Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Stephan Weißer, (vor 5147 Tagen)

Hallo Leute,
wie ihr wisst, haue ich mir gern auch mal etwas Neues in die Pfanne bzw. den Kochtopf. Nachdem ich heute bei einer Waldbegehung als einzig Vielversprechendes eine Familie Hohlfußröhrlinge aufgetan hatte, kamen die an die Reihe. Wie immer in Butter gedünstet und gesalzen, um den Eigengeschmack unverblümt herauszuholen. Insbesondere war ich gespannt, was aus dem herbsäuerlichen Geschmack der rohen Pilze werden würde.

Die Pilze sind ziemlich schnell gar und färben sich beim Braten appetitlich gelbbraun. Von der Konsistenz her sind sie ausgesprochen läätschig (in Norddeutschland heißt das vermutlich labbrig), aber nicht schleimig, etwa gebratenen Rotfußröhrlingen vergleichbar. Aber leider verwandelt sich der säuerliche Geschmack nach zwei, drei Bissen schnell in ein äußerst unangenehmes Kratzen im Hals, vergleichbar mit einer rohen Hallimasch-Kostprobe. Das Kratzen im Hals hielt etwa 20 Minuten an und konnte nur durch einen großen frischen Gurkenschnitz gelindert werden. Für mein Empfinden ist der Hohlfußröhrling ungenießbar und sollte nicht einmal als Füllpilz ins Mischgericht.

Daran sieht man wieder mal, dass man nicht alles essen muss, was im Pilzbuch ein Bestecksymbol hat.

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Gábor, (vor 5147 Tagen) @ Stephan Weißer

: Daran sieht man wieder mal, dass man nicht alles essen muss, was im Pilzbuch
[quote]ein Bestecksymbol hat.
[/quote]
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Ja, aber mit einem ordentlichen Gurkenschnitz geht's dann wieder :-)

Offen gestanden habe ich nicht die blasseste Ahnung, was das wohl sein könnte, und selbst Goggel ließ sich da nicht erweichen.

Auch für Wikipedia ist der/das Gurkenschnitz ein Mysterium...

LG, Gábor

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Stephan Weißer, (vor 5147 Tagen) @ Gábor

"Schnitz" ist immer etwas mit dem Messer Abgeschnittenes. Also ein abgeschnittenes Stück Gurke.

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Danke für die Aufklärung! *oT*

Gábor, (vor 5147 Tagen) @ Stephan Weißer

- kein Text -

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

wald-pauli, (vor 5147 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Leute,
wie ihr wisst, haue ich mir gern auch mal etwas Neues in die Pfanne bzw. den
Kochtopf. Nachdem ich heute bei einer Waldbegehung als einzig
Vielversprechendes eine Familie Hohlfußröhrlinge aufgetan hatte, kamen die
an die Reihe. Wie immer in Butter gedünstet und gesalzen, um den
Eigengeschmack unverblümt herauszuholen. Insbesondere war ich gespannt,
was aus dem herbsäuerlichen Geschmack der rohen Pilze werden würde.
Die Pilze sind ziemlich schnell gar und färben sich beim Braten appetitlich
gelbbraun. Von der Konsistenz her sind sie ausgesprochen läätschig (in
Norddeutschland heißt das vermutlich labbrig), aber nicht schleimig, etwa
gebratenen Rotfußröhrlingen vergleichbar. Aber leider verwandelt sich der
säuerliche Geschmack nach zwei, drei Bissen schnell in ein äußerst
unangenehmes Kratzen im Hals, vergleichbar mit einer rohen
Hallimasch-Kostprobe. Das Kratzen im Hals hielt etwa 20 Minuten an und
konnte nur durch einen großen frischen Gurkenschnitz gelindert werden. Für
mein Empfinden ist der Hohlfußröhrling ungenießbar und sollte nicht einmal
als Füllpilz ins Mischgericht.
Daran sieht man wieder mal, dass man nicht alles essen muss, was im Pilzbuch
ein Bestecksymbol hat.

Hallo Stefan, danke für Deinen mutigen Versuch - ich werde diese Schwammerl dann gar nicht erst versuchen.
Mehrfach habe ich Selbstversuche mit den verschiedenen Gelbfüssen durchgeführt.
Ganz egal, wie ich sie zubereitet habe: sie landeten ganz schnell auf dem Kompost!! Und das, obwohl sie in verschiedenen Pilzbüchern als guter bis hervorragender Speisepilz eingestuft werden.
Vielleicht hast Du oder ein anderer aus diesem Forum andere, positive Erfahrungen ?

Grüsse vom Wald-Pauli , der heute Abend sich Kiefernreizker in sherry-Sahnesosse zubereitet.

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Stephan Weißer, (vor 5147 Tagen) @ wald-pauli

Chroogomphus helveticus, der in meinem Kärntner Urlaubsort gerade eine Schwemme produzierte, kam dort auch in den Topf. Geschmack brachte er nur wenig in das Pilzgericht, aber ein sehr schönes Lila. Gleiches kenne ich von Chroogomphus rutilus. Gomphidius glutinosus verfärbt nicht so eklatant, nur leicht violettgrau und schmeckt ebenfalls eher fade. Als Füllpilz finde ich ihn aber nicht schlecht, z. B. gemischt mit Hexenröhrling, Violettem Ritterling oder anderen aromastarken Pilzen.

Grüsse vom Wald-Pauli , der heute Abend sich Kiefernreizker in
sherry-Sahnesosse zubereitet.

Die mag ich lieber in Olivenöl gebraten mit Knoblauch und Petersilie.

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Birgit, (vor 5147 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

Hohlfußröhrlinge gewinnen angeblich durchs Trocknen, ähnlich wie Sandröhrlinge. Hohlfußröhrlinge sind hier allerdings so selten, dass ich es bisher nicht getestet habe. Bei Sandröhlingen habe ich es schon ausprobiert und kanns bestätigen.

Gleiches kenne ich
von Chroogomphus rutilus.

Chroogomphus rutilus hatte ich mal im Alleingericht und fand ihn unangenehm säuerlich, aber relativ fest. Als Mischpilz sicher zu gebrauchen.

Grüße

Birgit

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Matthias, (vor 5147 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,
das mit dem Kratzen im Hals habe ich mal in irgendeinem Pilzbuch gelesen, weis aber nicht mehr in welchem. Der Hohlfussröhrling kann auch bitter schmecken,
viele Grüsse
Matthias

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Stephan Weißer, (vor 5147 Tagen) @ Matthias

Ich glaube, im großen Gerhardt. Das mit dem Kratzen kann ich jedenfalls voll bestätigen!
Gruß nach Stein
Stephan

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Allergie?

Birgit, (vor 5146 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

ein Freund, dem ich gestern von deinem Kratzen erzählt habe, meinte, dass es auch eine Allergie auf diesen speziellen Pilz sein könnte. Er jedenfalls hatte das noch nie und von ihm stammte auch der Tipp mit dem Trocknen der Hohlfußröhlinge. Deine Anzeichen deuten jedenfalls auf eine Allergie hin und dann dürfte es sinnvoll sein, dass du diesen Pilz egal in welcher Form gar nicht mehr isst, da sich die Allergieanzeichen beei erneutem Genuß auch steigern können.

liebe Grüße

Birgit

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Re: Allergie?

Stephan Weißer, (vor 5144 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,
das ist eine gute Idee mit der Allergie. Auch nach dem Essen von frischen Haselnüssen und frischen Feigen kratzt es bei mir im Hals. Aber das kommt nicht innerhalb von Sekunden so wie beim Hohlfußröhrling, sondern erst nach etwa drei Minuten. Aber essen wollte ich den Hohlfußröhrling sowieso nicht mehr.
Freundliche Grüße
Stephan

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Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Marcel Weymann, (vor 5141 Tagen) @ Stephan Weißer

Ich esse seit Jahren Hohlfußröhrlinge sehr gerne und habe damit auch schon einige Familienmitglieder versorgt. Allen schmeckten sie sehr gut.
Ich sollte also diesen Beitrag besser nicht schreiben, denn wenn die anderen Leute die für ungenießbar halten, kann mir das eigentlich nur recht sein ...
Was mich erstaunt ist, dass von uns noch nie jemand einen säuerlichen Geschmack wahrgenommen hat, wie du ihn beschreibst. Den einzigen Röhrling mit säuerlichem Geschmack, den ich kenne, ist der Kuhröhrling und da ist der Geschmack allerdings so stark, dass ich den nur ganz jung in kleinen Mengen zum Essen nehme.
Ich hatte den Hohlfußröhrling allerdings noch nie roh probiert und das habe ich am Wochenende nach geholt.

Der Geschmack ist fein nussig mit einer leicht süßen Note im Abgang.
Köstlich - man wäre fast versucht den mal roh als Carpaccio zu probieren.
Jetzt frage ich mich, wie wir zu so gegensätzlichen Geschmackseindrücken kommen.
Ich verwende von allen Schmierröhrlingen nur junge Exemplare. Wenn die nämlich einmal vollständig aufgeschirmt sind und dann noch eine Woche gestanden haben, sind die erstens wenig appetitlich (Schneckenfraß etc.) und zweitens nicht mehr schmackhaft.
Oder aber bei Dir gibt es eine Variation, die sich stark im Geschmack unterscheidet?

Marcel

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Stephan Weißer, (vor 5141 Tagen) @ Marcel Weymann

Ich kann es mir auch nicht plausibel erklären. Mich macht allerdings die Formulierung "nussiger Geschmack" stutzig, ebenso wie die Ansicht, dass es außer dem Kuhröhrling keine Röhrlinge mit säuerlichem Geschmack gebe. Was ist z. B. mit Rotfußröhrling, Butterpilz, Lärchenröhrling? Auch dass du den Hohlfußröhrling bei den Schmierröhrlingen einordnest, finde ich etwas seltsam. Er ist auf dem Hut nicht schmierig, sondern filzig, ja fast pelzig.
Reden wir vom gleichen Pilz?

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Marcel Weymann, (vor 5140 Tagen) @ Stephan Weißer

Mit Schmierröhrlinge meine ich die Gattung Suillus und da gehört meines Wissens der Hohlfußröhrling dazu (Suillus cavipes) aber vielleicht hat sich da schon wieder was geändert.
Zitat:Die Schmierröhrlinge (Suillus) sind eine Gattung aus der Familie der Schmierröhrlingsverwandten. Zitat2: Die Hohlfußröhrlinge (Boletinus), auch Schuppenröhrlinge genannt, sind eine obsolete Gattung aus der Familie der Dickröhrlingsverwandten (Boletaceae). Mittlerweile werden sie zu den Schmierröhrlingen (Suillus) gerechnet. (Beides Wikipedia)
Das entscheidende Bestimmungsmerkmal des Hohlfußes ist für mich der sehr charakteristisch schuppige Hut im Zusammenhang mit dem hohlen Stiel. Auch die Poren sind recht charakteristisch.
Ich kenne sie in den Farben gelb, braun und grau. Im Pitztal habe ich auf 2000m Höhe sogar mal rote gesehen.
Zu den von Dir genannte Pilzen mit für dich säuerlichem Geschmack:
Butterpilze esse ich, wenn ich welche finde und weder ich noch irgend einer der Mitesser konnte da bisher einen säuerlichen Geschmack feststellen.
Was verstehst du denn so unter Lärchenröhrling? Da gibt es eine ganze Reihe. Bei mir wachsen Goldröhrlinge, auch da hat noch niemand einen säuerlichen Geschmack festgestellt. Die schmecken nur ziemlich fad, wenn sie alt und durchwässert sind.
Anderes wie graue Lärchenröhrlinge, Rostrote Lärchen-Röhrlinge etc. kommen bei mir nicht vor. Die letzeren habe ich einmal im Urlaub gesehen, aber im Latemar herrscht striktes Sammelverbot, es sei denn es gehört einem das Land.
Rotfußröhrling ist ja nun auch eher ein Überbegriff für eine ganze Reihe von Arten. Die "Hauptart" Xerocomellus chrysenteron ist bei mir meistens mit Goldschimmel befallen und wenn nicht dann stark vermadet. Dafür bücke ich mich nicht mehr. Bei den anderen Arten aus dem Konglomerat gibt es recht unterschiedliche Geschmacksrichtungen.
Marcel

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

Stephan Weißer, (vor 5140 Tagen) @ Marcel Weymann

O. K., dann sind deine Hohlfußröhrlinge tatsächlich welche. Dann bleibt als Ergebnis: wir beide haben unterschiedliche Geschmacksempfindungen, für deine Begriffe ist der Hohlfußröhrling essbar, für meine nicht. Ein Gutes hat die Sache: wir werden uns sicher nie um einen Hohlfußröhrlingsfund streiten.
Freundliche Grüße
Stephan

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Re: Selbstversuch mit Hohlfußröhrlingen

UmUlmHerum, (vor 5140 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan & Marcel!

Die von Euch aufgeführten Röhrlinge haben im rohen(!) Zustand alle einen ganz eindeutig säuerlichen Geschmack. Gegart finde ich am ehesten den Herbst- oder Bereiften Rotfuß (oder wie immer man die stabilere Art mit dem dicken Stiel und dunkelbraunen Hut nun gerade nennt) sauer.

Der Goldröhrling (Huthaut abgezogen) schmeckt mir im Mischgericht oder als Trockenpilz recht gut, auch wenn er ziemlich "schlunzig" ist.

Die diversen Lärchen-Röhrlinge schone ich (sie schmecken auch nicht gerade berauschend), allerdings verlockt mich ein junger Rostrote (Suillus tridentinus) schon - der sieht so knackig und appentitlich aus. Da ich nur einen einzigen Standort kenne, verkneife ich mir die Ernte, nur zur Pilzausstellung nehme ich 1-3 Exemplare mit.

Die letzten Hohlfuß-Röhrlinge sind mir vor 30 Jahren auf dem Mieminger Plateau in Tirol begegnet - an einen unangenehmen Geschmack kann ich mich nicht erinnern, fand sie aber ziemlich fad.

Grüße - Rika