Schlehenrötling - Entoloma sepium? *PIC*

Joschi Siembida ⌂, (vor 5297 Tagen)

Hallo Zusammen,

habe heute die hier gefunden:

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Standort ist eine steile hohe Böschung am Rande eines Schlehengestrübs mit, Birnbaum, Apfelbaum und Weisdorn. Untergrund ist Rotliegend. Ausrichtung West-Südwest.

Hutfarben jung und frisch hell gelb-ocker bis grau. Angetrocknet mehr graubräunlich.
Geruch eher schwach unspezifisch. Erst nach anschneiden des Fleisches deutlich gurkig, mehlig, ranzig. Geschmack ebenso.
Hutdurchmesser im Durchschnitt um 6cm der große hat 9cm.
Stiel an der Basis ausspitzend und 2-3cm im Boden steckend. Apikal leicht angeschwollen. Deutlich längsfaserig.
Lamellen ausgebuchtet leicht herablaufend angewachsen. Lamellenbreite bis 1cm.
Sporenpulver rosa.

Vor Ort viel mir der Schlehenrötling ein. Bis auf das röten der Madengänge (keine vorhanden), habe bis jetzt auch kein röten des Fleisches festgestellt, passte alles zur Beschreibung im Gerhard. Mit dem Schlüssel in Pilze BaWü komme ich nun auch zu E. sepium. Als alternative käme wohl der Mehl-Rötling E. prunuloides in Frage, aber der kommt laut Bücher im Herbst und der Standort passt auch nicht wircklich. Für den Silbergrauen Rötling E. saundersii sind mir die Farben nicht grau und dunkel genug.

Da ich den Kerl noch nicht hatte wäre es schön wenn Ihr den bestätigen oder zurechtrücken könntet.

Danke.

Gruß Joschi

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Re: Tipp

Joschi Siembida ⌂, (vor 5297 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo Gelbfieber,

danke für den Tipp. Wenn der Stiel definitiv hohl sein muss, dann fällt der auch raus. Den Schildrötling hatte ich letztens in Schluchtwaldaue und habe ihn wegen des fehlenden Buckels, den blasseren Farben und dem festen stabilen Habitus garnicht in betracht gezogen. Falsch gedacht?
Ein Mikroskop habe ich nicht.

Gruß Joschi

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Re: Tipp

Wolfgang P., (vor 5297 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Gelbfieber,
danke für den Tipp. Wenn der Stiel definitiv hohl sein muss, dann fällt der
auch raus. Den Schildrötling hatte ich letztens in Schluchtwaldaue und
habe ihn wegen des fehlenden Buckels, den blasseren Farben und dem festen
stabilen Habitus garnicht in betracht gezogen. Falsch gedacht?
Ein Mikroskop habe ich nicht.
Gruß Joschi

Hallo Joschi,

der Stiel muss nicht hohl sein. Ich würde auch auch clypeatum tippen.

Grüße,

Wolfgang

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Re: Schlehenroetling - Entoloma sepium?

HARZPILZCHEN, (vor 5297 Tagen) @ Joschi Siembida

Moin Joschi

Das sieht für mich wie typische Pflaumenrötlinge aus, artspezifisch die rötlichen Gänge im Stiel. Auch die Fruchtkörperfarbe paßt, was nicht heißt, daß der Schildrötling in diesen Farben nicht auch erscheinen kann. Mikroskopisch dürfen die beiden Arten schwer zu trennen sein.

Siehe hier:

Beitrag 159680

LG Hartmut

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noch ein Tipp *PIC*

Alis ⌂, (vor 5297 Tagen) @ Joschi Siembida

in der Südwestdeutschen Pilzrundschau Heft 1/2012
http://www.pilzfreun.de/zeitschrift/#h.e221450d5622
ist ein interessanter Artikel zu dem Thema.
Wer den ganzen Artikel braucht möge sich an Forumsmitglied Peter wenden.

Guajak habe ich nicht im Haus, aber Anilin. Die Farbreaktion ist schön zu sehen.

Gruß Alis

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Sammeldank

Joschi Siembida ⌂, (vor 5297 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Zusammen,

vielen danke für Eure Tipps und Meinungen.

Also werde ich den Standort nochmals aufsuchen und hoffen daß sich einige Maden eingefunden haben. Hätte nie gedacht daß ich mal froh sein würde Pilze mit Madenbefall zu finden. *kopfschüttel* Bisher waren alle Ast rein! Guajak und Anilin hab ich leider beides nicht.

Hab jetzt nochmal nachgelesen und geschaut und denke, daß es sich bei den Schildrötlingen die ich letztens in den Fingern hatte um E. clypeatum var. aprile handelt. Also gehts auch dort noch mal hin.

Gruß Joschi

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Dem "?" auf der Spur... *PIC*

Joschi Siembida ⌂, (vor 5294 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Zusammen,

... zog es mich am Sonntag nochmals zum Standort. Operation Madengänge erwieß sich allerdings als etwas schwierig, denn Madengänge waren Mangelware.

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Von meheren zerpflücketen Fruchtkörpern war dies der erste mit Madengängen. Eine leichte rosa Tönung war zu erkennen, aber zum "?" ausräumen war mir das doch etwas dürftig. Also erst mal alles einpacken. Die Zeit drängte, ich war zum Mittagessen eingeladen und wollte doch noch den vermeintlichen April-Rötling ein paar Kilometer weiter im Schluchtwald ablichten. Wie es so kommt lief mir dort noch eine weitere Pilz über den Weg und es wurde zeitlich richtig eng.

Zurück zur Operation Madengänge.

Montagvormittags schon wieder auf dem Sprung in den Wald stand unerwartet ein anderer örtlicher Pilzverrückter, mit Pilzchen in Händen, in Vermieters Garten. Prompte Frage: "Hast du Guajak oder Anilin?" - "Guajak ja" - "Super!" Also wechselten zwei Entolomas schnell den Besitzer und ich düste los.

Wieder gut gelaunt zuhause angekommen ging es dem vermeintlichen Schlehenrötlingen an den Kragen oder besser ans Innenleben. Wieder mussten einige Fruchtkörper dran glauben bis sich endlich einer mit Maden fand:

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Damit war für mich das "?" verschwunden und die Pilze endlich auf den Namen Schlehenrötling Entoloma sepium getauft. Ein später folgendes Telefonat ergab ein zweifaches starkes grünblau und eine Einladung zum Besuch des Gartens zwecks Pilzbegutachtung. Damit lößte sich auch das "?" bei den Rötlingen vom Schluchtwald auf.

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April-Rötling Entoloma aprile

Kleiner Exkurs zur Ökologie:
Die Schluchtwaldaue besteht zum größten Teil aus Eschen, Ahorn und jungen Ulmen. Die jungen Ulmen hatte ich auf den ersten Blick für Hainbuchen gehalten. Die jungen Blätter sehen sich schon recht ähnlich. An allen Fundstellen von E. aprile fanden sich, oh Wunder, dann auch Ulmen. Das interessantere war allerdings ein alter Trampelpfad den Hang entlang. Dort stehen auch immer wieder einzelne kleinere Ulmen zwischen Buche, Eiche, Ahorn und Hainbuche. An drei verschiedenen Stellen entdeckte ich im Wurzelbereich von Ulmen die makroskopisch gleichen Pilze wie unten in der Aue. Unter anderen Bäumen habe ich dagegen keine gesehen. Meine bescheidene Erkenntnis daraus: Ohne Ulme auch kein April-Rötlinge. Dies wiederspricht aber der Anmerkung in Pilze BaWü (S.183): "Von einer vorzugsweisen oder gar definitiven Vergesellschaftung mit Ulme kann also keine Rede sein." Natürlich beweißen meine Beobachtungen keineswegs das Gegenteil, vielleicht alles nur Zufall oder ich hab irgendwas übersehen, aber ich fand es bemerkenswert. Gibts dazu ähnliche Beobachtungen?

Aber zurück zur eigentlichen Geschichte.

Beim abendlichen Kurzbesuch in Papa P´s Garten gabs dann kleine braune Pilzchen in der Wiese (mit weiteren "???") und für mich noch mehr Rötlinge unter Zwetschge. Papa P hatte sie schon als Schildrötlinge E. clypeatum bestimmt. Welch ein Glücksfall sich am lebenden Objekt die Unterschiede der drei Arten anschauen zu können. Vor lauter Freude hab ich dann auch keine Fotos gemacht! *indenhinternbeiß*

So liebe Pilzgemeinde, das war meine Geschicht vom "?"

Naja fast. Bliebe vielleicht noch die Frage für welchen Pilz ich Montags noch mals in die Schlucht düste, statt mich gleich um die Rötlinge zu kümmen. Die Antwort:

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Meine ersten Morchelbecherlinge Disciotis venosa in diesem Gebiet. :-)))

Gruß Joschi

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Re: Dem "?" auf der Spur...

Der Juergen, (vor 5294 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo Joschi,

ich gratuliere zum E. aprile. Den such ich schon lange vergebens. Teste da doch mal Guaiak und Anilin. G. KRIEGLSTEINERS Auffassung dieser Art hinterlässt bei mir auch Fragezeichen. Besagter E. aprile soll ja bei Obstbäumen (Apfel) vorkommen.

Grüßle
Jürgen

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Re: Dem "?" auf der Spur... *PIC*

Joschi Siembida ⌂, (vor 5294 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

ich gratuliere zum E. aprile.

Danke Dir. Wie weit is es den von Dir bis in die Pfalz? Noch steht der Wald voll.

Teste da doch mal Guaiak und Anilin.

Papa P hat auch diesen Rötling mit Guajak getestet und die Reaktion war intensiv Blaugrün. Anilin war nicht vorhanden. Werde wohl doch noch in die Apotheke gehen und die 100ml Flasche kaufen.

G. KRIEGLSTEINERS Auffassung dieser Art hinterlässt bei mir auch Fragezeichen.

Ok gut zu wissen. Also werde ich die Angaben dazu mit Vorsicht genießen.

Hier noch ein Foto vom Standort des E. aprile.

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Der m² rechts vom Koffer.

Gruß Joschi

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Re: Dem "?" auf der Spur...

Pilzgrufti, (vor 5292 Tagen) @ Joschi Siembida

Hallo,

Noch ein kleiner Hinwei:

In 30 Jahren habe ich E. aprile nur einmal ohne Ulmen gefunden. Kriegelsteiner hatte wohl einen anderen Pilz.

Übrigens beziehen sich alle euere Ausführung auf die heutige Deutung von E. aprile. Diese ist sehr zweifelhaft. Britzlmeyer hat wohl ursprünglich etwas anderes (eventuell die heutige E. vernum)unter dem Namen beschrieben.

Gruß
Gerhard

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Re: Dem "?" auf der Spur...

Joschi Siembida ⌂, (vor 5292 Tagen) @ Pilzgrufti

Hallo Gerhard,

Danke auch Dir für Deine Erfahrung zur Ökologie. Dann werde ich in Pilze BaWü mal ein Fragezeichen an den Abschnitt anhängen.

Übrigens beziehen sich alle euere Ausführung auf die heutige Deutung von E. aprile. Diese ist sehr zweifelhaft. Britzlmeyer hat wohl ursprünglich etwas anderes (eventuell die heutige E. vernum)unter dem Namen beschrieben.

Interessant und gut zu wissen! Das wäre ja dann die Chance für eine Neubeschreibung. Wer will, wer hat noch nicht? ;-)

Gruß Joschi