Pilzkartierung in Waldbiotopen

Bernd Miggel, (vor 5362 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,

kann es sein, dass der eine oder andere unter euch auch Pilzekartierung macht?
Ich jedenfalls bin seit über 15 Jahren dabei. Die Arbeit ist unheimlich interessant, aber auch ziemlich zeitintensiv.
Und weil ich das nicht mehr allein machen möchte, frag ich einfach: wer hat Lust, dabei mitzumachen?
Geografisch gesehen handelt es sich um den Grenzbereich zwischen dem nördlichen Schwarzwald und dem südlichen Kraichgau, mein Standort ist Straubenhardt.
Es sind tolle Biotope dabei: z.B. Altbaum-Bestände über Muschelkalk, Lößlehm, Buntsandstein, auch ein paar Feuchtbiotope mit Weiden, Erlen, Pappeln, Eschen.
Keine einfache Sache, aber sehr interessant!

Freue mich auf Antworten

Bernd

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Re: Pilzkartierung in Waldbiotopen

Älbler, (vor 5362 Tagen) @ Bernd Miggel

Hallo Bernd,

wirst du 200 Jahre alt?

Ich interessiere mich auch für Pilzkartierung und habe eine Methode gefunden, die mir viel Spass bereitet und möglicherweise den richtigen Ansatz für eine umfassende Kartierarbeit leistet:

Man sucht sich eine kleine Kartierfläche von nicht mehr als 5000 m² in einem möglichst einheitlichen Biotop aus (z.B. Hainbuchenwald auf Kalk) und bestimmt eine Vegetationsperiode lang jeden Makromyzeten, der dort erscheint. Hat den angenehmen Nebeneffekt, dass man sich mit allen Gruppen bekannt machen muss. Außerdem bekommt man einen Blick für neue Arten und findet sie auch an anderen Standorten schnell wieder. Dies wiederholt man in dieser Fläche so lange, bis man keine (kaum noch) neue Arten findet (ich bin nach 2 Jahren jetzt bei gut 150 Taxa und so langsam ist ein Ende in Sicht).

Erst dann weitet man seinen Radius um diese Kartierfläche herum aus. Da man ja aufgrund der Vorarbeit sehr viele Arten schon kennt, kommen nun nicht mehr so furchtbar viele Neubestimmungen dazu. Erst wenn sich der Waldtyp wieder ändert geht die Bestimmungsmaloche von vorne los.

Natürlich werde ich mit dieser Methode nicht weit im Land herumkommen. Aber man erhält einen repräsentativen Überblick über die Verteilung der Arten in einem bestimmten Biotop. Mit diesem Basiswissen lassen sich dann gleichartige Biotope in anderen Regionen schneller erfassen.

Wenn ihr so ein großes Gebiet wählt, könnt ihr nur Stichproben machen oder auffällige Arten kartieren. Dies führt zu dem Effekt, dass dann Arten wie z.B. der Königsröhrling überkartiert werden und auf den Verbreitungskarten häufig erscheinen, während z.B. Cortinarius luhmannii, der sehr wahrscheinlich in Kalkgebieten weit verbreitet ist, in den Verbreitungskarten fast fehlt.
Besser ist es nach meiner Meinung, erst mal mit einem kleineren Gebiet anzufangen und dies dann umfassend und konzequent zu untersuchen.

Viele Grüße
Christian

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Re: Pilzkartierung in Waldbiotopen

Bernd Miggel, (vor 5362 Tagen) @ Älbler

Hallo Christian,

du hast sicher Recht. So bin ich tatsächlich lange Zeit selber vorgegangen: Über einen Zeitraum von 10 Jahren wurden ca. 300 Arten in einem Carici-Fagetum nachgewiesen. Doch die Sache soll ja auch spannend bleiben, ein einziges Biotop finde ich auf Dauer nicht so toll. Überkartierungen von Arten kann man sicher bewusst vermeiden.
Und klar wird man über Vorgehensweise und Anzahl oder auch Größe der Untersuchungsflächen diskutieren, da bin ich ganz offen.

Deinen Vorschlag finde ich wirklich gut. Aber leider fehlen mir immer noch ein oder vielleicht zwei Mitstreitern, am besten aus meiner Umgebung.

Viele Grüße

Bernd

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Ach wie schön, wenn man sich beschränken darf…

Thomas Pruss, (vor 5362 Tagen) @ Älbler

Moin Christian,
… wenn man die Qual der Wahl hat (seufz!). Die "Gebüsche" in meiner Gegend – südliches Nordfriesland und ein wenig Schleswig-Flensburg – messen maximal 2 qkm. Da kennt man nach 10 Jahren so ziemlich jeden Pilz manchmal sogar mit zweitem Vornamen. ;-) Aber immerhin: Auf 182 Arten bin ich bislang gekommen, und manchmal ist auch immer eine Überraschung drin.
Und wenn wir demnächst umziehen in die Haseldorfer Marsch an der Elbe, darf ich mich mit "Wäldern" rumschlagen, die nach wenigen tausend Quadratmetern messen.
Manchmal wünsch‘ ich mich schon zurück in die Eifel oder meinetwegen auch an die Alb oder den Schurwald. ;-)
Grüßlis
Thomas

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Re: Ach wie schön, wenn man sich beschränken darf…

Wolfgang P., (vor 5362 Tagen) @ Thomas Pruss

Aber immerhin: Auf 182 Arten bin ich bislang gekommen, und manchmal ist auch immer eine Überraschung drin.

Hallo Thomas,

182? Soviele Arten müsstest Du doch alleine auf den Schaf-Kötteln an Deich finden ;-)

Und dann gibt's noch Moore, Dünen, etc. Zugegeben alles eher schwierigere Bestimmungs-Kandidaten.

Wie sieht's denn im Stadtpark Elmshorn aus?

Grüße,

Wolfgang

(der zwischen Hunsrück und Taunus leicht Reden hat...)

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Einspruch

Nobi, (vor 5362 Tagen) @ Wolfgang P.

Hallo Wolfgang,

ich mach' das jetzt seit fast 15 Jahren und habe "nur" 92 Arten an Schaf-Kötteln!

Wann soll der Thomas denn die 182 schaffen? Ob wir das noch erleben dürfen :-))

Übrigens ist Rinderdung mit 128 Arten z.Z. der Spitzenreiter. Zumindest in Sachsen.

Herzliche Grüße vom Nobi

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Re: Ach wie schön, wenn man sich beschränken darf…

Thomas Pruss, (vor 5362 Tagen) @ Wolfgang P.

Moin Wolfgang,
ich bin halt ein alter "Waldläufer", ein Erbe aus meiner Eifel- und Stuttgart-Zeit. Als "Kötel-Dreher" betätige ich mich erst seit diesem Winter, und das war ganz interessant. Auch wenn ich mich aus Zeitgründen dem Pferdeapfel nur wenig widmen konnte. Eine (!) Düne haben wir auch im Nachbarkreis, und ich ärgere mich jedesmal nach einem Wochende, dass ich die noch nicht heimgesucht habe. Immerhin tröstlich ist dabei aber der Gedanke, dass sie mir nicht entkommt, weil sie ihr Wanderleben schon vor einiger Zeit eingestellt hat. ;-)
Den Stadtwald in Elmshorn muss ich erst noch finden, auf GoogleMaps isser jedenfalls nicht drauf. Ohnehin bin ich so Elmshorn-geschädigt, dass ich da nicht tot überm Zaun hängen mag. Als Bahnfahrer bin ich da mehrfach gestrandet, weil sich die dortige Bevölkerug gerne von den Zügen überfahren lässt (verständlich, wenn man in dieser Stadt leben muss … :-( ). Da gefallen mir die Stadtparks von Pimmel … äh … Pinneberg und Glückstadt schon besser: Eichen-Buchen-Mischwälder mit z. T. uraltem Baumbestand (auch eruiert bei bahntechnischen Zwangspausen). Glückstadt hat zudem den Vorteil, dass direkt neben dem Stadtpark der Hafen liegt: Wenn ich im Wald nix finde, kann ich im Hafen auf jeden Fall ein ppar Barsche oder Zander fangen. Oder vice versa …
Grüßlis
Thomas

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Re: Pilzkartierung in Waldbiotopen

Mani walter, (vor 5361 Tagen) @ Älbler

Hallo Kollegen

Ich denke eure Biotope von z.B. 2 km2 enthalten sicherlich besonders interessante offene Partien wie Wiesen, Bachläufe, Gräben und andere Vertiefungen, Hügel (Süd - Nord) und anderseits unterschiedliche Baum-Bepflanzungen.
Habt Ihr euch dabei nach einem Rastersystem oder nach interessanteren Fundpunkten orientiert?
Ich mache dies noch nicht nach einem Raster, doch wahrscheinlich muss ich mich neu organisieren in Richtung Rastersystem von +/- 5m? . Auf die Dauer dürfte dies wahrscheinlich die einfachere Lösung sein - und Besonderheiten sind dann zuzuordnen.
Danke für eure Eingaben und l.G. Mani