Psilos im Kiefernwald *PIC*

Ingo, (vor 6226 Tagen)

Hallo Pilzepilze,

nach zweiwöchiger Abwesenheit in meinem Campingareal bot sich mir bei meiner Ankunft am vergangenen
Freitag ein verheißungsfroher Anblick:

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Hat da ein Scherzkeks nachgeholfen, oder sollte etwas dran sein?! Obwohl – als erfahrenen Kenner
der Materie weiß man auch, dass es eine Weile dauert, bis nach einer Dürre etwas Pilziges wächst.

Was mir zum Zeitpunkt des Auslösens meiner Knipse nicht ganz klar war: Das Problem mit dem mangelnden
Niederschlag sollte sich für dieses Jahr wohl erledigt haben. Im Gegenteil – es schüttete das gesamte
Wochenende, mehr oder weniger, weiter.

Das eigentliche Problem für uns Pilzfreunde kommt nun aus einer ganz anderen Richtung unerbittlich
auf uns zu. Es ist mitunter weiß und lässt auch Wasser gefrieren. Bei wem der Groschen jetzt noch nicht
gefallen ist, der möge sich mal kurz auf aktuellen Wetterseiten im www umtun. Es scheint, als sollte eine
ganze Jahreszeit ausfallen. Vergangene Woche noch 30 Grad im Breisgau und genau eine Woche später
Schnee und Dauerfrost in den Mittelgebirgen. Dazu in den Gefilden genau südlich von Dänemark deutliche
Nachtfröste. Das Ganze, bevor sich der erste Hallimasch hier blicken ließ!

Egal – Schluß mit dem Gejammer. Ändern kann man’s eh nicht. Ein paar hübsche Funde konnte ich im
Regenwald immerhin machen. Belichtungszeiten von mitunter zwei Sekunden bei Blende 7 waren Pflicht.

Impressionen einer verloren gegangenen Jahreszeit:

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Ich dachte zuerst, da liegt ein Haufen Weinlaub. In diesen Massen hatte ich die Holzritterlinge
auch noch nicht. Hübsch bunt jedenfalls.

Man mag es kaum glauben, aber es gab nicht einen brauchbaren Röhrling zu sehen. Ein paar
gammelige Maronen, die es wohl noch in der Dörre versucht hatten. Null Butterpilze, Kuh- und
Körnchenröhrlinge. Dafür gab es eine Menge Täublinge zu sehen. Wenn es permanent nässt,
mag ich mich damit aber nicht so gerne auseinander setzen. Im Regen sehen einige wie lackiert aus:

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Tränentäubling (R. sardonia)

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Roter Heringstäubling (R. xerampelina)

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und noch ein schöner Fund. Die Rötenden Schmutzstachelinge (Bankera fuligineoalba) hatten in
unseren geschundenen, weil frisch abgeholzten, Kiefernwäldern einen neuen Standort aufgemacht.

Zum Ende noch der Namensgeber vom Thread:

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Das sollte Psilocybe/Stropharia squamosa sein. Bis auf die etwas bläuliche Lamellenfarbe passt eigentlich
alles. Mit welchem Laubgehölz die verwirtschaftet waren, konnte ich nicht heraus finden. In der Nähe gab es
unbestimmbare Sträucher. Möglicherweise war da auch eine alte Robinienwurzel im Spiel.
Vielleicht konnte ich aber mit der Überschrift ein paar einseitig interessierte
Pilzfreunde locken, und ihnen einige bislang unbekannte Arten näher bringen.
Wenn nicht – sorry dafür!

Übrigens – eine kleine, sehr delikate Mahlzeit hatte ich dennoch zusammen bekommen. Ein Drittel davon
machten die Heringstäublinge aus. Der Rest bestand aus einer Schleierlings- und drei Ritterlingsarten.
Hat schon mal jemand beobachtet, daß die Heringstäublinge den Kochsud färben wie Rotkraut?

Eine erfolgreiche Woche noch - Ingo

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bunte Tauben

Kattugla, (vor 6226 Tagen) @ Ingo

...

Hat schon mal jemand beobachtet, daß die Heringstäublinge den Kochsud färben
wie Rotkraut?...

...der Farbstoff ist in der Huthaut (auch in der von anderen Täublingen) und bindet sich an Zellulose - im Unterschied zu den sich an Eiweiß (Keratin) bindenden Farbstoffen in den Cortinarien oder der Polyporsäure in Hapalopilus zum Beispiel... *g*

Das Chromophor heisst Pteridin (hier Russupteridin), Schmetterlinge machen sich damit übrigens auch bunt. Riboflavin (Vitamin B2) gehört z.b. auch zu den Pteridinen.

Leider zu wenig Farbstoff für mich, um damit Leinengarn zu färben, man bräuchte eine Wagenladung voll... so viel Geduld, kiloweise Tauben zu skalpieren, hatte ich bislang noch nicht... *g*

Grüße aus dem fröstelnden Taunus
(der Startschuss für die Dermocyben hoffe ich!)
Kattugla

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Re: bunte Tauben

coco, (vor 6225 Tagen) @ Kattugla

hallo kattugla,

(der Startschuss für die Dermocyben hoffe ich!)

zum täublinge färben??? dann versteh ich endlich, wo der romagnesi immer seine neuen arten herzaubert :)

deine neu site gefällt mir überigens sehr gut.

schöne grüsse

coco

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Re: bunte Tauben

Ingo, (vor 6225 Tagen) @ Kattugla

...

Hallo Kattugla,

danke für die Aufklärung. Deiner Antwort entnehme ich, dass du dich
mit naturellen Färbemethoden beschäftigst.
Da drängt sich bei mir die Frage auf, ob derartig gefärbte Stoffe
eigentlich Wäsche vertragen, ohne komplett zu entfärben.
Mit gewissen Beimengungen vielleicht?

LG Ingo

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Re: bunte Tauben

Kattugla, (vor 6225 Tagen) @ Ingo

Hallo Kattugla,
danke für die Aufklärung. Deiner Antwort entnehme ich, dass du dich
mit naturellen Färbemethoden beschäftigst.
Da drängt sich bei mir die Frage auf, ob derartig gefärbte Stoffe
eigentlich Wäsche vertragen, ohne komplett zu entfärben.
Mit gewissen Beimengungen vielleicht?
LG Ingo

Beimengungen sind eigentlich nur begrenzt nötig, eher, um die Faser oberflächlich aufzuschließen, als irgendwas zu fixieren. Üblich und seit langem als Faserbeize gebräuchlich sind Alaun, Weinstein oder Tonerde. Es geht aber auch ohne. Das Farbergebnis wird nur blasser.
Alle Pflanzenfarben und die meisten Farben in Pilzen gehen problemlos feste Verbindungen mit den Proteinketten des Keratins ein - Wolle und Seide dauerhaft zu färben ist also ein Kinderspiel.
Putzig sind die zum Teil deutlichen Reaktionen auf pH-Wert-Veränderungen: das satte Krapprot, das z.B. Cortinarius semisanguineus auf Wolle hinterläßt, wird ganz heftig brombeerig, wenn es in basisches Milieu (z.B. Kernseife *g*) gerät.

Anders ist es mit den Zellulosefasern. Dauerhafte Färbungen werden auf Leinen oder Baumwolle nur erreicht, wenn z.B. gerbsäurehaltige Farben zum Einsatz kommen, wie Walnusschalen oder verschiedene Baumrinden. Oder die Färbung per Küpe erfolgt (chemisches Aufbereiten des Farbstoffs durch Fermentation und/oder Oxidation, stinkt gräuslich!) wie bei Indigo. Das bleibt dann auch dauerhaft.

Daher sind ja die Täublinge so interessant.

Pflanzen- resp. Pilzfarben sind beständiger, als unser fortschrittsgläubiger Technologiewahn uns Glauben macht.
Anders ist auch nicht zu erklären, dass zum Teil 2500 Jahre alte Textilfunde noch immer deutlich farblich zu identifizieren sind.
*kicher* - stell Dir das mal mit Polyester vor...

*winks* und noch eine erfolgreiche Restwoche!
schöne Grüße aus dem Taunus (derzeit 2,5°C, das geht heute Nacht noch unter Null)
Kattugla

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Re: bunte Tauben

Ingo, (vor 6225 Tagen) @ Kattugla

*winks* und noch eine erfolgreiche Restwoche!
schöne Grüße aus dem Taunus (derzeit 2,5°C, das geht heute Nacht noch unter
Null)
Kattugla

Tja, danke nochmal für die ausführliche Antwort,
ich denke, ich werde meine Klamotten doch weiter bei C&A und Co. beziehen.

ich hoffe, die Pilze werden's bei euch überleben. Eigentlich ist ja
Hochsaison.

LG Ingo

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Re: Psilos im Kiefernwald

HARZPILZCHEN, (vor 6225 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo
Schön, daß es jetzt bei dir losgeht.

----- Der Rest bestand aus einer Schleierlings- und drei Ritterlingsarten.

Das würde mich echt mal interessieren, was du da verspeist.

LG Hartmut

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Re: Psilos im Kiefernwald

Ingo, (vor 6225 Tagen) @ HARZPILZCHEN

----- Der Rest bestand aus einer Schleierlings- und drei Ritterlingsarten.
Das würde mich echt mal interessieren, was du da verspeist.

Wirklich?

Was denn besonders. Der Schleierling oder die Ritterlinge?
Bekanntlich gibt es ja unbedenkliche Schleierlinge im Kiefernwald.
Nach Bon existieren auch nur 2,5 nachweislich giftige Ritterlingsarten.
Der Rest ist reine Spekulation. Oder Phantasie. ;-))

*ggg* Ingo