Tricholoma joachimii *PIC*

Ingo, (vor 5873 Tagen)

Hallo Forum,

da der Thread von gestern bereits am absaufen ist, hier nochmal kurz und direkt
eine Zusammenfassung aus meiner Sicht.

Am vergangenen Samstag erhoffte ich bei meiner Waldquerung eigentlich nicht Besonderes.
OK – den einen oder anderen Halsbandritterling wollte ich schon finden. Ebenso
die ersten jungen Grünlinge.
Allerdings wurde ich ein wenig ausgebremst. Diverse Stachelinge, auch überraschend
erschienene, hatten meinen Zeitplan etwas ausgebremst.

So kam es, daß ich in dem Waldstückchen, in welchem ich die Ritter erwartete, etwas später ankam,
als ursprünglich geplant. Zur Erinnerung: am Samstag Nachmittag war es bedeckt, und die Sicht in dem
dichten Kiefernbestand war bereits mehr als bescheiden.

Mithin – eher hell erscheinende Arten wie Grünlinge und Halsbänder sind da noch gut auszumachen.
Details wie Lamellenform, Farbnuancen und derartige Dinge sind da vor Ort schon schwieriger
festzustellen. Zumal wenn man, wie ich, bereits auf eine Lesehilfe angewiesen ist.
Auch nicht so einfach, die rechte Schärfe und Helligkeitseinstellung an der Kamera hinzubekommen.

Immerhin war es genau dieser Umstand, der mich ins grübeln brachte. Waren zum gleichen Zeitpunkt
doch mehrere Sammler im Waldstück unterwegs – so auch Senioren, die wohl auch
Grünlinge sammeln würden, wenn denn welche da gewesen wären.

Wie berichtet, waren die Grünen in Ansätzen bereits zu sehen. Allesamt aber nicht mehr, als auf dem
dritten Bild im gestrigen Beitrag. Im gesamten Areal fand ich keinen einzigen ausgewachsenen
Grünling vor. Bis auf diese eine prächtige Kollektion (der dritte ist nicht im Bild).

[image]

Als kleinen Snack hatte ich da noch eine kleine Büchse Gulaschsuppe, mit der ich gleich nach meiner
4-stündigen Exkursion den kleinen Hunger stillen wollte. Da diese wirklich sehr mickrig war, hatte ich vor,
sie mit einigen Waldpilzen zu verfeinern.
Dafür hatte ich schon einen prächtigen Pfifferling und einen kleineren Steinpilz eingelocht.
Ein oder zwei Grünlinge, wegen des prächtigen Aromas dazu, das reicht aus. So dachte ich.

Daß ich ausgerechnet diese Kollektion abgelichtet hatte, war auch dem Umstand zu verdanken, dass es
sich um die ersten ausgewachsenen "Grünlinge" des Jahres handelte.
Normalerweise ignoriere ich die, zumal ich in den vergangenen Jahren genügend von denen
gepixelt hatte.

Kurzum: in meiner Residenz angekommen, konnte ich diese Ritterlinge erstmals
bei normalem Licht in Augenschein nehmen - als ich sie zwecks Verwertung putzen wollte.
Dabei fiel mir sofort die völlig andere Beschaffenheit der Unterseite auf. Schuppiger Stiel,
grau- bis cremefarbene Lamellen. Immerhin – die Hutfarbe lag noch deutlich im Bereich derer des Grünlings.

Letztendlich brachte eine Geruchs- und Kostprobe Gewissheit, daß es keine Grünlinge sein konnten.
Irgendein Geruch war definitiv nicht feststellbar. So etwas kann bei trocknen Grünlingen schon vorkommen.
Allerdings ist es so, daß der Grünling zu den wenigen Arten zählt, deren Geschmack ich mit verbundenen
Augen erkennen kann. (Bitte jetzt nicht bei Wetten Dass anmelden).
Nach etwa zwei bis drei Minuten Herumkauens stellte sich nicht die Spur des bekannten Aromas ein.
Im Gegenteil – da war eine ganz leichte Spur von Schärfe, mit leicht adstringierendem Effekt.
Also nie im Leben ein Grünling! Welche ähnliche Art darf dann aber im gleichen
Terrain wie T. equestre fruchten?

Mein Verdacht, anhand der Makromerkmale, war sofort T. joachimii. Leider hatte ich eben keines
meiner Ritterlingswerke bei der Hand. Per Telefon konnte mir von Zuhause aus kurzfristig geholfen werden.
Die Makrobeschreibungen im Riva passten eigentlich. Nur der Hinweis zu Geruch, Geschmack und vor allem
zum Standort (kalkhold!) wollten mir nicht recht gefallen.

Allerdings scheint es mit solchen Angaben, bei seltenen Arten, gerne mal zu hapern. Hatte ich doch vor
einigen Stunden gerade einen Hexenrig von Gallenstachelingen, einem ausgewiesenen Laubbaumbegleiter,
im selben Terrain ausfindig gemacht.

An dieser Stelle noch zwei Detailaufnahmen:

[image]

[image]

Was ich an dieser Stelle noch einmal zusammen fassen möchte: Selbst als Kenner der Grünlinge hätte
ich um ein Haar eine extrem ähnlich wirkende Art als Grünling klassifiziert, da ich sie an diesem
Standort nicht erwartet hatte.
Wenn Sammler Grünlinge ernten, und Tricholoma joachimii zu dieser Zeit noch im selben Gebiet fruchtet,
wird dieser mit absoluter Sicherheit als Grünling gesammelt und auch konsumiert werden.
Über den Speisewert von T. joachimii ist definitiv nichts bekannt. Er kann genauso gut essbar sein, wie
er unbekannte Giftstoffe enthalten kann.
Vielleicht wäre es das ja wert, einige weiter gehende Nachforschungen zu betreiben.

Das war’s erst mal mit meinen Gedanken zum Thema

N8i Ingo

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Re: Tricholoma joachimii

pilzgrufti, (vor 5873 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Sehr schöner Beitrag der die Problematik gut darstellt.
Ergänzend dazu sei gesagt das ich auch schon Pilzsammler getroffen habe die den seltenen Tricholoma aestuans als Grünling im Korb hatten. Vergiftungen gibt es damit aber wohl weniger. Der Geschmack verhindert den Verzehr.

Gruß Gerhard

P.S. Bei einer Arbeitsgruppe "Tricholoma" würde ich sehr gerne mitmachen.

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Re: Tricholoma joachimii

Gábor, (vor 5873 Tagen) @ Ingo

Wenn Sammler Grünlinge ernten, und Tricholoma joachimii zu dieser Zeit noch
im selben Gebiet fruchtet,
wird dieser mit absoluter Sicherheit als Grünling gesammelt und auch
konsumiert werden.

-----

Hallo Ingo,

bei umgedrehten Frkp. leuchten einem die Lamellen beim Grünling ja regelrecht entgegen!
Und so alten erfahrenen Grünlingssamlern müsste das dann eigentlich auffallen, wenn es mal nicht so wäre, oder?

Übrigens waren meine Grünlinge hier bereits vor über einer Woche durch.
Wenn man bedenkt, dass sie die Jahre davor erst Mitte bis Ende Oktober kamen, doch recht früh...

LG, Gábor

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Re: Tricholoma joachimii

Christoph ⌂, (vor 5873 Tagen) @ Gábor

Hallo Gábor,

--> : bei umgedrehten Frkp. leuchten einem die Lamellen beim Grünling ja regelrecht entgegen! Und so alten erfahrenen Grünlingssamlern müsste das dann eigentlich auffallen, wenn es mal nicht so wäre, oder? siehe auch meine Anmerkungen im Nachbarthread zur "Legende der giftigen Ritterlinge"

Wer für sich entscheidet, dass er diese Pilzart weiterhin für die Küche nutzen möchte, kann das gerne tun. Ich hoffe, dass das dann in verantwortbaren, kleinen Mengen geschieht. Dies aber hier in diesem Forum an prominenter Stelle zu machen, finde ich sehr schräg. Man kann es auch Verharmlosung nennen. Ich verstehe zudem den Grund nicht. Wir haben weder Hungersnöte noch sind andere Speisepilze ausgestorben.

Und wenn dann ausgemachte Grünlingskenner sogar alles für die Küche einsammeln, was von oben wie ein Grünling aussieht, dann bin ich noch mehr verwirrt.

Anfängern passiert das sicher häufiger - auch mit Tr. aestuans, wie "Pilzgrufti" schon schrieb. Aber Kenner?

Nun gut - ich wünsche weiterhin guten Appettit bei den zukünftigen Grünlingsverköstigungen. Ich hoffe nur, dass Du Deine Grünlinge alleine verspeist und nicht Nachbarn einlädst. Wer weiß, vielleicht haben die ja die letzten drei Tage schon welche gegessen und deine Mahlzeit wäre dann genau eine zuviel gewesen?

LG
Christoph

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Re: Tricholoma joachimii *PIC*

Ingo, (vor 5872 Tagen) @ Gábor

bei umgedrehten Frkp. leuchten einem die Lamellen beim Grünling ja regelrecht
entgegen!
Und so alten erfahrenen Grünlingssamlern müsste das dann eigentlich
auffallen, wenn es mal nicht so wäre, oder?

Hallo Gabor, wenn es mal so einfach wäre. Das Bild hatte ich ja erst zu Hause
so vor Augen. Der Grünstich an den Lamellen, der tatsächlich vorhanden war,
ist leider mit der Automatikfunktion meiner Cam. entfernt worden.
Im Anhang ein Bild aus 2007, damit du verstehst, was ich meine.
E. Ludwig persönlich hatte mich angehallten, auf so etwas zu achten.
Toll nicht?! Die Kollektion steht fast identisch da, wie am vergangenen WE.
Ebenfalls T. joachimmii!

Übrigens waren meine Grünlinge hier bereits vor über einer Woche durch.
Wenn man bedenkt, dass sie die Jahre davor erst Mitte bis Ende Oktober kamen,
doch recht früh...

Da muß ich mir allerdings Sorgen machen, ob es sich dabei tatsächlich um
unseren Grünlinng handelt. In Kiefernwäldern wachsen die bis zum Wintereinbruch
durch. Speziell 2007 vom 15. September bis zum letzten Exemplar am ersten
Weihnachtsfeiertag.

LG Ingo

[image]

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Re: Tricholoma joachimii

Ingo, (vor 5872 Tagen) @ Christoph

Nun gut - ich wünsche weiterhin guten Appettit bei den zukünftigen
Grünlingsverköstigungen. Ich hoffe nur, dass Du Deine Grünlinge alleine
verspeist und nicht Nachbarn einlädst. Wer weiß, vielleicht haben die ja
die letzten drei Tage schon welche gegessen und deine Mahlzeit wäre dann
genau eine zuviel gewesen?

Hallo nochmal Christoph,

erstes Posting weiter unten.
Ich hatte den Betreff nicht umsonst gewählt. An den Hit-Zählern kann man gut
erkennen, dass solche Beiträge eher von den Stammpostern hier gelesen werden.
Sollte ein "Anfänger" zufällig mitgelesen haben, und sich inspiriert fühlen,
aufgrund meines Beitrages Grünlinge zu sammeln, möge er sich bitte umgehend
melden. Wir bekommen das schon wieder hin.

Ansonsten kann ich mich nicht erinnern, hier jemals Grünlinge als Speisepilze
beworben zu haben. Ebensowenig hatte ich hier irgendwann mal behauptet, je
welche konsumiert zu haben. Wie sagte Ex-Präsident Bill Clinton noch...
...aber das ist gerade nicht sehr hilfreich. ;-))

GR Ingo

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Re: Tricholoma joachimii

Christoph ⌂, (vor 5872 Tagen) @ Ingo

Hi Ingo,

ich hatte mich auf Sätze wie:

--> Dafür hatte ich schon einen prächtigen Pfifferling und einen kleineren Steinpilz eingelocht.
Ein oder zwei Grünlinge, wegen des prächtigen Aromas dazu, das reicht aus. So dachte ich. in meiner Residenz angekommen, konnte ich diese Ritterlinge erstmals
bei normalem Licht in Augenschein nehmen - als ich sie zwecks Verwertung putzen wollte. <--

Ansonsten kann ich mich nicht erinnern, hier jemals Grünlinge als Speisepilze
beworben zu haben. Ebensowenig hatte ich hier irgendwann mal behauptet, je
welche konsumiert zu haben.

Was in der Vergangenheit war, weiß ich nicht, da ich hier nicht regelmäßig mitlese. Die Verknüpfung Deines Postings hier und der provokanten Überschrift dort führen zu einem Bild - und das Bild zu einer ebenfalls provokanten Reaktion ;-). Schön, dass sowas nicht zum Streit, sondern zu einer netten Unterhaltung führt. Ohne Reibung entsteht keine Wärme - und Wärme ist manchmal was wunderschönes, wohliges. Solange kein Feuer zündet, passt das ja, denke ich. Und dass das nicht passiert, finde ich sehr positiv.

Bevor ich aber zu philosophisch (oder besser: filosofisch?) werde, gehe ich mal lieber langsam aber sicher ins Bett.

LG
Christoph

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Glückwunsch zu diesem Fund! *oT*

Thüringer-Holz, (vor 5872 Tagen) @ Ingo

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