Riesen-Morchel *PIC*

UmUlmHerum, (vor 4575 Tagen)

Hallo miteinander!

Beim Eiersuchen im Auwald sind mir heute zwar nur sehr wenig frische Pilze begegnet, die Wenigen waren dafür recht ungewöhnlich... Habitat: ein sogenannter Auwald im Donautal UmUlmHerum, der aber in den letzten 50 Jahren sicher nie überschwemmt war. An Bäumen: so ziemlich alles was man sich vorstellen kann, auch Fichtenforstabschnitte, nur keinen Tannen. Die Ahörner und Kirschen blühen, die Eschen und Eichen stehen noch still und stumm.

Wie groß darf ein Stockschwämmchen werden? Und das in diesem extrem trockenen Frühjahr?

Jetzt fragt Ihr Euch vermutlich "Wo bleibt die Riesen-Morchel?"
Nachdem meine Ascos-auf-Hasel-Frage nur auf mäßiges Interesse gestoßen war, dachte ich mir: Sex sells übertragen auf dieses Forum "Morchella sells". Aber keine Sorge, die Riesen-Morchel kommt auch noch ;-)

Doch nun erstmal die Stockschwämmchen: Als ich die großen Hüte sah, dachte ich zuerst, irgendein Schüppling. Das größte Exemplar hat einen Hut-Ø von 13 cm! Stiel-Ø von 0,9 - 1,1 cm; Stiellänge 10-12 cm. Aber die übrigen Merkmale, einschließlich des köstlich-würzigen Geruchs, waren so typisch, dass es trotz der Trockenheit übergroße Stockschwämmchen sein müssen. Oder ist jemand anderer Ansicht?

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Und dann fand ich die einzige Speisemorchel des Tages, die vor 6 Tagen sicher noch nicht da gewesen ist. Nicht nur ihre Größe war beeindruckend - die Waben sind nach innen hin so eng stehend, dass kein Zwischenraum mehr da ist. Diese Schicht sieht hirnartig aus und ist 10-20 mm dick. Dann folgen 6-8 mm offenen Waben. Leider habe ich vom Schnitt keine Foto gemacht, aber wenn Ihr das Bild mit "Strg" und "+" vergrößert, könnt Ihr es auch so sehen oder zumindest erahnen.

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In den alten Rückegassen im Fichtenforst, im verrottenden Reisig, dann Hunderte von mind. 2 verschiedenen Trichterlingsarten - da trau´ ich mir keine Namen zu. Die Einen (= die Dunklen) rochen nach Marzipan-Anis, die Anderen (die Fast-Weißen) nur leicht erdig und hatten z.T. leicht schüppige Hute. Nur mal so zum Anschauen ein Gruppenbild. Falls näheres Interesse besteht, gäbe es noch weitere Bilder und detailierte Beschreibungen...

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Viele Ostergrüße - Rika

Re: Riesen-Morchel

Peter S., (vor 4574 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Nachdem meine Ascos-auf-Hasel-Frage nur auf mäßiges Interesse gestoßen war,

Da kann ich gar nix zu beitragen, weil k. A.

Doch nun erstmal die Stockschwämmchen: Als ich die großen Hüte sah, dachte
ich zuerst, irgendein Schüppling. Das größte Exemplar hat einen Hut-Ø von
13 cm! Stiel-Ø von 0,9 - 1,1 cm; Stiellänge 10-12 cm. Aber die übrigen
Merkmale, einschließlich des köstlich-würzigen Geruchs, waren so typisch,
dass es trotz der Trockenheit übergroße Stockschwämmchen sein müssen. Oder
ist jemand anderer Ansicht?

Nein, gleiche Ansicht. Ich erinnere mich an 2 Arten, die wir mal hatten und die sich a. G. der abnormen Fruchtkörpergrüße einer Bestimmung auf den ersten Blicken entzogen. Das eine war Agrocybe erebia, die in Hornberg jemand von der Exkursion mitrachte und die gut 20 cm Durchmesser hatte. Vor 2 Jahren stießen wir auf eine Galerina marginata - Gruppe auf morscher Linde. Die größten FK hatten ca. 12 cm breite Hüte.

In den alten Rückegassen im Fichtenforst, im verrottenden Reisig, dann
Hunderte von mind. 2 verschiedenen Trichterlingsarten - da trau´ ich mir
keine Namen zu. Die Einen (= die Dunklen) rochen nach Marzipan-Anis, die
Anderen (die Fast-Weißen) nur leicht erdig und hatten z.T. leicht
schüppige Hute. Nur mal so zum Anschauen ein Gruppenbild. Falls näheres
Interesse besteht, gäbe es noch weitere Bilder und detailierte
Beschreibungen...

Die braunen sind vermutlich das, was Du jetzt schon ein paar mal gezeigt hast, oder sind die noch dunkler? Gern bitte mehr Bilder
Von den weißen würde ich gern weitere Bilder sehen, ich ahbe keine Vorstellung, was da jetzt schon im Wald stehen könnte. C. catinus?

Beste Ostermontagsgrüße - Peter

Re: Riesen-Morchel *PIC*

UmUlmHerum, (vor 4574 Tagen) @ Peter S.

Hallo Peter!

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Nein, gleiche Ansicht. Ich erinnere mich an 2 Arten, die wir mal hatten und
die sich a. G. der abnormen Fruchtkörpergrüße einer Bestimmung auf den
ersten Blicken entzogen. Das eine war Agrocybe erebia, die in Hornberg
jemand von der Exkursion mitrachte und die gut 20 cm Durchmesser hatte.
Vor 2 Jahren stießen wir auf eine Galerina marginata - Gruppe auf morscher
Linde. Die größten FK hatten ca. 12 cm breite Hüte.

Das ist ja echt krass!
Die Größe "meiner" Stockschwämme (die Verkleinerungsform kann man hier getrost weglassen) hat mich vor allem verwundert, weil es hier immer noch recht trocken ist. Das Moos in den Fichtenwäldern ist dort meist schon gelb-grün und knirscht beim Drauftreten. Nur an wenigen Stellen ist es etwas feuchter - und dort wachsen jetzt ausschließlich Clitocybe. Entoloma vernum fehlt bisher total, Melanoleuca cognata und die Fichtenzapfen-Zersetzer sind durch, gelegentlich ein paar Hypholoma capnoides.

Die braunen sind vermutlich das, was Du jetzt schon ein paar mal gezeigt
hast, oder sind die noch dunkler? Gern bitte mehr Bilder
Von den weißen würde ich gern weitere Bilder sehen, ich ahbe keine
Vorstellung, was da jetzt schon im Wald stehen könnte. C. catinus?

Ich freue mich über Dein Interesse - auch wenn ich diesen "kleinen" Trichterlingen in den Fichtenforst-Rückegassen nachwievor ratlos gegenüber stehe. Bei den Dunkleren mit den hochgebogenen Hüten vermute ich auch die selbe Art, wie Dir schon 2x ("C2" vom Januar und die Aufsammlung vom 1.4.14) geschickt. Von den Hellen hier nochmal ein Standort-Foto - Detailaufnahmen muss ich erst noch machen. Die werde ich dann in einem seperaten Beitrag posten. Gerade habe ich mal einen Frk. durchgeschnitten - das frische Fleisch riecht sehr angenehm pilzig ohne Anis/Bittermandel-Note.

Der neue Fundort von gestern liegt ca. 7 km entfernt von den bisherigen Funden und 100 m tiefer (= 480 m üNN) als diese.

Übrigens: auch bei meiner Aufsammlung vom 1.4.14 waren schon ein paar der Hellen dabei, sie waren aber noch so klein, dass ich sie nur fotografiert, aber nicht weiter untersucht habe.

Möchtest Du wieder Exsikkate? Wenn ja - von welchen?

Viele Grüße - Rika

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Re: Riesen-Morchel

Der Juergen, (vor 4574 Tagen) @ UmUlmHerum

Hi Rika,

sieht so dem Anschein nach wie Ripartites aus, also ein Filzkrempling.

Grüßle
Jürgen

Re: Riesen-Morchel

Peter S., (vor 4574 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Rika und Jürgen,

das könnte tatsächlich sein, die Lamellenfarbe macht es wahrscheinlich. Da wurde irgendwo bei Ulm mal was ganz neues beschrieben, was wohl bloss wenige male gefunden wurde: Ripartites krieglsteineri

Re: Riesen-Morchel

Andreas ⌂, (vor 4574 Tagen) @ Peter S.

Hallo Rika und Jürgen,
das könnte tatsächlich sein, die Lamellenfarbe macht es wahrscheinlich. Da
wurde irgendwo bei Ulm mal was ganz neues beschrieben, was wohl bloss
wenige male gefunden wurde: Ripartites krieglsteineri

Hallo,

die aber heute bestenfalls als Varietät gilt. Abgesehen von etwas größeren Sporen unterscheidet sie sich nicht von normalen Ripartites.
Ich halte das auch für Ripartites, aufgrund von Lamellenfarbe und -Haltung, sowie den rinnig-bereiften Hüten.

beste Grüße,
Andreas

Re: Riesen-Morchel *PIC*

UmUlmHerum, (vor 4574 Tagen) @ Andreas

Hallo,
die aber heute bestenfalls als Varietät gilt. Abgesehen von etwas größeren
Sporen unterscheidet sie sich nicht von normalen Ripartites.
Ich halte das auch für Ripartites, aufgrund von Lamellenfarbe und -Haltung,
sowie den rinnig-bereiften Hüten.
beste Grüße,
Andreas

Hallo miteinander!
Vielen Dank an Peter, Jürgen und Andreas für Eure Ripartites-Tipps - passt als Gattung hervorragend!

Über Arten und Unarten - ähem: Unterarten - ähem: Varietäten streiten die Experten, siehe hier, eine recht aktuelle Veröffentlichung von 2012:
http://www.amfb.eu/Publications/2012/Ripartitesmetrodii.pdf

Inzwischen habe ich meine Fotos, auch von zwei Winzlingen vom 1.4.14 und den gestrigen Fund näher angesehen: diese Pilzchen haben keine Haare am Hutrand. Von dritter Seite wurde mir deshalb Ripartetis metrodii nahegelegt, für R. krieglsteineri (falls es ihn gibt) sei mein Fund in allen Punkten zu klein.

Feinfilzige Hüte Ø 3 - max.6 cm; unrunder Stiel Ø 0,3...0,6 cm x 3...3,5 cm Länge, wattig gefüllt (das Längsloch im Schnittbild hat eine gefräßige Made verursacht - der Stiel nicht nicht hohl); rundliche Sporen 3...3,6 µm x 3,5...4,5 µm mit stacheligem Ornament, SPP siehe 5. Bild (in der Mitte) auf den Hüten.

Bei diesen kleinen Sporen mit dem interessanten Stacheln hätte ich gerne stacken können - aber man kann das Ornament auch auf den Freihand-Fotos ganz gut erkennen.

Hier eine Zusammenfassung der Fotos (oder will jemand was davon in groß sehen?):

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Viele Grüße - Rika

Titelkorrektur: Filzkrempling - Ripartites *oT*

UmUlmHerum, (vor 4574 Tagen) @ UmUlmHerum

- kein Text -

Re: Riesen-Morchel

Der Juergen, (vor 4573 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Rika,

Deine schön abgebildete Kollektion zeigt m.M.n. Ripartites tricholoma, so wie ich sie auch häufig bei uns in Fichtenforsten finde, geselliges bis teilweise fast büscheliges Wachstum (je nach Bodenfeuchte), d.h. ist der Boden trocken, findet man häufig büschelig wachsende Frk., quasi da zusammengedrängt, wo es noch feucht ist, z.B. am Boden liegenden finalmorschem Holz. Einige Autoren, darunter Ludwig und Gröger fassen R. metrodii als Synonym auf. Diese Art soll sich lt. Hujsman nur in der Art der Sporenornamentation unterscheiden, was aber von den meisten Autoren nicht bestätigt wurde. R. tricholoma ist sehr variabel und muss nicht "behaart" sein. R. krieglsteineri wurde wohl irgendwann zur Varietät herabgestuft: R. tricholoma var. macrosporus M.Bon & Enderle.

Grüßle
Jürgen

Inzwischen habe ich meine Fotos, auch von zwei Winzlingen vom 1.4.14 und den
gestrigen Fund näher angesehen: diese Pilzchen haben keine Haare am
Hutrand. Von dritter Seite wurde mir deshalb Ripartetis metrodii
nahegelegt, für R. krieglsteineri (falls es ihn gibt) sei mein Fund in
allen Punkten zu klein.

Re: Riesen-Morchel

UmUlmHerum, (vor 4573 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen,

merci für Deine ausführliche Antwort! Irgendwo habe ich gelesen, die Unterschiede der Sporenornamente ließen sich nur mit dem REM wirklich erkennen - die Sporen sind ja auch echt klein ... und die Gattung Ripartites bestünde eigentlich nur aus einer Art... auf alle Fälle sind es "Filzkremplinge"! Und ich habe einen "neuen Pilz" kennengelernt, einschließlich einer recht abgefahrenen Sporenform/Ornamentation, wie ich es in meiner kurzen Mikro-Karriere noch nicht gesehen hatte ;-)

Viele Grüße - Rika

Hallo Rika,
Deine schön abgebildete Kollektion zeigt m.M.n. Ripartites tricholoma , so
wie ich sie auch häufig bei uns in Fichtenforsten finde, geselliges bis
teilweise fast büscheliges Wachstum (je nach Bodenfeuchte), d.h. ist der
Boden trocken, findet man häufig büschelig wachsende Frk., quasi da
zusammengedrängt, wo es noch feucht ist, z.B. am Boden liegenden
finalmorschem Holz. Einige Autoren, darunter Ludwig und Gröger fassen R.
metrodii als Synonym auf. Diese Art soll sich lt. Hujsman nur in der Art
der Sporenornamentation unterscheiden, was aber von den meisten Autoren
nicht bestätigt wurde. R. tricholoma ist sehr variabel und muss nicht
"behaart" sein. R. krieglsteineri wurde wohl irgendwann zur
Varietät herabgestuft: R. tricholoma var. macrosporus M.Bon &
Enderle.
Grüßle
Jürgen