Hallo Andreas, hallo Jürgen,
ein Schuss durchs Okular birgt jedoch den entscheidenden Nachteil, dass der
Maßstab auf den Bilder variiert. Dann könnte man keine software-gestützte
Bemaßung vornehmen. Das kostet letztendlich Zeit, weil man dann die Maße
der gewünschten Objekte auf herkömmliche Art und Weise per Messokular
ermitteln muss.
Das ist sicher richtig. Beim "manuellen" Schuss durch's Okular.
Oder meinst Du, Juergen, dass die Kamera übers eigene Objektiv an Stelle des
Okulars ins Mikroskop eingesetzt werden kann?
Nö, aber über einen Adapter geht das z.B. Das eigene Objektiv dürfte rein mechanisch/grössentechnisch kaum in den Okularstutzen reinpassen. Ich hatte für meine alten Will-Mikroskope einen derartigen Adapter für eine Canon Powershot G2. Die konnte ich sowohl am Fototubus des einen Will als auch in die jeweiligen Okularstutzen beider Mikroskope einführen, was sogar manchmal Vorteile im Bildwinkel gegenüber dem Fototubus hatte.
Dies würde ja theoretisch
denselben Abstand zwischen den Linsen gewährleisten und eine
software-gestützte Messung ermöglichen - vorausgesetzt man hat mit einem
Objektmikrometer die verschiedenen Objektive des Mikroskops mit jeweils
einer Aufnahme kalibriert.
Gehen tut das alles. Aber mal ganz ehrlich - bequemer war eine absolut billige Lidl-Mikroskopkamera - ich spreche jetzt nur vom reinen Messen, zum Fotografieren bzw. Dokumentieren war die zu schlecht. Die gab es mal (und gibt es immer wieder bei diversen Discountern) samt einem Mikroskop (Wegwerfware oder aber für Kinder zum Spielen ganz nett) für um die 50-60 ¤. Zum Sporenmessen war das Teil durchaus ausreichend, es war leicht und unkompliziert zu installieren. Auch die Messungen waren deutlich genauer als durch's Okularmikrometer - weil man die Bilder halt softwaremässig wie bei guten Kameras auch eingefroren und dann in aller Ruhe die Masse abgenommen hat.
Feiner vom Bild her ist natürlich eine "richtige Kamera" oder eine dezidierte Mikroskopkamera, aber die Messergebnisse bleiben dabei höchstens im völlig unwesentlichen Bereich verschieden (Sporenornamente tlw. nicht so gut erkennbar usw.). Jedenfalls sind alle anderen Fehlerquellen bedeutender.
Bezüglich der Schärfentiefe stimme ich Dir völlig zu: Der limitierende Faktor
sind die Objektive des Mikroskops. Was man noch tun kann, ist der Kauf von
Objektiven mit korrigierter Bildfeldwölbung, damit die Strukturen in der
Mitte auf der gleichen Ebene liegen wie die am Rand. So lassen sich Fotos
knipsen, die bis zum Rand durchgehend scharf sind. Die Luxusausführung
sind Planapochromate: Hier wurden das Linsensystem zusätzlich dahingehend
optimiert, dass keine Farbsäume mehr entstehen.
Nuja, es lassen sich auch DFFs machen. Immer eine Frage des Aufwands, den man für lohnend hält (finanziell und zeitlich). Aber darüber lässt sich ja schlecht streiten.
Wer jedoch keine besonderen Ambitionen hegt, perfekte Mikrofotos
anzufertigen, sondern viel mehr seine Pilzfunde dokumentieren möchte, der
kommt auch mit herkömmlichen Achromaten problemlos zurecht. Die so
entstandenen Bilder müssen auch keinesfalls schlecht aussehen.
Jo. Und es gibt im Mikroskopieforum massenhaft Beispiele dafür, daß man das bei Mikrofotos eher kaum erkennt. Da spielt der Aufwand, den der Fotograf/Präparator getrieben hat eine ungleich höhere Qualitätsvorgabe dar, zumindest wenn man von brauchbaren Optiken aufwärts ausgeht.
Gruß,
Werner