meine erste Scutellinia *PIC*

vezi2, (vor 5930 Tagen)

Hallo!

Diesen Schildborstling habe ich vor vier Tage gefunden. Da hab ich mich gefreut!

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Als ich dann in mein Pilzbestimmungsbuch(Pilze der Schweiz 1) geguckt habe, habe ich mich nochmal gefreut, weil es offensichtlich ganz leicht ist, Schildborstlinge zu bestimmen. Es gibt nur zwei Arten, kurze Haare, lange Haare... ENDLICH MAL WAS EINFACHES!
Aber warum habe ich dann sowas im Hinterkopf, daß es damit Probleme geben kann, hab ich mir gedacht und ein bischen rumgegoogled. Eine Viertelstunde später hab ich dann einen französischen Schlüssel für 45 Arten bestaunen können. FÜNFUNDVIERZIG!!

Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich mich von dem Schock erholt habe, aber heute habe ich mich aufgerafft und bin das Unmögliche angegangen (ich kann kein Französisch). Wenn ihr mir helft, dann kann das gar nicht so schwer werden :-)

Ich versuche mal den Becher mit dem Schlüssel von Trond Schuhmacher zu ermitteln.
http://www.ascofrance.com/doc/uploads/45.pdf

Ich bin soweit, daß
- die Sporen ellipisch sind, nicht rund
- die Sporen nicht permanent von einer spindelförmigen Membran umgeben sind
- das Sporenornament nicht aus hohen, spitzen Dornen besteht
- die Sporenoberfläche von Pusteln übersät ist, nicht netzförmig von Gräben durchzogen(reticulum?)
- die Pusteln nicht isoliert stehen, sondern Verbindungen haben

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Bei Punkt 21 bin ich ins Stocken gekommen.
Hier wird wohl gefragt, ob die Sporen wenn sie in Baumwollblau erwärmt werden, von einer Hülle umgeben sind.(21. Ascospores à paroi externe détendue lorsque chauffée dans le Bleu Coton, flottant comme une enveloppe autour de la spore.)

Die beiden unteren Bilder stammen aus einer Probe, die in BWBlau anfärbt wurden, einen Tag ruhen konnten und dann mit zugegebenem Wasser aufgekocht wurden.

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Bei dem oberen Bild sieht man irgendwie schon eine Hülle *seufz*. aber ich bin mir sowas von unsicher. Am Ende interpretiere ich da wieder was rein, was nicht da ist, so wie bei dem Porling, wo ich dickwandig und dünnwandig am Ende nicht mehr unterscheiden konnte.

Kann mir jemand helfen?
Weiß jemand wie diese Hülle aussehen sollte, die sich zeigt, wenn die Probe in Baumwollblau erwärmt wird? Hat jemand ein Bild?
(Ich vermute, daß die Hülle Schleim ist, der sich nur zeigt, wenn er angefärbt wird, sich aber schlecht anfärben lässt?)

Würde mich sehr freuen!

lg vezi

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Re: meine erste Scutellinia

Seraph, (vor 5930 Tagen) @ vezi2

Hi vezi,

ich hab mich an deinen Fall mal drangesetzt und bin den einzelnen in Frage kommenden Arten und deinen Fragen mal nachgegangen. Bei einem Blick in meine Datenbank stoße ich auf einige Scutellinia-Schlüssel, der SCHUMACHER ist natürlich auch hier vorbildhaft. Also reingeschaut und erstmal geguckt, wo es hakt. Wenn man bei 21 mit der in Baumwollblau ablösenden Sporenhülle weitergeht, stößt man nur noch auf S. minutella oder S. torrentis als mitteleuropäische Arten. Hab beide in meiner Datenbank abgebildet, jedoch von diesem Phänomen keine Fotos. Schaut man sich die beiden Arten aber an und vergleicht diese makroskopisch mit deiner, dann fällt auf, dass die Haare kaum sichtbar sind, denn bei 21 steht ja auch: Haare bis 400µm. Die sind also so klein, dass sie am Rand nur noch filzig erscheinen, wie ein Polster. Also hier den anderen Weg nehmen.

Es wäre hier gut, wenn du den Rand selbst unters Mikro legen könntest, um zu schauen, wie lang diese Haare sind. Kommen sie überwiegend über 1 mm oder nicht? Wie ist die Haarbasis geformt? Makroskopisch tippe ich mal auf einen "Langhaarer", also weiter bis man bei 35 landet und dort die Außmaße der Warzen festlegen muss...leider nicht besonders einfach. Hab mir allerdings die Sporen von S. crinita und S. scutellata angeschaut und finde abschließend, dass sie besser zu S. scutellata passen, was auch dem äußeren Erscheinungsbild näher kommen dürfte.

Ich hoffe ich konnte weiterhelfen ;) bei Fragen einfach emailen.

Gruß Kazuya

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Re: meine erste Scutellinia

DirkW, (vor 5930 Tagen) @ vezi2

hallo vezi,

für mich wäre das auch eine ganz passable scutellata. ich muss allerdings gestehen, dass es mir persönlich nicht gelingt, crinita und scutellata aussagekräftig zu unterscheiden.

viele grüße

dirk

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Re: meine erste Scutellinia *PIC*

vezi2, (vor 5929 Tagen) @ DirkW

Hallo!

Erstmal muß ich mich entschuldigen, daß ich euch dazu verführt habe, den Becher nur anhand der Sporenbilder bestimmen zu wollen. Gestern gings mir eigentlich erstmal nur darum durch den Schlüssel zu kommen und zu verstehen wie so eine Schleimhülle in BWB auszusehen hätte. Ich hätte aber trotzdem gleich alle Daten posten sollen.

Das hol ich jetzt schnell nach:

Gewachsen ist der Becher auf einem Zweiglein, nur etwa 7mm dick mit Rinde, das Kontakt mit Brackwasser und Moos hatte. Da waren auch Sumpfhaubenpilze :-D

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Der Becher misst knapp 6 mm ohne Haare im Durchmesser

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Die Haare messen zwischen etwa 300µm(untenrum) und 600µm(seitlich)

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Die Fruchtschicht ist rein-orangefarben und in ein hyalines Excipulum gebettet, was zu einer schwärzlich erscheinenden Randzone führt.

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Die Haare sind an der breitesten Stelle etwa 30µm dick, an der Wurzel gegabelt, dickwandig, und dickwandig septiert.

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Die Parapyhsen sind verdickt keulig, etwa 8µm breit.

Die Sporen messen etwa 22x14µm.

Gibt es noch etwas relevantes, was man bei Scutellinias feststellen sollte?

Nachdem ich also nicht weiss, wie diese Hülle in BWB aussieht, mach ich's wie Seraph und geh beide Wege:

Mit Hülle: Da geht's über Punkt22 (Sporenlänge größer/kleiner 25µm) zu Punkt 24, wo nur noch S.Superba stehenbleibt, weil die Option Sporen unter 20µm fordert. S.Superba würde von den Sporenmaßen passen, aber die Haare sind ein wenig kurz und Bilder die ich im INet gefunden habe, zeigen, daß die Parapyhsen von Superba nicht verdickt keulig sind.

Also werden die Sporen wohl keine Hülle haben:
Punkt 27 trennt die Kurz- von den Langhaarigen. Da fallen dann eure Tipps raus und ich bin wieder alleine ;-)

Ab Punkt 38 wirds doof. So völlig unbeantwortbare Fragen, wie Sporen länger/kürzer 22µm(meine sind genau22µm), oder Sporen sehr ellipisch, weniger ellipisch...
Schliesslich bin ich dazu übergegangen, das Schlüsseln aufzugeben und die verbleibenden 8 Arten einzeln auszuschliessen:

- S.macrospora: Sporen zu lang
- S.nigrohirtula: Haare zu dünn
- S.vitreola: Fruchtschicht *rot*-orange, sowie auffällige winklige Ornamente?
- S.nivea: Sporen zu schmal
- S.setosa: Sporen zu kurz
- S.olivascens: Haare zu dick
- S.kerguelensis: Ornamente zu fein und Haare laut PdS nur selten gegabelt
- S.cejpii: Sporen manchmal unsymetrisch.

Da bleibt nix übrig.
Schildborstlinge scheinen tatsächlich nicht ganz so einfach zu sein -.-

Ich hab mir gestern die Microfungi von Ellis&Ellis bestellt. Vielleicht geht's damit weiter.

Vielen Dank für eure Hilfe!

lg vezi

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Tipp

Gelbfieber, (vor 5929 Tagen) @ vezi2

Hallo und guten Tag Vezi,

wenn ich von deiner Sporenmaßangabe „etwa 22µm“ ausgehe sind die Haare bei deinem Fund 450-800µm lang. Zusammen mit dem gezeigten Sporenornament würde ich ohne nähere Angaben zum Pilzchen den Fund mit S. scutellata beschriften.

Generell und ganz speziell bei Scutellinia reichen etwa Angaben oder eine Maßangabe Länge/Breite für eine Bestimmung oder den Versuch einer Bestimmung nicht aus! Ob du bei der Gattung Scutellinia mit E & E weiter kommst als mit SCHUMACHER, bezweifele ich aber versuchs halt mal ;-)

Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

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Lose Sporenwand – Anhängsel – BW *PIC*

Gelbfieber, (vor 5926 Tagen) @ vezi2

Hallo und guten Tag Vezi,

Kann mir jemand helfen?
Weiß jemand wie diese Hülle aussehen sollte, die sich zeigt, wenn die Probe in Baumwollblau erwärmt wird? Hat jemand ein Bild?
(Ich vermute, daß die Hülle Schleim ist, der sich nur zeigt, wenn er angefärbt wird, sich aber schlecht anfärben lässt?)

mit einem Bild bzw. einem Formblatt von Scutellinia crucipila, die ja auch in die Gruppe mit loser Sporenwand gehört, kann ich dienen. Mit etwas Ausdauer und geeignetem Mikroskop kann man diese Hülle bei S. c. auch ohne anfärben mit BW sehen. Auch die in der Literatur erwähnten Anhängsel sind sehr gut ohne BW sichtbar. Ganz nebenbei kannst du sehen wie BW Sporen verformen kann!!!

Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

[image] http://www.naturfoto-kontor.de

[image] http://www.naturfoto-kontor.de

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Re: Lose Sporenwand – Anhängsel – BW

vezi2, (vor 5924 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo und guten Tag Vezi,
Kann mir jemand helfen?
Weiß jemand wie diese Hülle aussehen sollte, die sich zeigt, wenn die Probe
in Baumwollblau erwärmt wird? Hat jemand ein Bild?
(Ich vermute, daß die Hülle Schleim ist, der sich nur zeigt, wenn er
angefärbt wird, sich aber schlecht anfärben lässt?)
mit einem Bild bzw. einem Formblatt von Scutellinia crucipila, die ja auch in
die Gruppe mit loser Sporenwand gehört, kann ich dienen. Mit etwas
Ausdauer und geeignetem Mikroskop kann man diese Hülle bei S. c. auch ohne
anfärben mit BW sehen. Auch die in der Literatur erwähnten Anhängsel sind
sehr gut ohne BW sichtbar. Ganz nebenbei kannst du sehen wie BW Sporen
verformen kann!!!
Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

Hallo Gelbfieber & Co!

Vielen Dank für dieses überaus hilfreiche Formblatt!

Nachdem ich jetzt weiß wie so eine lose Sporenwand aussieht, kann ich sagen, daß mein Pilz nicht in die diese Gruppe gehört.

Der entscheidende Hinweis, den Du mir mit diesem Formblatt gegeben hast, ist der Umstand, daß die Sporen in BWB wohl ihre Form und damit ihre Größe ändern. Der Ingo hat's mir zwar schon gesagt, daß man erst im Wasser messen soll und dann Chemikalien verwendet, aber ich brauch wohl manchmal einen Holzhammer, weil ich denke ich hab in BWB gemessen.

Also hab ich nochmal nachgemessen und tatsächlich waren meine Grössen total falsch!
Nach ein paar Messungen komme ich eher auf eine Größe von 23-27 x 14-16µm.

Wenn ich jetzt noch davon ausgehe, daß meine Sporen eher ellipisch statt eher spindelig, dann bleiben jetzt nur noch 2 Arten stehen:
S. kerguelensis und S. olivascens. Die ich beide immer noch mit den Haarmaßen ausschliessen kann.

Die Idee eine Scutellinia nur mit einem Schlüssel bestimmen zu wollen war total bescheuert. Ich werde mir doch die Monographie von Schumacher besorgen. Dann sehen wir weiter.

lg vezi