Encoelia glaberrima ? *PIC*

Beorn, (vor 4453 Tagen)

Hallo, Leute!

Am Wochenende habe ich im Vorbeifahren einen komischen Pilz aufgesammelt.
Wachsend an liegenden, noch recht frischen Hainbuchenästen in einem Waldstück in der Umgebung von Marburg. Saurer Boden, etwas Staunässe, nur Stieleichen und Hainbuche im Umkreis.

Die Fruchtkörper sind ausgebreitet bis zu 2,5cm breit, der Rand wellig - verbogen aber nirgendwo einreißend, die Außenseite glatt bis höchstens fein faserfilzig, Innenseite runzlig. Trama ist ockerbraun und weich, im feuchten Zustand elastisch getrocknet brüchig.
Die Medulla besteht größtenteils aus hyphigen Elementen (unteschiedlicher Breite), keine kugeligen oder aufgeblasenen Zellen gefunden.
Die Asci sind schwach IKI+, die Sporen sehr lang elliptisch (etwa bis 9x2µm, meine Messung ist nicht die exakteste), die Paraphysen filiform, apikal kaum verdickt.

Meine Literatur zu der Gattung ist - moderat ausgedrückt - sehr mager.
Im Netz bin ich schließlich auf eine Art gestoßen, die gut zu passen scheint.
Allerdings finde ich dazu im Netz wenig und in meinem Bücherregal und auf meiner Festplatte nichts.

Da dachte ich, eine Frage i kundiger Runde kann nicht schaden.
Was meint ihr?
Und falls mir jemand einen Tip geben kann, wie ich mehrere Bilder in einen Beitrag bringe, dann kann ich auch noch ein paar außerordentlich schlechte Mikroaufnahmen ergänzen.

LG, Pablo.

[image]

Re: Encoelia glaberrima ?

Abt, (vor 4452 Tagen) @ Beorn

Ein seltener Fund Pablo!
Die Sporen sind Wiener Würstchen mit zwei Tropfen Senf?
Viele Grüße,
Marcel

Re: Encoelia glaberrima ?

Klaas, (vor 4452 Tagen) @ Beorn

Hallo Pablo,

mit „kundiger Runde“ fühle ich mich zwar in keiner Weise angesprochen, antworte aber mal trotzdem… ;)

Diese Art habe ich bisher - und auch nur vermutlich - erst 1x gefunden, es war nur ein junger Einzelfruchtkörper,
der Dank Gernots Hilfe aber einen Namen fand. Dummerweise ist bei der Gockel-Bildersuche meine damalige
„Zeichnung“ als Mikroskopie-Anfänger an erster Stelle zu finden - ich war damals auch sehr genervt, dass es
kaum Infos dazu zu finden gibt… (was sich bis heute wohl nicht großartig geändert hat).

Mikroskopisch und Deiner Beschreibung der Innereien nach finde ich aber, wenn man mit Zottos und den Daten im
Netz vergleicht, kommt das doch gut hin.
(Erschreckenderweise musste ich gerade feststellen, dass Zotto meine Zeichnung in seine Daten aufgenommen hat -
nicht dass ich etwas dagegen hätte, im Gegenteil fühle ich mich mit meinem Gekritzel höchst geehrt! - ich weiß
aber nicht, ob das alles so richtig war, was ich da aufgezeichnet hatte. Andererseits, wenn Zotto die Datei
aufgenommen hat, kanns auch nicht wirklich verkehrt sein.)

Mein sehr junger FK hatte eine glatte, gelbgrüne Fruchtschicht mit kleiiger Außenseite, aber die Fotos im Netz
zeigen schon die Farben und Wellen Deiner älteren Apos.

Falls hilfreich, schicke ich Dir gleich noch einen OCR-Text (gewiss mit Buchstabendrehern) aus dem „Dennis“,

Grüße
Klaas

Re: Encoelia glaberrima ? *PIC*

Beorn, (vor 4452 Tagen) @ Klaas

Hallo, Marcel & Klaas!

Wienerle mit Tröpchen Senf an den enden. :-D
Das trifft es genau.

Stimmt, deine Zeichnung hatte ich zeimlich rasch gefunden, Klaas.
Ist doch gar nicht so schlecht und hat einen gewissen Wiedererkennungswert.
Ich wünschte, ich könnte das so zeichnen.
Weil durch's Okular knipsen kann ich bei dem Billig - Mikro nicht, und die zugehörige USB - Kamera bildet ungefähr die Hälfte von dem ab, was ich durch's Okular sehe. Naja... Vergleiche unten.

Danke für den Hinweis zu Zotto.
Das hatte ich völlig vergessen, daß man da ja mal gucken kann.
Ist nachgeholt, sieht echt gut aus.
Den Dennis habe ich gerade gesucht, ich dachte eigentlich, ich hätte da noch was.
Vielleicht auf einer anderen Festplatte? Muss ich mal schauen, ich sage morgen noch mal bescheid.

Interessant übrigens, daß der Pilz in deutschland so selten (oder so wenig dokumentiert) ist.

Das war ein absoluter Zufallsfund.
Ich fuhr mit dem Vater einer Freundin durch die Gegend um Marburg, wo er vor annähernd 30 Jahren für die Uni ein Waldstück kartiert hatte. Und damit auch wesentlich dazu beitrug, daß durch den Wald keine Autobahn gebaut wurde.
Seine spontane Idee, den Wald nach so langer Zeit noch mal aufzusuchen fand bei mir natürlich großen Anklang.
Also: Immer schön dokumentieren.
Wer weiß, ob dieser Fund möglich gewesen wäre, wenn man die Autobahn gebaut hätte.

LG, Pablo.

[image]

Re: Encoelia glaberrima ?

Till, (vor 4451 Tagen) @ Beorn

Hallo,

ja, gratuliere, das ist sicher, wie schon gesagt, eine sehr seltene Art. Habe sie nur einmal im oberösterreichischen Kobernaußerwald gesehen, an einem uralten Hainbuchenast, der noch mit Schizopora paradoxa bewachsen war.

LG, Till

Hallo, Marcel & Klaas!
Wienerle mit Tröpchen Senf an den enden. :-D
Das trifft es genau.
Stimmt, deine Zeichnung hatte ich zeimlich rasch gefunden, Klaas.
Ist doch gar nicht so schlecht und hat einen gewissen Wiedererkennungswert.
Ich wünschte, ich könnte das so zeichnen.
Weil durch's Okular knipsen kann ich bei dem Billig - Mikro nicht, und die
zugehörige USB - Kamera bildet ungefähr die Hälfte von dem ab, was ich
durch's Okular sehe. Naja... Vergleiche unten.
Danke für den Hinweis zu Zotto.
Das hatte ich völlig vergessen, daß man da ja mal gucken kann.
Ist nachgeholt, sieht echt gut aus.
Den Dennis habe ich gerade gesucht, ich dachte eigentlich, ich hätte da noch
was.
Vielleicht auf einer anderen Festplatte? Muss ich mal schauen, ich sage
morgen noch mal bescheid.
Interessant übrigens, daß der Pilz in deutschland so selten (oder so wenig
dokumentiert) ist.
Das war ein absoluter Zufallsfund.
Ich fuhr mit dem Vater einer Freundin durch die Gegend um Marburg, wo er vor
annähernd 30 Jahren für die Uni ein Waldstück kartiert hatte. Und damit
auch wesentlich dazu beitrug, daß durch den Wald keine Autobahn gebaut
wurde.
Seine spontane Idee, den Wald nach so langer Zeit noch mal aufzusuchen fand
bei mir natürlich großen Anklang.
Also: Immer schön dokumentieren.
Wer weiß, ob dieser Fund möglich gewesen wäre, wenn man die Autobahn gebaut
hätte.
LG, Pablo.

Re: Encoelia glaberrima ?

Beorn, (vor 4451 Tagen) @ Till

Hallo, Till!

Auch dir ein Dankeschön!
Das ist schon verwunderlich, zumal so völlig unerwartet und ziemlich zufällig.
Aber die Pilze zeigen sich nun eben dann, wenn sie wollen. ;-)

LG, Pablo.

Hallo,
ja, gratuliere, das ist sicher, wie schon gesagt, eine sehr seltene Art. Habe
sie nur einmal im oberösterreichischen Kobernaußerwald gesehen, an einem
uralten Hainbuchenast, der noch mit Schizopora paradoxa bewachsen war.
LG, Till

Re: Encoelia glaberrima ?

Gernot, (vor 4450 Tagen) @ Beorn

Hallo Pablo,

die Art hab ich auch erst einmal gefunden - schöner Fund!

Schöne Grüße
Gernot

Hallo, Leute!
Am Wochenende habe ich im Vorbeifahren einen komischen Pilz aufgesammelt.
Wachsend an liegenden, noch recht frischen Hainbuchenästen in einem Waldstück
in der Umgebung von Marburg. Saurer Boden, etwas Staunässe, nur
Stieleichen und Hainbuche im Umkreis.
Die Fruchtkörper sind ausgebreitet bis zu 2,5cm breit, der Rand wellig -
verbogen aber nirgendwo einreißend, die Außenseite glatt bis höchstens
fein faserfilzig, Innenseite runzlig. Trama ist ockerbraun und weich, im
feuchten Zustand elastisch getrocknet brüchig.
Die Medulla besteht größtenteils aus hyphigen Elementen (unteschiedlicher
Breite), keine kugeligen oder aufgeblasenen Zellen gefunden.
Die Asci sind schwach IKI+, die Sporen sehr lang elliptisch (etwa bis 9x2µm,
meine Messung ist nicht die exakteste), die Paraphysen filiform, apikal
kaum verdickt.
Meine Literatur zu der Gattung ist - moderat ausgedrückt - sehr mager.
Im Netz bin ich schließlich auf eine Art gestoßen, die gut zu passen scheint.
Allerdings finde ich dazu im Netz wenig und in meinem Bücherregal und auf
meiner Festplatte nichts.
Da dachte ich, eine Frage i kundiger Runde kann nicht schaden.
Was meint ihr?
Und falls mir jemand einen Tip geben kann, wie ich mehrere Bilder in einen
Beitrag bringe, dann kann ich auch noch ein paar außerordentlich schlechte
Mikroaufnahmen ergänzen.
LG, Pablo.

Re: Encoelia glaberrima ?

Beorn, (vor 4450 Tagen) @ Gernot

Hallo Pablo,
die Art hab ich auch erst einmal gefunden - schöner Fund!
Schöne Grüße
Gernot

Hallo, Gernot!

Dir auch ein Dankeschön.
Mittlerweile (auch dank Zotto & Dennis) bin ich mir auch sicher, daß ie Bestimmung passt.
Weiß eigenltich jemand was über die Verbreitung der Art?
In Deutschland scheint es ja kaum Funde zu geben. Nimmt die relative Häufigkeit (immer natürlich gemessen an den dokumentierten Funden, muss ja nicht die tatsächliche Häufigkeit wiedergeben) gegen Osten hin zu?
Also Tschechien, Österreich, Slowakei, Ungarn?
In Frankreich aber gibt es auch Funde, wenn ich das richtig gelesen habe?

LG, Pablo.

Re: Encoelia glaberrima ?

Till, (vor 4449 Tagen) @ Beorn

Hallo, Pablo,

hier ein paar Literaturhinweise: Wulfard Winterhoff in seiner Arbeit über die "Pilzflora des Naturschutzgebietes Sandhausener Dünen bei Heidelberg", 1977 ("auf Hainbuchen-Ästchen im Eichen-Hainbuchenwald der Kahlen Platte").

Heinrich Rehm gibt eine kurze Beschreibung als "Cenangium glaberrimum Rehm" in "Ber. Bayer. Bot. Ges. 13:187 (1912) und fügt hinzu: "An einem dürren Stamm von Carpinus betulus. Mirabellgarten in Salzburg". Das ist vielleicht 60km entfernt von meinem eigenen Fund aus dem Kobernaußer Wald.

Kuthan/Kotlaba (1988) berichten die Art aus Bulgarien von Corylus, betonen aber, dass die Hainbuche der Hauptwirt ist.

Beim alten Velenovsky (Monogr. Discom. bohem., 1934) steht E. glaberrima unter "Cenangium pilatii". Normalerweise taugen die Skizzen Velenovskys nicht viel, aber in diesem Fall ist der Pilz recht gut kenntlich. Svrcek hat 1982 den Typus untersucht und festgestellt, dass es sich um E. glaberrima handelt.

Aus England hab ich noch eine Beschreibung von Dennis (1975, Kew Bull. 30/2)gefunden.

schöne Grüße
Till

Hallo, Gernot!
Dir auch ein Dankeschön.
Mittlerweile (auch dank Zotto & Dennis) bin ich mir auch sicher, daß ie
Bestimmung passt.
Weiß eigenltich jemand was über die Verbreitung der Art?
In Deutschland scheint es ja kaum Funde zu geben. Nimmt die relative
Häufigkeit (immer natürlich gemessen an den dokumentierten Funden, muss ja
nicht die tatsächliche Häufigkeit wiedergeben) gegen Osten hin zu?
Also Tschechien, Österreich, Slowakei, Ungarn?
In Frankreich aber gibt es auch Funde, wenn ich das richtig gelesen habe?
LG, Pablo.

Re: Encoelia glaberrima ?

Beorn, (vor 4449 Tagen) @ Till

Guten Morgen, Till!

Super, Vielen dank für die Recherche!
Das ist echt interessant, zum einen wegen dem Fund in der Marburger Gegend, aber auch der aus Sandhausen. Das ist ja mein Heimatgebiet (wohne in Mannheim), da lohnt es sich in jedem Fall hier auch die Augen offen zu halten.

Bei "brd.pilzkartierung.de"
Gibt es noch einen Eintrag von Karasch / Gminder aus Berchtesgaden; montaner Nadelwald an liegendem Ast von Picea abies (auch etwas überraschend) und einen Eintrag von Jesko für Encoelia carpini, das muss icha ber erst mal rechercheiren, ob das die selbe Art oder eine andere ist. SpeciesFungorum traue ich in solchen Fragen meistens nicht.

Jetzt aber erstmal ab in die Pilze!

LG und einen schönen Tag,
Pablo.