und
2 Mini- Pfifferlinge, für mich ein Novum.
Zusammen mit einigen Shii- Take aus dem eigenen Anbau werde ich wohl doch
eine Mahlzeit zusammen bekommen!
Bei mir setzt sich immer mehr der Gedanke fest, wonach die alte Regel stimmt,
daß nach einem guten Pilzjahr (2000) ein eher mageres (2001) folgt. Doch
darauf kann man sich auch nicht immer verlassen und deshalb hoffe ich
weiter für dieses Jahr.
Beim Gang durch den Wald stelle ich eine Unsitte mit steigender Tendenz fest:
Die Forstwirtschaftsbetriebe sägen das Unterholz ab und lassen es an Ort
und stelle zurück. Diese so "vergewaltigten" Wälder sind damit
für den Pilzsammler für Jahre undurchdringlich geworden. Die
verantwortlichen Leute darauf angesprochen, begründen es mit ökonomischen
Zwängen. Man kann über die untergegangene DDR denken wie man will: Da Geld
und Profit eher zweitrangig waren, gab es solche Auswüchse nicht.
Auch ist zu beobachten, daß die Wälder zunehmend "vermüllt" werden.
Heute z.B. hätte ich locker 5 DM Dosenpfand verdienen können, wenn das
Gesetz nicht im Bundesrat zu Fall gebracht worden wäre!
Wie ist es im "Rest der Welt" mit diesen Problemen?
Gruß G.

...einen Nachtrag zu der geschilderten Misere in den Wäldern Ostthüringens und West- Sachsens: Neulich traf ich ein männliches "Kräuterweiblein". Auf die Unordnung in besagten Wäldern angesprochen meinte er kurz aber vielsagend und verschwand darauf: "Die sind ja schlimmer als wie die Kommunisten"!

Gruß G.

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Marcus B., (vor 9234 Tagen) @ Gottfried

Hallo Pilzfreunde,
Beim Gang durch den Wald stelle ich eine Unsitte mit steigender Tendenz fest:
Die Forstwirtschaftsbetriebe sägen das Unterholz ab und lassen es an Ort
und stelle zurück. Diese so "vergewaltigten" Wälder sind damit
für den Pilzsammler für Jahre undurchdringlich geworden. Die
verantwortlichen Leute darauf angesprochen, begründen es mit ökonomischen
Zwängen. Man kann über die untergegangene DDR denken wie man will: Da Geld
und Profit eher zweitrangig waren, gab es solche Auswüchse nicht.
Auch ist zu beobachten, daß die Wälder zunehmend "vermüllt" werden.
Heute z.B. hätte ich locker 5 DM Dosenpfand verdienen können, wenn das
Gesetz nicht im Bundesrat zu Fall gebracht worden wäre!
Wie ist es im "Rest der Welt" mit diesen Problemen?
Gruß G.

Hallo Gottfried und alle anderen

Bis vor einem Jahr hätte ich mich eurer Meinung über Unordnung im Wald kritiklos angeschlossen, denn damals ärgerte auch mich noch über die vielen großen Äste, Zweige und z. T. sogar Bäume im Wald die eine Pilzsuche manchmal fast zu einem Hindernislauf werden ließen und zugleich das Finden selbst erschwerten. Heute jedoch bin mit dem Verhalten der Forstleute einverstanden, denn es hat mir nämlich auch Vorteile gebracht. Die obengenannten Vorgänge fanden z.B. auch an 2 meiner besten Pilzstellen statt, mit dem Ergebnis das ich dort seitdem mehr Arten und insgesamt auch mehr Pilze finde. Denn da die Wälder von außen jetzt ziemlich chaotisch und somit abschreckend wirken kommen auch viel weniger Sammler in die betreffenden Bereiche weshalb ich dort jetzt teilweise mehr finde als vorher. Das liegt auch daran das unter den Ästen, die meist nicht näher untersucht werden, häufig viele und auch große Pilze wachsen, die sonst sofort von anderen Sammlern mitgenommen werden würden. Zudem sind viele Sammler zu bequem über die Pfade versperrende "Barrikaden" aus umgestürzten oder liegengelassenen Bäumen und Ästen zu steigen, was die Bereiche dahinter zu quasi sammlerfreien Zonen macht (und meinen Korb füllt). Alles in allem konnte ich keinen Pilzrückgang feststellen, im Gegenteil es kamen neue Arten (z.B. Hallimasch, Rauchblättriger Schwefelkopf, Perlpilz) hinzu, während die "alteingessessenen" (z.B. Steinpilz) in einigen Bereichen höchstens auf Normalmaß zurecht gestutzt wurden. Denn eines darf man nicht vergessen: Die aufgeräumten Wälder die ihr - und wohl auch viele andere - euch wünscht, sind in Wahrheit gar keine sondern nur Forste, also "Holzäcker in denen neben der Baummonokultur eben auch nur wenige Pilzarten, die aber massenhaft, vorkommen. Ziel der Forstämter ist diese "Wälder" auszulichten und somit neuen Baumarten eine Chance zu geben, die aus dem Gebiet wieder einen artenreichen naturnahen Mischwald machen sollen. Dazu dient auch das liegengelassene Unterholz in dem neue Tier-,Pflanzen- und Pilzarten eine neue Heimat finden sollen (besonders natürlich holzzersetzende Saprophyten). Die waren "vergewaltigten Wälder" sind also die Forste und ökonomische Zwänge könnten indem Fall auch Vermeidung von zukünftigen Kosten bei sturm- und schädlingsempfindlichen Monokulturen sein (siehe "Lothar" oder Borkenkäfer). Die Forstämter handeln also richtig und in meinem Fall sogar zu meinem Vorteil. (Wobei Forstämter natürlich auch viele Fehler machen, wie z. B. den Ausbau von Wegen zu geschotterten Forststraßen, damit man auch mit schwerem Gerät anrücken kann- natürlich inklusive Dränagegraben, egal ob man damit einigen Pilzen und Bäumen das Wasser abgräbt)

Gruß

Marcus B.

P. S.: In deiner Tageszeitung, Gottfried stand vor kurzer Zeit mal ein Artikel über dein Anliegen (es könnte auf der Internetseite der Zeitung noch zu finden sein).

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Mine-O, (vor 9234 Tagen) @ Marcus B.

Hallo, Marcus.

Ich habe mich über Deinen Beitrag gefreut. Ich hatte mir ähnliche Gedanken gemacht, mich nur nicht getraut, sie zu äußern. Ich dachte in einem "Urwald" wird ja auch das Unterholz nicht weggeschafft. Mir ist es auch ehrlich gesagt völlig egal, ob ich in dem Wald bequem gehen kann, oder nicht. Hauptsache er sieht gut und gesund aus und ist pilzreich.;-)
Wenn ein Wald allerdings so zuwächst, daß kein Licht mehr durchkommt, kann das ja auch nicht gut für unsere Pilze sein, die ja oft an lichten Plätzen zu finden sind, oder? -Ich weiß nicht genau.
Mit den Monokulturen sehe ich es genau so wie Du. -Gibt es eigentlich noch große richtige Mischwälder in Deutschland? Wie viele? -Sowohl die Fauna und Flora solcher Wälder ist bestimmt wesentlich artenreicher, inklusive der Pilze.
Ich bin mir, wie gesagt, nur nicht sicher ob es unseren Monokultur-Wäldern mit kontrolliertem Wildbestand bekommen würde, wenn man sie sich selbst überlassen würde. - "Urwälder" nach meiner Vorstellung würden es wohl nicht werden. Vielleicht sollte man hier einmal einen Förster fragen.

Gruß Meino

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Christoph ⌂, (vor 9233 Tagen) @ Mine-O

Hallo zusammen, hallo Meino

dass mit der Artenvielfalt im Naturwald ist nicht immer gesagt. Zum Teil sind naturnahe (!), aber bewirtschaftete Wälder was Großpilze angeht artenreicher als urwaldartige Bestände, zumindest, was die Anzahl Arten pro Fläche angeht (Bodenbewohner). Der Grund dafür ist nicht ganz klar. Aber nur so viel: die beiden beherrschenden Gesellschaften bei uns wären von Natur aus das Luzulo-Fagetum (saurer Buchenwald, u. a. durch Hainsimse gekennzeichnet) und das Galio-odorati-Fagetum (Waldmeisterbuchenwald, auf neutralen Böden). Dann kommt noch auf den wenigen reinen Kalkböden auch noch der Kalkbuchenwald dazu (z. B. Hordelymo-Fagetum). Die beiden ersten sind aber, was die Pflanzen angeht mit die artenärmsten Gesellschaften überhaupt. Wenige Arten werden dominant. Stört man immer wieder ein wenig, so gibt es immer neue Nischen, die wieder neu besetzt werden. Daher erhöht sich hier die Artenzahl vermutlich. Die große "natürliche" Artenvielfalt findet man meist nur auf Sonderstandorten (wieder in Bezug auf Gefäßpflanzen). Die obigen Gesellschaften bedecken wohl von Natur aus 95% Deutschlands. Im übrigen sehen "Urwälder" eines Luzulo-Fagetums auch aus wie Monokulturen: Hochwaldcharakter, wenn älter, kaum Pflanzenbewuchs, dafür viele tote, alte liegende Baumstämme. Das aber nur nebenbei. So richtig schöne "Mischwälder" waren auch eher (flächenmäßig) die Ausnahme. Sogar die meisten Flechten-Kiefern-Wälder waren früher Luzulo-Fageten. Was die Großpilze angeht, so scheint es auch so zu sein, dass kontinuierliche, leichte Störungen Artenvielfalt erhöhen können. Ich spreche hier nicht von Monokulturen wie Fichtenforste, sondern vom naturnahen Forst. Ich arbeite momentan in Dornfarn-Buchen-Tannenwäldern. Hier scheint es so zu sien. Beim Umbau von Monokulturen in naturnähere Gesellschaften (z. B. vom wiederum sehr artenreichen Flechten-Kiefern-Wald, z. B. in Brandenburg z. B. in Buchenwälder oder Eichen-Buchenwälder) scheinen aber zunächst allgemein die Artenzehlen zu sinken (Gefäßpflanzen), um dann wieder etwas anzusteigen. Der künstliche Flechtenkiefernwald bleibt aber deutlich artenreicher (ich sage nicht "besser"!!!). Es ist also sehr schwierig, hier zu argumentieren.
Wenn man auf Seiten der Pilze aber die Holzbewohner ansieht, z. B. corticioide Pilze, so sind natürlich die Urwälder, bzw. naturnahen Wälder am artenreichsten, da hier natürlich am meisten Totholz als Substrat rumliegt.

Fazit: Große Flächen Deutschlands sind eher artenarm gewesen (in Bezug auf Gefäßpflanzen und Boden-Großpilze, Holzpilze ausgenommen, diese besonders artenreich). Der "Urwald" sieht nicht aus wie ein Urwald, den wir uns vorstellen, bis auf's Totholz. Unsere Urwälder sind nur noch auf Sonderstandorten übrig, nämlich dort, wo der Mensch nicht holzen konnte (Fläche im Promille-Bereich, steile Berghänge, unzugängliche Gegenden etc.), daher sind wir hier auf Sonderflächen, die eben sehr "wild" aussehen, z. B. im Bayerischen Wald.
Um aber den vielen Holzbewohnern eine Chance zu geben, also den Pilzen, die selbst in unseren "langweiligen" Buchenhochwäldern artenreich waren, sollte man doch um jedes Stück Totholz im Wald froh sein!!!

Dass Totholz im Wald bleibt, finde ich daher für unbedingt notwendig. Der Lebensraum für unsere heimischen Pilze (darunter eben auch "Cortis", Porlinge, Schlauchpilze etc.) ist doch sicher wichtiger, als ein ungestörter Spaziergang durch den guten deutschen aufgeräumten Wald, den wir früher mal hatten. So ein Wald ohne Brombeeren im Unterwuchs und ohne häßliche Äste, da wo auch der letzte
Reiser aufgehoben wird. Das waren natürlich die beliebtesten Pfifferlingswälder (ausgemergelt, nährstoffarm, kaum frischer Humus --> Pfifferlinge in Massen).
Klar, dass der Pfifferling örtlich zurückgeht. Häufig bleibt der Pfiffer dennoch. Warum muss den unser "Wald" auf die Bedürfnisse der "Mycophagen" ausgerichtet werden. Wir können uns auch anders ernähren, egal wie schön das Hobby Pilzesammeln auch ist. Die vielen Insektenarten, Pilzarten und was noch immer, die auf Totholz angewiesen sind, können das nicht so einfach.
Freut Euch doch lieber, wenn der Wald "unordentlich" wird und das Holz kreuz und quer liegt. Also bin ich Meinos Meinung und auch der mancher anderer.

Ich weiß, dass manches etwas provozierend formuliert ist, aber vielleicht entsteht so eine weitere rege Diskussion.

Insofern sage ich: Das Überleben der heimischen Pilzflora ist mir wichtiger als ein mühelos gefüllter Pfifferlings- oder Steinpilzkorb!

In diesem Sinne: Macht weiter so, für einen "chaotischen" Wald, und gegen aufgeräumte Forste, egal ob im Westen oder ehemals kommunistischen Osten. Früher war eben nicht alles besser... ;=)

ciao, Christoph

P.S. Müll hat im Wald natürlich gar nichts zu suchen..., Holz und Streu schon

Hallo, Marcus.
Ich habe mich über Deinen Beitrag gefreut. Ich hatte mir ähnliche Gedanken
gemacht, mich nur nicht getraut, sie zu äußern. Ich dachte in einem
"Urwald" wird ja auch das Unterholz nicht weggeschafft. Mir ist
es auch ehrlich gesagt völlig egal, ob ich in dem Wald bequem gehen kann,
oder nicht. Hauptsache er sieht gut und gesund aus und ist pilzreich.;-)
Wenn ein Wald allerdings so zuwächst, daß kein Licht mehr durchkommt, kann
das ja auch nicht gut für unsere Pilze sein, die ja oft an lichten Plätzen
zu finden sind, oder? -Ich weiß nicht genau.
Mit den Monokulturen sehe ich es genau so wie Du. -Gibt es eigentlich noch
große richtige Mischwälder in Deutschland? Wie viele? -Sowohl die Fauna
und Flora solcher Wälder ist bestimmt wesentlich artenreicher, inklusive
der Pilze.
Ich bin mir, wie gesagt, nur nicht sicher ob es unseren Monokultur-Wäldern
mit kontrolliertem Wildbestand bekommen würde, wenn man sie sich selbst
überlassen würde. - "Urwälder" nach meiner Vorstellung würden es
wohl nicht werden. Vielleicht sollte man hier einmal einen Förster fragen.
Gruß Meino

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Piwo, (vor 9233 Tagen) @ Christoph

Hallo zusammen, hallo Meino
Warum muss den unser "Wald" auf die Bedürfnisse der
"Mycophagen" ausgerichtet werden. Wir können uns auch anders
ernähren, egal wie schön das Hobby Pilzesammeln auch ist. Die vielen
Insektenarten, Pilzarten und was noch immer, die auf Totholz angewiesen
sind, können das nicht so einfach.
Freut Euch doch lieber, wenn der Wald "unordentlich" wird und das
Holz kreuz und quer liegt. Also bin ich Meinos Meinung und auch der
mancher anderer.
Ich weiß, dass manches etwas provozierend formuliert ist, aber vielleicht
entsteht so eine weitere rege Diskussion.
Insofern sage ich: Das Überleben der heimischen Pilzflora ist mir wichtiger
als ein mühelos gefüllter Pfifferlings- oder Steinpilzkorb!
In diesem Sinne: Macht weiter so, für einen "chaotischen" Wald, und
gegen aufgeräumte Forste, egal ob im Westen oder ehemals kommunistischen
Osten. Früher war eben nicht alles besser... ;=)
ciao, Christoph
P.S. Müll hat im Wald natürlich gar nichts zu suchen..., Holz und Streu schon

Recht haste!!!

Piwo

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Marcus B., (vor 9233 Tagen) @ Piwo

Recht haste!!!
Piwo

Hallo Gottfried, Franz und alle anderen

Zunächst Franz: Das mit dem blauäugig möchte ich von dir noch mal erklärt haben. Des weiteren, vielleicht hast du mich mißverstanden, meinte ich natürlich nicht das anstelle der Nadel- jetzt Laubbäume in Reih und Glied und schön ordentlich gepflanzt werden sollte (wäre zudem wohl ziemlich teuer), sondern das auf den durch das Fällen entstandenen Flächen sich Bäume (z.B. Buche) natürlich (durch Samen in Früchten, die der Wind transportiert)ansiedeln (und gleichzeitig kostenlos)und somit sich der Wald im Laufe der Zeit von selbst umgestaltet. Der Mensch müßte solche von selbst entstandenen Schonungen dann nur noch (wenn nötig, wie in meinem Wald) vor Wildverbiß schützen.
Natürlich hast du recht Forstwirtschaft wird nicht für Pilzsammler gemacht, aber der Pilzsammler kann halt-selbst wenn von den Förstern ungewollt (bei deinen hast du wohl sehr viel Pech gehabt)- von einem Umbau des Waldes profitieren. Außerdem ist ein relativ naturnaher Mischwald billiger als eine Monokultur, da viel weniger Sturm- und Schädlingsanfällig. Und wenn dir wirklich "ne`Reihe Fichtenwald" fehlt (ich weiß nich wo du lebst, also korrigier mich wenn ich irre, aber ich tippe Süd- oder Westdeutschland, auf jeden Fall aber alte Bundesländer) kannst du dich ja an die thüringischen Forstämter wenden, die haben siherlich genug davon und würden vielleicht sogar etwas an dich abgeben.

Zu Gottfried: Auf Lichtungen im Wald siedeln sich neben Bäumen natürlich auch Waldblumen oder Stäucher an, womit der Wald wieder etwas artenreicher wird. Das Totholz speziell wird einerseits ebenfalls von Pflanzen (z.B. Moosen und Farnen) besiedelt, andererseits dient es den Saprobionten (oder Saprophyten, also Pilzen, Bakterien, Insekten und anderen Kleinstlebewesen, die organisches Material erst in organische und dann in anorganische Stoffe zersetzen und somit den Waldboden mit neuen Nährstoffen für die Pflanzen versorgen)als Lebensraum und Nahrung, dadurch siedeln sich viele kleine Arten an, auf die die anderen Waldbewohner indirekt angewiesen sind. Totholz hat also durchaus seine Berechtigung im Wald. (P.S.: Bin nicht nur Ostthüringer sondern auch Zeulenrodaer)

An Christoph noch eine Frage (gegenüber dir bin ich ja mit meinen 2 Jahren Bio-Grundkurs trotz 13 Punkten höchstens totaler Amateur, außerdem wird Ökologie im Unterricht aus Zeitmangel sowieso stark gekürzt): Wenn es stimmt das "Urwälder" in Deutschland artenärmsten Lebensräumen gehören, wie sieht es dann im doch als sehr artenreich geltenden Nationalpark und Urwald Bialowieza in Ostpolen aus? Liegt der Artenreichtum dort an einem anderen Waldtyp, dem Wild (Wisent, Wildschwein, Reh) das Lichtungen schafft und einige junge Bäume kurz hält (dann müssten aber auch Deutaschlands Wälder artenreicher sein), gibt es andere Gründe (z. B. das stets unverändert gebliebene Ökosystem) oder irre ich mich vielleicht sogar und dieser Wald ist eher artenarm?

Gruß

Marcus B.

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Re: Wenig Pilze und viele Unsitten im Wald

Christoph ⌂, (vor 9233 Tagen) @ Marcus B.

An Christoph noch eine Frage (gegenüber dir bin ich ja mit meinen 2 Jahren
Bio-Grundkurs trotz 13 Punkten höchstens totaler Amateur, außerdem wird
Ökologie im Unterricht aus Zeitmangel sowieso stark gekürzt): Wenn es
stimmt das "Urwälder" in Deutschland artenärmsten Lebensräumen
gehören, wie sieht es dann im doch als sehr artenreich geltenden
Nationalpark und Urwald Bialowieza in Ostpolen aus? Liegt der
Artenreichtum dort an einem anderen Waldtyp, dem Wild (Wisent,
Wildschwein, Reh) das Lichtungen schafft und einige junge Bäume kurz hält
(dann müssten aber auch Deutaschlands Wälder artenreicher sein), gibt es
andere Gründe (z. B. das stets unverändert gebliebene Ökosystem) oder irre
ich mich vielleicht sogar und dieser Wald ist eher artenarm?
Gruß Marcus B.

Hallo Markus,

leider war ich noch nicht im Bialowiyesh-Urwald. Hätte mal fast geklappt, aber eben nur fast. Das Gebiet ist ein Glücksfall, da es unzugänglich war und als jahrhundertelanges politischen Spannungsfeld zwischen Polen und Russland quasi unbesiedelt blieb. Allerdings soll später die Wilddichte durch den Menschen deutlich erhöht worden sein (für die Jagd), so daß es wohl auch kein "ganz echter" Urwald ist (hat mir ein Pflanzensoziologe während einer Diskussion in den Böhmischen Urwaldreservaten gesagt). Für die Böhmischen "urwälder" gilt das aber besonders, die waren großteils Jagdreviere und wurden deshalb nicht gerodet.
Aber das wichtigste: Bialowiyesh liegt jenseits der Kontinentalitätsgrenze der Buche. Die gibt's da gar nicht mehr, damit ist es ohnehin nicht mit Deutschland vergleichbar! Es ist ein großer Hainbuchen-Fichten-Wald (Carpinetum pinetosum) mit setllenweiser Eichendominanz auf nassen Böden. Es gibt zwar noch subatlantische Elemente (Quercus petraea - an der Ostgrenze ihres Areals(!), nur auf armen trockenen Standorten, Abies alba - selten -, Hedera helix, Taxus baccata inzwischen ausgestorben). Die Baumschicht ist aber dominiert von Carpinus betulus und Picea abies. Pinus silvestris und Populus tremula sind unbedeutend eingemischt(!). Quercus robur, wie gesagt nur an nassen Stellen dominat. Die Hainbuche ist der Charakterbaum des Bialowiyesh schlechthin. Die Fichte kam wohl erst sekundär dazu (soviel zum "Urwald").
Aber auch im Bialowiyesh ist die Artenvielfalt, was die Gefäßpflanzen angeht, gering. Bei Kronenschluß fehlt die Krautschicht fast ganz, bis auf Frühjahrsgeophyten (z. B. Buschwindröschen). Lichte Bereiche sind deutlich artenreicher. Es gibt aber auch viele Sonderstandorte, nasse Stellen , sehr arme Standorte etc., die sehr artenreich sind. Auch hier gilt, dass der Wald großteils artenarm ist (Gefäßpflanzen!), Sonderstandorte dafür sehr artenreich. Insgesamt ist also die Vielfalt im ganzen Nationalpark recht hoch.
Man kann ihn also wenig mit den Mitteleuropäischen Gesellschaften vergleichen. Aber auch hier gilt, dass durch das enorme Totholzangebot die Vielfalt an saprotrophen Organismen und allgemeinen Holzbesiedlern (Pilze und Flechten, Insekten, Bakterien etc. etc.) sehr hoch ist. Der Begriff "Artenreichtum" ist daher nur auf spezielle Organismengruppen anwendbar, da der selbe Standort für die einen Organismen artenarm, für die anderen artenreich ist.

Beispiel: Schilfröhricht. Gefäßpflanzen kannst Du an einer Hand abzählen, Pilzarten gibt's, aber nur wenige Spezialisten, dafür gibt's viele viele Tierarten(!). Deshalb ist auch Schilfröhricht wichtig.
Ich sage das nur, um eine Bewertung des Begriffes "artenreich"/"artenarm" als "gut"/"schlecht" zu vehindern.

Wenn Du was über die allgemeine Vegetationsökologie der einzelnen Klimazonen was nachlesen willst, so rate ich Dir den Walter & Breckle, Ökologie der Erde, UTB Gustav Fischer. Ist problemlos in Bibliotheken zu bekommen. Im Band 3, "Spezielle Ökologie der Gemäßigten und Arktischen Zonen Euro-Nordasiens" wirst Du auch über den Bialowiyesh fündig. Ich hab die zweite Auflage von 1994. Sind zwar viele Fachausdrücke drin, aber das Buch ist trotzdem gut lesbar. Wunderbar zum "schmökern".

Ich wünsch Dir viel Spaß mit der Biologie. Ich hatte Bio damals abgewählt (12te Klasse) und in der 13ten zwangsbelegen müssen mit katastrophalen Leistungen aus Desinteresse (glaube 8 Punkte oder so -> Faulheit). Ich bin über die Physik zur Biologie gekommen (etwas umständlich, aber das tiefe Interesse wurde erst später geweckt - durch die Pilze). Also fühl Dich mal nicht als "absoluter Amateur". Und glaub auch den sogenannten Experten nicht alles! Immer kritisch hinterfragen, so lernen beide Seiten was dazu.

Ich hoffe, die Infos zum Bialowiyesh sind interessant bzw. hilfreich.
Wenn jemand andersweitige Infos oder Thesen zum Bialowiyesh bzw. zur Waldökologie hat, bin ich auch sehr neugierig.

Ich wünsch Dir was, ciao, Dein Christoph :=)

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Erwiderung

Gottfried, (vor 9234 Tagen) @ Marcus B.

Hallo Marcus,
allein die Tatsache, daß Du auch Thüringer und dazu noch Ost- bist und ich Dich kritisieren muß, schmerzt mich gewaltig. Ich tue es aber trotzdem:

Wir sind uns sicher einig, daß wir wieder zu einer wirklichen Artenvielfalt im Wald zurückkommen müssen. Das bedeutet, daß Mischwälder mit verschiedenen Laub- und Nadelgehölzen neu entstehen sollen und die Monokulturen mit nur Fichte oder nur Kiefer out sein sollten. Dazu gehört aber nicht nur das sog. Großgrün- also Bäume. Artenvielfalt bedeutet nach meinem Verständnis auch Moose, Flechten , Gräser, Heidel- und Preiselbeeren, u. a. Bodenflora. Auch diese Pflanzen müssen auch eine Chance bekommen. Nur dann kann sich auch eine große Palette von Pilzarten entwickeln. In den von mir geschilderten Chaos in unseren Wäldern kann ich beim besten Willen keine solche Artenvielfalt auf viele Jahre hinaus erkennen. Das wir uns richtig verstehen: Ich bin nicht für: "Alle Affen auf die Bäume, der Wald wird gefegt!"
Wenn man mit Forstleuten über dieses Thema spricht, dann werden fast immer wirtschaftliche Zwänge vorgeschoben. Häufig bemerkt man aber auch unterschwelliges Bedauern dieses nicht nur für mich chaotischen Zustandes!

Gruß G.

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Bitte nicht böse sein ..

Franz Wollersheim, (vor 9233 Tagen) @ Marcus B.

Hi Markus B.,

Dein Stat ist schon in Ordnung für mich ... hat aber auch eine gewisse Blauäugigkeit ...(;-((

Das WIR uns alle verstehen:
Der Wald wird nicht bewirtschaftet, damit die Pilzsammler Erfolgserlebnisse aufweisen können !

Holzwirtschaft !

Habe Förster kennengelernt , die meine Beute (Pilz) neideten damals ... mir wurde vorgeschlagen ... 1/3 an Pilze abzugeben (Steinpilz) ....

oder nächstes Jahr würde ich in dem Revier keinen Steinpilz mehr sichten !

Ja - so war's !

Kein Steinpilz !!!

Deine Ausdünnung an Forst ... wird die Reihe an Nadelwald mit Laubwald ergänzt?

Oder wie soll ich Dein Stat verstehen ...?

Bei uns hier fehlt - NUR - ne Reihe Fichtenwald ... mehr nicht !

LG

franz

Hallo Gottfried und alle anderen
Bis vor einem Jahr hätte ich mich eurer Meinung über Unordnung im Wald
kritiklos angeschlossen, denn damals ärgerte auch mich noch über die
vielen großen Äste, Zweige und z. T. sogar Bäume im Wald die eine
Pilzsuche manchmal fast zu einem Hindernislauf werden ließen und zugleich
das Finden selbst erschwerten. Heute jedoch bin mit dem Verhalten der
Forstleute einverstanden, denn es hat mir nämlich auch Vorteile gebracht.
Die obengenannten Vorgänge fanden z.B. auch an 2 meiner besten Pilzstellen
statt, mit dem Ergebnis das ich dort seitdem mehr Arten und insgesamt auch
mehr Pilze finde. Denn da die Wälder von außen jetzt ziemlich chaotisch
und somit abschreckend wirken kommen auch viel weniger Sammler in die
betreffenden Bereiche weshalb ich dort jetzt teilweise mehr finde als
vorher. Das liegt auch daran das unter den Ästen, die meist nicht näher
untersucht werden, häufig viele und auch große Pilze wachsen, die sonst
sofort von anderen Sammlern mitgenommen werden würden. Zudem sind viele
Sammler zu bequem über die Pfade versperrende "Barrikaden" aus
umgestürzten oder liegengelassenen Bäumen und Ästen zu steigen, was die
Bereiche dahinter zu quasi sammlerfreien Zonen macht (und meinen Korb
füllt). Alles in allem konnte ich keinen Pilzrückgang feststellen, im
Gegenteil es kamen neue Arten (z.B. Hallimasch, Rauchblättriger
Schwefelkopf, Perlpilz) hinzu, während die "alteingessessenen"
(z.B. Steinpilz) in einigen Bereichen höchstens auf Normalmaß zurecht
gestutzt wurden. Denn eines darf man nicht vergessen: Die aufgeräumten
Wälder die ihr - und wohl auch viele andere - euch wünscht, sind in
Wahrheit gar keine sondern nur Forste, also "Holzäcker in denen neben
der Baummonokultur eben auch nur wenige Pilzarten, die aber massenhaft,
vorkommen. Ziel der Forstämter ist diese "Wälder" auszulichten
und somit neuen Baumarten eine Chance zu geben, die aus dem Gebiet wieder
einen artenreichen naturnahen Mischwald machen sollen. Dazu dient auch das
liegengelassene Unterholz in dem neue Tier-,Pflanzen- und Pilzarten eine
neue Heimat finden sollen (besonders natürlich holzzersetzende
Saprophyten). Die waren "vergewaltigten Wälder" sind also die
Forste und ökonomische Zwänge könnten indem Fall auch Vermeidung von
zukünftigen Kosten bei sturm- und schädlingsempfindlichen Monokulturen
sein (siehe "Lothar" oder Borkenkäfer). Die Forstämter handeln
also richtig und in meinem Fall sogar zu meinem Vorteil. (Wobei Forstämter
natürlich auch viele Fehler machen, wie z. B. den Ausbau von Wegen zu
geschotterten Forststraßen, damit man auch mit schwerem Gerät anrücken
kann- natürlich inklusive Dränagegraben, egal ob man damit einigen Pilzen
und Bäumen das Wasser abgräbt)
Gruß
Marcus B.
P. S.: In deiner Tageszeitung, Gottfried stand vor kurzer Zeit mal ein
Artikel über dein Anliegen (es könnte auf der Internetseite der Zeitung
noch zu finden sein).

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Pro Marcus und Meino.

Oktober, (vor 9233 Tagen) @ Marcus B.

Hallo Pilzgemeinde,

ein Wald ist dann unordentlich, wenn Sperrmüll, Dosen und Flaschen (die aus Glas) etc. im Wald herumliegen.

Dass zum Teil Holz da bleibt, wo es gewachsen ist, liegt hoffentlich an einer tieferen Einsicht der "Betreiber", da die Humusschicht ansonsten immer mehr ausmergelt wird und der Boden an Substanz verliert.

Ich spreche hier insbesondere für den Schwarzwald, der bis vor Jahren leider immer schwärzer geworden ist.
Wer einmal das Kinzigtal hoch fährt, kann diese Sünden überall bewundern.
Jeder bessere Sturm hebelt diese Fichtenfelder (Flachwurzler) aus.

Mittlerweise denken einige Waldbauern um und versuchen Mischwald zu etablieren und eben auch das Unterholz liegen zu lassen.

Das alles ist meiner Meinung nach für Pilze weder gut noch schlecht, nur für einige Arten besser und für andere Arten schlechter. Aber für einen Wald, der naturnah wachsen soll, immer ein Gewinn.

Oktober


Bis vor einem Jahr hätte ich mich eurer Meinung über Unordnung im Wald
kritiklos angeschlossen, denn damals ärgerte auch mich noch über die
vielen großen Äste, Zweige und z. T. sogar Bäume im Wald die eine
Pilzsuche manchmal fast zu einem Hindernislauf werden ließen und zugleich
das Finden selbst erschwerten. Heute jedoch bin mit dem Verhalten der
Forstleute einverstanden, denn es hat mir nämlich auch Vorteile gebracht.
Die obengenannten Vorgänge fanden z.B. auch an 2 meiner besten Pilzstellen
statt, mit dem Ergebnis das ich dort seitdem mehr Arten und insgesamt auch
mehr Pilze finde. Denn da die Wälder von außen jetzt ziemlich chaotisch
und somit abschreckend wirken kommen auch viel weniger Sammler in die
betreffenden Bereiche weshalb ich dort jetzt teilweise mehr finde als
vorher. Das liegt auch daran das unter den Ästen, die meist nicht näher
untersucht werden, häufig viele und auch große Pilze wachsen, die sonst
sofort von anderen Sammlern mitgenommen werden würden. Zudem sind viele
Sammler zu bequem über die Pfade versperrende "Barrikaden" aus
umgestürzten oder liegengelassenen Bäumen und Ästen zu steigen, was die
Bereiche dahinter zu quasi sammlerfreien Zonen macht (und meinen Korb
füllt). Alles in allem konnte ich keinen Pilzrückgang feststellen, im
Gegenteil es kamen neue Arten (z.B. Hallimasch, Rauchblättriger
Schwefelkopf, Perlpilz) hinzu, während die "alteingessessenen"
(z.B. Steinpilz) in einigen Bereichen höchstens auf Normalmaß zurecht
gestutzt wurden. Denn eines darf man nicht vergessen: Die aufgeräumten
Wälder die ihr - und wohl auch viele andere - euch wünscht, sind in
Wahrheit gar keine sondern nur Forste, also "Holzäcker in denen neben
der Baummonokultur eben auch nur wenige Pilzarten, die aber massenhaft,
vorkommen. Ziel der Forstämter ist diese "Wälder" auszulichten
und somit neuen Baumarten eine Chance zu geben, die aus dem Gebiet wieder
einen artenreichen naturnahen Mischwald machen sollen. Dazu dient auch das
liegengelassene Unterholz in dem neue Tier-,Pflanzen- und Pilzarten eine
neue Heimat finden sollen (besonders natürlich holzzersetzende
Saprophyten). Die waren "vergewaltigten Wälder" sind also die
Forste und ökonomische Zwänge könnten indem Fall auch Vermeidung von
zukünftigen Kosten bei sturm- und schädlingsempfindlichen Monokulturen
sein (siehe "Lothar" oder Borkenkäfer). Die Forstämter handeln
also richtig und in meinem Fall sogar zu meinem Vorteil. (Wobei Forstämter
natürlich auch viele Fehler machen, wie z. B. den Ausbau von Wegen zu
geschotterten Forststraßen, damit man auch mit schwerem Gerät anrücken
kann- natürlich inklusive Dränagegraben, egal ob man damit einigen Pilzen
und Bäumen das Wasser abgräbt)
Gruß
Marcus B.
P. S.: In deiner Tageszeitung, Gottfried stand vor kurzer Zeit mal ein
Artikel über dein Anliegen (es könnte auf der Internetseite der Zeitung
noch zu finden sein).

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Das mit dem Abholzen hat System ....

Franz Wollersheim, (vor 9234 Tagen) @ Gottfried

Hallo Gottfried,

vorige Woche Donnerstag laufe ich mit meiner besseren Hälfte unsere besten Pilzreviere ab ... wegen Überblick und so ... außerdem ist die Pfifferlingszeit da !
Was hab ich geflucht :...;-(( !

Frischer Abschlag in den besten Steinpilzrevieren bzw. Pfifferling....!

Überall!

Als wenn die Blödmänner sich nicht 4 Monate eher entscheiden könnten...

Trotzdem - bin ich mal gespannt wie's dieses Jahr ausgeht... dat mit Pilzesammeln / fotografieren und so.

Meine Erfahrung ist :
Wird der Wald gedünnt hat nur der Pfifferling eine Chance!

Ja - Müll mmmh - ist schon viel im Wald - nur von "Pilzsammler" bzw. Jagdberechtigte !!!

Oder was meint Ihr ...?

Spaziergänger werfen keinen Müll ( Flasche/Dose Bier mitten in den Wald bzw. vor einem Hochsitz die "Jägermeisterfläsch'chen" -- ist nach meiner Meinung/ Einschätzung ein zunehmendes Problem geworden ..

Bis morgen

franz

Hallo Pilzfreunde,
eher gewarnt durch die mageren Fundberichte der letzten Tage aber reichlich
Regen (ca. 70 mm) bin ich heute Nachmittag mit verhaltenem Optimismus zur
Pilzsuche in "meinen" Wald gegangen: Ich wurde weder positiv
noch negativ überrascht. Hier nun der Fund von Zeulenroda/ Ostthüringen: 1
eßbarer Perlpilz (mehrere madig),
12 graue Wulstlinge jung und gesund,
1 Pfefferröhrling und
2 Mini- Pfifferlinge, für mich ein Novum.
Zusammen mit einigen Shii- Take aus dem eigenen Anbau werde ich wohl doch
eine Mahlzeit zusammen bekommen!
Bei mir setzt sich immer mehr der Gedanke fest, wonach die alte Regel stimmt,
daß nach einem guten Pilzjahr (2000) ein eher mageres (2001) folgt. Doch
darauf kann man sich auch nicht immer verlassen und deshalb hoffe ich
weiter für dieses Jahr.
Beim Gang durch den Wald stelle ich eine Unsitte mit steigender Tendenz fest:
Die Forstwirtschaftsbetriebe sägen das Unterholz ab und lassen es an Ort
und stelle zurück. Diese so "vergewaltigten" Wälder sind damit
für den Pilzsammler für Jahre undurchdringlich geworden. Die
verantwortlichen Leute darauf angesprochen, begründen es mit ökonomischen
Zwängen. Man kann über die untergegangene DDR denken wie man will: Da Geld
und Profit eher zweitrangig waren, gab es solche Auswüchse nicht.
Auch ist zu beobachten, daß die Wälder zunehmend "vermüllt" werden.
Heute z.B. hätte ich locker 5 DM Dosenpfand verdienen können, wenn das
Gesetz nicht im Bundesrat zu Fall gebracht worden wäre!
Wie ist es im "Rest der Welt" mit diesen Problemen?
Gruß G.

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Re: Das mit dem Abholzen hat System ....

Mine-O, (vor 9233 Tagen) @ Franz Wollersheim

Ich habe noch keinen Pilzsammler kennengelernt, der Müll in den Wald schmeißt.

Meino

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Re: Das mit dem Abholzen hat System ....

Matzinger, (vor 9233 Tagen) @ Mine-O

Ich habe noch keinen Pilzsammler kennengelernt, der Müll in den Wald
schmeißt.
Meino

Dem kann ich mich nur anschließen.

Matzinger

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Re: Das mit dem Abholzen hat System ....

Nordlicht, (vor 9232 Tagen) @ Matzinger

Also ich kenne auch keine Pilzsammler, die Müll in den Wald schmeißen. Nichtsdestrotrotz müssen wir immer wieder erschreckenderweise feststellen, daß einige Leute den Wald mit einer Sperrmüllhalde verwechseln. Alte Fahrräder, Autoreifen und sogar Kinderwagen sind keine Seltenheit auf unseren Pilzgängen.

Nordlicht