(simple aber) prinzipielle Frage zur Höhe üNN *PIC*

Kattugla, (vor 5903 Tagen)

Ihr Lieben,

meine heutige Mittagspause war dank weniger Patienten etwas länger als erwartet, ergo hatte ich schon Schuhe, Waldklamotten und Kamera griffbereit im Auto und düste für eineinhalb Stunden gute 400 Höhenmeter und ein paar Kilometer weiter zu unseren beiden Feldbergen (Großer und Kleiner), weil mich "feuchter Bergnadelwald" lockte (ich bin wild entschlossen, dieses Jahr endlich Cortinarius sanguineus zu finden, jawoll!).

Überrascht war ich davon, dass sich die Pilzarten, die ich auf ca. 750m üNN fand, doch um eniges von denen unterschieden, die hier bei mir zu hause (400m weniger) derzeit sichtbar sind. Während im heimischen Wald derzeit Milchlinge, Wulstlinge und Samtfusskremplinge fast ausschließlich den (ebenfalls feuchten) Nadelwald bevölkern, finden sich zwischen Großem und Kleinem Feldberg oberhalb der Weilquelle Maronen, Steinpilze (meine ersten dieses Jahr!), sehr viele Perlpilze (hier davon keine Spur) die ersten Cortinarien und natürlich die unvermeidlichen Kahlen Kremplinge (hier dankenswerterweise Fehlanzeige), dort jedoch keine Spur von Samtfusschlappen.

Nun ist das ja (glaube ich) eine Binsenweisheit, dass höhere Lagen da irgendwie bevorzugt sind, was den "Zeitplan" beim Erscheinen bestimmter Pilzarten angeht. Die Steinis werden hier "unten" wohl erst Mitte September kommen, wie immer.
Mag auch ein subjektiver Eindruck sein, jedoch erscheint mir die Artenvielfalt so ab 600m auch höher.

Aber warum ist das so?

Da oben ist es deutlich kühler, der Taunuskamm ist zwar Wetter- und Wasserscheide und der Nordhang recht regenintensiv, aber nass war es im Hintertaunus diesen August auch genug. Den Taunusschiefer haben wir auch alle unterm Hintern.
Liegt es am gefühlten früheren Herbst auf knapp 800m Höhe?
Oder gibt es andere Faktoren?
Beide Feldberge beherbergen zum Beispiel das einzige mir bekannte noch große und geschlossene Vorkommen an Heidelbeeren hier in der Region (die Handvoll heute war lecker! ;-)), gibt es eine pauschal zu treffende Aussage über andere Bodenqualitäten ab einer bestimmten Höhe?
Oder spielen da ganz andere Faktoren mit hinein, die man als Beurteilung auf bestimmte Höhenlagen allgemein anwenden kann?

Ist vielleicht ne blöde Frage, Vermutungen habe ich auch, aber keinerlei System. Vielleicht kann mir ja einer von Euch Hobby- bzw. Profi-Ökologen beim Verstehen helfen... ;-)

feldbergmüde und steiniverwurstende Grüße
Kattugla

p.s.: unten angehängt der größte Steinpilz, den ich in meinem bisherigen Leben jemals zu sehen bekommen habe, heute, am Quelllauf der Weil auf 770m Höhe. Der Hut des Riesen hatte Kopfgröße, der Stiel am Boden gut 10cm Durchmesser, der ganze FK war jedoch so überständig, dass ich ihn lieber im Wald gelassen habe...

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Re: (simple aber) prinzipielle Frage zur Höhe üNN

Ingo Wagner, (vor 5903 Tagen) @ Kattugla

Hallo Kattugla!

Fast alles, was du vermutest ist richtig.
Das Pilzvorkommen und die Erscheinungsmenge hängt von sehr vielen Faktoren ab (jetziges und vergangenes Klima, Niederschlag, Bodenart, Bodensäuregehalt, Begleitflora usw.).
Die von dir beobachteten Mengenunterschiede sind aber nicht auf die Höhe zurückzuführen. Derartige Unterschiede gibt es auch, wenn du wenig voneinander entfernte Wälder auf gleicher Höhenstufe besuchst.

Fakt ist aber, dass du bestimmte Pilzarten besonders in bestimmten Höhenstufen findest, wobei jetzt nicht unbedingt die Meter über NN die Rolle spielen, sondern das daraus resultierende Klima. Soll bedeuten, du könntest z.B. auch montane Arten finden, wenn du eine kalte Schlucht auf 200m besuchst, wenn das Klima dementsprechend ist.

Beide Feldberge beherbergen zum Beispiel das einzige mir bekannte noch große
und geschlossene Vorkommen an Heidelbeeren hier in der Region

Das ist ja Horror, kann ich mir gar nicht vorstellen, will es vielleicht auch nicht.

VG Ingo W

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Blaubeerhorror?

Kattugla, (vor 5903 Tagen) @ Ingo Wagner

: Das ist ja Horror, kann ich mir gar nicht vorstellen, will es vielleicht auch
[quote]nicht.
VG Ingo W
[/quote]

Das Zuviel oder das Zuwenig? ;-)

Letzteres verdanken wir glaube ich aber eher den tapferen Sammlern mit den Blaubeerkämmen. Auch der Blaubeerwald auf dem Feldberg ist jetzt schon so gut wie nackästig, obwohl die Zweige noch saftiggrün sind und die verbliebenen Blätter auch; da waren bereits fleissige Kämmer unterwegs - bis die geschlossene Buschdecke auch futsch ist.

Die Handvoll Beeren heute waren die verbliebenen Reste.

Als ich noch im Teenageralter war, war ich mit meiner Stiefoma regelmäßig zwischen Ruhland und Bernsdorf an der brandenburgisch-sächsischen Grenze zum Blaubeersammeln, an den Blaubeerwald dort kann ich mich noch gut erinnern. Vor zwei Jahren bei meinem Besuch habe ich den vergeblich gesucht.

: Fakt ist aber, dass du bestimmte Pilzarten besonders in bestimmten Höhenstufen
[quote]findest, wobei jetzt nicht unbedingt die Meter über NN die Rolle spielen,
sondern das daraus resultierende Klima. Soll bedeuten, du könntest z.B. auch
montane Arten finden, wenn du eine kalte Schlucht auf 200m besuchst, wenn das
Klima dementsprechend ist.
[/quote]

Das erklärt dann auch, dass ich hier bei mir im Wald regelmäßig Filzige Gelbfüsse finde, die ja eigentlich eher in die alpine Flora gehören, aha. Eigentlich einfach, aber man muss erstmal drauf kommen...

Um mal wieder auf mich Gierschlund zurückzukommen: dann wäre also theoretisch denkbar, dass die Hautköpfe auf dem Feldberg potentiell ein paar Wochen früher erscheinen können als hier "unten"? Und man quasi den Pilzen über die Wochen - ebenfalls theoretisch - "hinterhersteigen" - also abwärts - könnte?

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Re: warscheinlich,dass es nur noch in bestimmten..

Hans hurter, (vor 5903 Tagen) @ Kattugla

Hoehen und Gebieten viele Blaubeeren gibt?Wir waren letzte Woche auf dem Feldberg Suedschwarzwald BW ca.800-1200NN und an der Donauquelle Furtwangen,Donaueschingen und haben uns den Bauch vollgeschlagen mit Heidel und Brombeeren am Wegrand und sonnigen Stellen.Bei mir im Pilzgebiet 500NN Fehlanzeige mit Blaubeeren aber Bromberen jede Menge!LG Hans

Das ist ja Horror, kann ich mir gar nicht vorstellen, will es vielleicht

auch
Das Zuviel oder das Zuwenig? ;-)
Letzteres verdanken wir glaube ich aber eher den tapferen Sammlern mit den
Blaubeerkämmen. Auch der Blaubeerwald auf dem Feldberg ist jetzt schon so
gut wie nackästig, obwohl die Zweige noch saftiggrün sind und die
verbliebenen Blätter auch; da waren bereits fleissige Kämmer unterwegs -
bis die geschlossene Buschdecke auch futsch ist.
Die Handvoll Beeren heute waren die verbliebenen Reste.
Als ich noch im Teenageralter war, war ich mit meiner Stiefoma regelmäßig
zwischen Ruhland und Bernsdorf an der brandenburgisch-sächsischen Grenze
zum Blaubeersammeln, an den Blaubeerwald dort kann ich mich noch gut
erinnern. Vor zwei Jahren bei meinem Besuch habe ich den vergeblich
gesucht.

Fakt ist aber, dass du bestimmte Pilzarten besonders in bestimmten

Höhenstufen
Das erklärt dann auch, dass ich hier bei mir im Wald regelmäßig Filzige
Gelbfüsse finde, die ja eigentlich eher in die alpine Flora gehören, aha.
Eigentlich einfach, aber man muss erstmal drauf kommen...
Um mal wieder auf mich Gierschlund zurückzukommen: dann wäre also theoretisch
denkbar, dass die Hautköpfe auf dem Feldberg potentiell ein paar Wochen
früher erscheinen können als hier "unten"? Und man quasi den
Pilzen über die Wochen - ebenfalls theoretisch -
"hinterhersteigen" - also abwärts - könnte?

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Die Brombeere ist.....

Christoph G, (vor 5903 Tagen) @ Hans hurter

....leider ein Zeiger für übermäßigen Stickstoffeintrag (Eutrophierung) in Waldböden. Dort wo die Heidelbeere noch üppig fruchtet ist es noch "natürlich" sauer.

LG Christoph

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Re: Blaubeerhorror?

Ingo Wagner, (vor 5903 Tagen) @ Kattugla

Hallo Kattugla!

dann wäre also theoretisch
denkbar, dass die Hautköpfe auf dem Feldberg potentiell ein paar Wochen
früher erscheinen können als hier "unten"? Und man quasi den
Pilzen über die Wochen - ebenfalls theoretisch -
"hinterhersteigen" - also abwärts - könnte?

Theoretisch ist das denkbar, bloß manchmal machen dann die Pilze trotzdem, was sie "denken" und man kann es nicht erklären. Sicher gibt es für jedes "Verhalten" eine Begründung, aber manchmal steige ich überhaupt nicht dahinter.

VG Ingo W

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Re: Temperatur

Ingo, (vor 5903 Tagen) @ Kattugla

Hallo Kattugla,

ich beobachte momentan in unseren Kiefernwäldern ebenfalls, daß
sich das Pilzwachstum schwertut - oder tat.
Seit dem vergangenen Wochenende explodieren auch diese Wälder.
Gefehlt hatte nicht der Niederschlag (ca. 300 l/qm im August), sondern
die Temperatur. Bei dem anhaltend schwülwarmen Wetter der vergangenen
Wochen mochten die Kiefern wohl noch nicht so recht die Nährstoffe
rausrücken. Nachdem nun die Tiefsttemperaturen deutlich zurück gingen,
platzt alles aus den Nähten.
Vergleichbar dazu einige hundert Höhenmeter bei dir, welche den gleichen
Effekt bringen.

LG Ingo