Risspilze (I. obscurobadia, furfurea?) *PIC*

interhias ⌂, (vor 5762 Tagen)

Hallo zusammen,

heute möchte ich euch einige Risspilzkollektionen zeigen, die durch auffallend dünnwandige, oft etwas wellige Hymenialzystiden auffallen.

Den Anfang macht eine nach Geranien duftende Kollektion aus der Münchner Schotterebene (bei Linde und Kiefer). Ich vermute, dass es sich bei dieser Aufsammlung um die Art handelt, die Horak und Stangl als I. tenuicystidiata beschrieben haben und die Kuyper mit I. obscurobadia (J. Favre) Grund & Stuntz synonymisierte.

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Wichtigstes mikroskopisches Erkennungsmerkmal der Art sind wohl die dünnwandigen, oft wellig-eingeschnürten Hymenialzystiden:

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oder so:

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Die Stiele sind ziemlich hell und weisen keinerlei Rottöne auf. Sporenmaße 8,7 x 4,9 (8-10 x 4,5-5), Q=1,77.
Hier noch eine Kollektion aus dem Kalkkbuchenwald an der Isar, die makroskopisch und mikroskopisch ganz gut dazupasst:

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Bei beiden Kollektionen hatte ich mir Geruch nach Geranien oder Zitronenmelisse notiert, was Stangl in seinem Werk interesanterweise nicht erwähnt, dafür aber Kuyper. Stangl beschreibt die Stiele als rohweißlich bis hellbraun, Kuyper dagegen meint: oben ockerrötlich, stielabwärts weniger stark rötlich gefärbt, bisw. Rottöne fehlend. Hmm ...

Vor einige Rätsel stellt mich die folgende Kollektion aus dem Tiroler Zillertal (saurer Fichtenwald):

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Die hat nämlich auch so komische Zystiden - solche:

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oder solche:

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Das Problem ist nur: Das Schwammerl schaut völlig anders aus, hat rotbraune Stiele, einen ganz anderen Standort und riecht spermatisch. Ganz gleich sind die Hymenialzystiden im Übrigen auch nicht (länger, kopfiger). Kaulozystiden auch an der Stielspitze fehlend, aber trotzdem auch an jungen Fruchtkörpern keine Cortina beobachtet; Sporen 9,5 x 5,4 (8,5-10,5 x 5-5,5), Q=1,78; eine entfernte Ähnlichkeit ließe sich mit Tafel 71 bei Alessio 1980 (als I. leptocystis) erkennen, auf die Kuyper verweist. Auch im Internet habe ich als I. obscurobadia bestimmte Pilze mit schuppigen Hüten und rotbraunen Stielen gefunden und den Hinweis, dass sie einer I. furfurea gleichen. Interessanterweise hat Favre einen jetzt mit obscorobadia synonymisierten Pilz ursprünglich als I. furfurea var. obscurobadia beschrieben.

Die nächste, auffällig schuppige Kollektion (2009 unbestimmt geblieben) stammt ebenfalls aus einem Buchenwald, sieht aber makroskopisch ganz erheblich anders aus und als Geruch hatte ich mir „obstig, nach reifen Birnen, aber ganz anders als fraudans“ notiert. Könnten die konzentrisch geschuppten, am Scheitel fast schwarzbraunen Hüte ein Hinweis auf I. furfurea sein?

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Die Sporen sind recht klein (7,6 x 4,6 (6,5-9 x 4-5,5), Q=1,64), die Zystiden haben eine gewisse Ähnlichkeit mit denen der anderen hier gezeigten Kollektionen, vor allem sind sie dünnwandig und nicht selten wellig, allerdings häufig etwas kopfig bis utriform:

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Eine Cortina konnte ich bei diesem Fund auch am jungen Fk nicht feststellen, obwohl nur im oberen Drittel eine Stielbereifung zu erkennen war.

Die ersten beiden bayerischen Funde habe ich jetzt einfach mal I. tenuicystidiata getauft, aber was mach ich mit den schuppigen Kerlen und mit den Österreichern? Oder hab ich beim Schlüsseln irgendwo einen Hund reingebracht?

Komplette Beschreibungen und weitere Fotos zu allen vier Kollektionen findet ihr auf meinen Inocybe-Seiten unter den Nummern 4, 17 und 22 bzw. unter der 2009er-Seite unter Nr. 17.

Beste Grüße aus München
Hias

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Re: Risspilze (I. obscurobadia, furfurea?)

Helmut, (vor 5762 Tagen) @ interhias

Servus Hias,

bin wieder da! :-)

Gleich so viele schöne Schwammerl auf einmal! Auf die Schnelle:

Der erste ist genau das, was ich auch immer als obscurobadia bestimme. Wenn ich auch noch keine so hellen Frk. hatte wie den rechten.

Das Ding aus dem Zillertal ist aber mit Sicherheit was anderes. Die Art kenne ich nicht. Ist aber sehr interessant! Eine solche Art mit solchen Zystiden ist nach meinem Kenntnisstand nicht beschrieben, außer jemand hätte das in den letzten Jahren getan (oder in einem versprengten exotischen Heft). Sollte wiedergefunden werden.

Auch der schuppige gelbe gehört in eine andere Kategorie, kann ich aber jetzt auf Anhieb auch nicht ansprechen.

Deine wie immer detaillierte und gute Dokumentation muss ich mir mal in Ruhe anschauen. Aber auch bei mir warten noch viele Aufsammlungen auf Bestimmung.

2010 war schon heftig. So viele unbestimmte Inocybe-Kollektionen hatte auch ich noch in keinem Jahr. Muss meine Rätselaktivitäten im Bayernforum jetzt mal ein wenig zurückfahren. :-)

Gruß

Helmut

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Re: Risspilze (I. obscurobadia, furfurea?)

interhias ⌂, (vor 5761 Tagen) @ Helmut

Servus Hias,
bin wieder da! :-)

Prima!

Den Zillertaler Risspilz hat übrigens der Werner E. zu verantworten, der hat mich in diesen Wald geschleppt;-)
Damit ist er auch für den Wiederfund zuständig, finde ich.

Den Wiederfund der schuppigen Art übernehme ich, sind nur 20 km mit dem Radl - wäre doch gelacht, wenn sich der nicht rausbringen lässt.

Heute Abend stelle ich mal einen der Funde vom Inocybe-Treffen ein.

Beste Grüße
Hias