Cortinarius spec... *PIC*

Schirmling88, (vor 5073 Tagen)

Hallo liebe Pilzfreunde,

diese Gruppe habe ich Anfang Oktober im Fichtenwald gefunden. ich habe einen Verdacht. Aber bevor wieder auffällt, dass ich in Richtung Cortinarius gar keine Ahnung habe, sage ich lieber nichts. Leider kann ich null zu den Mikro-Merkmalen sagen, da mir die Kollektion verloren gegangen ist. Aber vielleicht erkennt jemand diese Art?

Viele Grüße

Michael

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Re: Cortinarius spec...

jesko, (vor 5072 Tagen) @ Schirmling88

Hallo Michael,

das dürfte ein Phlegmacium aus der Gruppe Cortinarius fulvoochrascens/anomaloochrascens/riederi sein. Aber ohne Mikros dürfte sich das kaum genauer eingrenzen lassen.

Viele Grüße, Jesko

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Re: Cortinarius spec...

Schirmling88, (vor 5067 Tagen) @ jesko

Hallo Michael,
das dürfte ein Phlegmacium aus der Gruppe Cortinarius
fulvoochrascens/anomaloochrascens/riederi sein. Aber ohne Mikros dürfte
sich das kaum genauer eingrenzen lassen.
Viele Grüße, Jesko

Hallo Jesko,

das ist doch schonmal eine ziemlich gute Eingrenzung. Mehr habe ich ohne Mikros auch gar nicht erwartet. Mich würde aber mal interessieren, welche Mikros mich hier weiterbringen würden. Wonach muss ich denn schauen, wenn ich diese wiederfinde? Das scheint mir doch komplizierter zu sein, als es ohnehin schon ist mit Cortinarius?

Herzlichen Dank für die Einschätzung

Viele Grüße

Michael

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Re: Cortinarius spec...

antilocal, (vor 5067 Tagen) @ Schirmling88

Mich würde aber mal interessieren, welche

Mikros mich hier weiterbringen würden. Wonach muss ich denn schauen

Hallo

Das würde mich auch interessieren!

Welche Mikromerkmale werden zu Bestimmen von Cortinarien benötigt?
Mal abgesehen von den Sporen und deren Ornament.

Vielleicht hat ja einer der Gattungsspezialisten Lust ein kleines
"How To mikroskopier a Cortinarius" für die Gattungslaien zu verfassen.

Wäre prima.

Mfg Sven

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Re: Cortinarius spec...

jesko, (vor 5063 Tagen) @ antilocal

Welche Mikromerkmale werden zu Bestimmen von Cortinarien benötigt?
Mal abgesehen von den Sporen und deren Ornament.

Hallo Sven,

Cortinarius ist eine sehr große Gattung, aber die Merkmalsvariabilität ist eher makroskopisch als mikroskopisch. I.d.R. kommt man auch makroskopisch mehr oder minder schon auf die Sektionsebene, oft sogar viel weiter. Zur mikroskopischen Unterscheidung nahe verwandter Arten sind oft nur noch Sporenformen und –maße relevant, andere mikroskopische Merkmale sind oft Gruppenmerkmale, d.h. da gibt es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Arten derselben Serie oder Sektion.

Ich versuche mich trotzdem mal an einem kleinen Überblick aus meiner (natürlich beschränkten) Erfahrung:

Sporenformen und –maße sind das Mikromerkmal, das in den meisten Fällen weiterhilft. Ich denke, die intraspezifische Variabilität bei der Sporengröße ist normalerweise sehr gering. Für mich habe ich ein bisschen die Faustregel, dass 1 μ Abweichung z.B. bei der oberen Intervallgrenze bereits sehr bedenklich ist, sodass mir die Bestimmung dann bereits sehr fraglich erscheint. Weitere wichtige Sporenmerkmale können die Ornamentation, die Sporenfarbe in Wasser und/oder KOH oder die Dextrinoidität sein.

Basidien sind bei der übergroßen Mehrzahl der europäischen Arten zumeist 4-sporig, Arten mit überwiegend 2-sporigen sind also sehr selten.

Sehr auffällige Cheilozystiden oder Marginalzellen sind wenig verbreitet. Bekannte Beispiele wären die ballonförmigen Cheilozystiden der „Honigschleimfüße“ (Myxacium, Sekt. Defibulati bzw. Gruppe um C. elatior) oder die ChZ/Marginalzellen im Formenkreis C. acutus. Auch in anderen Formenkreisen lohnt sich aber manchmal durchaus ein Blick auf die Lamellenschneide. Von Pleurozystiden weiß zumindest ich nichts.

Bei den Huthautstrukturen gibt es insgesamt natürlich nennenswerte Unterschiede, aber nahe verwandte Arten nehmen sich da meist nicht viel. Zu beurteilen wären hier z.B. der allgemeine Aufbau (einschichtig/zweischichtig), die Breite der Hyphen ibs. in der Deckschicht, verschleimte Schichten, Inkrustationen ... Ein bekanntes Beispiele ist etwa die Pileipellis simplex bei den Calochroi, während manchmal makroskopisch ähnliche Phlegmacien anderer Sektionen eine Pileipellis duplex haben, damit könnte man im Zweifel z.B. C. sodagnitus von Vertretern der Caerulescentes unterscheiden.

Schnallen weist die große Mehrheit der Cortinarius-Arten auf. Eine bekannte Ausnahme bilden die Honigschleimfüße (eben auch als Defibulati – Schnallenlose – bezeichnet). Wenn man also ganz schlimmen Schnupfen hat (und sich mit dem penetranten Honiggeruch in der Stielbasis nicht sicher ist) und etwa zwischen C. trivialis und C. elatior oder mucifluoides o.ä. oder vielleicht im Nadelwald zwischen collinitus und stillatitius schwankt, könnte man nach Schnallen oder auch nach den oben erwähnten ballonförmigen Cheilozystiden schauen. Interessant ist auch, dass Günter Saar als charakteristisches Mikromerkmal für C. daulnoyae (bzw. C. nemorensis ss. Saar) ungewöhnlich große Schnallen in der HDS festgestellt hat.

Alles in allem reicht es also nach momentanem Stand oft aus, ein paar Sporen aus dem Abwurfpräparat oder von der Stielspitze zu untersuchen. Allerdings muss man schon sagen, dass bei vielen Cortinarius-Arten eigentlich die Mikromorphologie nur unzureichend bekannt ist. Vielleicht werden wir ja mittelfristig noch ein paar mehr verlässliche Mikromerkmale bekommen.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Cortinarius spec...

antilocal, (vor 5061 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko

Vielen Dank für die umfassenden Erläuterung.
Das kann ich mir bis zur nächsten Cortinariensaison immer mal wieder durchlesen.
Evtl gelingt mir dann auch mal eine Bestimmung ;-)

Mfg Sven

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Re: Cortinarius spec...

jesko, (vor 5063 Tagen) @ Schirmling88

Hallo Jesko,
das ist doch schonmal eine ziemlich gute Eingrenzung. Mehr habe ich ohne
Mikros auch gar nicht erwartet. Mich würde aber mal interessieren, welche
Mikros mich hier weiterbringen würden. Wonach muss ich denn schauen, wenn
ich diese wiederfinde? Das scheint mir doch komplizierter zu sein, als es
ohnehin schon ist mit Cortinarius?

Hallo Michael,

im Wesentlichen würde Dich dann nur die Sporengröße weiterbringen, alle anderen Mikromerkmale scheinen Gruppenmerkmale zu sein, die also für den ganzen Formenkreis typisch sind.
Mit Hilfe der Sporen könntest Du natürlich erst mal grundsätzlich prüfen, ob ich mit meinem Tipp richtig lag: Du müsstest ziemlich große, +/- elliptische Sporen finden. Hier ein Thread von Harzpilzchen mit einem schönen Sporenfoto von anomaloochrascens:
Beitrag 209050

Bei fulvoochrascens wären die Sporen noch größer. Was die klassische Art riederi sein soll, ist eine gute Frage (ein Neo-/Epityp dürfte nicht existieren). Auch dieser Formenkreis befindet sich wohl momentan in der Revision. Einstweilen würde ich die Bestimmung nach FN empfehlen, einen Blick in AdC kann man freilich auch mal werfen.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Cortinarius spec...

Andreas ⌂, (vor 5061 Tagen) @ jesko

Hallo,

Einstweilen würde ich die Bestimmung nach FN empfehlen, einen
Blick in AdC kann man freilich auch mal werfen.

Im AdC wird in dieser Gruppe neben der Sporengröße auch viel nach verschiedenen chemischen Reaktionen unterschieden. Die Franzosen verwenden da neben KOH, FeSO4, Guajak etc. auch manches was bei uns nicht so üblich ist, z.B. Phenolanilin oder TL4 (Thalliumoxyd + diverses). Letzteres ist ein altbekanntes Rattengift, das in Deutschland aber seit geraumer Zeit verboten ist.

beste Grüße,
Andreas