Engstirnige Sammler

willihund2, (vor 5886 Tagen)

Heute im Bus saß mir eine ältere Frau gegenüber mit einem
großen Korb voller Pilze. Da ich einige nicht kannte,
fragte ich sie, welche Sorte das ist. Als Antwort kam
Violetter Rötelritterling. Das waren eideutig keine, was
ich ihr auch mitteilte. Sie hatten nur einen Hauch lila
an sich und deutliche Schleierreste am Hutrand. Trotz versuchter
Überzeugungsarbeit meinerseits konnte ich sie nicht von ihrer
Meinung abbringen. Gibt es bei den Schleierlingen, für die ich
sie halte, stark giftige Arten? Wenn ja, dann hoffe ich für
die Frau, dass sie sich zu Hause nochmal genau informiert.

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Re: Engstirnige Sammler

Gábor, (vor 5886 Tagen) @ willihund2

Hallo,

bei den Schleierlingen haben wir neben mehreren tödlich giftigen Arten wie z.B. C. orellanus u. C. rubellus auch etliche giftverdächtige Arten.

LG, Gábor

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Re: Engstirnige Sammler

willihund2, (vor 5886 Tagen) @ Gábor

Danke.
Dann will ich mal hoffen, dass die
gute Frau die Hände davon gelassen oder
keinen der giftigen Arten gesammelt hat.
Ich habe von der Gattung Cortinarius nicht
die blasseste Ahnung.

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Re: Engstirnige Sammler

Roland Albrecht, (vor 5886 Tagen) @ willihund2

Heute im Bus saß mir eine ältere Frau gegenüber mit einem
großen Korb voller Pilze. Da ich einige nicht kannte,
fragte ich sie, welche Sorte das ist. Als Antwort kam
Violetter Rötelritterling. Das waren eideutig keine, was
ich ihr auch mitteilte. Sie hatten nur einen Hauch lila
an sich und deutliche Schleierreste am Hutrand. Trotz versuchter
Überzeugungsarbeit meinerseits konnte ich sie nicht von ihrer
Meinung abbringen. Gibt es bei den Schleierlingen, für die ich
sie halte, stark giftige Arten? Wenn ja, dann hoffe ich für
die Frau, dass sie sich zu Hause nochmal genau informiert.

Hallo,
was soll man dazu schon sagen. Die Pilzkenntnisse sind unter den Leuten oft derart bescheiden, es wird einfach eingesammelt was da wächst. Möchte wetten, dass viele ihre gebratenen Pilze einfach wegwerfen weil sie einfach nicht wohlschmeckend sind. In dieser ganzen Unkenntnis werden aber auch Giftpilze gegessen und die Leute finden sich im Krankenhaus wieder. Wenn man dann die
Leute befrägt erhält man zumeist die Antwort: "die haben wir früher auch immer
gegessen, die waren doch immer gut". Nur diesmal waren es eben keine "Guten".

Gruß Roland

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Re: Engstirnige Sammler

willihund2, (vor 5886 Tagen) @ willihund2

Genau das hat sie mir nauch gesagt. "Die habe ich doch schon immer
mitgenommen. Die riechen nach Anis?????.
Dieser Schleierling hat nicht einmal andeutungsweise nach
Anis gerochen. Dessen Fleisch hatte nicht einmal eine
lilafärbung. Er erinnerte mich an junge Graukappen.

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Re: Engstirnige Sammler

Hermann, (vor 5885 Tagen) @ willihund2

Gerade heute auf dem Parkplatz: 2 Männer und einen Frau, hörbar osteuropäischer Abstammung, zwei große Körbe voll Paxillus involutus. Darauf und deren Giftigkeit angesprochen nur rotzfreche trotzige Antworten und das sei alles Quatsch. Wenn man die kochen würde vor dem braten, wären die auch nicht giftig. Stiegen in den Wagen und brausten davon.
Na dann guten Appetit...

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Re: Engstirnige Sammler

willihund2, (vor 5885 Tagen) @ Hermann

Ich habe ihn als Kind viel gegessen. Damals lief er
noch als essbar nach mindestens 30 Minuten erhitzen.
Er schmeckt übrigens nicht schlecht, aber das Risiko
gehe ich nicht mehr ein. Er wird in Osteuropa
weiterhin viel gegessen. Dort fehlt noch viel Aufklärung.

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Re: Engstirnige Sammler

Stephan Weißer, (vor 5885 Tagen) @ Hermann

und das sei alles Quatsch.

... die Story mit dem Gift-Krempling. Klar, dass ein PSV eine andere Sicht der Dinge haben muss (aus versicherungstechnischen Gründen!). Aber Fakt ist, dass Kahle Kremplinge lecker sind und von vielen Leuten, vor allem im Osten, verzehrt werden, ohne dass etwas Ungewöhnliches passiert, das sich mit dem Genuss des Pilzes direkt in Verbindung bringen lässt. Immerhin haben die Leute auch gewusst, dass man den Krempling gut garen muss.

Als Mahner hast du oft keine guten Karten, aber du hast gemahnt und damit deine Pflicht erfüllt, so würde ich das sehen und mich nicht über die Unvorsichtigkeit anderer Leute aufregen.

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Re: Engstirnige Sammler

Stephan Weißer, (vor 5885 Tagen) @ Gábor

bei den Schleierlingen haben wir neben mehreren tödlich giftigen Arten wie
z.B. C. orellanus u. C. rubellus auch etliche giftverdächtige Arten.

Wobei die natürlich schon deutlichst anders aussehen als Violette Ritterlinge. Die Schleierlinge, die mit Violetten Ritterlingen verwechselt werden könnten, sind tendenziell nicht tödlich giftig.

Vermutlich wird die Sache so enden: die Frau wird ihre stinkigen Dickfüße oder Violetten Klumpfüße als Ritterlinge essen, es wird ihr vielleicht etwas dabei im Magen grummeln, dann wird sie zwei, drei Schnäpse drauf kippen und die Probleme auf Schwerverdaulichkeit schieben, und nächstes Mal wird sie die gleichen wieder einsammeln.

Perfekt wäre es gewesen, wenn du selber ein paar Violette Ritterlinge dabei gehabt hättest (gibt es eigentlich schon welche?) und sie ihr zum Betrachten und Riechen in die Hand gegeben hättest. Dann wäre sie doch etwas nachdenklich geworden.

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Re: Engstirnige Sammler

Stephan Weißer, (vor 5885 Tagen) @ willihund2

Er erinnerte mich an junge Graukappen.

Das waren doch wohl nicht Bittere Schleimköpfe (C. infractus)? har har

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Re: Engstirnige Sammler

willihund2, (vor 5885 Tagen) @ Stephan Weißer

Ich habe bisher noch keine V.R. entdeckt. In höheren Lagen des
Erzgebirges soll es schon welche geben.
Übrigens Cortinarius traganus war es nicht. Den kenne ich.

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Re: Engstirnige Sammler

Hermann, (vor 5885 Tagen) @ Stephan Weißer

... die Story mit dem Gift-Krempling. Klar, dass ein PSV eine andere Sicht
der Dinge haben muss (aus versicherungstechnischen Gründen!). Aber Fakt
ist, dass Kahle Kremplinge lecker sind und von vielen Leuten, vor allem im
Osten, verzehrt werden, ohne dass etwas Ungewöhnliches passiert, das sich
mit dem Genuss des Pilzes direkt in Verbindung bringen lässt.

Du ißt auch Lyophyllum connatum? Von dem stirbt man ja auch nicht - so schnell. Und vielleicht ist der Krebs dann ja auch gar nicht von den Pilzen.. Und die gute alte Nebelkappe bringt einen ja auch nicht um - oder nur ein paar Zellen? Oder doch mehr? Und was sind schon ein paar Tote im Vergleich zum Geschmack des Grünlings...
Nein, Giftpilze sind Giftpilze. Wer das Risiko _wirklich kennt_ und sie trotzdem verspeist - selbst Schuld. Aber die wenigsten Sammler dürften Begriffe wie Zytotoxine oder Teratogene überhaupt schon mal gehört haben. Und bedenkt man, daß auch heute noch die gefährliche Mär vom Silberlöffel umhergeistert, so muss man um so mehr den unkundigeren Sammlern Warnungen mitgeben und aufklären.

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Re: Engstirnige Sammler

willihund2, (vor 5885 Tagen) @ Hermann

Ich will mich jetzt nicht mit einem PSV anlegen, aber es ist
seit langem nachgewiesen , dass der in Nebelkappen vorkommende
Giftstoff Nebularin durch erhitzen zerstört wird.
Individuelle Unverträglichkeiten gibt es auch bei anderen
Lebensmitteln (bei mir bei Poree, da bekomme ich starken Ausschlag).
Im rohem Zustand giftige Pilze gibt es viele (Hexenpilze, Perlpilz,
Violetter Rötelritterling, Rotkappe usw.). Da würden dem Sammler
viele kulinarsche Lekerbissen entgehen (die Graukappe gehört sicherlich nicht dazu),
wenn man darauf achten würde, ob ein Pilz auch ohne jede
toxikologische Wirkung ist.
Diese Meinung vertrete ich in Bezug auf den Kahlen Krempling nicht.
Da gibt es zu viele nachgewiesene Vergiftungsfälle.
Ich sammle ihn seit langer Zeit nicht mehr.

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Re: Engstirnige Sammler

Hermann, (vor 5884 Tagen) @ willihund2

Ich will mich jetzt nicht mit einem PSV anlegen, aber es ist
seit langem nachgewiesen , dass der in Nebelkappen vorkommende
Giftstoff Nebularin durch erhitzen zerstört wird.

Das ist falsch. Nebularin ((2R,3S,4R,5R)-2-(Hydroxymethyl)-5-purin-9-yloxolan-3,4-diol) ist bis über 120°C hitzestabil, würde also nur durch intensivstes Braten in Öl zersetzt. Durch Kochen in Wasser oder normales Braten aber nicht!
Was beim Kochen kaputt geht, sind die eher instabilen Polyacetylene. Die sorgen aber "nur" für das gastrointestinale Syndrom, und haben nichts mit der inzwischen erkannten Giftigkeit durch das Nebularin zu tun. Dieses ist ein Adenosin-Analogon und damit potentiell in der Lage, Erbinformationen zu schädigen. Es wirkt nicht nur bakterizid, sondern stört auch die Mitose und wird deshalb in der Zellforschung verwendet. Sein Wirkspektrum ist sehr vielseitig, man erforscht sogar seine Wirkung als Krebsmittel und in Form von Derivaten (z.B. Nebularin-5’-monophosphat) als potentes Antibiotikum.

Die Nebelkappe _ist_ ein Giftpilz mit einem sehr potenten und vielseitigem Giftstoff. Der wird in dieser Konzentration nicht tödlich sein, aber sicher ziemlich ungesund.

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Re: Engstirnige Sammler

willihund2, (vor 5884 Tagen) @ Stephan Weißer

Ich habe heute auf dem Weg zur Chemnitzer Pilzausstellung
die ersten gefunden. Ein leckeres Abendbrot war mir sicher.