Hilfe bei schwarz-weisser Koralle erbeten *PIC*

UmUlmHerum, (vor 5107 Tagen)

Hallo miteinander!

Am Samstag waren wir bei strahlendem Sonnenschein südöstlich von Illertissen unterwegs, 570 m üNN, buchenbetonter Mischwald. An Besonderheiten fanden wir einen Dornigen Stachelbart (Creolophus cirrhatus), die Stirnseite einer abgesägten Buche voll mit Orange-Seitlingen, einige Strubbelköpfe und eine seltsame Koralle.

Diese Koralle wuchs aus dem bemoosten Boden und ist ca. 6 cm hoch. Der "Stiel" ist ca. 4 cm lang, deutlich gefurcht/gerieft und schwarz(!). Nach oben folgen verästelte, cremeweiße(!) Spitzen, dere Ende sich nach Berührung orangebraun verfärben. Manche dieser Äste sind oben rundlich, andere verzweigen sich noch einmal in spitze Enden. Das Fleisch ist etwas faserig, aber keinesfalls holzig. Im Längsschnitt erkennt man, dass der Stiel auch innen weitgehemd schwarzgrau ist. Geruch unauffällig und schwach.

Kann mir hier jemand weiterhelfen? Ich steh´ völlig auf dem Schlauch (und vermute keinen Schimmelbefall).

Grüße - Rika

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Tipp *PIC*

Gelbfieber, (vor 5107 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo und guten Morgen Rika,

in aller Kürze: Schau dir mal die angefügte Doku an.

Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

[image] http://www.naturfoto-kontor.de

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Re: Tipp

UmUlmHerum, (vor 5106 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo Uschi,

vielen Dank für Deinen Tipp - war sehr erhellend für mich: Es handelt sich also um eine Kamm-Koralle, vermutlich Clavulina cristata, die von diesen grauschwarzen Zeugs mit dem unaussprechlichem Namen befallen ist (Helminthosphaeris clavariae bzw. die Nebenfruchtform Spadicioides clavariarum).

Bedeuten die Vornamen der Unaussprechlichen, dass sie bevorzugt die Gattung Clavulina befallen?

Als ich meine Fotos in Vergrößerung auf dem PC anschaute, sah ich schon, dass das Grauschwarze pünktchenförmig in das Weisse überging - da kam mir bereits ein leiser Verdacht, es könnte doch eine Art Schimmel sein. Leider habe ich keine Möglichkeit zur besseren Vergrößerung - und das Zeug ist ja wirklich klein. Nachdem die Stiele im Schnitt aber auch grauschwarz waren (ohne Pünktchen), verwarf ich die Schimmeltheorie wieder....

Grüße - Rika

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Re: Tipp

Gelbfieber, (vor 5104 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo und guten Tag Rika,

….. Bedeuten die Vornamen der Unaussprechlichen, dass sie bevorzugt die Gattung Clavulina befallen?

bitte entschuldige die verspätete Antwort, ich habe eben erst gesehen das du eine Frage zu H. c. hast. Die Antwort ist auch so kurz wie der Hinweis auf deinen Fund:
Zu H. c. kann ich dir leider keine weitere Auskunft geben.

Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

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Re: Tipp

UmUlmHerum, (vor 5104 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo Uschi,

ich dachte, vielleicht ist dieser Befall ebenso typisch die Gattung wie der Helmlingsschimmel für Mycena...

Gestern hat ein Bekannter diesen grauschwarzen Befall mikroskopiert: Dank Deiner Info konnten wir die Nebenfruchtform "Spadicioides clavariarum" erkennen, von den "Seeigeln" der Hauptfruchtform aber keine Spur.

Nochmals danke & Grüße - Rika

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Re: Tipp

Gábor, (vor 5103 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,
Spadicioides clavariarum habe ich sowohl auf Clavulina cinerea als auch auf C. cristata gefunden.
Die HFF Helminthosphaeria clavariae fand ich bisher einmal auf Clavulina cinerea, aber warum soll diese nicht auch auf C. cristata vorkommen?

LG, Gábor

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Re: Tipp *PIC*

UmUlmHerum, (vor 5103 Tagen) @ Gábor

Hallo Gabór,

Deine Antwort läßt vermuten, dass es sich um einen spezifischen Clavulina-Schimmel handelt!? Helminthosphaeria clavariae auf Clavulina cristata - haben wir nur nicht gefunden.

Was HFF und NFF betrifft, muss ich gestehen, dass ich die Zusammenhänge zwischen den Formen noch nicht blicke. Wann entsteht welche Fruchtform? Oder wer aus wem?

Vom Weißen Polsterpilz habe ich bisher nur die NFF gefunden, kürzlich war hier ein Foto gepostet mit beiden FF, quasi ineinander übergehend. Bei den Gallerttränen finde ich immer entweder die eine oder die andere FF, nie beide zusammen. Und bei Ascocoryne habe ich den Eindruck, aus der NFF würde sich HFF entwickeln? Könntest Du mich ein bisschen schlauer machen? - Danke! -

Grüße - Rika

Hallo Rika,
Spadicioides clavariarum habe ich sowohl auf Clavulina cinerea als auch
auf C. cristata gefunden.
Die HFF Helminthosphaeria clavariae fand ich bisher einmal auf Clavulina
cinerea, aber warum soll diese nicht auch auf C. cristata vorkommen?
LG, Gábor

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Re: Tipp

Gábor, (vor 5103 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

das ist auch für mich noch reichlich mysteriös.

Ich weiss jedenfalls, dass sich aus dem Konidienstadium nicht zwangsläufig immer die Teleomorphe entwickeln muss.

Manchmal entwickeln sich die beiden Formen nebeneinander her.
Gelegentlich sieht man schöne Übergänge, d.h. mann sieht deutlich, wie aus der Nebenfruchtform die Hauptfruchtform gebildet wird.

Bei der sehr häufigen Nectria cinnabarina z.B. schaut es beinahe so aus, als würde ein Bildhauer aus der NFF (Tubercularia vulgaris) die HFF förmlich herausmodellieren.

Bei anderen Ascomyceten wiederum sind keinerlei Zwischenstadien zu beobachten und es ist wohl auch nicht anzunehmen, dass die eine Form die andere herausbringt.
Bei einigen Arten sieht man die beiden Formen stets gleichzeitig auftauchen, bei anderen ist es schwierig bis unmöglich ohne Laborausrüstung die Nebenfruchtform der Hauptfruchtform zuzuordnen.

Und dann gibt es natürlich auch noch die Arten, die nicht nur eine NFF ausbilden, sondern mehrere...

LG, Gábor

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Re: Tipp

Der Juergen, (vor 5102 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

ist eigentlich ganz einfach; es gibt zwei Existenzformen: Einmal die auf geschlechtlichem Weg entstandene, ein andermal die ungeschlechtlich entstandene. Die Vorteile bei der geschlechtlichen sind offensichtlich, die der ungeschlechtlichen auch: diese Verbreitungsform ist sehr effektiv, und sichert das Überleben (das Erzeugen von genügend Nachfahren) auch ohne Sexualpartner. Die Pilze, und andere Organismen, haben eben "zwei Eisen im Feuer":-) Wir Menschen bilden - zum Glück aller anderen Lebewesen auf diesem Planeten - keine Nebenfruchtform aus ... noch nicht.

Außerdem:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anamorphe
http://de.wikipedia.org/wiki/Teleomorphe

Grüßle
Jürgen

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Anmerkung

Der Juergen, (vor 5102 Tagen) @ Der Juergen

die zwei verschiedenen Modi haben vermutlich was mit Wirts- und/oder Substrat-wechsel und das Überdauern von ungünstigen Umweltbedingungen zu tun. Die Möglichkeiten eines Organismus vergrößern sich dadurch.

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Re: Anmerkung

Gábor, (vor 5102 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

das ist schon klar mit der sexuellen- bzw. asexuellen Vermehrung und den Umwelteinflüssen.

Ich denke nur, dass das nicht alle Fragen beantwortet und wir noch längst nicht alles verstanden haben.
Vermutlich ist es auch eine artspezifische Eigenschaft, wenn das Konidienstadium übersprungen werden kann und direkt die Teleomorphe gebildet wird.
Und gleichzeitig aber dennoch die eine oder andere Nebenfruchtform parallel dazu erscheint.
Oder halt eben nicht und es geht ausschließlich nur in dem Zyklus über die Nebenfruchtform.

Mit komplexen Umwelteinflüssen kann es allerdings schon zusammenhängen, wenn z.B. alle Jahre wieder manche seltene Hauptfruchtform in größerer Anzahl beobachtet werden kann, dann wiederum gefolgt von Jahren, in denen sie sich gar nicht zeigt.

In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob heuer auch von anderen Pilzfreunden vermehrt Ptychogaster fuliginoides gefunden wurde.
Bei den Basidiomyceten sind Nebenfruchtformen ja bei weitem nicht so verbreitet, wie bei den Ascomyceten.

LG, Gábor

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die NFF von P. fuliginoides latürnich !#§& *oT*

Gábor, (vor 5102 Tagen) @ Der Juergen

- kein Text -

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edit: HFF !!! *oT*

Gábor, (vor 5102 Tagen) @ Gábor

- kein Text -

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Re: Anmerkung *PIC*

UmUlmHerum, (vor 5102 Tagen) @ Gábor

Hallo Gabór und Jürgen!

Euch Beiden herzlichen Dank für Eure Infos zu diesem Thema!

Und schon habe ich wieder eine weitergehende Frage:
Wenn die NFF unter bestimmten Umständen die Vermehrung sicher stellen soll, wie ist es dann mit den Sporen? Die beiden (oder noch mehr) Formen haben doch nicht alle die gleichen Sporen, oder?? Und doch nur aus den Sporen entsteht später wieder ein Myzel, das in der Lage sein sollte die HFF hervorzubringen...

In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob heuer auch von anderen
Pilzfreunden vermehrt Ptychogaster fuliginoides gefunden wurde.
Bei den Basidiomyceten sind Nebenfruchtformen ja bei weitem nicht so
verbreitet, wie bei den Ascomyceten.
LG, Gábor

Letztes Jahr fand ich Ptychogaster fuliginoides öfters, dieses Jahr sind mir die Plüschbärchen jedoch noch gar nicht begegnet. Ob ich die HFF ohne Plüschbegleitung wahrnehmen/erkennen würde, weiß ich nicht...

Kleiner Fundbericht von heute:
Auf Baumstämmen, Totholz und Stubben tut sich was - Sarcomyxa serotina, Panellus stypticus, Ascocoryne HFF + NFF, Flammulia velutipes (noch winzig, aber schon an die 100 "Knospen"), Exidia plana, Polyporus brumalis, div. Trametes, Schichtpilze, Judasohren. Ansonsten frische Helmlinge und Ocker-Täublinge.

Grüße - Rika

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Re: Anmerkung

Birgit, (vor 5102 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

da ich höchstens ne geringe biologische Vorbildung habe (als Biophysikerin bin ich wohl max. ein Zehntel Biologin ;-)) eine zugegebenermaßen saloppe Erläuterung zum Thema.

Die Bildung von Konidien durch die Nebenfruchtform entspricht meines Wissens nach einer Klonierung, d.h. die Konidien enthalten nur die gleichen Erbinformationen wie das sie bildende Individuum. Bei einer Pflanze entspricht dies also einem Ableger, der genau die gleichen Erbinformationen enthält wie die Mutterpflanze. Der Vorteil liegt im Weiterleben und der Verbreitung des Individuums. Einzelne Myzelien (Individuen) sind theoretisch unsterblich. Der Nachteil liegt darin, dass eventuell fehlerhafte Erbinformationen des Individuums weiter kopiert werden und nicht korrigiert werden können, da ja keine andere fehlerfreie Information zugänglich ist. (Die Biologen mögen mir bitte verzeihen, wenn ich das so "einfach" ausdrücke.) Das bedingt natürlich eine höhere Mutationsrate.

Die Sporen stellen bei Pilzen eine mindestens zweigeschlechtliche (sexuelle) Vermehrung dar. Die Erbinformationen von min. zwei Individuen ist in den Sporen enthalten. Fehler in der Erbinformation des einen Partners können meist durch "Gegenlesen" des korrekten Teils vom anderen Partner korrigiert werden. Sexuelle Vermehrung verringert das Mutationsrisiko, vermutlich ein Grund, warum wir Menschen das so machen ;-). Mutationen führen in den meisten Fällen zu wenig erfreulichen Ergebnissen. Allerdings wird erst durch Mutation Selektion der überlebensfähigeren Arten und damit unsere Existenz als Menschen überhaupt möglich.

Aus einem Konidium kann ein eingeschlechtliches Myzel entstehen, das aber natürlich keine Hauptfruchtform (mit zweigeschlechtlichen Sporen) hervorbringen kann. Bei dem Vorhandensein von zwei Geschlechtern (u.a. bei Tintlingen könnens wesentlich mehr sein) müssen sich die Myzelien zweier unterschiedlicher Geschlechter im Boden "treffen" und vereinigen, damit sich Fruchtkörper der Hauptfruchtform bilden können. Allein die Vorstellung, dass dieses "Treffen" überhaupt tatsächlich stattfindet, finde ich schon toll. Wenn das sehr unwahrscheinlich wäre, würden wir zum Beispiel keine Steinpilze finden.
Vielleicht liegt der Grund für das Auftreten der Nebenfruchtformen tatsächlich darin, dass es manchmal schwierig ist das gegengeschlechtliche Myzel zu finden.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch noch die "verteufelte" radioaktive Strahlung. Ohne die natürliche radioaktive Strahlung (Kalium 40, Radon....) wären wir als Menschen höchstwahrscheinlich gar nicht da. Radioaktive Strahlung führt selbst bei zweigeschlechtlicher (sexueller) Vermehrung zu erhöhten Kopierfehlern der Erbinformation und damit zu erhöhten Mutationsraten und in Folge zu erhöhten Selektionsraten. Aber irgendwie müssen wir ja vom Affen zum Menschen gelangt sein..... ;-)
Im Zuge der Diskussion um erhöhte Radioaktivitätswerte bei Speisepilzen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl erntet diese Tatsache bei Zuhörern immer wieder Erstaunen ;-).

liebe Grüße

Birgit

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Re: Danke für Deine Anmerkungen, Birgit! *oT*

UmUlmHerum, (vor 5100 Tagen) @ Birgit

- kein Text -