Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum) *PIC*

Der Juergen, (vor 5123 Tagen)

Hallo zusammen,

hier wie versprochen eine Doku des Gift-Riesenschirmlings (Chlorophyllum brunneum), welches man nun wunderbar mit Birgits hervorragendem Portrait vergleichen kann.

Fundort: Alter Obstgarten im Gras bei Malus spec., gesellig im Hexenring. Gras im Hexenring deutlich dunkler grün.

Hut – 180 mm breit, jung eiförmig bis kuboid, leicht kegelig, Huthaut glatt, feucht etwas schmierig, bronzebraun, älter kugelig – halbkugelig bis flachkonvex mit grobschollig aufgerissener Huthaut, die kompakt um die Hutmitte herum liegt, und sich zum Rand hin nur in wenigen groben Flocken auflockert, gegen Hutrand weißlich, mit radialen wießlichen Schuppen, starker Kontrast zwischen Schuppen und Huthautuntergrund, Huthaut über den Hutrand hängend, schuppig und unregelmäßig gezähnelt überstehend. Huthaut schlecht abziehbar. Lamellen gedrängt, mit Lamelletten untermischt, frei, bis 10 mm breit. Stiel 100-120 x 20-40 (Knolle), apikal zylindrisch, basal keulig verdickt mit undeutlich stumpf gerandeter, igendwie eckiger Knolle, im oben Drittel mit eher einfach gebautem Ring, der sich nicht verschieben lässt, apikal weiß, basal schmutzig bräunlich, bei Berührung rötend, hohl. Trama weiß, Schnittflächen an der Luft binnen Sekunden rötend. Geruch etwas aromatisch fruchtig bis dumpf pilzig. Geschmack mild, banal pilzig.

Sporen [95% • 20 • SAP • v • H2O(nat)]: 9,6-11-12,4(12,5) x (6,6)6,7-7,3-7,9 µm; Q = 1,3-1,5-1,7; Vm = 307 µm³; ellipsoid, um den Keimporus abgeplattet, wie abgeschnitten wirkend (truncat), hyalin, glatt, stark dextrinoid, oft mit zwei großen Öltröpfchen. Cheilozystiden 41-50 x 7-17 µm, länglich keulig, keulig bis birnenförmig. Schnallen in den Huttramahyphen auffindbar.

[image]

[image]

[image]

[image]

Rechts sieht man die stark dextrinoide Reaktion der Sporen auf Melzers Reagens.

[image]

Cheilozystiden in Wasser.

[image]

Hyphen der Huttrama in Wasser/Kongorot(Ammoniak).

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Nachtrag:

Der Juergen, (vor 5123 Tagen) @ Der Juergen

Ich konnte am Fundort keinen Querschnitt dokumentieren, weil ich mein Taschenmesser mal wieder irgendwo hab liegen lassen;-). Als ich am nächsten Abend vorbeischaute, waren die Fruchtkörper radikal weggemäht worden :-(. Manche Exemplare wuchsen übrigens büschelig!

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum) *PIC*

Gernot, (vor 5123 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

hm, für mich wären das makroskopisch aber typische Chl. rachodes (wattiger, dicker, im Querschnitt sicherlich "doppelter" Ring, nicht gerandete Stielknolle).

Ich erlaube mir zwei Fotos von Gábor von typischen Chl. brunneum anzuhängen. Hier sieht man einerseits den häutigen, sehr dünnen Ring und andererseits die typische, stark gerandete, vollständig mit Erde "panierte" Stielknolle.

[image]

[image]

Schöne Grüße
Gernot

PS.: In den vergangenen Tagen hat es wohl mal stärker auf die Fruchtkörper geregnet?

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum) *PIC*

AK_CCM, (vor 5123 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

schließe mich Dir an: Sieht ganz nach Chl. rachodes aus.

Hier noch ergänzend ein Buidl von Chl. brunneum aus Wikimedia Commons:

[image]

Gruß, Andreas

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Sorry für die Größe - bin selbst erschrocken :( *oT*

AK_CCM, (vor 5123 Tagen) @ AK_CCM

- kein Text -

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum) *PIC*

Gábor, (vor 5123 Tagen) @ Der Juergen

: hier wie versprochen eine Doku des Gift-Riesenschirmlings ( Chlorophyllum
[quote]brunneum ), welches man nun wunderbar mit Birgits hervorragendem Portrait
vergleichen kann.
[/quote]
-----

Hallo Jürgen,

da möchte ich Gernot mit C. rachodes beipflichten.
C. brunneum ist makroskopisch schon deutlich unterschiedlich, finde ich.

Anbei nochmal eine schon etwas ältere Aufsammlung von C. rachodes aus 2008:
[image]
[image]

Das schaut euren Funden schon sehr ähnlich, gell?

LG, Gábor

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

phragmobasidie, (vor 5123 Tagen) @ Gábor

Hallo Gabor,

C. brunneum ist makroskopisch schon deutlich unterschiedlich, finde ich.

hm, ein makroskopisches Problem bei Riesenschirmlingen ist, dass die Mykologen seit Jahr und Tag oft jeweils
irgend etwas anderes "deutlich unterschiedlich" finden. Also jeder kennt seine typische M.procera, rickenii, mastoidea usw.;
bei nicht in diese Schemata passenden Funden - und davon gibt es genug -
wird dann etwas an Merkmalen fest gemacht um sie einer Art zuzuordnen, was ich selten sehr überzeugend fand.
Deswegen bin ich da mit "deutlich unterschiedlich" im Sinne von "immer deutlich unterschiedlich" sehr vorsichtig.
Gut, die Chlorophyllum-Arten hab ich jetzt noch nicht so sehr unter die Lupe genommen, muss ich dazu sagen.

Beste Grüße
Robin

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

Gábor, (vor 5122 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo Robin,

das Phänomen kennst Du bestimmt auch, z.B. von Russula.

Man schaut sich jedes Jahr an bekannter Stelle eine Kollektion an, und denkt sich: hmm, das muss doch bestimmt etwas anderes sein, da bin ich mir ziemlich sicher. Dabei sind einem die Merkmale nicht zwingend bewusst, vielmehr ist es die Gesamterscheinung, die man aus dem Bauch heraus beurteilt.

Und genau so ging es mir, als ich das erste mal neben einer Mauer diese Kollektion C. brunneum gesehen habe - und die darauf folgenden Jahre erst recht, zumal mir die Pilze stets "irgendwie anders" vorkamen, als alle bisherigen rötenden Gartenformen, die ich damals M. rachodes var. hortensis nannte.

Auf diese scharf gerandete Knolle, die irgendwie aussah, wie in Panade getaucht und auch den einfachen, häutigen Ring habe ich dabei noch nicht bewußt geachtet.
Irgendwie kamen mir jedoch die Frkp. genau dieser Kollektion stets etwas gedrungener vor. Und auch die Hutschuppen waren deutlich dunkler und nicht mit diesen rötlich braunen Farben. Und dann ist mir noch aufgefallen, dass die Verfärbung im Schnitt nicht so lebhaft rötlich/safranfarben war, sondern stets etwas düsterer, rotbraun gefärbt.

Na ja...

LG, Gábor

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

phragmobasidie, (vor 5122 Tagen) @ Gábor

Hallo Gabor,

Man schaut sich jedes Jahr an bekannter Stelle eine Kollektion an, und denkt
sich: hmm, das muss doch bestimmt etwas anderes sein, da bin ich mir
ziemlich sicher. Dabei sind einem die Merkmale nicht zwingend bewusst,
vielmehr ist es die Gesamterscheinung, die man aus dem Bauch heraus
beurteilt.

ich denke, dass man da generell zweierlei auf dem Zettel haben sollte:

Einerseits eben dieser Intuition nachgehen.
Andererseits, dass ein bestimmter Standort auch ein bedingtes / spezielles Erscheinungsbild hervorrufen kann,
was dann nicht zum sonstigen Erscheinungsbild und der eigenen Vorstellung einer Art passt.

das Phänomen kennst Du bestimmt auch, z.B. von Russula.

ja klar, wenn jemand bei Macrolepiota / Chlorophyllum oder was auch immer sagt:
"Das ist doch ein ganz anderer Pilz", hab ich aufgrund eigener Betrachtung vielleicht meine Probleme damit.
Das mag sich jemand anderes auch denken, wenn ich sowas bei Russula erzähle.
Aber das meine ich eben: bei sich kennt man vielleicht die Erscheinungsformen einer Art und man sagt dies
mit bestem Wissen und Gewissen, aber woanders (400 km weiter südlich, andere Bodenvoraussetzungen etc.)
sieht die gleiche Art vielleicht anders aus.

Da wirds dann auch mal intermediär; ich bin immer skeptisch, wenn aufgrund schwacher makroskopischer Merkmale
behauptet wird, es sei unbedingt diese oder jene Art - bzw. eben generell: "Das sind doch zwei völlig unterschiedliche Arten".

Natürlich muss man die Pole kennen, so wie in unserer Diskussion Deine C. brunneum eine ist, wie sie sein sollte.

Beste Grüße
Robin

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

Gábor, (vor 5121 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo Robin,

: Aber das meine ich eben: bei sich kennt man vielleicht die Erscheinungsformen
[quote]einer Art und man sagt dies mit bestem Wissen und Gewissen, aber woanders (400 : km weiter südlich, andere Bodenvoraussetzungen etc.) sieht die gleiche Art : : : vielleicht anders aus.
[/quote]

Darum bin ich auch froh, wenn ich von anderer Seite ähnliches erfahre, z.B. in diesem Falle von Gernot mit seinen Funden von C. brunneum - und das sogar mehr als 400 km südlich.

...ich bin immer skeptisch, wenn aufgrund schwacher makroskopischer
Merkmale behauptet wird...

Da kennst Du aber den größten aller Skeptiker noch nicht :-)
Ich muss mir nämlich so einiges anhören wegen meiner schon obligatorisch gestellten Frage bei bisweilen allzu jungforsch aufgestellten Behauptungen:
"Wie kommst Du da eigentlich drauf?"
Und "Das ist eine Tatsache" quittiere ich auch nur lässig mit "Hört sich nach einer interessanten Theorie an."
:-))

LG, Gábor

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ok, verstehe :) *oT*

phragmobasidie, (vor 5121 Tagen) @ Gábor

- kein Text -

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

Birgit, (vor 5123 Tagen) @ Der Juergen

Lieber Jürgen

hier wie versprochen eine Doku des Gift-Riesenschirmlings ( Chlorophyllum
brunneum ), welches man nun wunderbar mit Birgits hervorragendem Portrait
vergleichen kann.

Dein Portrait finde ich besser, weil viel ausführlicher ausgearbeitet mit ausgezeichneter Beschreibung, danke, dass du dir die Arbeit gemacht hast.
Die deutsche Namensgebung finde ich interessant, ich hab dir aber wohl keine andere Chance gelassen mit dem Namen, den ich für Chl. rachodes gewählt habe. In Wikipedia wird Chlorophyllum rachodes "Gemeiner Safranschirmling" genannt, aber ob das der Hit ist, wenn jeder dann darunter den stinknormalen Safranschirmling im Wald versteht, wage ich zu bezweifeln. Ob Chlorophyllum brunneum nun giftig ist, weiß man ja wohl noch nicht wirklich (?), allerdings gebe ich z.B. keine Safranschirmlinge von gut gedüngten Standorten zum Essen frei. Ich muss allerdings zugeben, dass ich schon mal Chl. rachodes oder Chl. brunneum verspeist habe ohne Schaden zu nehmen. Die Nachbarn meiner Eltern aber nicht.

Sporen [95% • 20 • SAP • v • H2O(nat)]: 9,6- 11 -12,4(12,5) x (6,6)6,7- 7,3
-7,9 µm; Q = 1,3- 1,5 -1,7; Vm = 307 µm³; ellipsoid, um den Keimporus
abgeplattet, wie abgeschnitten wirkend (truncat), hyalin, glatt, stark
dextrinoid, oft mit zwei großen Öltröpfchen. Cheilozystiden 41-50 x 7-17
µm, länglich keulig, keulig bis birnenförmig. Schnallen in den
Huttramahyphen auffindbar.

Sowohl die mehrheitlich truncaten Sporen als auch die Cheilozystiden sprechen eindeutig für Chlorophyllum brunneum. Eigentlich spricht laut Schlüssel von Vellinga nur der für mich auch "doppelt" aussehende Ring dagegen, die gerandete Knolle kann, muß aber nicht sein.

liebe Grüße

Birgit

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

Gábor, (vor 5123 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,
das Merkmal gerandete/ungerandete
Knolle finde ich bei meinen Aufsammlungen
sehr konstant.
LG, Gábor

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

Birgit, (vor 5123 Tagen) @ Gábor

Hallo Gabor,

das Merkmal gerandete/ungerandete
Knolle finde ich bei meinen Aufsammlungen
sehr konstant.

Das glaube ich dir ja. Im Vellinga Artikel über die rachodes-Gruppe wird allerdings die Knolle als ungerandet bis gerandet beschriben, das Typus-Material hatte auch keine gerandete Knolle (siehe auch meine Antwort auf Jürgen hier: Beitrag 228144).

liebe Grüße

Birgit

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

AK_CCM, (vor 5123 Tagen) @ Birgit

Guten Abend Birgit,

In Wikipedia wird Chlorophyllum rachodes "Gemeiner Safranschirmling" genannt,
aber ob das der Hit ist, wenn jeder dann darunter den stinknormalen
Safranschirmling im Wald versteht, wage ich zu bezweifeln.

im "Abbildungsverzeichnis europäischer Großpilze" von Bollmann et al. (2007) wird das Taxon mit dem Trivialnamen "Gemeiner Safranschirmling" bedacht. Entsprechend wurde die Bezeichnung für die Wikipedia übernommen, auch wenn der Name nach aktuellem Kenntnisstand besser auf den Olivbraunen Safranschirmling (hat den schon mal wer mit oliven Farbtönen gesehen?) passen würde. Die freie Enzyklopädie funktioniert nun einmal quellenbasiert, d.h. eine Namensänderung bedarf eines nachvollziehbaren Belegs. Sie hierzu auch den Artikel Wikipedia:Belege.

Ich bin mir recht sicher, dass der Name schnell geändert werden wird, sobald ein entsprechender Aufsatz publiziert wurde, der auch die deutschen Namen der Safranschirmlinge überholt.

Gruß, Andreas

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

Der Juergen, (vor 5123 Tagen) @ Der Juergen

Hallo zusammen,

da ich mit dieser Kollektion meine Schwierigkeiten hatte, hielt ich mich an die Mikromerkmale. Folgendes bewog mich zur Namenszuordnung:

1. Die Stielknollen waren alle schwach gerandet und im Querschnitt "eckig"
2. Die Unterseite der Stielknollen konnten ohne Verletzung nicht von Erdpartikeln befreit werden
3. Alle Arten waren rel. kurzstielig (kleiner Hut/Stiel-Index).

Das gab mir zu denken und hat mich verunsichert. Daraufhin habe ich mich auf die Mikromerkmale "gestürzt":

4. Die Cheilozystiden, selbst die birnförmigen waren nie breiter als 17 µm (von zwei Lamellenfragmenten zweier Exemplare ca 20 - 25 Cheilos vermessen).
5. So gut wie alle Sporen sind truncat. Die, die abgerundet erscheinen, liegen schief!

Was spricht dagegen?

1. Der komplex erscheinende Ring beim großen Exemplar (bei einem kleinen Exemplar sieht man auch die "Unterkante" der nach unten zeigenden "Krone" --> Allerdings "zerfielen" die Ringe sehr schnell, schon beim Heimtransport zu einfach häutig hängenden, und auf der Fensterbank liegend, waren keine komplexen Ringe mehr zu sehen.
2. Die Knolle ist nicht stark gerandet; also mit "hochgezogen" erscheinendem, abgesetztem Knollenrand. --> Allerdings waren sie auch nicht abgerundet oder "zwiebelförmig", auch ließen sich die Erdpartikel nicht entfernen.

Ich denke mir, ich habe mir da schon was Untypisches eingefangen, mal wieder, und mal wieder zweifle ich an den banalsten Pilchen. Ich werde die Stelle weiter beobachten, vielleicht kommt da diese Saison noch was nach.

Grüßle
Jürgen

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

Gernot, (vor 5123 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

1. Die Stielknollen waren alle schwach gerandet und im Querschnitt "eckig"

Sehen für mich trotzdem typischer für Chl. rachodes als für Chl. brunneum aus.

2. Die Unterseite der Stielknollen konnten ohne Verletzung nicht von Erdpartikeln befreit werden

Das ist doch bei den wenigsten Pilzen möglich. :-) Jedenfalls wüsste ich nicht, warum das eher für die eine oder die andere Art sprechen würde.

3. Alle Arten waren rel. kurzstielig (kleiner Hut/Stiel-Index).

Ein sehr variables Merkmal und vom Standort abhängig. Beide Arten können mal kürzer- und mal längerstielige Fruchtkörper ausbilden.

4. Die Cheilozystiden, selbst die birnförmigen waren nie breiter als 17 µm (von zwei Lamellenfragmenten zweier Exemplare ca 20 - 25 Cheilos vermessen).

Ja, hier kommen mir eher schon Zweifel, genauso bei deiner Aussage:

5. So gut wie alle Sporen sind truncat. Die, die abgerundet erscheinen, liegen schief!

Als hättest du eine Mischung beider Arten gefunden. An deiner Stelle würde ich einen Beleg sammeln (oder hast du bereits einen?) und dann Else Vellinga anschreiben. Sie hat sicherlich die größte Erfahrung mit dieser Gruppe und kann dir weiterhelfen. Das Ergebnis lässt du uns dann bitte wissen. :-)

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum)

Birgit, (vor 5123 Tagen) @ Der Juergen

Lieber Jürgen,

da ich mit dieser Kollektion meine Schwierigkeiten hatte, hielt ich mich an
die Mikromerkmale. Folgendes bewog mich zur Namenszuordnung: 1. Die
Stielknollen waren alle schwach gerandet und im Querschnitt
"eckig"
2. Die Unterseite der Stielknollen konnten ohne Verletzung nicht von
Erdpartikeln befreit werden

das war bei meinen Exemplaren auch so, auch wenns auf den Fotos vielleicht anders aussieht. Ob das nun wirklich so als Unterscheidungsmerkmal taugt.

Das gab mir zu denken und hat mich verunsichert. Daraufhin habe ich mich auf
die Mikromerkmale "gestürzt": 4. Die Cheilozystiden, selbst die
birnförmigen waren nie breiter als 17 µm (von zwei Lamellenfragmenten
zweier Exemplare ca 20 - 25 Cheilos vermessen).
5. So gut wie alle Sporen sind truncat. Die, die abgerundet erscheinen,
liegen schief!

Ja, das sehe ich auch so, in der "exakten Seitenlage" sieht man ja auch immer den Apikulus und da sehen die Spoen auf deinen Bildern alle abgestutzt aus.

Was spricht dagegen?
2. Die Knolle ist nicht stark gerandet; also mit "hochgezogen"
erscheinendem, abgesetztem Knollenrand. --> Allerdings waren sie auch
nicht abgerundet oder "zwiebelförmig", auch ließen sich die
Erdpartikel nicht entfernen.

Im Vellinga Artikel wurde das Typusmyterial und eine zweite Kollektion von Chl. brunneum untersucht, in beiden Kollektionen war die Stielknolle scheinbar nicht gerandet, sondern wird als bulbous, was ich frei Schnauze als zwiebelförmig übersetzen würde, beschrieben. In der Originalbeschreibung und Tafel von damals noch Lepiota brunnea wird laut Vellinga ebenfalls keine gerandete Knolle dargestellt. Bei deinen Exemplaren erscheint mir die Knolle im Verhältnis zum Stieldurchmesser erheblich breiter, während meine eine Exemplare eher eine schmale Knolle besitzen, die ich nicht als zwiebelförmig, sondern eher als allmähliche keulige Verdickung beschreiben würde. Im Schlüssel von Vellinga wird das so beschrieben:

a) Basidiocarps with abruptly to marginate bulbous stipe base .....Chl. brunneum
etwa: Fruchtkörper mit abruptem bis gerandetem Übergang zu einer zwiebelförmigen Stielbasis

Das entspricht deinen Exemplaren meiner Meinung nach ziemlich gut. Das heißt auch, dass es wohl einfach Exemplare mit gerandeter und nicht gerandeter Knolle gibt. Und wenn schon das Typusmaterial keine gerandete Knolle besitzt, kann man das meiner Meinung nach wirklich nicht als ausschließendes Kriterium benutzen.

b)Basidiocarps with widened stipe base, but not abruptly so ..... Chl. rachodes
etwa: Fruchtkörper erweiterter Stielbasis ohne abrupten Übergang

Das entspricht genau dem, was ich gefunden habe und meiner Meinung nach nicht deinen Exemplaren. Jetzt müssen wir noch den Ring wegdiskutieren ;-).

Ich denke mir, ich habe mir da schon was Untypisches eingefangen, mal wieder,
und mal wieder zweifle ich an den banalsten Pilchen. Ich werde die Stelle
weiter beobachten, vielleicht kommt da diese Saison noch was nach.

Insgesamt erscheinen mir deine Exemplare kompakter und fleischiger, als das was ich gefunden habe, was vielleicht an der anderen Hutbreite-Stiellänge-Relation liegt.
Wenn Du diese Pilzchen als banal einstufst, dann möchte ich mich gar nicht mehr mit etwas Komplizierterem befassen ;-). Diese Ringgeschichten überzeugen mich auch noch nicht so wirklich, ich hätte gerne mal eine Detailaufnahme des einfachen Ringes von Chlorophyllum brunneum.

liebe Grüße

Birgit

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum) *PIC*

Gernot, (vor 5123 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

Im Vellinga Artikel wurde das Typusmyterial und eine zweite Kollektion von
Chl. brunneum untersucht, in beiden Kollektionen war die Stielknolle
scheinbar nicht gerandet, sondern wird als bulbous, was ich frei Schnauze
als zwiebelförmig übersetzen würde, beschrieben. In der
Originalbeschreibung und Tafel von damals noch Lepiota brunnea wird laut
Vellinga ebenfalls keine gerandete Knolle dargestellt.

Ja, die Originaltafeln beider Arten sind nicht gerade typisch für ihre heutigen Interpretationen. Lepiota brunnea wird ohne gerandete Knolle dargestellt, wohingegen die Originaltafel von Agaricus rachodes durchaus eine schwach gerandete Knolle zeigt (sowie im Protolog: "Stipes laevis, marginato-bulbosus"). Bei beiden Tafeln aber gut zu erkennen: Der im Querschnitt einfache Ring von L. brunnea sowie der doppelte Ring von A. rachodes. Geht man also nach den Originalbeschreibungen, so müsste Chl. brunneum tatsächlich nicht immer eine gerandete Knolle aufweisen. Die Form der Knolle auf der Originaltafel von A. rachodes hingegen würde sehr gut zu Jürgens Fund passen, also macht uns das auch nicht wirklich schlauer. Hier zum Vergleich:

Lepiota brunnea:
[image]

Agaricus rachodes:
[image]

Bei deinen
Exemplaren erscheint mir die Knolle im Verhältnis zum Stieldurchmesser
erheblich breiter, während meine eine Exemplare eher eine schmale Knolle
besitzen, die ich nicht als zwiebelförmig, sondern eher als allmähliche
keulige Verdickung beschreiben würde. Im Schlüssel von Vellinga wird das
so beschrieben: a) Basidiocarps with abruptly to marginate bulbous stipe
base .....Chl. brunneum
etwa: Fruchtkörper mit abruptem bis gerandetem Übergang zu einer
zwiebelförmigen Stielbasis

Ich würde das jedoch anders übersetzen und zwar mit "bulbous" im Sinne von "knollig" und damit: "Fruchtkörper mit abrupt bis gerandet knolligem Stiel". Deine Übersetzung würde ja bedeuten, dass Chl. brunneum immer eine zwiebelförmige Knolle aufweisen würde, was jedoch nicht der Fall ist. Die Knolle von Chl. rachodes kann schwach keulig sein oder auch so deutlich ausgeprägt wie auf Jürgens Fotos (welche Art auch immer diese nun darstellen) oder auf der Originaltafel.

Das heißt
auch, dass es wohl einfach Exemplare mit gerandeter und nicht gerandeter
Knolle gibt. Und wenn schon das Typusmaterial keine gerandete Knolle
besitzt, kann man das meiner Meinung nach wirklich nicht als
ausschließendes Kriterium benutzen.

Da stimme ich dir zu. Auch wenn Chl. brunneum vermutlich in den allermeisten Fällen eine deutlich gerandete Knolle wie auf Gábors Fotos aufweist (zumindest habe ich sie noch nie anders gefunden und auch in der Literatur keine Beschreibung gesehen), zeigt zumindest der Typusbeleg, dass dies nicht immer der Fall sein muss.

b)Basidiocarps with widened stipe base, but not abruptly so ..... Chl.
rachodes
etwa: Fruchtkörper erweiterter Stielbasis ohne abrupten Übergang
Das entspricht genau dem, was ich gefunden habe und meiner Meinung nach nicht
deinen Exemplaren. Jetzt müssen wir noch den Ring wegdiskutieren ;-).

Hier (fig. 3) ist z.B. auch eine Knolle von Chl. rachodes abgebildet, die Jürgens Fund entsprechen würde.

Insgesamt erscheinen mir deine Exemplare kompakter und fleischiger, als das
was ich gefunden habe, was vielleicht an der anderen
Hutbreite-Stiellänge-Relation liegt.
Wenn Du diese Pilzchen als banal einstufst, dann möchte ich mich gar nicht
mehr mit etwas Komplizierterem befassen ;-). Diese Ringgeschichten
überzeugen mich auch noch nicht so wirklich, ich hätte gerne mal eine
Detailaufnahme des einfachen Ringes von Chlorophyllum brunneum.

Hier ein Ausschnitt von Gábors Foto von Chl. brunneum, wo man den im Querschnitt einfachen, relativ schmächtigen und häutigen Ring sehen kann:

[image]

Als direkter Vergleich dazu der typische Ring von Chl. rachodes aus deinem Beitrag:
[image]

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Gift-Riesenschirmling (Chlorophyllum brunneum) *PIC*

Birgit, (vor 5122 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

danke für das Zeigen der Originaltafeln, ich hatte die bei meinen Recherchen ja auch irgendwo schon gesehen, da hattest du sie schon mal gepostet. Lepiota brunnea sieht darauf - salopp gesagt - vom Hut her für mich eher wie Chl. olivieri mit dunkler Hutmitte ohne kontrastierende Hutschuppen aus.
Den Ring hab ich glaube ich jetzt halbwegs kapiert , was da als doppelt bezeichnet wird, ist eigentlich nur der doppelte Saum, bei Chl. rachodes einmal nach oben und einmal nach unten. Naja, machmal dauerts halt länger bis der Groschen gefallen ist ;-).

Ich würde das jedoch anders übersetzen und zwar mit "bulbous" im
Sinne von "knollig" und damit: "Fruchtkörper mit abrupt bis
gerandet knolligem Stiel". Deine Übersetzung würde ja bedeuten, dass
Chl. brunneum immer eine zwiebelförmige Knolle aufweisen würde, was jedoch
nicht der Fall ist. Die Knolle von Chl. rachodes kann schwach keulig sein
oder auch so deutlich ausgeprägt wie auf Jürgens Fotos (welche Art auch
immer diese nun darstellen) oder auf der Originaltafel.

Du hast vollkommen recht, ich war zu faul zum Nachschlagen und habe Pi mal Daumen übersetzt.

Hier (fig. 3) ist z.B. auch eine Knolle von Chl. rachodes abgebildet, die
Jürgens Fund entsprechen würde.

Ich war heute nochmal dort und habe noch Exemplare mit deutlich weiterer Stielbasis gefunden, eins davon sogar mit angedeutet gerandeter Knolle. Anbei noch ein Foto:

[image]

Folglich stimmt meine Vermutung nicht, dass die Stiele nur keulig sind.

Danke für deine Erläuterungen, viel schlauer sind wir bzgl. Jürgens Pilz zwar nicht, aber mein Kenntnisstand hat sich jedenfalls erweitert.

liebe Grüße

Birgit