Dürre im Norden

Ralph, (vor 6224 Tagen)

Hallo, hier jetzt mal ein ganz banaler Eintrag:
Ich bin jetzt 42 Jahre alt und Gärtner - also immer "im Wetter".
So ein trockenes Jahr habe ich noch nie erlebt.
Es gibt bei uns einfach keine Pilze (Fruchtkörper !). Keine Steinpilze,
keine Maronen, keine Täublinge und keine Knollenblätterpilze.
Sogar Fliegenpilze und Kartoffelbovisten sind nicht da.
Das Jahr war einfach katastrophal trocken - meine Frage: Ist das Mycel dauerhaft geschädigt ? Sind die Mykorriza-Symbiosen dauerhaft geschädigt ?
Die Bäume leiden - das ist ganz klar erkennbar. Jede Baumart hat neue Schädlinge (Pilze, Insekten, Bakterien) - für mich eine Folge der milden Winter.
Der Umbruch der Natur in den letzten 30 Jahren (das habe ich erlebt) ist unglaublich !!!
Ich komme übrigens aus der nordwestlichen Richtung von Hamburg - Itzehoe.

Was meint Ihr......

Viele Grüße

Ralph

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Re: Dürre im Norden

Rainer Wald, (vor 6224 Tagen) @ Ralph

Hallo guten Morgen Ralph,

ich denke ich kann Deinen Unmut verstehen, wenn gleiche es hier im Westen schon etwas besser war wie gar nichts. Aber ich denke auch dass es solche Jahre immer mal wieder geben wird. Die Niederschlagsereignisse sind im Sommer fast immer konvektiv, also durch Gewitter oder Kaltfronten und dergl. Konvektive Regenereignisse haben aber auch die Eigenschaften dass es nicht jeden trifft und es soll sogar richtige Zugbahnen von z.B. Gewittern geben. Des weiteren hatten wir in diesem Jahr so gut wie keine Westdrift und der Atlantik war weitgehend durch andere Luftströmungen abgeschottet und Tiefdruckgebiete mit Skaligem Regen, also richtigem Landregen blieben weitestgehend aus. Sie kamen mal kurz für 2-3 Tage aber so einen herrlichen versifften Monat wie der August 2006 hatten wir nicht mehr. Gut, ich glaube in Thüringen und im Harz war der Juni und Juli ganz gut mit Landregen versorgt und die meisten Poster von dort berichteten von guten Funden und das es außergewöhnlich sei. Selbst starke Gewitter mit NSS um 40 Liter reichen nicht aus wenn einen Tag später die Sonne mit 30 Grad darauf eindrischt und dazu noch mit einem frischen furztrockenen Ostwind. Da liegt die Verdunstungsrate gleich bei 15 Litern pro m² am Tag und die erforderliche Luftfeuchtigkeit fehl somit dann auch. Im August und September, also in der Hauptzeit der Sommerpilze dann Hochduck Open End und Supi Sommer, tolle Wurst. Es ist aber auch bekannt das der September mit der am meisten hochdruckanfälligste Monat überhaupt ist. Neben der fehlenden Westdrift fehlten nun auch noch die durch instabile Luftschichten entstehenden Gewitter. auch das ist normal auch wenn ich jemand bin der sich darüber am meisten aufregt!:-)

Fakt ist das wir eine Klimaerwärmung haben warum letztendlich auch immer. Selbst erfahrene Wissenschaftler hauen sich diesbezüglich die Köpfe ein. Ich versuche das neutral zu sehen. Wenn man bedenkt das vor etwa 10.000 Jahren ein 2 Kilometer dicker Gletscher vor meiner Haustüre lag und fast ein ganzes Jahr Dauerfrost herrschte. Und wenn man bedenkt das der Meeresspiegel im laufe der Jahr Millionen um Hunderte Meter gestiegen und gefallen ist und das die Alpen mal Meeresboden war dann ist das was wir jetzt erleben doch eher weniger beeindruckend, wenngleich auch mit fataleren folgen weil es nun eben eine viel dichtere Bevölkerung gibt.

Auch Fakt ist wohl auch das die Pilze zu immer ungewohnteren Zeiten kommen werden. Am letzten Wochenende gab es bei uns in der Eifel einen knack frischen Satanspilz. Sonst ist hier spätestens Mitte bis Ende September Schluss mit Satanspilzen. Ein Zeichen dafür das auch er sich hier anpasst???. Warum nicht, in den Mittlemeerländern geht nun die Röhrlingssaison erst los. Unsere Aufgabe wird es wohl mehr und mehr sein sich versuchen in die Pilze hineinzudenken (auch wenn wir es nicht wirklich schaffen werden). Und lass den Kopf nicht hängen, auch bei Dir werden sie irgendwann wieder reichlich vorhanden sein.
Wie gesagt das sind so meine Gedanken und jeder andere hat wieder andere Gedanken dazu weilche wohl genauso richtg sind!

Herzlichze Grüße und ein schönes Wochenende,

Rainer

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Re: Dürre im Norden

Thomas Pruß, (vor 6224 Tagen) @ Ralph

Moin Ralph,
ich hatte dieses Jahr auch böse zu kämpfen, auch, weil es in NF noch weniger Wald gibt als bei euch in der Gegend. Aber in den letzten Wochen hat es doch noch ganz ordentlich geschoben, wenngleich die Artenzahl gering war, die Individuenzahl dagegen hoch. Aber ich glaube nicht, dass so ein trockenes Jahr den Pilzen schadet. Wir hatten schon "schlimmeres" Wetter …
Warst du schon mal auf der Rhinplatte zum Pilze suchen? Immer, wenn ich nach Wischhafen rüber gefahren bin, hatte ich den Drang, dort mal zu landen – natürlich auch wegen der Angelmöglichkeiten. Aber Pilze sollte es dort eigentlich auch geben.
Grüßlis
Thomas

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Re: Dürre im Norden

Stephan Weißer, (vor 6224 Tagen) @ Ralph

Es gibt bei uns einfach keine Pilze (Fruchtkörper !).

Das ist bei uns (Nordwürttemberg) genau so, obwohl es in den letzten zwei Wochen viel geregnet hat. Der Regen kam aber für diesen Herbst wohl zu spät, um noch etwas zu bringen. Und die derzeitige Kälte ist natürlich auch nicht gerade unterstützend.

Keine Steinpilze,
keine Maronen, keine Täublinge und keine Knollenblätterpilze.
Sogar Fliegenpilze und Kartoffelbovisten sind nicht da.

Fliegenpilze gibt es bei uns zur Zeit komischerweise reichlich - die Fichtenwälder mit eingestreuten Birken sind voll davon, wie auch mit Gelben Knollenblätterpilzen und Kartoffelbovisten. Neben Hallimasch ist das der einzige Pilz, der momentan bei uns fruktifiziert.

Dass es keine Cortinarien, Ramarien, Tricholomas, Hygrocyben und Hygrophoren gibt - also praktisch alles, was im herbstlichen Wald mykologisch interessant ist - nun, das muss ich dieses Jahr wohl hinnehmen. Aber wenn ich euch mal aufzähle, was in diesem Herbst bei uns einen Totalausfall hat, erkennt ihr das ganze Ausmaß:
bisher kein/keine einzige/r
- Marone
- Violetter Rötelritterling
- Nebelgrauer Trichterling
- Falscher Pfifferling
- Grauer Erdritterling
- Horngrauer Rübling/Butterrübling
- Rettichfälbling
- Trompetenpfifferling

Schon krass, oder?

Jetzt gibt es dieses Jahr noch genau zwei Chancen für mich, interessante Pilze zu sehen, falls noch einmal Tiefsttemperaturen von mindestens 8 Grad erreicht werden sollten: die sandigen Kiefernheiden in der Oberrheinischen Tiefebene und im Fränkischen sowie ein paar Saftlingswiesen. Aber mit den Waldpilzen, fürchte ich, wird das heuer nichts mehr.

Das Jahr war einfach katastrophal trocken - meine Frage: Ist das Mycel
dauerhaft geschädigt ? Sind die Mykorriza-Symbiosen dauerhaft geschädigt ?

Das glaube ich nicht, ich glaube eher, dass es nächstes Jahr bei dann günstigerem Wetter doppelt und dreifach kommt. So war es nach dem letzten super-schlechten Pilzjahr 2003.

Aber so ist nun mal die Natur - sie ist uns gegeben, und wir haben es hinzunehmen. Und ärgern bringt sowieso nichts.

Freundliche Grüße
Stephan

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Re: Dürre im Norden

Ralph, (vor 6224 Tagen) @ Ralph

Hallo, hier jetzt mal ein ganz banaler Eintrag: Ich bin jetzt 42 Jahre alt
und Gärtner - also immer "im Wetter".
So ein trockenes Jahr habe ich noch nie erlebt.
Es gibt bei uns einfach keine Pilze (Fruchtkörper !). Keine Steinpilze,
keine Maronen, keine Täublinge und keine Knollenblätterpilze.
Sogar Fliegenpilze und Kartoffelbovisten sind nicht da.
Das Jahr war einfach katastrophal trocken - meine Frage: Ist das Mycel
dauerhaft geschädigt ? Sind die Mykorriza-Symbiosen dauerhaft geschädigt ?
Die Bäume leiden - das ist ganz klar erkennbar. Jede Baumart hat neue
Schädlinge (Pilze, Insekten, Bakterien) - für mich eine Folge der milden
Winter.
Der Umbruch der Natur in den letzten 30 Jahren (das habe ich erlebt) ist
unglaublich !!!
Ich komme übrigens aus der nordwestlichen Richtung von Hamburg - Itzehoe.
Was meint Ihr......
Viele Grüße
Ralph

Vielen Dank für die Antworten und Gedanken zu dem Thema !
Thomas: Ich war noch nie auf der Rhinplatte. Pagensand kenne ich wie meine Westentasche - allerdings nicht im Herbst - aber ich bin noch nie auf die Idee gekommen die Rhinplatte zu besuchen.... Wieso weiß ich nicht.... Werde nächste Woche in Glückstadt nochmal dem Zander nachstellen - dann sehe ich mir die Rhinplatte noch mal genau an - aus der Ferne - aber nächstes Jahr "mach ich da mal rüber". Erst mal sehen wie die Vorschriften sind...

Gruß Ralph

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Re: Dürre im Norden

Ralph, (vor 6224 Tagen) @ Thomas Pruß

Moin Ralph,
ich hatte dieses Jahr auch böse zu kämpfen, auch, weil es in NF noch weniger
Wald gibt als bei euch in der Gegend. Aber in den letzten Wochen hat es
doch noch ganz ordentlich geschoben, wenngleich die Artenzahl gering war,
die Individuenzahl dagegen hoch. Aber ich glaube nicht, dass so ein
trockenes Jahr den Pilzen schadet. Wir hatten schon
"schlimmeres" Wetter …
Warst du schon mal auf der Rhinplatte zum Pilze suchen? Immer, wenn ich nach
Wischhafen rüber gefahren bin, hatte ich den Drang, dort mal zu landen –
natürlich auch wegen der Angelmöglichkeiten. Aber Pilze sollte es dort
eigentlich auch geben.
Grüßlis
Thomas

Ach Thomas - nochwas - hast Du ev. davon gehört das irgendein Pilzexperte
hier bei uns im Norden eine (oder mehrere) Winterpilz-Führung(en) anbieten will ?
Da wäre ich gerne dabei - weißt Du irgendetwas darüber ?
Den Kameraden, der mir das erzählt hat (mitten im Wald in Warringholz), habe ich noch nicht wieder getroffen.

Gruß Ralph

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Re: Dürre im Norden

ulrika, (vor 6224 Tagen) @ Ralph

Hallo Ralph,
ich war in den letzten Tagen westlich und östlich von Hamburg unterwegs. Jeweils nur eine Marone gesehen! Kremplinge stehen herum, aber die soll man ja lieber nicht in die Pfanne hauen. Ich traf allerdings eine junge, ungesprächige Russin, die fleißig Kremplinge sammelte. Ansonsten habe ich schon viele mir unbekannte Pilze gesehen, also hoffe ich, dass die Röhrlinge noch kommen. Ach ja, Spuren von zwei Krausen Glucken fand ich. Da war jemand früher dran ;-) Und dann gibt es ja noch die Vierbeiner; von denen sah ich auch allerhand Spuren und die wissen auch, was schmeckt.
Dir viel Pilz-Glück
Gruß Ulrike

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Re: Dürre im Norden

Pilzfeld, (vor 6224 Tagen) @ Ralph

Ich kann dich ein ganz bischen beruhigen. Ich habe 10 Jahre in Hamburg gewohnt und war entsetzt wie wenig dort Pilzmässig überhaupt los ist. Ich kann nur empfehlen die 40 km in den Sachsenwald zurückzulegen um dort wieder ein wenig mykologische Versöhnung zu finden. Interessanterweise gab es aber in der Stadt, ausgerechnet in den Vorgärten eigentlich immer verlässliche Aktivität (wenn auch eher so Tropfen-auf-den-Heißen-Stein-mässig.) Mittlerweile wohne ich in Bayern, und hier ist ein wahres Feuerwerk ausgebrochen. Muss am Nordwesten liegen. Meine Meinung.

lG
pilzfeld

Hallo, hier jetzt mal ein ganz banaler Eintrag: Ich bin jetzt 42 Jahre alt
und Gärtner - also immer "im Wetter".
So ein trockenes Jahr habe ich noch nie erlebt.
Es gibt bei uns einfach keine Pilze (Fruchtkörper !). Keine Steinpilze,
keine Maronen, keine Täublinge und keine Knollenblätterpilze.
Sogar Fliegenpilze und Kartoffelbovisten sind nicht da.
Das Jahr war einfach katastrophal trocken - meine Frage: Ist das Mycel
dauerhaft geschädigt ? Sind die Mykorriza-Symbiosen dauerhaft geschädigt ?
Die Bäume leiden - das ist ganz klar erkennbar. Jede Baumart hat neue
Schädlinge (Pilze, Insekten, Bakterien) - für mich eine Folge der milden
Winter.
Der Umbruch der Natur in den letzten 30 Jahren (das habe ich erlebt) ist
unglaublich !!!
Ich komme übrigens aus der nordwestlichen Richtung von Hamburg - Itzehoe.
Was meint Ihr......
Viele Grüße
Ralph

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Re: Dürre im Norden

Thomas Pruß, (vor 6223 Tagen) @ Ralph

Moin Ralph,
das ist reiner Zufall, dass ich davon weiß. Eine Dame, die auf meiner Exkursion mit gehen wollte, erzählte mir davon. Am 26. und 28. 11 veranstaltet die VHS Horst ein zweitägiges Winterpilz-Seminar. Infos findest du hier: http://www.pilzfreundetreff.de/html/norderstedt.html
Grüßlis
Thomas

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Pilze in Hamburg

Thomas Pruß, (vor 6223 Tagen) @ Pilzfeld

Moin Pilzfeld,
Hamburg und pilzarm? Da muss ich heftigst widersprechen ;-) Mitten in Altona, auf der Großen Bergstraße fand ich Fliegenpilze, Stadtchampignons (zwischen den Gehwegplatten), Täublinge und – halt dich fest – Steinpilze!!! Weil die unter Linde wuchsen, ist das *breitgrinsmodus ein* vielleicht eine neue Art, der Lindensteinpilz (Boletus tiliae) *breitgrinsmodus aus*
Ansonsten fand ich enorme Mengen schon im Hirschpark, drüben in Blankenese: Hallimasch, Faltentintlinge, Steinpilze, Fälblinge. In der Gärtnerstraße (Hoheluft) unter den Eichen Kartoffelboviste, auf den vermoosten Rasen in der Wrangelstraße Täublinge Lacktrichterlinge Fälblinge, Helmlinge, Faserlinge u. v. m. Und das ist nur das, was ich auf dem Weg zwischen Bushaltestelle und Verlag so gesehen habe. Zugegeben, in diesem Jahr war wenig zu sehen, aber sonst sprießt, wächst und gedeiht das dort wie nix Gutes. Und was ich an Pilzen entlang der Außenalster schon gefunden habe, bei unseren Fotoreporten, ist schon mehr als erstaunlich.
Grüßlis
Thomas

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Re: Dürre im Norden

Abt, (vor 6220 Tagen) @ Pilzfeld

Griaßdi Pilzfeld,
schee hosts in Bayern drunten gwieß, aber dass' in Hamburg gar koa Schwammerln ned gibt -da kanns mir nich mit übern Deich kommen, min Jong!
Kiek mol in: http://brd.pilzkartierung.de/shsqlmtb.php
Aber "wat de Buer nich kennt, dat frett he nich", stimmts?
Gut gegeben?
Es hatte die Ehre:
Marcel