Riesenpilze aus dem Devon *PIC*

Thomas Pruss, (vor 6060 Tagen)

Moin zusammen,
im Wissenschaftsteil der Welt vom 25. 3. 10 stieß ich auf einen interessanten Artikel über urzeitliche Pilze. Ich habe eine kleine Recherche gestartet und möchte die Ergebnisse hier einmal vorstellen.

Neun Meter hohe Pilze

Was da im Devon vor 420 bis 350 Million auf der ganzen Welt sich erhob, weit über die im Schnitt nur Halbmeter hohen Pflanzen, die damals wuchsen, ähnelt nach neueren Untersuchungen irgendwie gigantischen Dildos. Prototaxites wurde von dem amerikanischen Paläontologen J. W. Dawson im Jahre 1879 zum ersten Male beschrieben. Er interpretierte die gigantischen, versteinerten Stämme als eine fossile Gattung der Nacktsamer aus der Verwandtschaft der Eiben. Daher auch der Name, den man etwas frei als „Ureibe“ übersetzen kann.

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Bis zu 9 m hoch sollen die devonischen Pilze geworden sein

Eine Alge?

Doch am Ende des 19. Jh. kamen die Paläontologen zu dem Schluss, dass es sich um eine riesige Alge, genauer: eine Braunalge handelte. Diese Ansicht setzte sich durch und wurde in nahezu jedem Buch vertreten.
Es dauerte seine Zeit, genauer bis zum Jahre 2001, da publizierte der amerikanische Paleobotaniker Francis Huber eine Arbeit, in der er die Ansicht vertrat, Prototaxites sei ein gigantischer Pilz.

Eine Flechte?

Doch irgend etwas stimmte nicht mit den Funden. Wachstum und Zellstrukturen deuteten darauf hin, dass Prototaxites keine Alge war, sondern eine gigantische Flechte.
Aber auch für eine Flechte waren die mikroskopischen Befunde nicht eindeutig. Hatte Francis Huber doch recht?

Doch ein Pilz?

Schließlich hatte er nach Ansicht von Carol Hutton vom Naturgeschichtsmuseum mit seinen Untersuchungen eine ziemlich überzeugende Argumentation aufgebaut: Prototaxites ist ein Pilz!
Doch wie das beweisen?
Carol Hutton und C. Kevin Boyce, Assistenzprofessor für Geophysik an der Universität Chicago suchten den Beweis auf molekularer Ebene. Die beiden analysierten den Gehalt zweier Kohlenstoff-Isotope, welche die Prototaxiten und andere zu dieser Zeit im Devon lebende Pflanzen enthalten. Der Stoffwechsel der Pflanzen beruht auf ihrer Photosynthese. Da sie ihren Kohlenstoff vom CO2 der Luft bekommen, enthält jede Pflanze einer Art einen ähnlichen Anteil an C-12 und C-13. Doch bei den Prototaxiten ist das anders. Diese Organismen waren Saprophyten, und ihr C-12/C-13-Verhältnis war deutlich höheren Schwankungen unterworfen. Gut, das muss nun nicht viel heißen, aber Boyce et al. untersuchten Pilze aus Gebieten, die denen gleichen, in denen Prototaxites gelebt hatte und fanden auch unter diesen Pilzen ähnliche Schwankungen im Gehalt der C-Isotope.
Momentan schwankt die Gemeinde der Paläobotaniker immer noch zwischen Flechte und Pilz. Doch Dank der Arbeiten von Boyce und Kollegen neigen immer mehr Wissenschaftler zu der Theorie, dass Prototaxites ein Pilz war.
Ausgestorben ist der Organismus im späten Devon, als sich die Landpflanzen durchzusetzen begannen. Prototaxites wuchs nämlich wohl sehr langsam und konnte sich gegen schnell wachsende Pflanzen nicht behaupten.

Essbar?

Für die Mykophagen unter uns stellt sich natürlich die Frage, ob dieser devonische Monsterpilz, der eigentlich auch der Fantasie eines Jules Vernes entsprungen sein könnte („Reise zum Mittelpunkt der Erde“), ob dieser Pilz essbar hätte sein können.
Mal abgesehen davon, dass man wohl nach dem Verzehr eine mehrerer Tonnen schweren Pilzes bösartigste Leibschmerzen gehabt und das Pilzesammeln schnellstens zugunsten des Briefmarkensammelns aufgegeben hätte, wäre die Trama doch wohl sehr zäh gewesen, denn im mikroskopischen Bild zeigten sich dichte, verzweigte Bindehyphen, die das ganze Gebilde zusammen hielten. Und wenn essbar, dann doch wohl nur gewürzt mit gigantischen Mengen Dills. Doch den gab es zur Zeit von Prototaxites noch nicht – dumm gelaufen! ;-)

So, und damit ihr nicht denkt, das wäre alles auf meinem Mist gewachsen: In der Wikipedia gibt es einen Artikel zu Prototaxites mit entsprechenden Links zu einem Focus-Artikel vom 24. 4. 2007 sowie zu einer englischsprachigen Seite mit detaillierteren Infos.

Gute N8

Thomas

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Re: Riesenpilze aus dem Devon *PIC*

Joschi Siembida ⌂, (vor 6060 Tagen) @ Thomas Pruss

Hallo Thomas,

danke für den Bericht aus der Vergangenheit. Stimme Dir zu, bei sollchen Monstern macht das Pilzesammeln keinen Spaß. Da fehlt doch das Jagtfieber und der Adrenalienausstoß beim finden! :-)

Gruß Joschi

P.S.

Hab da noch ne Fisch Frage: Welcher Fisch dachte den hier er wär ne Kröte und ist übern "Zaun" gehüpft! :-)

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Re: Riesenpilze aus dem Devon

Thomas Pruss, (vor 6060 Tagen) @ Joschi Siembida

Moin Joschi,
Ja, ja, das Netz gibt so einiges her. Momentan bin ich auf der Spur eines Pilzes, der Fledermäuse killt. Demnächst mehr davon.
Deinen Fisch nenne ich "Cyprinus carpio f. volitans" ;-)
Ein "fliegender" Karpfen, sieht aus wie ein K3, etwa 1,5 kg schwer.
Grüßlis
Thomas

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Re: Riesenpilze aus dem Devon

Ulysses, (vor 6060 Tagen) @ Thomas Pruss

Hallo Thomas,

danke für deinen Archaeopilz-Beitrag, interessant zu sehen, wie aus einem angeblichen Vorfahren der Nacktsamer ein Pilz wird :-)

Meinst du mit dem "Pilz, der Fledermäuse killt" den Geomyces destructans, den Tom Volk auf seiner Seite vorstellt?

Schöne Grüße,
Ulysses

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Re: Riesenpilze aus dem Devon

Thomas Pruss, (vor 6060 Tagen) @ Ulysses

Moin Ulysses,

Meinst du mit dem "Pilz, der Fledermäuse killt" den Geomyces
destructans, den Tom Volk auf seiner Seite vorstellt?

Genau den! Was bei diesem Pilz imo interessant ist, ist seine Herkunft: Europa oder Amerika und wie er vom einen Kontinent zum anderen gelangt sein könnte. Auch die Frage, ob er als Sekundärerkrankung zu werten ist oder nicht ist interessant. Denn in diesem Zusammenhang stehen ja auch die Pilzerkrankungen bei Fischen: Der Pilz Saprolengia kann einen Fisch nur befallen und töten, wenn der Fisch schon erkrankt ist und/oder seine Schleimhaut beschädigt.
Ich habe über Pilzerkrankungen bei Fischen mal eine kleine Hausarbeit gemacht: Bachforellen ziehen sich beim Laichen ganz erhebliche Verletzungen zu und werden dann von Saprolengia befallen. Doch nur, wenn das Laichen die Forelle zu stark geschwächt hat, stirbt sie an dem Befall auch. Auch Frühjahrshochwasser, bei denen Schmelzwasser im Fluss ist, führt zu teils massivem Pilzbefall: Die Fische liegen reglos am Grund, was Fischegel ausnutzen und sich an den Fischen festsaugen. Bei einer Forelle hatte ich mal über 400 Fischegel gezählt. Durch die zerstörte Schleimhaut kann dann wiederum Saprolengia als Sekundärerreger den Fisch befallen. Und wieder stirbt der Fisch nur dann, wenn er zu stark geschwächt ist.
Auch bei Weißfischen kann man nach der Laichzeit, die im übrigen ziemlich brutal abläuft, viele verpilzte Fische finden. Ein gewisser Anteil stirbt, doch die allermeisten überleben.
Fische mit überstandener Pilzerkrankung kann man gut an Ersatzschuppen erkennen, die sie gebildet haben, wo vorher der Pilz saß.
Grüßlis
Thomas

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Re: Riesenpilze aus dem Devon

Joschi Siembida ⌂, (vor 6060 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Moin Thomas,

ah danke! Von fliegenden Fischen hatte ich schon gehört, dachte dabei aber nicht an Karpfen. ;-)
Was ist den ein K3? Hab vom Angeln leider null Ahnung, sorry! Der Karpfen war min 40cm lang, dem Gewicht bin ich nicht näher auf den Grund gegangen, er müffelte schon leicht. :-)

Gruß Joschi

Moin Joschi,
Ja, ja, das Netz gibt so einiges her. Momentan bin ich auf der Spur eines
Pilzes, der Fledermäuse killt. Demnächst mehr davon.
Deinen Fisch nenne ich "Cyprinus carpio f. volitans" ;-)
Ein "fliegender" Karpfen, sieht aus wie ein K3, etwa 1,5 kg schwer.
Grüßlis
Thomas

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Fliegender Karpfen

Thomas Pruss, (vor 6060 Tagen) @ Joschi Siembida

Moin Joschi,
Schulligung, der Slang geht mit mir durch:

K3 ist ein dreisömmriger Karpfen. Der Buchstabe gibt immer die Fischart an, die Zahl das Alter, dass bei den Satzfischen in Sommern gerechnet wird.
K = Karpfen
F = Forelle
RF = Regenbogenforelle
H = Hecht
Z = Zander
usw.
Dann hatte ich mit dem Gewicht gar nicht mal so Unrecht: 40 cm ist ein typischer Besatzkarpfen aus dem letzten Herbst, und die wiegen jetzt zwischen 1 und 1,5 kg.
Grüßlis
Thomas

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Ahhh. Wieder was gelernt. Danke! *oT*

Joschi Siembida ⌂, (vor 6059 Tagen) @ Thomas Pruss

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