Der Geruch der Schirme *PIC*

Ingo, (vor 6190 Tagen)

Hallo Leute,

ich hatte da noch ein paar Fragen im Archiv liegen. Drei Wochen alt, das Zeugs. Ich glaube, in jener Woche
hätte ich vier oder mehr Beiträge zusammenschnippeln können. Heute kommt es ganz günstig, weil ich mich
am letzten Wochenende mit meinen Ostseelieblingen verabredet hatte. Pilze waren da allerdings nicht bei.

Da war zum Beispiel noch eine Cystoderma namens terrei. Die Uschi (Gelbfieber) hatte mir solch ein
typisches Bild von der Art in meinen Post gewirbelt, da konnte ich nicht umhin, nachzufassen.

[image]

Das sollte eigentlich eindeutig sein. Hoffe ich zumindest. Übrigens – Geruch null.

Diese Körnchenschirmlinge waren bei uns zu der Zeit ganz gut verbreitet. Genau wie die massenhaft
auftretenden Amianth - Körnchenschirmlinge.

Ein weiterer, häufiger Vertreter der Gattung ist der hier:

[image]

Das dürfte der Starkriechende (C. carcharias) sein
Was mir dabei aufgefallen ist: der Geruch wird ja mitunter als dumpf, erdig, staubartig beschrieben.
Meine Nase empfand das eher als stechend unangenehm, fast schon an Ammoniak erinnernd.
Hatte schon mal wer eine ähnliche Erfahrung gemacht?

Bevor wir die Gattung verlassen, noch eine Frage. Ich hatte am Wegrand, im Gras,
zum Teil riesige Exemplare in der Färbung von Cystoderma amianthinum gesehen.
Einzelne Exemplare hatten mindestens 12 cm im Durchmesser und waren ebenso hoch.
Eigentlich sollte der Schnitt so bei 5-6 cm liegen. Gibt es da noch etwas anderes?

Das dritte Relikt fruktizierte genau auf dem Camping - Komposthaufen, wo vor drei Jahren die Raritäten
unter den Egerlingsschirmlingen und Faltenschirmlingen wuchsen. Ich dachte zuerst es könnte sich wieder
um L. americanus handeln. Bei näherem Hinsehen offenbarten sie sich allerdings als typische "Macrolepioten".

[image]

Nachdem die Pilze, wie erwartet, im Schnitt rötlich anliefen, gehören sie in die Racodes-Gruppe.
Nach ihrem Vorkommen auf Kompost, nach BW Pilze Band 4, Macrolepiota rhacodes var. bohemica.
Allerdings ist mir bekannt, dass das gesamte Taxon umgeschlüsselt wurde. So sollte die Art nun
Chlorophyllum bohemica heißen. Oder doch C. venenata? Gibt es da einen aktuellen Schlüssel?

Übrigens – um noch mal auf den Geruch zurück zu kommen. Typisch nach Macrolepiota, aber mit einer
süßlichen, fast aasartigen Komponente.

Für sachdienliche Hinweise...

Grüßlis Ingo

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Re: Der Geruch der Schirme

Andreas ⌂, (vor 6190 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Da war zum Beispiel noch eine Cystoderma namens terrei. Die Uschi
(Gelbfieber) hatte mir solch ein
typisches Bild von der Art in meinen Post gewirbelt, da konnte ich nicht
umhin, nachzufassen.
Das sollte eigentlich eindeutig sein. Hoffe ich zumindest. Übrigens – Geruch
null.

hmmm, eindeutig? Haste die denn mikroskopiert? Erstens kann man terrei manchmal nicht wirklich von granulosum unterscheiden (außer an den Zystiden) und zweitens sieht mir Dein Pilz farblich weder wie der eine noch wie der andere aus, sondern eher wie amianthinum oder was aus deren verwnadtschaft. Da kennen die Skandinavier noch eine ganze Reihe von arten.

Bevor wir die Gattung verlassen, noch eine Frage. Ich hatte am Wegrand, im
Gras,
zum Teil riesige Exemplare in der Färbung von Cystoderma amianthinum gesehen.
Einzelne Exemplare hatten mindestens 12 cm im Durchmesser und waren ebenso
hoch.
Eigentlich sollte der Schnitt so bei 5-6 cm liegen. Gibt es da noch etwas
anderes?

das hört sich nach Glimmerschüppling (Phaeolepiota aurea) an, wobei die eigentlich eher in Richtung 20-30 cm gehen sollten.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Der Geruch der Schirme

Ingo, (vor 6190 Tagen) @ Andreas

Zystiden) und zweitens sieht mir Dein Pilz farblich weder wie der eine
noch wie der andere aus, sondern eher wie amianthinum oder was aus deren
verwnadtschaft. Da kennen die Skandinavier noch eine ganze Reihe von
arten.

Hallo Andreas,

vielen Dank für das rasche Statement. Das was die Skandinavier da meinen, fände
ich gerade interessant. Welche Literatur kannst du da empfehlen?

das hört sich nach Glimmerschüppling (Phaeolepiota aurea) an, wobei die
eigentlich eher in Richtung 20-30 cm gehen sollten.

Es waren definitiv Körnchenschirmlinge. Vielleicht helfen da auch die Wikinger weiter.

GRIngo

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Macrolepiota

KARL, (vor 6190 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo

Das aktuell ist wohl Funga Nordica.

Chlorophylum rhachodes
= Macrolepiota rhachodes

Chlorophyllum brunneum
= Macrolepiota rhachodes var. brunnea
= Macrolepiota bohemica
= Macrolepiota rhachodes var. bohemica
= Macrolepiota rhachodes var. hortensis

Im Index fungorum werden Macrolepiota venenata und Macrolepiota racodes var. venenata
als weitere Synonyme für C. rhacodes (ohne h) aufgeführt.

LG Karl

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Re: Macrolepiota

Ingo, (vor 6189 Tagen) @ KARL

Hallo Karl,

das ist auf den ersten Blick recht verwirrend. Ich halte fest, dass es sich bei
den rötenden Riesenschirmlingen wohl um etwas Eigenes handelt.
Chlorophyllum ist allerdings kein schöner Oberbegriff für Arten, die hierzulande
eigentlich als Riesenschirmlinge bezeichnet werden. Eigentlich erinnert es eher
an diverse Pflanzenarten. Müssen wir wohl mit leben.

Grüßlis Ingo

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Re: Macrolepiota

KARL, (vor 6189 Tagen) @ Ingo

Hallo Karl,
das ist auf den ersten Blick recht verwirrend. Ich halte fest, dass es sich
bei
den rötenden Riesenschirmlingen wohl um etwas Eigenes handelt.
Chlorophyllum ist allerdings kein schöner Oberbegriff für Arten, die
hierzulande
eigentlich als Riesenschirmlinge bezeichnet werden. Eigentlich erinnert es
eher
an diverse Pflanzenarten. Müssen wir wohl mit leben.
Grüßlis Ingo

Hallo Ingo

Verwirrend fand ich das auch und habe mal nachgelesen, was die Gattungen neben
DNA-Untersuchungsergebnissen noch trennt.

Macrolepiota HDS trichdermal

Chlorophyllum HDS hymeniderm

Inzwischen habe ich mal Parasol mit Safranschirmling verglichen, da trennen sich
Welten. Aber wann mikroskopiert man schon die Huthaut von unkritischen Arten

LG Karl

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Re: Welten

Ingo, (vor 6188 Tagen) @ KARL

Inzwischen habe ich mal Parasol mit Safranschirmling verglichen, da trennen
sich
Welten. Aber wann mikroskopiert man schon die Huthaut von unkritischen Arten

Hallo Karl,

das würde ich bestimmt unterschreiben. Leider ist die momentan aktuelle Literatur
in vielen Punkten wieder überholt. Schon die Verfärbungen der Rhachodes-Gruppe
deuteten auf ganz andere Verwandtschaftsverhältnisse hin. Mich würde es nicht wundern,
wenn einige Arten aus dem leucoagaricus-Aggregat der Gruppe näher stünden.
So hat L. americanus zwar einen deutlich "macrolepioten" Anschein, verfärbt aber auch.
Und zwar in Richtung gilbend. Andere Leucos tun dies auch.
Möglicherweise bringt ja die Sequenzierung demnächst komplett neue Schlüssel.

GRIngo

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Re: Welten

Andreas ⌂, (vor 6188 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Möglicherweise bringt ja die Sequenzierung demnächst komplett neue Schlüssel.

die sind bereits reichlich sequenziert, da werden sich wohl kaum noch größere Verschiebungen ergeben. Auf der Homepage von Else Vellinga sind etliche Links zu Publikationen über die Verwandtschaftsverhältnisse in den Agaricaceae.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Der Geruch der Schirme

phragmobasidie, (vor 6189 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Das dürfte der Starkriechende (C. carcharias) sein
Was mir dabei aufgefallen ist: der Geruch wird ja mitunter als dumpf, erdig,
staubartig beschrieben.
Meine Nase empfand das eher als stechend unangenehm, fast schon an Ammoniak
erinnernd.
Hatte schon mal wer eine ähnliche Erfahrung gemacht?

ich find den Geruch einigermaßen speziell, staubig mit einem Schuss Lepiota-Geruch, welcher ja auch irgendwie
eine stechende Komponente besitzt. Müsste mal wieder dran riechen. Vielleicht ist Scheunenstaub etwas passender,
da ist ja sowas wie Mäuse-Urin meist nicht weit.

schöne Grüße
Robin

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Re: Der Geruch der Schirme

Ingo, (vor 6189 Tagen) @ phragmobasidie

da ist ja sowas wie Mäuse-Urin meist nicht weit.

Hi Robin,

genau so etwas war es. Nur fällt einem vor Ort sowas selten ein. Inmitten der
grünen Bäume und Kräuter. Den Mäusepipi-Geruch kenne ich auch noch von früher.
Es waren da allerdings Zwerghamster. Die Sägespäne nach der Zwingerreinigung
rochen tatsächlich so.

*ggg* Ingo

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Re: Der Geruch der Schirme

phragmobasidie, (vor 6189 Tagen) @ Ingo

Vormerken!

Ich möchte in kommenden Pilz-Büchern mehr aus der Klasse "Geruch nach Weidenbohrerraupe", "verschimmeltem Spekulatius",
eben sowas wie "Zwerghamster auf Sägespäne-Haltung" lesen.

Grüße
Robin