Leckerbissen in orange *PIC*

Ingo, (vor 5889 Tagen)

Hallo Forum,

vorige Woche tauchte hier die Frage von Jesko nach dem Speisewert des Heide Schleimfußes
(C. mucosus) auf, der ja im Volksmund auch Brotpilz genannt wurde.
Wenn man so in die Körbe andere Pilzsammler schielt, ist die Vergangenheitsform gerechtfertigt.
Niemand nimmt diese Schleierlinge heuer mehr als Speisepilz wahr.

Hier ein Archivbild aus 2006. Keine Ahnung, warum ich es verpeilt hatte, aktuelle Bilder zu machen.
Es mag wohl an der derzeitigen Schwemme liegen.

[image]

Auf jeden Fall habe ich mein Versprechen gehalten, und mich für einen mykophagen Selbstversuch geopfert.
Dazu hatte ich insgesamt sieben mittelgroße Pilze, mit fast geschlossenem Hut eingesammelt, und darauf
geachtet, möglichst viel Stiel dran zu lassen. Das ist vor allem fürs putzen wichtig. Den Schleim vom
selbigen runter rubbeln, und schon kann man den Pilz gut anfassen.

Für die Bearbeitung der Hutoberhaut ist ein halbwegs frischer Küchenschwamm hilfreich.
Etwa die Hälfte der Huthaut bekommt man abgezogen, der Rest wird mit selbigem Schwamm entfernt.
Dabei ist es hilfreich, daß diese Schleierlinge recht robust sind, und kaum zum zerbröseln neigen.

An dieser Stelle muß ich dann mal eine Lanze für die Teile brechen. Der Aufwand hatte sich auf jeden
Fall gelohnt. Nach dem Säubern hatte ich die Pilze geviertelt und anschließend in Butter gar geschmort.
Mit etwas Salz und Pfeffer gewürzt, ergab das Ganze ein ziemlich delikates, mildes Einzelgericht,
welches als Beilage zu nahezu allem Kurzgebratenem gereicht werden könnte.

Dazu möchte ich anmerken, daß die Konsistenz der geschmorten Pilze hervorragend war.
Sie hatten genügend Biss, ohne irgendwie labberig zu wirken. Aroma – aromatisch pilzig / leicht nussig.
Ich denke, wenn man solche Sachen wie Schalotten, Knoblauch und Sahne dran täte, sollte sich der
Genuss sogar steigern lassen. Die Verwendung von Räucherspeck würde das feine Aroma vermutlich übertönen.
Auf einer Skala von 1 bis 10 (für Top) würde ich mal eine 9 geben. Wenn man beachtet, mittelgroße und
einigermaßen saubere Exemplare zu sammeln, dürfte das Ergebnis die Mühe des Putzens locker aufwiegen.

Soviel dazu. Wo wir gerade bei Schleierlingen sind – diese hier stehen im gleichen Habitat wie C. m, sind
aber weit seltener anzutreffen.

[image]

In real handelt es sich um eine kleine bis mittelgroße Art; Hutdurchmesser max. 6 cm, Höhe etwa
bei 10 cm. Geruch und Geschmack nichts erwähnenswertes feststellbar. Vermutlich handelt es sich um
einen strengen, acidophilen Kiefernbegleiter. Obwohl in der Gegend in ca. 50 m Entfernung auch ein
paar Birken stehen. Ehrlich gesagt, habe ich nicht mal eine Ahnung, in welche Schleierlings- Gattung
die gehören. Auf jeden Fall keine Schleimköpfe, Schleimfüße, Hautköpfe und wohl auch Klumpfüße.
Bleiben noch Gürtel- und Dickfüße und.....ich habe wirklich keinen Schimmer.

Die folgenden sind ebenfalls aus dem Habitat "Sandiger Kiefernwald":

[image]

Nach meinem Gusto eindeutig der Phönix. Der ist diese Woche erst gekommen.
Die in der Vorwoche gezeigten waren entweder auch welche, wobei denen die
Bänder abort gegangen sein müssten.
Wahrscheinlich waren es aber Halbblüter. Nur waren sie ziemlich groß (bis 15 cm!) und stämmig.

Zum Abschluß noch ein Klumpfuß aus dem Eichen-Buchenwald. Vor drei Jahren hatte ich
den Buchen Klumpfuß (C. anserinus) vermutet. PIC

[image]

Allerdings – Geruch deutlich erdig – muffig.
Möglicherweise ist es ja auch ein anderer. Auch hier tappe ich mangels geeigneter Bestimmungs-
literatur völlig im Dunkeln.

Vielleicht hilft mir ja jemand auf die Sprünge.

Grüßlis Ingo

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zu den Phönixen

Kattugla, (vor 5889 Tagen) @ Ingo

Nach meinem Gusto eindeutig der Phönix. Der ist diese Woche erst gekommen.
Die in der Vorwoche gezeigten waren entweder auch welche, wobei denen die
Bänder abort gegangen sein müssten.
Wahrscheinlich waren es aber Halbblüter. Nur waren sie ziemlich groß (bis 15
cm!) und stämmig.

Wenn ich mich mal - angesichts der hier doch deutlich vorhandenen Fachkompetenz - ein bissel aus dem Fenster lehne (*schwitz*), meine ich mich zu erinnern (hatte ja im letzten Jahr nen ähnlichen Fall), dass die Phönixe 'ne rote Cortina aufweisen, die Halbblütler gelbe Cortina. Rot angehaucht an der Stielbasis sind (zumindest bei mir) beide. Die Phönixe sind an der Stielbasis dicker als die Halbblütler.
Letztere habe ich dieses Jahr aber auch schon gefunden (sonst erst im Oktober), und die, die im Fichte-Lärche-Kiefer-Laubgemix standen, waren zum Teil riesig und ebenfalls mit dunklerem Hut als gewohnt. Im Vergleich zu denen, die ich sonst so kenne. Hutdurchmesser von 8cm und fingerdicke Stiele von 10cm und mehr scheinen dieses Jahr keine Seltenheit zu sein.

beste Grüsse in die Nacht ;-)
Kattugla

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Re: zu den Phönixen

Ingo, (vor 5888 Tagen) @ Kattugla

Hallo Kattugla,

auf jeden Fall stehen hier mal wieder beide Arten kunterbunt durcheinander.
Du nimmst die zum Färben, nicht? Sind deine Fundorte im Taunus etwa auch
sandig? Ich meinte, dass die Arten nur in bodensauren Nadelwäldern vorkommen.

GR Ingo

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Re: zu den Phönixen

Kattugla, (vor 5888 Tagen) @ Ingo

Jupp, ich nehme die zum Färben. Da ist auch wurscht, ob Phönix oder Halbblut.

Von Sand ist hier nicht die Spur, alles lehmig, Schiefer drunter und Quarzitbrocken dazwischen.
Auf "meinem" Hautkopfhang finde ich als regelmässige Begleiter Hohlfussröhrlinge, Trompetenpfiffis und Maronen...

Durcheinander stehen da aber auch noch C. cinnamomeus und andere, braune, die ich noch nicht näher begutachtet habe. Multikultitruppe das... ;-)

beste Grüße
Kattugla

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Ein paar Zeilen

Thüringer-Holz, (vor 5888 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

danke für die Anleitung zum Putzen und Verzehren des Brotpilzes!
Sehr schön geschrieben.

Dein anderer Corti ist wahrscheinlich aus der Ecke um

Cortinarius (Ser.) malachius - Hygrophaner Dickfuß

eine nicht ganz einfache Gruppe.

Phönix hatten wir bei meinem Besuch auch so bestimmt, stand auf dem Weg
zum "Stillen Örtchen" unter den Kiefern, da wo sich auch die elaten im April tummeln.

C.anserinus könnte passen!

Viele Grüße
aus Hangover

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Re: Hangover ??!!! ;-))

Ingo, (vor 5888 Tagen) @ Thüringer-Holz

Cortinarius (Ser.) malachius - Hygrophaner Dickfuß

Hallo Felix,

ein Dickfuss also. Die Sub hatte ich ja noch auf dem Sender. Wenn der gezeigte
eine Typusart der acidophilen Kiefernforsten sein sollte, stehe ich sowieso
fast allein da. Gibt es in den Heiden um Hannover keine ähnlichen C....?
Vielleicht ist ein Farbtest hilfreich..KOH...FESO4?...

Grusel aus Novosibirsk Ingo

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Re: Kiefernheides Dickfuß *PIC*

Jesko, (vor 5859 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

wie ich beim spontanen E-Mail-Kontakt mit Dir feststellen musste, hatte ich Deinen kleinen Schleierlingsbeitrag von vor ca. einem Monat verpasst.
Die zweite dort von Dir vorgestellte Art dürfte Cortinarius quarciticus sein, auf dt. „Quarzdickfuߓ (vielleicht ein Chronometer?), treffender vielleicht Sanddickfuß, Kiefernheidendickfuß o.ä. Wie Felix vermutet hatte, gehört er „in die Ecke“ malachius, er ist gewissermaßen der kleinsporige Vikariant von C. malachius in sandigen Kiefernwäldern. Ich kenne diese Art nur aus Brandenburg, wo wir sie auch am letzten Sonntag auf einem 105 m ü. NN hohen kiefernbestandenen Sandhaufen im nördlichen Fläming wieder finden konnten (s. Foto). Außerhalb Brandenburgs scheint die Art mangels geeigneter Habitate selten bis sehr selten zu sein bzw. in weiten Teilen D’s völlig zu fehlen.

Grüße vom Leipziger Lehm, Jesko

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Re: Kiefernheides Dickfuß

Ingo, (vor 5859 Tagen) @ Jesko

Hallo Jesko,

schön dass er nun einen Namen hat. So ungut wie bei anderen hört er sich auch nicht an.

*ggg* Ingo

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Wenn man nach halbem Hinsehen ... *PIC*

Jesko, (vor 5858 Tagen) @ Ingo

... etwas mal einfach so behauptet, muss man sich dann nicht wundern! Jetzt habe ich mir meine Kollektion vom kiefernbestandenen Sandhaufen vom letzten Sonntag ordentlich angeschaut, und es ist nicht Cortinarius quarciticus, sondern "einfach nur" malachius. Der kann eben auch mit Kiefern! Ich glaube aber, dass die von Ingo im ursprünglichen Beitrag gezeigten Dickfüße tatsächlich quarciticus sind.
Ich schieb aber gleich noch einen Gürtelfuß vom letzten Sonntag aus demselben Habitat hinterher, der sich seine Sporen wohl bei einem Röhrling ausgeborgt und zur Tarnung ein paar feine Sandkörnchen drangeklebt hat: Cortinarius fusisporus, der Spindelsporige Gürtelfuß.
Grüße

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