LBM - Galerina? *PIC*

UmUlmHerum, (vor 4590 Tagen)

Hallo miteinander!

Little brown mushrooms sind ja nicht gerade beliebt... ich versuch´s trotzdem.

Diese zwei kleinen Pilzchen wuchsen in einer schattigen, noch bodenfeuchten, alten Rückegasse, die mit verrottenden Fichtenzweigen angefüllt und teilweise schon mit Moos überwachsen ist. Begleitpilze: Clitocybe spec., Melanoleuca cognata, in weiterer Umgebung FiZa-Rübling und -helmling.

Spitzglockiger, geriefter Hut Ø 10 - 13 mm, 9-10 mm hoch, ein wenig hygrophan, fuchsiges orangebraun. Hohler Stiel Ø 1,5 - 2 mm, 80-110 mm lang, an der Basis weißlich verdickt, kein Basalmyzel, längsfaserig, bereift-flockig, Farbe wie Hut, "Belag" heller (gelblich). Lamellen fast frei - mur minimal angeheftet, viele Zwischenlamellen, Farbe wie Hut. Sporenpulver fuchsig braun, Geruch unauffällig, Geschmack - lieber nicht probiert...

Dick-mandelförmige Sporen, 11-12,5 µm x 6 µm, ebenfalls rotbraun, trotzdem hyalin, dickwandig, weiß-durchsichtige Kappe (Keimporus?) am Ende, am anderen Ende bei vielen Sporen ein Apiculus. Spielfiguren-förmige Cheilos (Maße siehe Foto). Rundköpfige Basidien, 4-sporig, kurze Sterigmen.

Könnt Ihr mir weiterhelfen?

Viele Grüße - Rika

[image]

Im Vordergrund der untere Teil des Stiels mit der knolligen Verdickung:
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Blick auf die Fruchtschicht (Lamellenflanke):
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Basidie:
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Noch mehr Basidien:
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Cheilos(?):
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Re: LBM - Galerina?

Gernot, (vor 4590 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

das ist ein Samthäubchen (Conocybe sp.).

Schöne Grüße
Gernot

Hallo miteinander!
Little brown mushrooms sind ja nicht gerade beliebt... ich versuch´s
trotzdem.
Diese zwei kleinen Pilzchen wuchsen in einer schattigen, noch bodenfeuchten,
alten Rückegasse, die mit verrottenden Fichtenzweigen angefüllt und
teilweise schon mit Moos überwachsen ist. Begleitpilze: Clitocybe spec.,
Melanoleuca cognata, in weiterer Umgebung FiZa-Rübling und -helmling.
Spitzglockiger, geriefter Hut Ø 10 - 13 mm, 9-10 mm hoch, ein wenig
hygrophan, fuchsiges orangebraun. Hohler Stiel Ø 1,5 - 2 mm, 80-110 mm
lang, an der Basis weißlich verdickt, kein Basalmyzel, längsfaserig,
bereift-flockig, Farbe wie Hut, "Belag" heller (gelblich).
Lamellen fast frei - mur minimal angeheftet, viele Zwischenlamellen,
Farbe wie Hut. Sporenpulver fuchsig braun, Geruch unauffällig, Geschmack -
lieber nicht probiert...
Dick-mandelförmige Sporen , 11-12,5 µm x 6 µm, ebenfalls rotbraun, trotzdem
hyalin, dickwandig, weiß-durchsichtige Kappe (Keimporus?) am Ende, am
anderen Ende bei vielen Sporen ein Apiculus. Spielfiguren-förmige Cheilos
(Maße siehe Foto). Rundköpfige Basidien , 4-sporig, kurze Sterigmen.
Könnt Ihr mir weiterhelfen?
Viele Grüße - Rika

Im Vordergrund der untere Teil des Stiels mit der knolligen Verdickung:
Blick auf die Fruchtschicht (Lamellenflanke):

Basidie:
Noch mehr Basidien:
Cheilos(?):

Samthäubchen

interhias ⌂, (vor 4590 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

um die Conocybe-Art zu bestimmen, müsstest du die Stieloberfläche untersuchen. Wenn du "Spielfiguren" und längere Haare oder "Elefantenrüssel" findest, gehört sie zum Mixtae-Typ. Ich würde mal so ins Blaue hinein auf C. subpubescens tippen.

PS: Bei mir sind LBMs schon beliebt;-)

Grüße
Hias

Re: LBM - Galerina?

pilzmel ⌂, (vor 4589 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,
ich schließe mich meinungsmäßig Hias an.
Sieht sehr nach Conocybe subpubescens aus. Mikromerkmale, sowei erfasst, stimmen. Und der Deutschname ist nicht umsonst "Langstieliges Samthäubchen". Der Stiel erscheint meist unproportional lang.
Beste Grüße!
Andreas

Re: LBM - Samthäubchen? *PIC*

UmUlmHerum, (vor 4589 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Gernot, Hias, Andreas und alle MitleserInnen!

Den 3 Erstgenannten vielen Dank für die Einschätzung! Die Gattung Conocybe ist also klar - aber mit der Art bin ich mir noch nicht so sicher, auch wenn die Stiele bei meinem Fund ja wirklich sehr lang sind. Das könnte aber auch daran liegen, dass sie so lange werden mussten, um aus dem hohen Moos rauszukommen!?

Bei meinen heutigen Mikro-Untersuchungen musste ich inzwischen auf Trockenmaterial zurückgreifen, nachdem sich der frischere Frk. in der Box leider aufgelöst hat... hier mal Fotos von den Kaulozystiden - Haare habe ich dort nicht gefunden.

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Die Kaulos sehen von der Form her gleich aus wie Cheilos, Größe: Gesamtlänge 12-13,5 µm, Ø 7-8,5 µm, Köpfchen Ø 2,5-3,5 µm. Sie befinden sich immer in Grüppchen auf dem Stiel.

Ich habe versucht, mit GroPiBaWü zu schlüsseln und komme "am ehesten" bei C. sienophylla raus. Auf verschiedenen Websites habe ich auch über C. subpubescens nachgelesen. So richtig passt m.E. nix davon. Bei C. sienophylla werden einmal keine Spielfiguren-Kaulos angegeben, dann wieder schon. Für C. subpubescens ist mein Pilzchen eigentlich in allen Abmessungen (makro wie mikro) zu klein und der Standort passt auch nicht unbedingt...

Was meint Ihr LBM-Liebhaber nun anhand der Kaulo-Bilder?

Viele Grüße - Rika

Re: LBM - Samthäubchen? *PIC*

interhias ⌂, (vor 4589 Tagen) @ UmUlmHerum

Servus Rika,

C. sienophylla ist das sicher nicht. Aus der Sektion Conocybe (Stiel von Menschärgeredichmännchen dominiert, in der Regel ohne Haare) käme eigentlich nur C. tenera infrage, das gefällt mir aber makroskopisch nicht besonders. Vielleicht hast du die Haare am Stiel übersehen? Sie sind manchmal nicht ganz leicht zu finden. Auf den Fotos kann ich jedenfalls auch keine erkennen.

Bei C. subpubescens kann das z.B. so aussehen:
[image]

Das Schwammerl dazu:
[image]
[image]

Die Sporen:
[image]

Und die Cheilozystiden:
[image]

Am besten, du schaust dir bei Samthäubchen den Stiel immer mit der Lupe oder noch besser Stereolupe an, da sieht man in der Regel, ob Härchen vorhanden sind oder nicht. Mikroskopieren muss man natürlich trotzdem immer.

Die aktuellste Literatur dazu ist Fungi Europaei 11 von Toni Hausknecht.

Beste Grüße
Hias

Re: LBM - Samthäubchen?

UmUlmHerum, (vor 4588 Tagen) @ interhias

Griaß Di, Hias!

Herzlichen Dank für Deine ausführliche + bebilderte Antwort!

Mit der Stielbekleidung hatte ich leider Probleme: beim älteren Pilz war der Stiel schon recht abgegriffen - ich habe gestern ein Stück von ziemlich weit oben genommen, das aber auch schon vertrocknet war, eingeweicht in 2% KOH. Der jüngere Pilz hatte einen schön beflockten Stiel, da hätte man sicher besser was sehen können - aber der war ja in der Box komplett vergammelt...

Auf einem ca. 2 mm langen Stielstück fand ich viele Häufchen mit den lecythiforme Zystiden (wie auf Deinen Fotos) und ein paar wenige clavate Zellen. Es gab ganz vereinzelt was Haarartiges (lang + dünn), allerdings nicht mit rundem o.ä. Querschnitt, sondern wie ein gedrehtes Band - könnten das trotzdem die bewußten "Haare" sein?

Über C. tenera steht in GroPiBaWü, die Köpfchen der Cheilos hätten 5-7 µm - meine sind deutlich kleiner. Auf der HP von Andreas Kunze steht "Kopf 2,5-3,7 µm". Dort auch der deutsche Name aus der Original-Beschreibung "Der zarte Mooßschwamm" - wäre alles sehr passend. Fungi Europaei habe ich leider nicht.

Puh - ich glaub´, ich geb´s auf und warte auf den nächsten Fund von event. dieser Art. Jetzt weiß ich ja, auf was ich zu achten habe, und am frischen (unbegrabschten) Pilz sieht man die Zystiden sicher besser/eindeutiger.

Viele Grüße - Rika

Servus Rika,
C. sienophylla ist das sicher nicht. Aus der Sektion Conocybe (Stiel von
Menschärgeredichmännchen dominiert, in der Regel ohne Haare) käme
eigentlich nur C. tenera infrage, das gefällt mir aber makroskopisch nicht
besonders. Vielleicht hast du die Haare am Stiel übersehen? Sie sind
manchmal nicht ganz leicht zu finden. Auf den Fotos kann ich jedenfalls
auch keine erkennen.
Bei C. subpubescens kann das z.B. so aussehen:
Das Schwammerl dazu:

Die Sporen:
Und die Cheilozystiden:
Am besten, du schaust dir bei Samthäubchen den Stiel immer mit der Lupe oder
noch besser Stereolupe an, da sieht man in der Regel, ob Härchen vorhanden
sind oder nicht. Mikroskopieren muss man natürlich trotzdem immer.
Die aktuellste Literatur dazu ist Fungi Europaei 11 von Toni Hausknecht.
Beste Grüße
Hias