Spricht etwas gegen C. barbatus? *PIC*

BrunoH, (vor 5499 Tagen)

- Hut feucht schmleimig, bitter, auffällig glockenförmig, teilweise ockerfleckig
- Stiel klebrig, leicht zugespitzt
- z.T. büschelig wachsend
- im Buchenwald unter Picea
- Geruch süsslich-ranzig
- Fleisch hell-ockerlich
- Sporen 5x7.5, ganz fein warzig

Ich bin dankbar über jeden Beitrag.

Grüsse,
Bruno

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Re: Spricht etwas gegen C. barbatus?

jesko, (vor 5499 Tagen) @ BrunoH

Hallo Bruno,

die Gruppe der bitteren Myxacien finde ich alles andere als leicht. Einige Aufsammlungen lassen sich nach meiner Einschätzung nicht in das enge Korsett etwa der Funga Nordica zwängen. Ich würde auch einen Blick in AdC X empfehlen - und sei es nur mal so zum Vergleich. Merkmale, die ich anhand Deiner Beschreibung nicht beurteilen könnte, sind z.B. der Geschmack (erst Fleisch kosten und darauf achten, dass man keinen Schleim mitkostet, dann Huthaut bzw. darauf befindliche Schleimschicht kosten) und die Fleischfarbe (weißlich oder deutlich gelblich) und eventuelles deutliches Verfärben nach honiggelb bei Manipulation (beim recht häufigen C. croceocristallinus). Der Geruch bei C. barbatus sollte eine deutliche Rettichkomponente haben, die anderen Sippen in der Gruppe fehlt. Der typische Geruch, den so ziemlich alle in der Gruppe haben, ist übrigens Steinpilzgeruch (an der Stielbasis gekratzter B. edulis/aestivalis/aereus), meist mit einer aufdringlich süßlichen Komponente. AgNO3 sollte man der Vollständigkeit halber probieren (auf nach einiger Zeit einsetzende Lilaverfärbungen achten!). Was die Reaktion wirklich wert ist, sei mal dahingestellt. Andere Reagenzien bringen hier wohl nichts. Die Sporen sollte man in dieser Gruppe sehr genau nachmessen, hier kommt es fast auf den halben my an. Wie groß waren Deine Pilze eigentlich?

Viele Grüße

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Re: Spricht etwas gegen C. barbatus? *PIC*

BrunoH, (vor 5498 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ich schätze das sehr.

Leider bin ich nicht im Besitz der AdC. Einmal mehr muss ich mir sagen, dass ich bez. Cortinarien-Literatur nicht gut ausgerüstet bin...
Ich habe versucht, die dir fehlenden Merkmale herauszufinden:

Der Geschmack des Fleisches ist mild, die Huthaut hingegen deutlich bitter.

Das Fleisch ist hell ockerlich und verfärbt sich auf Druck dunkler ockerlich. Gelblich würde ich die Fleischfarbe nicht nennen wollen, sie hat aber eine Tendenz gelblich-ocker (honiggelb?) zu verfärben.

Die Huthaut ist (wohl durch Eintrocken der Schleimschicht) silbrig bereift. Unter dem Reif ist die Haut ockerfarben.

Der Geruch erinnert bei frischen Fruchtkörpern effektiv an Steinpilze. Beim Eintrocknen wird der Geruch aufdringlicher, ich würde es süsslich-ranzig nennen. Einen Rettichgeruch konnte ich nicht direkt feststellen.

Die Stiellänge berträgt 4.5-6cm, der Hutdurchmesser 2.5-3cm.

AgNO3 habe ich leider nicht und konnte die Reaktion nicht messen.

Die Sporen haben eine sehr konstante Grösse. 20 Messungen ergaben folgendes Resultat: 4-4.3-4.6 x 7.0-7.3-7.6, Q=1.7

Jetzt bin ich gespannt, was du davon hältst.

Grüsse,
Bruno

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Sehr gut,

jesko, (vor 5498 Tagen) @ BrunoH

jetzt ist mir klar, was Du gefunden hast. Welcher Name anzuwenden ist, ist ja dann immer noch eine andere Frage. Bei mir "heißt" diese Art Cortinarius galeobdolon. In Funga Nordica wäre es Cortinarius emollitoides. Es ist der Cortinarius causticus in der Interpretation einiger älterer französischer Autoren. So ist diese Art im Bon als C. causticus abgebildet.
Wie sich nun diese Namen alle zueinander verhalten, und was ggf. noch dahinter stecken könnte, das sind ja Fragen, die noch nicht abschließend geklärt sind.

Viele Grüße, Jesko

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Re: Sehr gut,

BrunoH, (vor 5497 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko

Du bist einfach genial, danke! Ich bin von deinem Vorschlag überzeugt. Es passt nun alles sehr schön.

Bei Funga Nordica bin ich an C. emollitoides vorbeigesegelt, weil da steht "very slightly viscid to almost dry".
Ich hatte relativ junge Exemplare bei feuchtem Wetter gefunden, und die waren sehr, sehr schleimig.
Erst beim Austrocknen ist der Hut nur noch Hut leicht klebrig.

Viele Grüsse,
Bruno