Mal wieder ein kulinarisches Experiment

Stephan Weißer, (vor 5368 Tagen)

Diesmal nicht mit was Selbstgefundenem, sondern mit was Gekauftem.
Pilzbezeichnung: "Shimeji/Buchenpilz", gibt's in einer Version mit reinweißen und in einer mit hellbraunen Hüten
Bezugsquelle: Kaufland, 150-g-Packung zu 1,99 €
angegebener Hersteller: Green Co. Ltd, Südkorea
angegebener EU-Importeur: Green Mushroom Farm BV, De Lier, Niederlande

Als erstes habe ich die Pilze sensorisch getestet. Es handelt sich um einen büschelig wachsenden, offensichtlich auf Holzhäcksel gezüchteten Lamellenpilz, der in allen Teilen weiß bzw. weißlich ist. Die Version mit den braunen Hüten sieht so aus, als habe sie Licht abgekriegt, die weiße Version wurde eventuell dunkel gehalten. Die (jungen, noch nicht voll entwickelten) Hüte sind knopfförmig und haben einen Durchmesser von ca. 2 bis 3 cm, die Stiele sind ca. 1 cm dick. Die Tramakonsistenz ist trocken und leicht wattig, etwa wie beim Kräuterseitling. Hut und Stiel sind beide trocken, die Huthaut ist glatt, der Stiel längsfaserig. Bei der Geruchsprobe war ein deutlicher Lerchensporn-Geruch wahrzunehmen, weshalb sich sofort der Verdacht ergab, es könne sich um Lyophyllum connatum (Weißer Büschelrasling) halten. Die von mir daraufhin durchgeführte FeSO4-Probe ergab allerdings keine graublaue Verfärbung. Dennoch glaube ich, dass es sich zumindest um einen Verwandten von Lyophyllum connatum handelt. Der ja hierzulande keinen Speisepilzstatus (mehr) hat, wohlgemerkt.

Die Zubereitung erfolgte in einer Pfanne, die Pilze wurden ohne Flüssigkeitszugabe mit Butter, Zwiebeln und Salz ca. 15 Minuten bei mäßiger Hitze gebraten. Sie schmeckten danach nicht bitter, hatten aber immer noch dieses penetrante Lerchensporn-Aroma. Die Konsistenz war angenehm.

Fazit: Ich finde das Lerchensporn-Aroma schon bei der Lyophyllum-connatum-Geruchsprobe nicht angenehm. Somit ist das kein Pilz für mich. Ganz abgesehen davon, dass der Speisepilzwert von Lyophyllum connatum sehr zweifelhaft ist (man schreibt dem Pilz mutagene/kanzerogene Wirkungen zu!). Daher sage ich für mich: Finger weg, man muss nicht alles essen, was im Supermarkt angeboten wird.

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Re: Mal wieder ein kulinarisches Experiment

Svampskogen, (vor 5367 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan!

Interessanterweise wurde Lyophyllum shimeji vor ein paar Jahren erstmals auch in Schweden nachgewiesen. In schwedischen Pilzforen finden sich daher viele Anfragen bzgl. dieses Pilzes. Er scheint im nördlichen Skandinavien nicht selten zu sein. Anscheinend wächst er meist in heideartigen Kiefernwäldern, oft zusammen mit Tricholoma matsutake und Boletus pinophilus! Ich glaube er wurde bislang für blasse L. decastes gehalten.

Grüsse Svampskogen

Diesmal nicht mit was Selbstgefundenem, sondern mit was Gekauftem.
Pilzbezeichnung: "Shimeji/Buchenpilz", gibt's in einer Version mit
reinweißen und in einer mit hellbraunen Hüten
Bezugsquelle: Kaufland, 150-g-Packung zu 1,99 €
angegebener Hersteller: Green Co. Ltd, Südkorea
angegebener EU-Importeur: Green Mushroom Farm BV, De Lier, Niederlande
Als erstes habe ich die Pilze sensorisch getestet. Es handelt sich um einen
büschelig wachsenden, offensichtlich auf Holzhäcksel gezüchteten
Lamellenpilz, der in allen Teilen weiß bzw. weißlich ist. Die Version mit
den braunen Hüten sieht so aus, als habe sie Licht abgekriegt, die weiße
Version wurde eventuell dunkel gehalten. Die (jungen, noch nicht voll
entwickelten) Hüte sind knopfförmig und haben einen Durchmesser von ca. 2
bis 3 cm, die Stiele sind ca. 1 cm dick. Die Tramakonsistenz ist trocken
und leicht wattig, etwa wie beim Kräuterseitling. Hut und Stiel sind beide
trocken, die Huthaut ist glatt, der Stiel längsfaserig. Bei der
Geruchsprobe war ein deutlicher Lerchensporn-Geruch wahrzunehmen, weshalb
sich sofort der Verdacht ergab, es könne sich um Lyophyllum connatum
(Weißer Büschelrasling) halten. Die von mir daraufhin durchgeführte
FeSO4-Probe ergab allerdings keine graublaue Verfärbung. Dennoch glaube
ich, dass es sich zumindest um einen Verwandten von Lyophyllum connatum
handelt. Der ja hierzulande keinen Speisepilzstatus (mehr) hat,
wohlgemerkt.
Die Zubereitung erfolgte in einer Pfanne, die Pilze wurden ohne
Flüssigkeitszugabe mit Butter, Zwiebeln und Salz ca. 15 Minuten bei
mäßiger Hitze gebraten. Sie schmeckten danach nicht bitter, hatten aber
immer noch dieses penetrante Lerchensporn-Aroma. Die Konsistenz war
angenehm.
Fazit: Ich finde das Lerchensporn-Aroma schon bei der
Lyophyllum-connatum-Geruchsprobe nicht angenehm. Somit ist das kein Pilz
für mich. Ganz abgesehen davon, dass der Speisepilzwert von Lyophyllum
connatum sehr zweifelhaft ist (man schreibt dem Pilz mutagene/kanzerogene
Wirkungen zu!). Daher sage ich für mich: Finger weg, man muss nicht alles
essen, was im Supermarkt angeboten wird.

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Re: Mal wieder ein kulinarisches Experiment

Thomas Pruss, (vor 5367 Tagen) @ Stephan Weißer

Moin Stephan,
das ist der Buchenrasling (Hypsizygus tessulatus). Guckst du auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Holzraslinge
Grüßlis
Thomas

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Re: Mal wieder ein kulinarisches Experiment

Christoph ⌂, (vor 5367 Tagen) @ Thomas Pruss

Servus Thomas,

die gezüchteten sind gewöhnlich Hypsizygus marmeoreus, eine asiatische Art (falls eigenständig).

Hypsizygus tesselatus s.str. (Schildkrötenrasling) ist bei uns heimisch, riecht zudem nicht nach Lerchensporn und ist wohl extrem selten. Ich kenne nur eine einzige Fundstelle - im Nationalpark Bayerischer Wald an einem Buchenstamm im "Urwald" Watzlik-Hain.

LG
Christoph

Moin Stephan,
das ist der Buchenrasling ( Hypsizygus tessulatus ). Guckst du auch hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Holzraslinge
Grüßlis
Thomas

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Was mich wundert …

Thomas Pruss, (vor 5367 Tagen) @ Christoph

Moin Christoph,
was mich wundert: Wieso ist der Ulmenrasling so selten? Er besiedelt Totholz, und zwar nicht nur von Ulmen (lt. "Großpilze v. BaWü), sondern auchBuche Walnuss, Eiche und Pappel. Wobei Ulmenholz wohl am häufigsten befallen wird. Braucht der eine besondere Ulmenart? Bei uns wachsen am häufigsten Feldulmen.
Fehlt das notwendige Totholz? Unsere "Gebüsche" werden recht naturnah bewirtschaftet, und da kommt reichlich Totholz vor.
Grüßlis
Thomas

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Re: Was mich wundert …

Christoph ⌂, (vor 5367 Tagen) @ Thomas Pruss

Servus Thomas,

ich hab den Ulmenrasling noch gar nicht gefunden. Ob er an Buche wächst, weiß ich nicht, da er gerne mit Hypsizygus tesselatus zusammengeworfen wird (was mich ehrlich gesagt wundert). Ulmen wiederum sind in meiner Ecke sehr selten geworden - wegen Scolytus scolytus, dem Ulmensplintkäfer (und Ophiostoma neoulmi, wenn ich mich recht erinnere). Insofern hat er kaum noch Substrat.

Aber auch der Schildkrötenrsling scheint sehr selten zu sein, obwohl Buche ein recht häufiges Substrat ist... Warum? Keine Ahnung.

LG
Christoph

Moin Christoph,
was mich wundert: Wieso ist der Ulmenrasling so selten? Er besiedelt Totholz,
und zwar nicht nur von Ulmen (lt. "Großpilze v. BaWü), sondern
auchBuche Walnuss, Eiche und Pappel. Wobei Ulmenholz wohl am häufigsten
befallen wird. Braucht der eine besondere Ulmenart? Bei uns wachsen am
häufigsten Feldulmen.
Fehlt das notwendige Totholz? Unsere "Gebüsche" werden recht
naturnah bewirtschaftet, und da kommt reichlich Totholz vor.
Grüßlis
Thomas

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Re: Was mich wundert …

Andreas ⌂, (vor 5367 Tagen) @ Christoph

Servus Thomas,
ich hab den Ulmenrasling noch gar nicht gefunden. Ob er an Buche wächst, weiß
ich nicht, da er gerne mit Hypsizygus tesselatus zusammengeworfen wird
(was mich ehrlich gesagt wundert). Ulmen wiederum sind in meiner Ecke sehr
selten geworden - wegen Scolytus scolytus, dem Ulmensplintkäfer (und
Ophiostoma neoulmi, wenn ich mich recht erinnere). Insofern hat er kaum
noch Substrat.
Aber auch der Schildkrötenrsling scheint sehr selten zu sein, obwohl Buche
ein recht häufiges Substrat ist... Warum? Keine Ahnung.
LG
Christoph

Hallo,

das Problem bei den Zuchtpilzen ist aber noch größer. Nicht nur, dass dort wechselweise die Namen "Buchen-Rasling" und "Ulmen-Rasling" benutzt werden, obwohl es sich hierbei um zwei ganz verschiedene Arten handelt. Mehr noch ist, das (zumindest manche) Kulturen des Buchen-Rasling mikroskopisch wohl eher eine Pleurotus-Art darstellen.
Im Fachbeirat "Toxikologie und Pilzverwertung" befassen wir uns gerade mit einem Vorschlag zur Vereinheitlichung der Zuchtnamen auf vernünftiger Basis (keine "Goldkäppchen" oder "Braunkappen" bitte ....). Dabei sind wir auch auf dieses Problem gestoßen, und ich werde von Frau Krämer eine Probe der Buchen-Raslingszucht bekommen, die sie vertreibt. Dann können wir mal schauen, was das wirklich ist. Diese Zuchtpilze sehen auch ganz anders aus, z.B. fehlt ihnen der marmorierte Hut von Hypsizygus tessulatus/marmoreus.

beste Grüße,
Andreas

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Nachtrag bzgl. Lyophyllum shimeji

Andreas ⌂, (vor 5367 Tagen) @ Andreas

Hallo nochmals,

die Bezeichnung angeblich aus dem japanischen stammende Handelsbezeichnung "Shimeji" für diesen Buchenrasling ist irreführend. In Japan wird eine ganze (künstliche) Gruppe von Speisepilzen aus verschiedenen Gattungen "Shimeji" genannt. Da sind z.B. auch Ritterlinge mit dabei.

Daher würde es mich auch ncith wundern, wenn unter dieser Bezeichnung bei den Züchtern verschiedene Kulturen ganz verschiedener Arten kursieren - von denen alle denken es sei der Buchen-Shimeji.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Nachtrag bzgl. Lyophyllum shimeji

Svampskogen, (vor 5367 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas

Danke für die Richtigstellung! Dass sich unter dem Namen Shimeji mehrere Arten verstecken, war mir nicht bewusst...

Grüsse Svampskogen

Hallo nochmals,
die Bezeichnung angeblich aus dem japanischen stammende Handelsbezeichnung
"Shimeji" für diesen Buchenrasling ist irreführend. In Japan
wird eine ganze (künstliche) Gruppe von Speisepilzen aus verschiedenen
Gattungen "Shimeji" genannt. Da sind z.B. auch Ritterlinge mit
dabei.
Daher würde es mich auch ncith wundern, wenn unter dieser Bezeichnung bei den
Züchtern verschiedene Kulturen ganz verschiedener Arten kursieren - von
denen alle denken es sei der Buchen-Shimeji.
beste Grüße,
Andreas

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Re: Nachtrag bzgl. Lyophyllum shimeji

Andreas ⌂, (vor 5367 Tagen) @ Svampskogen

Hallo Andreas
Danke für die Richtigstellung! Dass sich unter dem Namen Shimeji mehrere
Arten verstecken, war mir nicht bewusst...
Grüsse Svampskogen

Hallo,

auch hier ist (weider mal) Wikipedia eine gute Quelle. Zumindest kann man von dort aus leicht tiefer in die Sache einsteigen. Ich benutze gerne die englische Wikipedia bei Pilzen, denn die scheint mir ausführlicher und aktueller, zumindest oft so.
http://en.wikipedia.org/wiki/Shimeji

Dort ist auch klar gezeigt, dass eben dieses Lyophyllum Hon-Shmieji heißt, der Schildkrötenpilz Buna-Shimeji (Buchen-Rasling) usw.

Das Lyophyllum shimeji wurde wohl auch in Schweden gefunden, vielleicht auch im Bayerwald (siehe mein Thread im Bayern-Forum http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1107.0.html). Es ist jedenfalls klar ein anderer Pilz als der Buchen-Rasling und auch der Ulmen-Rasling. Er gilt als Mykorrhizapilz und somit natürlich auch als nur sehr schwer züchtbar.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Nachtrag bzgl. Lyophyllum shimeji

Thomas Pruss, (vor 5367 Tagen) @ Andreas

Moin Andreas,
das sind ja mal wieder hochinteressante Informationen. Danke dafür!
Grüßlis
Thomas