"Winter-Rinden-Pilze" *PIC*

Klaas, (vor 5077 Tagen)

Hallo zusammen,

tja, dann ist es wohl doch wieder soweit, der Winter hat uns in Südhessen nun wohl auch an der Kandare.
Da die "Pilz-Saison" aber nie zu Ende geht, findet und kümmert man sich halt um andere Arten, die genauso
viel (oder wenig) Spaß machen, wie manche zu angenehmeren Temperaturen.

Frost und Schnee haben inzwischen vermutlich vielerorts den meisten Blätterpilzen den Gar aus gemacht.
Einigen macht die Witterung derzeit aber noch herzlich wenig aus, so z.B. einer Mycena, die mir in letzter
Zeit immer häufiger begegnet, seit sie mir vor ein paar Wochen erstmalig auffiel.
Hauptsächlich an Eiche, daneben auch an Weide und gestern auch mal an Holunder - solche, für die Gattung recht
ungewöhnlichen Farbe, schiefergrau bis leicht grau-bläulich gefärbten Fk kenne ich bislang von keiner anderen
Art bei den Helmlingen. Die Pilze erscheinen mir gegen Ende Herbst bis in den Winter hinein nicht selten,
zumindest in meiner Gegend bei vorwiegend recht mildem Klima.

Diese Helmlingsart fand ich bislang nur an stark bemoosten, vitalen und zumeist älteren bis sehr alten Stämmen -
Mycena pseudocorticola:

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Das war gestern im tauenden Schnee aber noch die leichtere Übung, bis ich auf einen letztjährig schon einmal
inspizierten liegenden Laubholzstumpf zusteuerte. Ich war sicher, dass die vorjährigenjährigen resupinaten FK
wieder wuchsen.
(Genauso zuversichtlich war ich aber auch mit der Tectella, letztes Jahr dort im Gebiet am Bachrand entdeckt,
sowie einer unbestimmten Sarcoscypaha-Art, die damals ebenfalls erste FK zeigte. Nix wars dieses Jahr.)

Immerhin aber zeigte sich der Porling, mehrere zig Zentimeter im Durchmesser, eine Seite des liegenden Buchenstamms
mit einigen größeren Unterbrechungen aber fast komplett überziehend. Ich bin bei ähnlichen Funden in letzter Zeit
sonst recht sicher, dass es sich dabei um Gloeoporus pannocinctus handeln muss - der oft deutlich grünliche Schimmer
der Fruchtschicht ist meistens vorhanden. Gerade im frischen, weißen Schnee fällt dies besonders auf.
Auf zwangsweise geblitzten Bildern verschwindet dieses Merkmal oft, sodass man lieber nochmal mit den FK zuhause
vergleichen sollte. Noch eindeutiger wird es mit den typischen allantoiden Sporen, die sonst zu finden sind - hier aber nicht.
Die Maße passen zwar, allerdings sind die Sporen, oder das, was ich dafür halte, gerade geformt. Bakterien würde ich ausschließen
wollen, diese tanzen aufgewärmt meist sehr hübsch, die hier stehen still.
Was ich genauso wenig zuordnen kann, ist der Orange-rote "Befall", der mit zunehmendem Alter zum Winter hin intensiver wird. Ob
das noch zum Pilz gehört, kann ich nicht zuordnen - evtl. ist dies auch für die Sporenform verantwortlich?
Hier ein paar Bilder vom Sonntag:

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[image]

Hat jemand Hinweise zum Pilz, die mich von dieser Art, wie auch immer inzwischen genannt, Gloeoporus pannocinctus, Ceriporiopsis pannocincta,
Gelatoporia pannocincta..., wegbringen, oder zum vermuteten "Befall"?

Werner hat ja eine schöne Doku auf seiner Aphyllopower-Seite, über das Rot an den FK aber keine Hinweise.

Ist eigentlich jemandem das alte Geäst rechts unten im ersten Bild aufgefallen?
Mir vor Ort erstmal nicht, bis ich mein Messer zum Abschnibbeln einer Probe vom Porling ansetzte. Da war schon wieder so ein vergehendes Teil,
eigentlich kenne ich die nur fast vergammelt gegen Winter oder eingetrocknet im Frühjahr und dann moosartig.
Mal über den Stamm gehüpft, auf der anderen Seite in einer Höhlung im Stumpf, geschützt vorm Schnee, fand sich gleich ein noch etwas ansehnlicher
FK. Wie gesagt, die Teile kenne ich nur sehr vergehend, das sollte aber Hericium coralloides sein, zur Abwechslung mal ein halbwegs intakter Pilz:

[image]

[image]

Gleich daneben am selben Stamm, darum wollte ich eigentlich einen Bogen machen, noch ein gold-gelb-grün-farbener Rindenpilz.
Unterm Bino sehen die angesammelten Sporenhäufchen aus wie Goldstaub, wunderschön, aber ohne Beweisfoto.
Vermutlich nur ein "Kellerschwamm" ohne Keller in der Nähe, mir ist die Unterscheidung der Arten noch unklar, die ralativ dicken FK lassen mich
derzeit noch auf Coniophora puteana schließen, obwohl die Sporen kaum bis nicht cyanophil sind:

[image]

[image]

Noch ein letzter Pilz von gestern, an Fuß einer alten bemoosten Buche. Vermutlich nur als Rätsel tauglich, Fotos bekomme ich von der mikrometerdünnen
Schicht nicht hin, jedenfalls erscheint das etwa 1 qcm große Gebilde unter Vergrößerung irgendwie gezähnelt, was mich in Richtung Hyphodontia brachte.
Da finde ich aber nichts mit warzigen Sporen - hat jemand einen Tipp? Vll. schaffe ich ja noch bessere Fotos, als die hier.
Zunächst sah ich nur seltsam geformte Sporen, viell. Konidien (letztes Bild), oder auch irgendetwas anderes, null Ahnung....

[image] [image]

[image] [image]

Und wenn auch wiedermal nichts vom Gezeigten genau zu bestimmen ist, macht auch nix, irgendwann fällt es mir und anderen wie Schuppen...

Grüße
Klaas

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Re: "Winter-Rinden-Pilze"

Wolfgang D. ⌂, (vor 5077 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

Noch ein letzter Pilz von gestern, an Fuß einer alten bemoosten Buche.
Vermutlich nur als Rätsel tauglich, Fotos bekomme ich von der
mikrometerdünnen
Schicht nicht hin, jedenfalls erscheint das etwa 1 qcm große Gebilde unter
Vergrößerung irgendwie gezähnelt, was mich in Richtung Hyphodontia
brachte.
Da finde ich aber nichts mit warzigen Sporen - hat jemand einen Tipp? Vll.
schaffe ich ja noch bessere Fotos, als die hier.
Zunächst sah ich nur seltsam geformte Sporen, viell. Konidien (letztes Bild),
oder auch irgendetwas anderes, null Ahnung....

das ist Trechispora farinacea.

LG
Wolfgang

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Re: "Winter-Rinden-Pilze"

Klaas, (vor 5077 Tagen) @ Wolfgang D.

Hallo Wolfgang,

faszinierend und für mich beinahe unglaublich, wie man anhand solcher unscharfen Bilder
einen Pilz bestimmen kann...
Was ich bislang so sehe, passt wohl alles, Schnallen vorhanden, Sporen um 4-4,5µm lang...,
eigentlich nach meinem Geschmack eine zu saubere Sache - da muss doch noch ein Haken zu
finden sein... ;)

Danke sehr und viele Grüße
Klaas

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Re: "Winter-Rinden-Pilze"

UmUlmHerum, (vor 5077 Tagen) @ Klaas

Ist eigentlich jemandem das alte Geäst rechts unten im ersten Bild
aufgefallen?
Mir vor Ort erstmal nicht, bis ich mein Messer zum Abschnibbeln einer Probe
vom Porling ansetzte. Da war schon wieder so ein vergehendes Teil,
eigentlich kenne ich die nur fast vergammelt gegen Winter oder eingetrocknet
im Frühjahr und dann moosartig.
Mal über den Stamm gehüpft, auf der anderen Seite in einer Höhlung im Stumpf,
geschützt vorm Schnee, fand sich gleich ein noch etwas ansehnlicher
FK. Wie gesagt, die Teile kenne ich nur sehr vergehend, das sollte aber
Hericium coralloides sein, zur Abwechslung mal ein halbwegs intakter Pilz:

Hallo Klaas,

zu Deinem "Stachelbart" hier ein link zur Konkurrenz:
http://www.pilzfotopage.de/Forum3/viewtopic.php?f=13&t=5886
So klein wie Dein Fund ist, könnte das doch auch das Weiße Pfrimpilzchen (Mucronella bresadolae) sein?!

Grüße - Rika

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Re: "Winter-Rinden-Pilze"

Goldsucher, (vor 5077 Tagen) @ Klaas

Ich würde mal bei Hericium flagellum schauen.

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Re: "Winter-Rinden-Pilze"

Klaas, (vor 5076 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

die Größenverhältnisse täuschen wohl etwas - wenn Du Dir mal die Blätter zum Vergleich nimmst,
kommen in der Länge mehr als 15 cm zusammen, in der "Tiefe" bestimmt auch an die 10 cm.

Mucronella-Arten hatte ich noch nicht vor mir, die scheinen mir aber schon weitaus kleiner.
Die Stacheln entspringen und hängen an dickeren "Ästen" - bei Mucronella sollten die Stacheln aus
einem Subikulum direkt am Substrat wachsen. Makros- und Mikroskopisch passt auch alles zu H. coralloides,
lediglich über diese Bezeichnung in PdS für den Tannenbewohner stolpere ich immer wieder.

Grüße
Klaas

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Re: "Winter-Rinden-Pilze"

Klaas, (vor 5076 Tagen) @ Goldsucher

Ich würde mal bei Hericium flagellum schauen.

Hallo Goldsucher,

das wäre dann die erste Tanne, die mir in meinen ansonsten vorwiegenden Buchenwäldern in meiner Umgebung
begegnet wäre. Vorliegendes Substrat sollte Buche sein, von daher scheidet ein Nadelholzbewohner für mich aus.

Grüße
Klaas

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nochmal zur Trechispora

Klaas, (vor 5076 Tagen) @ Wolfgang D.

Hallo Wolfgang,

einen Haken an der Sache musste ich ja noch finden...
Sorry, wenn ich nerve - aber mir werden die Konidiensporen immer unklarer.

Im Krieglsteiner findet man zu T. farinacea die Anamorphe Osteomorpha fragilis.
Im Netz gibt es wenig dazu, eigentlich nur einen Artikel von Roy Watling von 1979, der
- wenn ich richtig verstehe - offen lässt, ob dies Anamorphe oder Parasit dieser Trechispora ist.

In der MycoBank findet sich bei Osteomorpha fragilis dann die Teleomorphe Trechispora stevensonii.
Zu dieser Art finde ich überhaupt nichts Verwertbares.

Die im Watling-Artikel beschriebenen Konidien passen eigentlich perfekt zu denen, die ich der
vorliegenden Trechispora finde. Nun weiß ich wieder nicht, ob in/an/bei allen Trechispora-Arten
solche zu sehen sind, ob diese stevensonii etwas mit der fragilis zu tun hat... eigentlich weiß
ich wieder gar nix...

Hast Du oder jemand anders weitere Infos dazu?
Deinen sehr guten und für mich auch sehr gut passenden Tipp will ich nicht in Frage stellen,
ich verstehe nur wieder die Zusammenhänge nicht.

Viele Grüße
Klaas

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Re: nochmal zur Trechispora

Wolfgang D. ⌂, (vor 5075 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,
also, der "Zusammenhang" ist ganz einfach: die Konidien, hier in Form von Arthrokonidien (sie entstehen durch "Auseinanderbrechen" der Hyphe), sind jedenfalls das anamorphe Stadium deines Pilzes.
In MycoBank findest du nicht nur bei T. stevensonii, sondern auch unter "Trechispora farinacea" die Abbildung eines solchen Stadiums (Abb. aus dem Klassiker "The Corticiaceae of North Europe"). Ob es so eine (ähnliche) Anamorphe auch bei anderen Trechispora-Arten gibt, wie sich die allenfalls unterscheiden und wie die nach der aktuellen Nomenklatur heißen, steht vielleicht in den Abhandlungen, die K. H. Larsson über Trechispora geschrieben hat.
Die von dir zur Diskussion gestellte T. stevensonii ist erst vor 10-15 Jahren durch die exakten Studien vom Gattungsspezialisten K. H. Larsson aufgedeckt und von T. farinacea ss. str. getrennt geworden. Ich gebe zu, dass man diese Art bei deinem Fund aufgrund der Bilder nicht ausschließen kann (die subhymenialen Zellen sollen länger sein als bei T. farinacea ss. str.). Wenn du sehr genau sein möchtest, kannst du deinen Fund also unter "T. farinacea ss. lato" ablegen, wobei ich zu behaupten wage, dass dir wohl nur eine Überprüfung deiner Aufsammlung durch K. H. Larsson persönlich die letzte Sicherheit geben würde.
Fest steht, dass Trechispora farinacea "ss. lato" ein ausgesprochen häufiger Pilz ist, den man an genau den Merkmalen ganz gut erkennen kann, die deine Bilder zeigen.
LG
Wolfgang

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Re: nochmal zur Trechispora

Klaas, (vor 5075 Tagen) @ Wolfgang D.

Hallo Wolfgang,

herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort!

O.k., eine Osteomorpha ist also eine Anomorphe zu einer Trechispora und kein Parasit o.ä.,
soweit habe ich hoffentlich richtig verstanden. Allein das wir mir schon unklar.

(Zugeben muss ich, dass ich gestern so sehr auf die Namen fixiert war, dass ich auf der MycoBank
dummerweise nicht weiter nach unten gescrollt hatte - bei meinen vorhergehenden Suchen fanden sich
dort oft keine Abbildungen, sodass ich wohl hierbei wohl auch keine erwartet hatte.)

Den mir bislang völlig unbekannten Herrn Larsson möchte ich mit einem Pilzchen aus einer Gattung,
mit der ich mich gerade erstmalig etwas beschäftigt habe, nun wirklich nicht belästigen.
Da Du Dich offensichtlich schon länger mit Rindenpilzen beschäftigst, vertraue ich ganz auf Deine
Einschätzung, T. farinacea klingt gut, ggf. noch ein "ss. lato" angehängt.
Falls mir in den nächsten Jahren öfters mal Arten dieser Gattung begegnen sollten, lohnt sich wohl
der Einkauf von Klassikern und neuerer Literatur - im Augenblick bin ich schon mehr als zufrieden mit
dieser Hilfe und Bestimmung.

Danke sehr und viele Grüße
Klaas

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Re: "Winter-Rinden-Pilze"

Goldsucher, (vor 5074 Tagen) @ Klaas

Ja das hab ich wohl überlesen. Tannen im Buchenwald sind in meiner Gegend hingegen kein Problem. Sobald es irgenwie in die Gräben hineingeht findet man beide nebeneinander.