Erste Einblicke in die Mikroskopie *PIC*

Emil, (vor 4802 Tagen)

Liebe Pilzfreunde,
anlässlich eines mir gestern mitgebrachten Dachpilzes habe ich beschlossen, mich erstmals näher mit der Pilzmikroskopie zu befassen.
Ich habe die Art als Pluteus petasatus, Seidiger Dachpilz bestimmt, eine schon makroskopisch relativ leicht erkennbare Art.
Diese Beschreibung passt ziemlich genau auf meinen Fund: http://www.mushroomexpert.com/pluteus_petasatus.html
Wie immer würde ich mich über Korrekturen, Antworten auf meine Fragen, Bestätigungen und Verbesserungsvorschläge zu Methoden der Mikroskopie sehr freuen.

Hie erst mal die makroskopische Beschreibung:
FUNDORT: Gesellig bis büschelig auf dem Boden (vergrabenes Holz).
HUT: Frisch schmierig; weißlich, glänzend. Stumpf gebuckelt, mit schwarzbraunen Schüppchen, die besonders in der Hutmitte vorkommen und zum Rand hin seltener vorkommen. Huthaut relativ dick, in Streifen abziehbar.
LAMELLEN: Frei. Erst weiß, später blass rosabraun. Schneiden gleichfarbig oder etwas dunkler.
STIEL: Verdreht längsstreifig. Oben weiß, unten dunkler (bräunlich).
FLEISCH: Weiß, fest, wattig-körnig.
GERUCH: Erst angenehm pilzartig, nach längerem Liegen stark rettichartig.
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SPOREN: Klein, glatt, relativ rund, mit Öltropfen. Inamyloid, cyanophil (mit Baumwollblau färbbar).
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PLEUROZYSTIDEN: Dickwandig, mit „Krönchen“.
Kann man die auch mit Basidien verwechseln? Wie erkennt man Basidien und wo kommen sie vor (Schneide, Fläche)?
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CHEILOZYSTIDEN (Wenn es welche sind): Ähnlich den Pleurozystiden (was mich etwas verwundert hat).
Können Pleurozystiden auch auf der Lamellenschneide vorkommen? Sind das hier auch Pleurozystiden?
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HYPHEN (Huthaut): Keine Schnallen gefunden (was aber nichts heißen muss).
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Viele Grüße,
Emil

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie *PIC*

Emil, (vor 4802 Tagen) @ Emil

Ich hab noch mal eine Frage zu einer Conocybe.
Beim Blick in ein Buch war mir sofort klar, dass Conocyben (noch) viel zu schwierig für mich sind.
Ich frage also nicht nach der Art, sondern nach den blasigen Gebilden an der Stielrinde. Sind das die Caulozystiden?
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Viele Grüße,
Emil

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

pilzmel ⌂, (vor 4802 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,
zur Art kann ich nix sagen.
Die Gebilde am Stiel sind besser neutral als Elemente der Stielbekleidung zu bezeichnen. Bei Zystiden würde ich "mehr Form" erwarten. Was in der Praxis natürlich rein akademisch ist.
Beste Grüße!
Andreas

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie *PIC*

Toffel, (vor 4802 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

ich meine hier eine eindeutige Schnalle zu erkennen.

Viele Grüße
Toffel

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Emil, (vor 4802 Tagen) @ Toffel

Hallo Toffel,
das kann ich jetzt nicht so gut erkennen, ob das eine Schnalle ist oder nicht. Ich werde morgen noch mal im Präparat nachsehen.
Danke für den Hinweis.
Viele Grüße,
Emil

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Emil, (vor 4802 Tagen) @ pilzmel

Hallo Emil,
zur Art kann ich nix sagen.
Die Gebilde am Stiel sind besser neutral als Elemente der Stielbekleidung zu
bezeichnen. Bei Zystiden würde ich "mehr Form" erwarten. Was in
der Praxis natürlich rein akademisch ist.
Beste Grüße!
Andreas

Hallo Andreas,
ich habe mich hierbei am Großpilze BaWü - Schlüssel orientiert. Dort wird nach den Stielzystiden gefragt: Kopfig oder kopfig UND nicht kopfig oder kaum kopfig mit Haaren.
Da musste ich schon am Anfang aufgeben, weil ich nicht wusste, wie kopfige Zystiden aussehen müssen ;-)
Danke dir für die Antwort.
Viele Grüße,
Emil

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Birgit, (vor 4802 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

tröste Dich, ich seh da auch keine Schnalle und schon gar nicht eine eindeutige, aber vielleicht habe ich ja einen Knick in der Optik. ;-)

kopfige Zystiden: Stell Dir eine Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielfigur vor. Der kleine kugelige Kopf, stellt das kopfige Ende einer Zystide dar. Verallgemeinert also ein kreisförmiges Gebilde mit abruptem Übergang zum "Hals". Kopfige Zystiden können wirklich wie die Spielfiguren ausschauen, aber auch z.B. wie eine Flasche mit langgezogenem Hals und dann oben einer Kugel drauf. Hoffentlich versteht jetzt noch jemand, was ich meine ;-).

herzliche Grüße

Birgit

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

hoennetaler, (vor 4802 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

um einen ersten Überblick über mögliche Kaulozystiden und deren Form zu bekommen, kannst Du den ganzen Stiel (nicht präparieren!) mit dem 10er Objektiv absuchen. Die dann hundertfache Vergrößerung reicht aus, mögliche Kaulozystiden im Gegenlicht zu erkennen.

Viele Grüße
Jürgen

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

zuehli ⌂, (vor 4801 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

zunächst: das sieht schon mal ganz gut aus mir Deinen Mikrofotos! Und der Diagnose Pluteus petasatus will ich jetzt mal nicht widersprechen.

PLEUROZYSTIDEN: Dickwandig, mit „Krönchen“.
Kann man die auch mit Basidien verwechseln? Wie erkennt man Basidien und wo
kommen sie vor (Schneide, Fläche)?

Das sind Pleurozystiden. Hier konkret die Hakenzystiden aus der Cervinus-Gruppe (Sektion Pluteus). Basidien gibts eigentlich überall auf der Lamelle und sehen anders aus, meist mit vier fingerförmigen Auswüchsen (Sterigmen), an denen idealerweise noch Sporen hängen.

CHEILOZYSTIDEN (Wenn es welche sind): Ähnlich den Pleurozystiden (was mich
etwas verwundert hat).
Können Pleurozystiden auch auf der Lamellenschneide vorkommen? Sind das hier
auch Pleurozystiden?

Ja, das sind auch Pleuros. Cheilozystiden sind die auf der Lamellenschneide und sollten bei P. petasatus mehr oder weniger keulenförmig aussehen. Du hast hier wohl, obwohl es so aussehen mag, nicht die Lamellenschneide erwischt.

Wichtig bei Dachpilzen ist auch die Struktur der Huthaut. Da sollte man einen Radialschnitt machen um es gut beurteilen zu können.
Genaueres zum Thema können wir am kommenden Donnerstag erörtern.

Bis denn
Harald

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie *PIC*

Emil, (vor 4801 Tagen) @ hoennetaler

Hallo Emil,
um einen ersten Überblick über mögliche Kaulozystiden und deren Form zu
bekommen, kannst Du den ganzen Stiel (nicht präparieren!) mit dem 10er
Objektiv absuchen. Die dann hundertfache Vergrößerung reicht aus, mögliche
Kaulozystiden im Gegenlicht zu erkennen.
Viele Grüße
Jürgen

Hallo Jürgen,
Danke für den Hinweis! Werde ich das nächste Mal so machen. Bei dem Bild habe ich eine Faser vom Stiel abgezogen und mikroskopiert.
Anbei noch ein Bild vom präparierten Stiel. Ich wurde ja jetzt überzeugt, dass das Blasige darauf keine Zystiden sind - wahrscheinlich zu klein dafür :-)
Allerdings würde mich interessieren, wie die Zystiden aussehen müssen...
Viele Grüße,
Emil

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Emil, (vor 4801 Tagen) @ Birgit

Hallo Emil,
tröste Dich, ich seh da auch keine Schnalle und schon gar nicht eine
eindeutige, aber vielleicht habe ich ja einen Knick in der Optik. ;-)
kopfige Zystiden: Stell Dir eine Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielfigur vor. Der
kleine kugelige Kopf, stellt das kopfige Ende einer Zystide dar.
Verallgemeinert also ein kreisförmiges Gebilde mit abruptem Übergang zum
"Hals". Kopfige Zystiden können wirklich wie die Spielfiguren
ausschauen, aber auch z.B. wie eine Flasche mit langgezogenem Hals und
dann oben einer Kugel drauf. Hoffentlich versteht jetzt noch jemand, was
ich meine ;-).
herzliche Grüße
Birgit

Hallo Birgit,
Ich werde mir die Hyphen noch einmal gründlicher ansehen. Vielleicht entdecke ich noch eine Schnalle oder eben nicht :-)
Wolfgang (PiWo) hat mir geschrieben, dass man mehrere (5) Hyphen-Präparate braucht, um über die Vorhandenheit von Schnallen Näheres sagen zu könen. Aber selbst wenn ich einzelne Schnallen entdecken würde, glaube ich nicht, dass das an der Bestimmung Pluteus petasatus was ändern würde (?).
Vielen Dank für die (gut verständliche ;-) ) Erklärung der kopfigen Zystiden. Kopfige Zystiden habe ich nirgends gefunden. Eher blasige - die aber wahrscheinlich keine Zystiden sind.
Viele Grüße,
Emil

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Emil, (vor 4801 Tagen) @ zuehli

Hallo Emil,
zunächst: das sieht schon mal ganz gut aus mir Deinen Mikrofotos! Und der
Diagnose Pluteus petasatus will ich jetzt mal nicht widersprechen.
Das sind Pleurozystiden. Hier konkret die Hakenzystiden aus der
Cervinus-Gruppe (Sektion Pluteus). Basidien gibts eigentlich überall auf
der Lamelle und sehen anders aus, meist mit vier fingerförmigen Auswüchsen
(Sterigmen), an denen idealerweise noch Sporen hängen.
Ja, das sind auch Pleuros. Cheilozystiden sind die auf der Lamellenschneide
und sollten bei P. petasatus mehr oder weniger keulenförmig aussehen. Du
hast hier wohl, obwohl es so aussehen mag, nicht die Lamellenschneide
erwischt.
Wichtig bei Dachpilzen ist auch die Struktur der Huthaut. Da sollte man einen
Radialschnitt machen um es gut beurteilen zu können.
Genaueres zum Thema können wir am kommenden Donnerstag erörtern.
Bis denn
Harald

Hallo Harald,
auch dir Danke für die Hinweise!
Nach den Basidien habe ich gefragt, weil ich bei der ganzen Mikroskopiererei noch keine einzige Basidie entdeckt habe - dafür unzählige Sporen überall. Und ich wusste deshalb nicht, ob man die Sterigmen mit den Krönchen der Pleurozystiden verwechseln kann.
Für die Cheilozystiden habe ich eigentlich gedacht, die Lamellenschneide dünn genug abgeschnitten zu haben, war aber wohl doch noch nicht dünn genug. Lt. Literatur soll die Art auch nur wenige Cheilozystiden haben.
Mit der Struktur der Huthaut habe ich mich noch nicht beschäftigt, ich weiß also nicht, worauf ich da achten muss. Werde ich auch mal nachlesen.
Bis Donnerstag!
Viele Grüße,
Emil

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Stephan Weißer, (vor 4801 Tagen) @ Emil

Da musste ich schon am Anfang aufgeben, weil ich nicht wusste, wie kopfige
Zystiden aussehen müssen ;-)

Wie Spielfiguren beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht.

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Stephan Weißer, (vor 4801 Tagen) @ Toffel

ich meine hier eine eindeutige Schnalle zu erkennen.

Du musst ein Zauberer sein! ;-D

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Stephan Weißer, (vor 4801 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

einen Pilz von vorne bis hinten durchzumikroskopieren ist extrem aufwändig. Am besten finde ich es, wenn man zunächst nur das mikroskopiert, was einen in die richtige Untergattung bringt (die Gattung sollte man ohne Zuhilfenahme des Mikroskops ermitteln können!). Dann geht man den Untergattungsschlüssel durch und versucht nur das zu ermitteln, was dort gefragt wird.

Am Beispiel deines Dachpilzes:
1) Du bist anhand der freien Lamellen, des rosa Sporenpulvers und der fehlenden Volva in der Gattung Pluteus gelandet.
2) Als erstes wird im Schlüssel gefragt: Hakenzystiden oder keine? Also suchst du nach Hakenzystiden und findest welche.
3) In der Hakenzystiden-Gruppe wird als nächstes nach Schnallen in der Huthaut gefragt. Also suchst du nach Schnallen in der Huthaut (findest du welche, fällt übrigens Pluteus petasatus aus, denn der hat keine).
4) Es bleiben in diesem Fall nach Beantwortung der Schlüsselfrage jeweils nicht mehr als drei bis vier mögliche Arten übrig, die sich überdies nicht besonders ähnlich sehen, d. h. an dieser Stelle könnte man eventuell überlegen, ob man nicht rein makroskopisch fortfährt.
5) Hat man Schnallen gefunden, braucht man nach dem mir vorliegenden Schlüssel die Hymenialzystiden nicht weiter zu beachten. Hat man dagegen Schnallen gefunden, ist auch nur wichtig, ob viele Cheilozystiden vorkommen oder wenige, aber nicht, wie sie aussehen. Auch wenn in einer eventuell vorhandenen Dachpilz-Monografie für jede Art die Form der Cheilozystiden genau abgebildet sein sollte.

Mit dieser Methode kommst du am Anfang recht schnell zu Ergebnissen (die in ihrer Qualität erwartbaren Anfängerergebnissen entsprechen). Mit steigender Mikroskopiererfahrung kannst du natürlich deine Methoden verfeinern.

Freundliche Grüße
Stephan Weißer

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grrr, Schreibfehler!

Stephan Weißer, (vor 4801 Tagen) @ Stephan Weißer

ich wollte eigentlich schreiben:

5) Hat man Schnallen gefunden, braucht man nach dem mir vorliegenden
Schlüssel die Hymenialzystiden nicht weiter zu beachten. Hat man dagegen
KEINE Schnallen gefunden,...

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Emil, (vor 4800 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,
erst einmal vielen Dank für deine ausführlichen Antworten!
Auch auf erneutes Nachsuchen habe ich keine Schnallen gefunden, ich habe aber die fotografierte Stelle (wo Toffel meint, eine Schnalle entdeckt zu haben) nicht mehr wiedergefunden. Auch habe ich vielleicht nicht genügend Material (habe keine 5 Präparate). Wenn man eine einzige Schnalle findet, zählt das dann unter "Schnallen vorhanden"? Wenn man die Form der Cheilozystiden nicht kennt, steht man vor dem Problem, dass man nicht weiß, ob es sich bei evtl. gefundenen Cheilozystiden überhaupt um solche handelt. Ich habe überhaupt keine gefunden, nur Pleurozystiden sind mir erneut begegnet, die ich auch erst für Cheilozystiden gehalten habe.
Aber ich bin mir schon relativ sicher mit der Bestimmung als P. petasatus. Ich kann mir, falls es notwendig sein sollte, auch noch mal ein Exemplar mitbringen lassen.
Viele Grüße,
Emil

Hallo Emil,
einen Pilz von vorne bis hinten durchzumikroskopieren ist extrem aufwändig.
Am besten finde ich es, wenn man zunächst nur das mikroskopiert, was einen
in die richtige Untergattung bringt (die Gattung sollte man ohne
Zuhilfenahme des Mikroskops ermitteln können!). Dann geht man den
Untergattungsschlüssel durch und versucht nur das zu ermitteln, was dort
gefragt wird.
Am Beispiel deines Dachpilzes: 1) Du bist anhand der freien Lamellen, des
rosa Sporenpulvers und der fehlenden Volva in der Gattung Pluteus
gelandet.
2) Als erstes wird im Schlüssel gefragt: Hakenzystiden oder keine? Also
suchst du nach Hakenzystiden und findest welche.
3) In der Hakenzystiden-Gruppe wird als nächstes nach Schnallen in der
Huthaut gefragt. Also suchst du nach Schnallen in der Huthaut (findest du
welche, fällt übrigens Pluteus petasatus aus, denn der hat keine).
4) Es bleiben in diesem Fall nach Beantwortung der Schlüsselfrage jeweils
nicht mehr als drei bis vier mögliche Arten übrig, die sich überdies nicht
besonders ähnlich sehen, d. h. an dieser Stelle könnte man eventuell
überlegen, ob man nicht rein makroskopisch fortfährt.
5) Hat man Schnallen gefunden, braucht man nach dem mir vorliegenden
Schlüssel die Hymenialzystiden nicht weiter zu beachten. Hat man dagegen keine
Schnallen gefunden, ist auch nur wichtig, ob viele Cheilozystiden
vorkommen oder wenige, aber nicht, wie sie aussehen. Auch wenn in einer
eventuell vorhandenen Dachpilz-Monografie für jede Art die Form der
Cheilozystiden genau abgebildet sein sollte.
Mit dieser Methode kommst du am Anfang recht schnell zu Ergebnissen (die in
ihrer Qualität erwartbaren Anfängerergebnissen entsprechen). Mit
steigender Mikroskopiererfahrung kannst du natürlich deine Methoden
verfeinern.
Freundliche Grüße
Stephan Weißer

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Stephan Weißer, (vor 4800 Tagen) @ Emil

Wenn man eine einzige Schnalle findet,
zählt das dann unter "Schnallen vorhanden"?

Normalerweise schon, aber bei der Frage, ob Rehbrauner Dachpilz oder nicht? kommt es, wie ich gehört habe, sehr auf die Schnallenhäufigkeit an.

Wenn man die Form
der Cheilozystiden nicht kennt, steht man vor dem Problem, dass man nicht
weiß, ob es sich bei evtl. gefundenen Cheilozystiden überhaupt um solche
handelt.

Präpariere die Lamelle so, dass du sie möglichst dünn (!!) quer durchschneidest. Den Dünnschnitt lässt du in einen Wassertropfen auf dem Objektträger gleiten. Dann Deckglas drauf und unters Objektiv. Dann wird sich wahrscheinlich vieles klären.

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Emil, (vor 4800 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

Normalerweise schon, aber bei der Frage, ob Rehbrauner Dachpilz oder nicht?
kommt es, wie ich gehört habe, sehr auf die Schnallenhäufigkeit an.

?
Ich dachte, sowohl P. petasatus als auch P. cervinus haben keine Schnallen?

Präpariere die Lamelle so, dass du sie möglichst dünn (!!) quer
durchschneidest. Den Dünnschnitt lässt du in einen Wassertropfen auf dem
Objektträger gleiten. Dann Deckglas drauf und unters Objektiv. Dann wird
sich wahrscheinlich vieles klären.

Ich dachte eigentlich, mein Schnitt wäre dünn genug. Ist aber wahrscheinlich Übungssache...

Viele Grüße,
Emil

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Stephan Weißer, (vor 4800 Tagen) @ Emil

Ich dachte, sowohl P. petasatus als auch P. cervinus haben keine Schnallen?

Schon, aber z. B. so was wie Pluteus salicinus hat Hakenzystiden und Schnallen.

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Schnuffel, (vor 4799 Tagen) @ Emil

Für die Cheilozystiden habe ich eigentlich gedacht, die Lamellenschneide dünn
genug abgeschnitten zu haben, war aber wohl doch noch nicht dünn genug.

Hallo Emil,

ganz im Gegenteil, für die Untersuchung auf Cheilozystiden schneidest Du die Lammellenschneide besser etwas breiter ab (ca. 1-2 mm). Da kannst Du sicher sein, dass das Lamellenstückchen auf die Fläche zu liegen kommt und die Cheilos nur am Rand des Präparats zu suchen sind. Auf jeden Fall das Deckglas nur leicht andrücken. Gelegentlich kann es aber auch von Vorteil sein, etwas fester zu drücken, aber ohne das Präparat völlig zu zerquetschen. Dabei werden Cheilos aus der Schneide herausgedrückt und sind dann leichter zu erkennen. Pleurozystiden findest Du dann auf der anderen (schnurgeraden Abschnittsseite) des Präparats.

Je schmaler Du die Schneide abschneidest, desto größer ist nämlich die Gefahr, daß das Präparat auf die Abschnittsfläche zu liegen kommt und die Cheilos im allgemeinen Wirrwarr untergehen und in der Aufsicht auch kaum erkennbar sind. Das ist Dir bei Deinen ersten Versuchen vermutlich auch passiert.

Gruß - Schnuffel

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Re: Erste Einblicke in die Mikroskopie

Emil, (vor 4799 Tagen) @ Schnuffel

Hallo Emil,
ganz im Gegenteil, für die Untersuchung auf Cheilozystiden schneidest Du die
Lammellenschneide besser etwas breiter ab (ca. 1-2 mm). Da kannst Du
sicher sein, dass das Lamellenstückchen auf die Fläche zu liegen kommt und
die Cheilos nur am Rand des Präparats zu suchen sind. Auf jeden Fall das
Deckglas nur leicht andrücken. Gelegentlich kann es aber auch von Vorteil
sein, etwas fester zu drücken, aber ohne das Präparat völlig zu
zerquetschen. Dabei werden Cheilos aus der Schneide herausgedrückt und
sind dann leichter zu erkennen. Pleurozystiden findest Du dann auf der
anderen (schnurgeraden Abschnittsseite) des Präparats.
Je schmaler Du die Schneide abschneidest, desto größer ist nämlich die
Gefahr, daß das Präparat auf die Abschnittsfläche zu liegen kommt und die
Cheilos im allgemeinen Wirrwarr untergehen und in der Aufsicht auch kaum
erkennbar sind. Das ist Dir bei Deinen ersten Versuchen vermutlich auch
passiert.
Gruß - Schnuffel

Hallo Schnuffel,
das ist doch mal ein guter Tipp :-)
Ich dachte immer, man muss für Zystiden einen Lamellenquerschnitt anfertigen. Dann muss man ja für Pleuros auch nur ein breiteres Stück aus der Mitte der Lamelle nehmen und die Ränder absuchen. Das vereinfacht die Sache erheblich (kein Geschneide unter der Lupe mehr).
Ich werde es das nächste Mal so probieren. Danke!
Bis Donnerstag und viele Grüße,
Emil