Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi *PIC*

Klaas, (vor 5230 Tagen)

Hallo zusammen,

vielleicht kann mich ein Porlingsfreund endlich erlösen, ich komme mit diesen Lackporlingen nicht klar.
Inzwischen etwa fünf Funde in verschiedenen Gebieten die letzten Jahre und ich kann mich bei keinem dieser
zu einer Art festlegen. (Zudem kommt noch lucidum ins Spiel, da will ich für mich aber zunächst noch nicht
drauf eingehen.)
Kann man denn anhand der z.B sehr wulstigen Wuchsform frischer FK auf einen der beiden schließen?
Vermutlich nicht.
Die Anzahl der Poren pro mm scheint mir relativ, je nachdem, an welcher Stelle man denn misst. Bei diesem
Fund hier an einer Eiche messe ich 2-3 (oder auch mal 4). Die FK im Bild scheinen recht klein, im Verhältnis
zur alten Eiche mit bestimmt 1,50 Durchmesser nicht mehr so.
Die Sporen sind zwar hübsch, sagen mir im Größenvergleich aber nichts, sie bewegen sich um 6-7µm Breite.
Die Trama vom kleinen Abschnitt hierbei im hellen Sonnenlicht zu beurteilen, fällt schwer, zuhause war sie
dunkelbraun - wobei ich nicht weiß, wie sehr diese beim Trocknen nachdunkeln kann.
Die Harzschicht an den frischen FK ist für mich glatt, nicht runzelig.
Ob ich das jetzt aus verschiedenen Quellen falsch interpretiere und vermische, weiß ich nicht. Am Ende komme ich
jedes Mal bei Ganoderma resinapfeifferi raus...

Kann man anhand der Fotos im prallen Sonnenschein vom Samstag etwas sagen, oder dazu, worauf man genau achten und
nach wem man sich richten müsste, um solche Pilze definitiv bestimmen zu können?

Grüße
Klaas

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi

Andreas ⌂, (vor 5230 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

für mich wäre das ohne Probleme G. resinaceum. G. pfeifferi kenne ich deutlich rötlicher, eher mit G. lucidum zu verwechseln (farblich). Soweit ich weiß hätte G. pfeifferi eine gelber Lackkruste beim Abschaben.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi

Klaus, (vor 5230 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

als Porlingsfachmann würde ich mich nicht gerade bezeichnen, aber Ganoderma resinaceum, um den es sich ja möglicherweise handelt, verfolgt mich geradezu. Von den Bildern her kann ich eigentlich überhaupt nichts sagen, da ich G. pfeifferi nicht in jungem Zustand kenne. G. resinaceum reichlich, und der sah eigentlich immer eher hell-, fast orangebraun aus. Einige Unterscheidungsmerkmale, die allerdings nicht von mir sondern von Richard Eiser stammen, einem der großen Porlingsspezialisten vor langer, langer Zeit. Ich weiß gar nicht, ob er noch lebt. Genau deine Probleme hatte ich damals nämlich auch. Also:
G. resinaceum: helle, holzfarbene Trama, die nur über der Fruchschicht etwas eindunkelt. Frkp. mit harzig glasiger Deckschicht (die ich auf den Bildern kaum entdecken kann). Der ganze Frkp. ist sehr leicht, spätestens nach dem Trocknen. Die Sporen sind fein ornamentiert (Immersion,am besten mit Bwb anfärben). Einjährig; die Frkp. sterben ab und im nächsten Jahr kommen (meistens) neue.
G. pfeifferi: dunkelbraune Trama. Im Gegensatz zu G. resinaceum mehrjährig (Zuwachsschichten).
Frkp. deutlich schwerer. Hauptsubstrat Buche, G. resinaceum Eiche (das kann aber gelegentlich wechseln).
Bei G. resinaceum kannst du die Trama fast eindrücken, bei G. pfeifferi brichst du dir eher den Daumen. Das nach meinen Erfahrungen makroskopisch deutlicheste Trennmerkman (neben der Trama) ist der Geruch; spätestens nach dem Trocknen riecht G. resinaceum auffallend süßlich würzig, während G. pfeifferi eigentlich überhaupt nicht riecht.
G. resinaceum scheint im übrigen klimabedingt auf dem Vormarsch zu sein. Zumindest hier im Münsterland.
Schöne Grüße,
Klaus

Hallo zusammen,
vielleicht kann mich ein Porlingsfreund endlich erlösen, ich komme mit diesen
Lackporlingen nicht klar.
Inzwischen etwa fünf Funde in verschiedenen Gebieten die letzten Jahre und
ich kann mich bei keinem dieser
zu einer Art festlegen. (Zudem kommt noch lucidum ins Spiel, da will ich für
mich aber zunächst noch nicht
drauf eingehen.)
Kann man denn anhand der z.B sehr wulstigen Wuchsform frischer FK auf einen
der beiden schließen?
Vermutlich nicht.
Die Anzahl der Poren pro mm scheint mir relativ, je nachdem, an welcher
Stelle man denn misst. Bei diesem
Fund hier an einer Eiche messe ich 2-3 (oder auch mal 4). Die FK im Bild
scheinen recht klein, im Verhältnis
zur alten Eiche mit bestimmt 1,50 Durchmesser nicht mehr so.
Die Sporen sind zwar hübsch, sagen mir im Größenvergleich aber nichts, sie
bewegen sich um 6-7µm Breite.
Die Trama vom kleinen Abschnitt hierbei im hellen Sonnenlicht zu beurteilen,
fällt schwer, zuhause war sie
dunkelbraun - wobei ich nicht weiß, wie sehr diese beim Trocknen nachdunkeln
kann.
Die Harzschicht an den frischen FK ist für mich glatt, nicht runzelig.
Ob ich das jetzt aus verschiedenen Quellen falsch interpretiere und
vermische, weiß ich nicht. Am Ende komme ich
jedes Mal bei Ganoderma resinapfeifferi raus...
Kann man anhand der Fotos im prallen Sonnenschein vom Samstag etwas sagen,
oder dazu, worauf man genau achten und
nach wem man sich richten müsste, um solche Pilze definitiv bestimmen zu
können?
Grüße
Klaas

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Sehr interessante Details, danke! *oT*

Andreas ⌂, (vor 5230 Tagen) @ Klaus

- kein Text -

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi *PIC*

Klaas, (vor 5229 Tagen) @ Klaus

Hallo Klaus!

Genau deine Probleme hatte ich damals nämlich auch.

Über dieses Stadium hast Du es ja hinausgeschafft, ich hingegen stecke noch immer mitten drin... ;)
Wenn man sich mal im Internet umschaut, scheint es einigen anderen damit auch ähnlich zu ergehen
bzw. ergangen zu sein, insofern befinde ich mich in angenehmer Gesellschaft.
Das blöde daran ist, dass man die beiden nie zusammen zum direkten Vergleich vor sich hat.
Bei zwei Funden bin ich im Nachhinein inzwischen fast sicher, dass es G. pfeifferi war. Dieses "fast"
hinterlässt aber immer einen faden Beigeschmack.
In meiner vorhandenen Literatur ist oft nur einer der beiden beschrieben, der andere nur kurz erwähnt.
Und wenn ich nicht alles durcheinanderbringe, wird dort auch die Tramafarbe unterschiedlich angegeben.
Auch was die Ein- und Mehrjährigkeit angeht, finde ich unterschiedliche "Interpretationen" - Ryvarden
schreibt z.B. bei beiden "perennial".
Auch zu den Sporen steht u.a. dort "verrucose or ornamented", ein Exospor haben wohl beide - da fällt
mir die Unterscheidung schwer, gerade auch dann, wenn sich die Sporenmaße innerhalb beider Kandidaten
bewegen. Da ich keine über 7µm Breite finden konnte, spricht allein das etwas für G. resinaceum.

Mit der "hellen und holzfarbenen" Trama kann ich mich nicht anfreunden, die mir hierbei (zuhause) keineswegs
holzfarben erschien - da wäre eben ein direkter Vergleich schön. Auch war der Pilz gut durchgefeuchtet, was
das Gewicht und wohlmöglich auch die Contextfarbe beeinflusst.

Ansonsten komme ich mit Deiner schönen Gegenüberstellung in Worten gut zu G. resinaceum. Insbesondere der
bereits an den frischen FK intensive und süßlich-angenehme Geruch spricht sehr dafür.

Ich hatte mir nur ein Mini-Stückchen aus einer unauffälligen Stelle vom Randbereich (der sehr weichen FK)
herausgeschnitten und die Harzschicht nicht näher angeschaut. U.a. das hole ich am WE nach, ich wollte ohnehin
wieder in das Gebiet. Ich denke mir immer, dass solche Anblicke einfach zu schade sind, um sie ggf. anderen,
denen sie auffallen könnten, vorzuenthalten. Vielleicht sollte ich mal etwas rabiater vorgehen und mehr davon
zur Untersuchung mitnehmen. Ansonsten werden sie vermutlich eh demnächst abgetreten...

Als wohl wärmeliebende Art(en?) werde ich einem der beiden bestimmt die nächsten Jahre hier im
wüsten Rhein-Main noch öfters begegnen, vielleicht bringt die Zeit ja etwas mehr Sicherheit.

Ich hänge mal noch ein Sporenfoto (in Wasser) an, bei dem ich der feinwarzigen Ornamentation keine besondere
Aufmerksamkeit mehr geschenkt hatte, nachdem ich auch bei G. pfeifferi davon las.

Auch hier wieder besten Dank für Deine Infos und viele Grüße
Klaas

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi

Klaas, (vor 5229 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas

auch Dir wieder lieben Dank für Deine Einschätzung!
(Deinen Stuttgarter Fund vom Leucocoprinus habe ich übrigens beim Lesen des "Kleingedruckten" auch inzwischen kapiert...)

Viele Grüße
Klaas

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi

Klaus, (vor 5229 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,
diesmal etwas kürzer. Die Sporen bringen wohl nicht wirklich viel. Zumindest was die Länge angeht. Sporen mit 8/9 µm Breite sprechen auf jeden Fall für G. pfeifferi.
Was ‚perennial’ oder nicht betrifft, geht Till Lohmeyer in seinem Porlingsaufsatz in der Mycologia Bavarica 2 (mit einem schönen G. resinaceum-Bild) genau auf diese uneinheitlichen Angaben in der Literatur ein. Ich habe bislang noch an keinem einzigen Fundort erlebt, dass G. resinaceum im nächsten Jahr weiterwuchs. Aber das kann natürlich nicht repräsentativ sein.
Wenn ich Deine Angaben zum Geruch lese, ist der Fall aber sowieso klar. Die Art kann man ‚blind’ bestimmen, wenn man sie ein paar Mal gefunden und gerochen hat. Nicht unbedingt wissenschaftlich, aber wirkungsvoll.
Dann hoffe ich mal für Dich, dass der Fruchtkörper am Wochenende noch vorhanden ist. Dieser Anblick verleitet manche Zeitgenossen ja durchaus zu –vorsichtig formuliert- merkwürdigen Reaktionen.
Schöne Grüße,
Klaus

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi

jesko, (vor 5229 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

den von Klaus genannten Unterschied einjährig/mehrjährig kann ich auch bestätigen. Ganoderma resinaceum fault dann am Stamm weg. Selbst Versuche, die schöne Art für dekorative Zwecke zu trocknen, enden i.d.R. mit einem wenig zufriedenstellenden Ergebnis, wohingegen man die Fruchtkörper anderer Ganoderma-Arten jahrelang z.B. für Pilzausstellungen verwenden kann.
Ganoderma resinaceum kann man bei uns ziemlich zielsicher in den Sommermonaten an alten Roteichen an +/- offenen Stellen (Alleebäume, Parkanlagen) finden, dort ist er gut verbreitet. In natürlichen Waldhabitaten an unseren heimischen Eichen dagegen weitaus weniger. G. pfeifferi habe ich meist an Buche gefunden, aber doch eher selten.

Viele Grüße, Jesko

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi

Gerhard Schuster ⌂, (vor 5229 Tagen) @ Klaas

Hallo,
ein sehr interessantes Thema.
Vor ein paar Jahren konnte ich mal die Entwicklung von G. resinaceum ab Mai fotografisch festhalten. Im Juni waren sie deinen FK sehr ähnlich, ein wenig heller und wulstiger. Im Herbst waren die Fruchtkörper aufgrund ihrer Grösse und Farbe ein Blickfang für viele Besucher und Ende September hatte sie jemand abgeschnitten. Ich meine mich noch zu erinnern, dass sie bereits weg waren, als die Exkursion im Rahmen der DGfM Drei-Länder-Tagung dort stattfand. Die Eiche war eine der markantesten des Urwalds Sababurg und noch vital, fiel aber leider im übernächsten Winter und schlug sogar im Frühling darauf noch einmal aus.
VG
Gerd

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi

Klaas, (vor 5227 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

danke für Deine Info - nach dem heutigen Besuch dort bin auch ich sicher, dass es sich G. resinaceum
handelt. Die schon recht großen FK sind im Gesamten sehr weich, auch die dünne Harzschicht ist
mitsamt der Trama ganz leicht und beinahe schaumstoffartig, einzudrücken, zusammen mit Geruch und
Vorkommen an Eiche mit euren Hinweisen jetzt ein klarer Fall.
Allein die dunkelbraune Trama stört mich noch - ich habe mir heute davon nichts mitgenommen und
meine Interpretation dieser vorerst in der X-Files-Schublade verschwinden lassen...

Viele Grüße
Klaas

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Re: Ganoderma resinaceum vs. pfeifferi

Klaas, (vor 5227 Tagen) @ Gerhard Schuster

Hallo Gerd,

die Eiche dort im Gebiet sieht eigentlich mehr wie ein Denkmal aus, vermutlich nicht mehr
sehr vital. Vielleicht bleibt sie ja aber noch eine zeitlang stehen. Die Stelle ist auch nicht besonders
offensichtlich, sodass ich die FK ggf. auch noch in fortgeschrittenerem Alter sehen darf.
Viele Grüße
Klaas