Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schuld?

Carabus, (vor 5281 Tagen)

Hallo Pilzgemeinde,
ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich habe seit Jahren eine todsichere Morchelstelle in den Rheinauen. Morchelbecherlinge und Speisemorcheln findet man dort (mit Ausnahme des W(w)üsten-Jahres 2011) immer.
Dieses Jahr stimmt eigentlich alles. Viel Regen, milde Temperaturen - und trotzdem hab ich bis auf eine Mini-Morchel gar nichts gefunden. Niente, nada.
Kann da noch ein Schub kommen?
Dazu auch noch eine Nachfrage: Seit letztem Jahr wuchert fast überall im Wald das Springkraut. Kann das die Ursache der Morchelflaute sein?
Wäre dankbar für jede Hilfe.
Viele Grüße
Carabus

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Maren ⌂, (vor 5280 Tagen) @ Carabus

Hallo Carabus
vielleicht hat das Wüstenjahr 2011 das Myzel völlig zerstört. Dann ist dort sicher nix mehr zu erwarten :(.
Gruß Maren

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Stephan Weißer, (vor 5280 Tagen) @ Carabus

Nach meinen persönlichen Erfahrungen bringen Morchelstellen nur so lange Fruchtkörper hervor, bis man sie ein, zwei Mal richtig "abgeräumt" hat. Danach ist erst mal mindestens 5 Jahre lang gar nichts. Seither habe ich mir angewöhnt, immer einige stehen zu lassen.
Ich erkläre mir das so, dass Morchelmyzelien wohl sehr kurzlebig und wenig ausdauernd sein müssen, dass also die "Morchelstelle" auf die ständige Fortpflanzung von Myzelien angewiesen ist (nur meine Theorie, versteht sich - früher hieß es ja mal, dass man das dazuschreiben sollte!).

Ich weiß auch gar nicht, ob eine Stelle, an der Springkraut vorkommt, wirklich eine Top-Morchelstelle ist. Ich jedenfalls habe noch nie an einer guten Morchelstelle Springkraut gesehen.

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Carabus, (vor 5280 Tagen) @ Stephan Weißer

Ich weiß auch gar nicht, ob eine Stelle, an der Springkraut vorkommt,
wirklich eine Top-Morchelstelle ist. Ich jedenfalls habe noch nie an einer
guten Morchelstelle Springkraut gesehen.

Hallo Stephan,
wie gesagt, das Springkraut ist dort erst seit letztem Jahr, davor hab ich es noch nie dort gesehen. Jetzt wuchert es unkontrolliert im ganzen Wald. Vielleicht ist das ja auch ein Indikator für ein gestörtes Ökosystem. Mit "Morchelstelle" meine ich auch nicht einen bestimmten Punkt unter einem Baum, sondern ein Stück des Breisacher Auwaldes von gut 1000 Quadratmetern auf denen ich in der Vergangenheit wirklich immer was gefunden habe.
Im letzten Jahr hat es von März bis Juni praktisch nie geregnet, der Boden war aufgerissen und staubtrocken. Ich hoffe, dass diese Bedingungen das Myzel nicht vollständig abgetötet hat.
Aber vielen Dank für die Meinungen.
Grüßle
Carabus

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul *PIC*

Mani walter, (vor 5280 Tagen) @ Carabus

Hallo mitenand

Springkraut ist ein extrem wucherndes Unkraut das nicht in die Natur Europas passt. Darum gibt es in der Schweiz Aktionen, welche unterstützt durch die Behörden, Springkraut bekämpfen.

LG: Mani

[image]

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

UmUlmHerum, (vor 5280 Tagen) @ Mani walter

Springkraut ist ein extrem wucherndes Unkraut das nicht in die Natur Europas
passt. Darum gibt es in der Schweiz Aktionen, welche unterstützt durch die
Behörden, Springkraut bekämpfen.
LG: Mani

Hallo!
Von welchem Springkraut redet Ihr?
Auf Manis Foto ist wohl das "Amerikanische" mit den rosaroten Blüten zu sehen. Dann gibt es noch ein groß- und ein kleinblütiges gelbes Springkraut. Wenn ich mich nicht irre, ist das großblütige Gelbe endemisch, gehört also schon hierher - allerdings wächst es nicht alles zu.
Grüße - Rika

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Jule, (vor 5280 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo,

mal Begriffsklärung, damit sich das nicht falsch einprägt.

Endemisch heißt, dass die Pflanze nur in einem bestimmten lokalisierten Gebiet vorkommt und auch nur da. Z.B. ist Euphorbia canariense endemisch für die Kanarischen Inseln.

Und nein, keins der Springkräuter gehört nach Deutschland. Das sind alles Fremdlinge. Entweder Neophyten oder halt Agriophyten. Jedenfalls sind alle 3 eingeschleppt.

Die größten Probleme macht das Indische Springkraut (I. glandulifera).

ABER: Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen, jede Bekämpfung ist sinnlos, kostet nur Unmengen Geld. Das werden die Behörden auch irgendwann verstehen.

Ich kann den Hype nicht verstehen....

:D

Liebe Grüße Jule

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Schnuffel, (vor 5279 Tagen) @ Jule

Und nein, keins der Springkräuter gehört nach Deutschland. Das sind alles
Fremdlinge. Entweder Neophyten oder halt Agriophyten. Jedenfalls sind alle
3 eingeschleppt.

Hallo Jule,

Rika hat schon recht, das mit den großen gelben Blüten (Großblütiges Springkraut, Rühr-mich-nicht-an, Impatiens noli-tangere) ist einheimisch (indigen).

Eingeschleppt sind das
Kleinblütige Springkraut (Impatiens parviflora) aus NO-Asien,
Drüsige, Indische Sprigkraut (Impatiens glandulifera) aus dem Himalaja,
Orangeblütige Springkraut (Impatiens capensis) aus N-Amerika.

Gruß - Schnuffel

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Re: Morchelflaute am Oberrhein .Meine Meinung

Hans hurter, (vor 5280 Tagen) @ Carabus

ich gehe in dieser Gegend Richtung Basel -Elsass seit ca.50Jahren in die Morcheln seit ca.10Jahren sehr intensiv.2011 war ein komisches Jahr ein Stoss Anfang April,10Tage super dann zu trocken fast wüstenartig vielleicht sind gewisse Myzele zerstört.2012 auch Anfang April erster Stoss und trotz fast idealen Bedingungen Regen Wärme allerdings in den Nächten etwas kalt 14 Tage an bestimmten Stellen super an bestimmten Stellen nichts!Es kann sein ,dass an abgeweideten Stellen einige Zeit nichts kommt aber in diesem Auenwald ca.1 km2 habe ich mindestens an 30 Stellen früher Morcheln gefunden.Auch nicht zu vergessen diese Auenwälder sollten nach einigen Jahren wieder
überschwemmt werden oder mindestens intensive Regenfälle wie im 2006 .Das ist seit einiger Zeit nicht mehr der Fall.Allerdings habe ich vor 50Jahren auch gute und schlechte Jahre erlebt und viel mehr Spitzmorcheln gefunden und das direkt neben meinem Wohnort ca.2km Grundwasserfassung und Anreicherungsgebiet ca.3 km2.
Dieses Jahr habe ich durch einen Fischerkollegen ein neues Gebiet am Schweizer Rhein gefunden mit Morchelhügel à la Gerald und schönen Speisemorcheln.Auch ein
für mich neues Steinigebiet kann ich dieses Jahr erkunden allerdings auf ca.1000NN.LG Hans
PS schön wenn sich einige Morchelkenner zu diesem Thema äussern würden?

Hallo Stephan,
wie gesagt, das Springkraut ist dort erst seit letztem Jahr, davor hab ich es
noch nie dort gesehen. Jetzt wuchert es unkontrolliert im ganzen Wald.
Vielleicht ist das ja auch ein Indikator für ein gestörtes Ökosystem. Mit
"Morchelstelle" meine ich auch nicht einen bestimmten Punkt
unter einem Baum, sondern ein Stück des Breisacher Auwaldes von gut 1000
Quadratmetern auf denen ich in der Vergangenheit wirklich immer was
gefunden habe.
Im letzten Jahr hat es von März bis Juni praktisch nie geregnet, der Boden
war aufgerissen und staubtrocken. Ich hoffe, dass diese Bedingungen das
Myzel nicht vollständig abgetötet hat.
Aber vielen Dank für die Meinungen.
Grüßle
Carabus

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul *PIC*

Mani walter, (vor 5279 Tagen) @ Carabus

Hallo mitenand

Das Springkraut, das aus Indien stammende Springkraut, be- und verhindert durch ihr Wucherverhalten die einheimische Vegetation. Dies soll sich daselbst auf die gesamte "Nahrungskette" auswirken vom Kleinlebewesen über Insekten und schliesslich Kulturen jeder Art.
Und in diesem Sinne interessiert mich der Einfluss dieser Pflanze, ganz speziell auf die Welt der Pilze.
Dass Carabus darüber Beobachtungen anstellt, finde ich bestens.

L.G. Mani

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Der Juergen, (vor 5279 Tagen) @ Mani walter

Das Springkraut, das aus Indien stammende Springkraut, be- und verhindert
durch ihr Wucherverhalten die einheimische Vegetation.

Das ist eine etwas zu drastische Sicht. Neophyten sind hier in Mitteleuropa ökologisch gesehen relativ harmlos (bis auf den Mais;-), schlimmer sind die aus Europa in andere Erdteile exportierte "Neophyten".

Grüßle
Jürgen

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Gábor, (vor 5279 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

auch hier am Rhein bei Köln überwuchert das Indische Springkraut in einem breiten Streifen viele Kilometer lang beidseitig das Ufer.
Ich denke kaum, dass diese explosive Ausbreitung noch irgendwie zu stoppen ist.

Aber warum nicht aus der Not eine Tugend machen?

Ich bin ja nun weder Biochemiker noch Umwelttechniker.
Doch allein die Tatsache, dass die Pflanzen dermaßen schnell wachsen und an Volumen zulegen, müsste sie doch auch interessant machen.
Von den nussartig schmeckenden und fetthaltigen Samen einmal ganz abgesehen.

Als absoluter Laie könnte ich mir durchaus vorstellen, dass in einem entsprechend ausgeklügelten Verfahren einerseits Pflanzenöl gewonnen werden kann.

Andererseits freut sich über den üppigen Rest doch jede Biogasanlage, oder?

LG, Gábor

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Oha, Stephan !

McMuck, (vor 5278 Tagen) @ Stephan Weißer

Nach meinen persönlichen Erfahrungen bringen Morchelstellen nur so lange
Fruchtkörper hervor, bis man sie ein, zwei Mal richtig
"abgeräumt" hat. Danach ist erst mal mindestens 5 Jahre lang gar
nichts. Seither habe ich mir angewöhnt, immer einige stehen zu lassen.
Ich erkläre mir das so, dass Morchelmyzelien wohl sehr kurzlebig und wenig
ausdauernd sein müssen, dass also die "Morchelstelle" auf die
ständige Fortpflanzung von Myzelien angewiesen ist (nur meine Theorie,
versteht sich - früher hieß es ja mal, dass man das dazuschreiben
sollte!).

Also doch? Bisher wurde auch nur die kleinste Kritik oder Andeutung, Pilzsucher könnten mit dem "Abernten" von Vorkommen Schäden hervorrufen, hier als Unsinn verurteilt.

LG Stefan

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Re: Oha, Stephan !

Stephan Weißer, (vor 5278 Tagen) @ McMuck

Nun, Schäden würde ich das nicht gerade nennen. Schließlich kann ja jeder Morchelsucher entscheiden, ob er an einer ihm bekannten Morchelstelle später nochmal was finden will oder nicht. Außerdem wissen wir ja nicht, ob diese Theorie überhaupt zutrifft.

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Re: Oha, Stephan !

HARZPILZCHEN, (vor 5276 Tagen) @ Stephan Weißer

Nun, Schäden würde ich das nicht gerade nennen. Schließlich kann ja jeder
Morchelsucher entscheiden, ob er an einer ihm bekannten Morchelstelle
später nochmal was finden will oder nicht. Außerdem wissen wir ja nicht,
ob diese Theorie überhaupt zutrifft.

Moin Stephan

m.E. trifft das nicht zu. Ich ernte auf meinen Morchelstellen seit 1988 gründlich ab, je nach Feuchte und Witterung erscheinen sie immer wieder, mal in Massen, und wenn trocken, mit Notfruchtkörper. Selbst diese wage ich zu verspeisen.

LG Hartmut

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Re: Oha, Stephan !

Ingo Wagner, (vor 5276 Tagen) @ Stephan Weißer

Außerdem wissen wir ja nicht,
ob diese Theorie überhaupt zutrifft.

Hallo!

So ist es!
Ich persönlich glaube nicht, dass da was dran ist.

VG Ingo W

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Der Juergen, (vor 5279 Tagen) @ Carabus

Hallo Carabus,

an eine Art "Wurzelkonkurrenz" glaube ich hier nicht: Ich finde Morcheln auch im "Kraut": Giersch, Bärlauch etc. Ganz bedeckt darf der Boden allerdings nicht sein. Aber .. da wo die gelben Springkräuter plötzlich sich ausbreiten, war vorher meist ein intensiver Holztransport; die Samen der Springkräuter passen nämlich in die Reifenprofile der Langholztransporter und Geländewagen und werde dadurch verschleppt und verbreitet.

Grüßle
Jürgen

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Re: Morchelflaute am Oberrhein - Springkraut schul

Mani walter, (vor 5279 Tagen) @ Carabus

Hallo Kolleginnen und Kollegen

Eigentlich war ursprünglich die Frage, wie sich der Morchelpilz bei bzw. unter überwucherndem Springkraut verhält.
Ich denke, ein solch neues Umfeld macht ihm zu schaffen.

Hans meinte, dass z.B. die Morcheln mal hier nicht mehr und dafür an anderer Stelle neu auftreten, oder dass z.B. die Spitzmorcheln generell weniger häufig sind als in der Vergangenheit. (Dies ohne Springkraut)

Vieles was wir Menschen rund um den Erdball verteilen, hat negative Folgen für autochtone Lebewesen. (z.B.: Sommerflieder, Springkraut, Ratten, die hübschen Coloradokäfer, Fische usw.)
Ja - ja, ich weiss schon, vieles ist/war auch gut. (Z.B.: Unterlagen für reblausresistente Reben)

LG. Mani