Unklare Funde *PIC*

Emil, (vor 4791 Tagen)

Liebe Pilzfreunde,
gestern habe ich eine kleine Runde im Botanischen Garten gedreht, ein Biotop, dass für seinen Pilzreichtum bekannt ist, aufgrund der guten Pflege und vielen verschiedenen Pflanzen.
Es war ziemlich viel zu finden, z.B. Massen von Wiesen-Egerlingen (Agaricus campestris), ein Echter Knoblauchschwindling (Mycetinis scorodonius), Riesenschirmlinge (Macrolepiota procera), Gold-Schmierröhrlinge (Suillus viscidus), Rötende Erdsterne (Geastrum rufescens) oder Zweifarbige Lacktrichterlinge (Laccaria bicolor).
Doch einige Funde mussten unbestimmt bleiben, bzw. steht mit Fragezeichen. Diese möchte ich euch zeigen und euch um Hinweise dazu bitten (alle Pilze sind noch verhanden, ich kann also weitere Merkmale überprüfen).

1) Täubling, Russula spec.
Einzige Begleitbäume waren Chinesische Kiefern (Pinus tabuliformis) http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Kiefer
Hut: Jung tiefrot, älter vom Rand her verblassend, alt am Rand gerieft.
Stiel: Weiß, rosarot überlaufen (besonders jung). Alt leicht gräulich. Schwach gelb- oder rostfleckig.
Sporenpulver: Amyloid, cremegelb.
Fleisch: Fest. Mild, in den Lamellen leicht schärflich.
Geruch: Angenehm.
Sporen: Warzig.
Chemische Reaktionen: Anillin und Eisensulfat negativ, Guajak tief dunkelblau.
Ich komme mit dem Parey zu den Coccinae, etwas um den Apfel-Täubling, R. paludosa.
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Sporen in Melzers Reagenz und Öl, 1000-fach:
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2) spec.
Keine Idee. Saftig, mit weißen Poren.
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3) Spangrüner Kiefernreizker, Lactarius cf. semisanguifluus
Guajak-Reaktion übrigens genauso blau wie beim Täubling! Habe davon noch nie was gelesen (wahrscheinlich, weil es für die Bestimmung keine Rolle spielt). Gleicher Standort wie Täubling, in der Nähe nur Chinesische Kiefern. Nun tu ich mich schwer mit der Trennung zu L.deterrimus, Fichten-Reizker.
Argumente für L. deterrimus:
- Erst nach etwa 30 Minuten weinrot und auch nicht richtig tief.
- Biegsamer Hutrand
- Hut schwach trichterförmig vertieft
Argumente für L. semisanguifluus:
-Standort bei Kiefern
-Festes, nicht brüchiges Hutfleisch
-Verwaschene grüne Flecken auf Hut und Stiel
Ist nun der Standort das entscheidende Merkmal für L. semisanguifluus? Oder kann auch L. deterrimus mal bei Kiefer vorkommen?
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4) Saftling, Hygrocybe spec.
Hutbreite: 2 - 2,5 cm.
Hut und Stiel schleimig-schmierig, später klebrig.
Lamellen klebrig.
Geruch schwach fruchtig, Geschmack mild (nicht bitter).
Worauf muss ich bei der Bestimmung achten? Kann man den so schon bestimmen?
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So, das war´s erstmal. Ich hoffe auf gute Tipps von euch!
Viele Grüße,
Emil

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Re: Unklare Funde

AK_CCM, (vor 4791 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

4) Saftling, Hygrocybe spec.
Hutbreite: 2 - 2,5 cm.
Hut und Stiel schleimig-schmierig, später klebrig.
Lamellen klebrig.
Geruch schwach fruchtig, Geschmack mild (nicht bitter).
Worauf muss ich bei der Bestimmung achten? Kann man den so schon bestimmen?

vergleiche Deinen Fund mal mit Gliophorus/Hygrocybe glutinipes.

Gruß, Andreas

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Re: Unklare Funde

Matthias, (vor 4791 Tagen) @ Emil

3) Spangrüner Kiefernreizker, Lactarius cf. semisanguifluus
Guajak-Reaktion übrigens genauso blau wie beim Täubling! Habe davon noch nie
was gelesen (wahrscheinlich, weil es für die Bestimmung keine Rolle
spielt). Gleicher Standort wie Täubling, in der Nähe nur Chinesische
Kiefern. Nun tu ich mich schwer mit der Trennung zu L.deterrimus,
Fichten-Reizker.
Argumente für L. deterrimus:
- Erst nach etwa 30 Minuten weinrot und auch nicht richtig tief.
- Biegsamer Hutrand
- Hut schwach trichterförmig vertieft
Argumente für L. semisanguifluus:
-Standort bei Kiefern
-Festes, nicht brüchiges Hutfleisch
-Verwaschene grüne Flecken auf Hut und Stiel
Ist nun der Standort das entscheidende Merkmal für L. semisanguifluus? Oder
kann auch L. deterrimus mal bei Kiefer vorkommen?

Hallo Emil,
den Fichtenreizker kannst du ausschliessen der der keine orangen Wasserflecken am Stiel hat, das sieht mir sehr nach Lactarius quieticolor aus, der erinnert durch die Hutfarbe an den Eichemlchling was sich auch in dem Namen zeigt,
viele Grüsse
Matthias

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Re: Unklare Funde

phragmobasidie, (vor 4791 Tagen) @ Emil

Hallo Emil,

die Russula sieht nach sanguinaria aus.

Beste Grüße
Robin

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Re: Unklare Funde

Ingo, (vor 4791 Tagen) @ phragmobasidie

die Russula sieht nach sanguinaria aus.

Hallo Robin,

finde ich auch. Was mich etwas verwundert, ist die Feststellung,
dass das Fleisch mild war. Bluttäublinge sind in jeder Hinsicht
fürchterlich. R. paludosa würde ich ausschließen wollen.
Die fast wie "gehämmert" wirkende Hutoberfläche spricht Bände.
Vielleicht gibt es ja auch noch irgendwelche Variationen?!

Übrigens - hier in Berlin/Brandenburg hat der Regen der vergangenen
zwei Wochen seine Wirkung nicht verfehlt. Russula badia ist mittlerweile
Massenpilz. Von hellbraun bis violett ist alles am Start.

GR Ingo

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Re: Unklare Funde

phragmobasidie, (vor 4791 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

finde ich auch. Was mich etwas verwundert, ist die Feststellung,
dass das Fleisch mild war. Bluttäublinge sind in jeder Hinsicht
fürchterlich. R. paludosa würde ich ausschließen wollen.
Die fast wie "gehämmert" wirkende Hutoberfläche spricht Bände.
Vielleicht gibt es ja auch noch irgendwelche Variationen?!

wahrscheinlich eher eine Variations-Breite. Recht wandelbar aber irgendwie doch typisch ist die Art ja schon.
Ich habe heute in eine R. amoenolens gebissen - die ist ja auch immer ekelhaft scharf - ging aber
zu meinem Erstaunen diesmal, ich musste glatt zweimal probieren,
es war nur leicht scharf, ein großer, dann vermutlich recht wasser-vollgesogener Fruchtkörper -
so oder so isses gelegentlich auch mal sogar bei sonst stets kräftig scharfen Arten.
(Oder der Probant kann eben mehr Schärfe ab und nimmt etwas weniger wahr.)

Übrigens - hier in Berlin/Brandenburg hat der Regen der vergangenen
zwei Wochen seine Wirkung nicht verfehlt. Russula badia ist mittlerweile
Massenpilz. Von hellbraun bis violett ist alles am Start.

ou yeah. Wart ich noch drauf, die überhaupt mal hier zu sehen, obwohl sie lt. Online-Kartierung
durchaus hier vorkommt.

Beste Grüße
Robin

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Re: Unklare Funde

Peter S., (vor 4790 Tagen) @ Emil

2) spec.
Keine Idee. Saftig, mit weißen Poren.

Hallo Emil,
da sich zu dem noch niemand geäußert hat:
Könnte Bjerkandera fumosa sein.

Beste Grüße - Peter

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Re: Unklare Funde

Emil, (vor 4790 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,
Hygrocybe glutinipes passt ziemlich gut. Danke für den Tipp! Soll ja ziemlich selten sein... Auf jeden Fall ein schöner Fund!
Viele Grüße,
Emil

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Re: Unklare Funde

Emil, (vor 4790 Tagen) @ Matthias

Hallo Emil,
den Fichtenreizker kannst du ausschliessen der der keine orangen
Wasserflecken am Stiel hat, das sieht mir sehr nach Lactarius quieticolor
aus, der erinnert durch die Hutfarbe an den Eichemlchling was sich auch in
dem Namen zeigt,
viele Grüsse
Matthias

Hallo Matthias,
ich habe von Anfang an nur L. sanguifluus und L. deterrimus in Betracht gezogen, weil ich von L. quieticolor noch wenig gehört hatte und wegen der weinroten Verfärbung. Aber in Wikipedia steht, dass auch L. quieticolor und sogar L. deliciosus (?!) weinrötlich verfärbendes Fleisch haben kann. Auch war das Fleisch meines Pilzes eher weinbraun, nicht sehr deutlich weinrot und auch nur langsam (nach 30 - 40 Minuten). Lactarius quieticolor gefällt mir sehr gut, vielen Dank für den Hinweis!
Viele Grüße,
Emil

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Re: Unklare Funde

Emil, (vor 4790 Tagen) @ phragmobasidie

Hallo Robin und Ingo,
danke für die Bestimmung der Art! Zu Russula sanguinaria passen alle Merkmale - bis auf die fehlende Schärfe. In den Lamellen und im Hutfleisch konnte ich aber eine (relativ geringe) Schärfe feststellen. Wahrscheinlich liegt es wirklich an dem vielen Regen. Und das Merkmal gehämmert aussehende Hutoberfläche kannte ich auch noch nicht - man lernt immer dazu.
Russula badia habe ich auch schon in Brandenburg (Schorfheide) gefunden. Geschmack nach kurzer Zeit sauscharf.
Viele Grüße,
Emil

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Re: Unklare Funde

Emil, (vor 4790 Tagen) @ Peter S.

Hallo Emil,
da sich zu dem noch niemand geäußert hat: Könnte Bjerkandera fumosa sein.
Beste Grüße - Peter

Hallo Peter,
danke für den Tipp! An Rauchporling habe ich auch gedacht, als ich den Pilz gesehen habe. Skeptisch gemacht haben mich die helle Porenfarbe, die Saftigkeit und die fehlenden Gelbbrauntöne.
Aber z.B. der Pilz im Buch von E. Gerhard ist meinem ziemlich ähnlich. Bjerkandera fumosa kommt ganz gut hin. Wenn sich niemand anderes mehr zu dem Pilz meldet, werde ich den Pilz als B. f. ablegen.
Viele Grüße,
Emil

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Re: Unklare Funde

phragmobasidie, (vor 4790 Tagen) @ Emil

Russula badia habe ich auch schon in Brandenburg (Schorfheide) gefunden.
Geschmack nach kurzer Zeit sauscharf.

ja, auf Reisen bin ich schon öfter in den Genuss gekommen. Badia ist ja berüchtigt (u.a. weils nicht sofort kommt).
Aber einige scharfe Milchlinge wie z.B. Lactarius piperatus oder einiges aus der Sektion der "Korallen-Milchlinge" verdienen
auf jeden Fall auch nen Ehrenplatz in puncto Schärfe. Da geht man sofort zum Waschbecken, falls man ein solches bei sich hat.