Welcher Porling ist das? *PIC*

Galadriel, (vor 8976 Tagen)

Hallo allerseits

In den schwer bis undurchdringlichen Schluchten des Napfgebietes
mit dem typischen Schrattenflue- und Sandgestein gibt es immer
wieder interessante Dinge zu sehen.
Bei der gestrigen Tour trafen wir neben Gämsen, diversen Skeletteilen
und imposanten Steingebilden auch einen Porling den ich in meiner
spärlichen Pilzliteratur nicht finde.
Ich bin mir sicher, dass einige unter euch diesen Pilz locker einordnen können.

Also, erst zwei Bilder von der Umgebung und anschliessend die Bilder
des Porlings.

Herzliche Grüsse aus der Schweiz
Galadriel

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Re: Welcher Porling ist das?

bleem, (vor 8976 Tagen) @ Galadriel

Hi Galadriel!

Es sollte der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)sein, auch wenn er so nicht typisch aussieht!

Ciao bleem

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Re: Welcher Porling ist das?

Galadriel, (vor 8976 Tagen) @ bleem

Hi bleem

Diese Variante habe ich auch in Betracht gezogen, aber dann wieder verworfen, weil er mir doch zu atypisch ist. Da herrscht ja keine Spur mehr von morphologischer Übereinstimmung zu F. pinicola.

Gruss Galadriel

Hi Galadriel!
Es sollte der Rotrandige Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)sein, auch wenn er
so nicht typisch aussieht!
Ciao bleem

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Re: Welcher Porling ist das?

Anonymus, (vor 8976 Tagen) @ Galadriel

Hallo Galadriel,

morphologische Merkmale sind genetisch fixiert. Bei Pilzen ist beispielsweise die Fähigkeit zum Geotropismus. Wenn der Fundort z. B. ein Schneetälchen ist, kann davon ausgegangen werden, das sich das Substrat in "steter Unruhe" befindet und sich so der Fruchtkörper mit seinem genetischen Code immer wieder an die neue Situation anpassen muß. Vielleicht sind ja noch mehr Fruchtkörper am Fundort, aber an "ruhigem" Substrat, zu finden, die dann den "normalen" Habitus zeigen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Stamm so schwer ist, um den an der Stammunterseite befindlichen Pilz zu lateralen Wuchsanomalien zu zwingen, da das Hymenophor auch keine Spuren aufweist, oder doch? Aber da wir Mykologen ja auch sonst nichts anderes zu tun haben, nennen wir Deinen sensationellen Fund doch Fomitopsis pinicola (SW. : FR.) KARST. forma tenuis-helveticus GALADRIEL 2002. Da fällt mir ein, wir Menschen versuchen es doch immer wieder, alles durch ein Frage/Antwortspiel zu begreifen. Merken aber nicht, dass es auch mal - nein eigentlich immer, naturgegeben abläuft, mit all den interessanten, unbekannten Verknüpfungen.

Also, dieser Fomitopsis pinicola-Fund ist völlig gesund und braucht auch keine menschliche Hilfe. Höchstens Bewunderung, und die hat er ja hier am heutigen Tage schon reichlich bekommen.

Übrigens, woher kommt denn der Name GALADRIEL?

Herzliche Grüße - Anonymus.

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Re: Welcher Porling ist das?

Galadriel, (vor 8975 Tagen) @ Anonymus

Hallo Galadriel,
morphologische Merkmale sind genetisch fixiert. Bei Pilzen ist beispielsweise
die Fähigkeit zum Geotropismus. Wenn der Fundort z. B. ein Schneetälchen
ist, kann davon ausgegangen werden, das sich das Substrat in "steter
Unruhe" befindet und sich so der Fruchtkörper mit seinem genetischen
Code immer wieder an die neue Situation anpassen muß. Vielleicht sind ja
noch mehr Fruchtkörper am Fundort, aber an "ruhigem" Substrat,
zu finden, die dann den "normalen" Habitus zeigen. Ich kann mir
aber nicht vorstellen, dass der Stamm so schwer ist, um den an der
Stammunterseite befindlichen Pilz zu lateralen Wuchsanomalien zu zwingen,
da das Hymenophor auch keine Spuren aufweist, oder doch? Aber da wir
Mykologen ja auch sonst nichts anderes zu tun haben, nennen wir Deinen
sensationellen Fund doch Fomitopsis pinicola (SW. : FR.) KARST. forma
tenuis-helveticus GALADRIEL 2002. Da fällt mir ein, wir Menschen versuchen
es doch immer wieder, alles durch ein Frage/Antwortspiel zu begreifen.
Merken aber nicht, dass es auch mal - nein eigentlich immer, naturgegeben
abläuft, mit all den interessanten, unbekannten Verknüpfungen.
Also, dieser Fomitopsis pinicola-Fund ist völlig gesund und braucht auch
keine menschliche Hilfe. Höchstens Bewunderung, und die hat er ja hier am
heutigen Tage schon reichlich bekommen.
Übrigens, woher kommt denn der Name GALADRIEL?
Herzliche Grüße - Anonymus.

Hi Anonymus

Was immer der Grund für diese Abnormität ist, letztlich bleibt das ganze
Spekulativ, ist aber rein optisch gesehen sicher eine Veröffentlichung
Wert gewesen.
Aufgrund der einstimmigen Beurteilungen (F. pinicola) lassen wir es als
diese Art gelten - mit oder ohne "forma tenius-helveticus Galadriel" ;-).

Tatsächlich sind überdurchschnittlich viele Fruchtkörper von F. pinicola
in der gleichen Schlucht und in der gesamten Umgebung anzutreffen gewesen - alle
mit normalem Habitus. Die abgebildeten Abnormitäten waren die einzigen die
direkt über permanent fliessendem Wasser anzutreffen waren.

Herzliche Grüsse
Galadriel

P.S. woher kommt denn der Name GALADRIEL?

"Galadriel" und ihr Gemahl "Celeborn" waren die Elbenkönige in Lothlorien -
Herrscher des goldenen Waldes. Sie entstammen der Fantasie von Tolkien und
spielen ihre Rollen in seiner Trilogie "The Lord of the Rings".
Einen Auszug kannst du in meinem Benutzerprofil lesen.

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Re: Welcher Porling ist das?

Anonymus, (vor 8976 Tagen) @ Galadriel

Hallo Galadriel,

zu 99% sind dies noch relativ junge Fruchtkörper von Fomitopsis pinicola (FR.) KARST. (Rotrandiger Baumschwamm). Eine überall verbreitete Art, die man durchaus, bei flüchtigem Hinsehen, mit anderen Porlingen verwechseln kann.

Die Art wird in Pilze der Schweiz Band 2 Seite 306-7 Nr. 387 beschrieben.
Selbst habe ich eine solche flache und regelmäßige Fruchtkörperausbildung noch nicht gesehen, meist haben auch schon junge Fruchtkörper dieser Art einen "Buckel" auf der Hutoberseite. Die 1% sind dann der restliche Zweifel.
Nimm ein Feuerzeug bzw. Streichholz und erwärme die glänzende Hutoberseite. Sie müßte dann schmilzen. Hast Du Ammoniak zur Hand, bestreiche die Röhrenschicht damit, die Dämpfe tun es aber auch schon, und Du wirst ein wunderbares Farbenspiel erleben. Der Geruch des Pilzes, insofern nicht zu trocken, müßte in Richtung süßsaure bzw. faule Eier gehen. Ansonsten helfen weitere Merkmale bzw. der nächste Pilzberater mit einem Mikroskop, wenn die 100% erreicht werden sollen.

Herzliche Grüße, Anonymus.

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Re: Welcher Porling ist das?

Galadriel, (vor 8976 Tagen) @ Anonymus

Hallo Galadriel,
zu 99% sind dies noch relativ junge Fruchtkörper von Fomitopsis pinicola
(FR.) KARST. (Rotrandiger Baumschwamm). Eine überall verbreitete Art, die
man durchaus, bei flüchtigem Hinsehen, mit anderen Porlingen verwechseln
kann.

Die Pilze waren nicht mehr junge Exemplare. Der grössere hatte einen
Durchmesser von ca. 25 cm (Länge).

Die Art wird in Pilze der Schweiz Band 2 Seite 306-7 Nr. 387 beschrieben.
Selbst habe ich eine solche flache und regelmäßige Fruchtkörperausbildung
noch nicht gesehen, meist haben auch schon junge Fruchtkörper dieser Art
einen "Buckel" auf der Hutoberseite. Die 1% sind dann der
restliche Zweifel.

Wird in diesem Band beschrieben, dass solche flachen Variationen vorkommen?
Es gab nämlich in dieser Schlucht und in der weiteren Umgebung haufenweise
F. pinicola aber nur an diesem einen Stamm fand ich diese flachen Exemplare.

Nimm ein Feuerzeug bzw. Streichholz und erwärme die glänzende Hutoberseite.
Sie müßte dann schmilzen. Hast Du Ammoniak zur Hand, bestreiche die
Röhrenschicht damit, die Dämpfe tun es aber auch schon, und Du wirst ein
wunderbares Farbenspiel erleben. Der Geruch des Pilzes, insofern nicht zu
trocken, müßte in Richtung süßsaure bzw. faule Eier gehen. Ansonsten
helfen weitere Merkmale bzw. der nächste Pilzberater mit einem Mikroskop,
wenn die 100% erreicht werden sollen.

Ich habe die Pilze am Stamm gelassen. Ich fand es schade, zumal ich ja nicht
sicher war, dass es sich um die sehr häufige Art F. pinicola handelte.
Trotzdem herzlichen Dank für deine Ausführungen. Ich werde den Ammoniak-Test
dann mit einem Exemplar aus einem meiner nahe gelegenen Hauswälder machen
um das Farbenspiel zu erleben.

Herzliche Grüße, Galadriel

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Re: Welcher Porling ist das?

Marcus B., (vor 8976 Tagen) @ Galadriel

Hallo Galadriel

Ich vermute auch den Rotrandigen Baumschwamm, wobei die eigenartige Form der Pilze auf Geotropismus zurückzuführen sein dürfte, da heißt der Pilz wächst - egal wo er aus dem Holz erscheint - automatisch so, das seine Poren nach unten (auf den Boden) zeigen. Auslöser müsste dafür die Schwerkraft der Erde sein, nach der der Pilz sein Wachstum demnach ausrichtet. Dieses Phänomen ist mir schon oft bei Porlingen und verwandten Arten begegnet.

Jedoch deshalb noch eine Frage: Lag der Baumstamm mit den Pilzen bereits so als du kamst, oder hast du seine Lage für die Aufnahme verändert?
Wenn dem so ist, wie war dann die Ausgangslage?

Zeigte in der Ausgangslage die Unterseite des Pilzes nach unten - also auf den Boden - so ist ziemlich sicher Geotropismus Ursache für diese Wuchsform des Rotrandigen Baumschwamms, wenn nicht bin ich auch überfragt.

Gruß

Marcus B.

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Re: Welcher Porling ist das?

Galdriel, (vor 8975 Tagen) @ Marcus B.

Hallo Galadriel
Ich vermute auch den Rotrandigen Baumschwamm, wobei die eigenartige Form der
Pilze auf Geotropismus zurückzuführen sein dürfte, da heißt der Pilz
wächst - egal wo er aus dem Holz erscheint - automatisch so, das seine
Poren nach unten (auf den Boden) zeigen. Auslöser müsste dafür die
Schwerkraft der Erde sein, nach der der Pilz sein Wachstum demnach
ausrichtet. Dieses Phänomen ist mir schon oft bei Porlingen und verwandten
Arten begegnet.
Jedoch deshalb noch eine Frage: Lag der Baumstamm mit den Pilzen bereits so
als du kamst, oder hast du seine Lage für die Aufnahme verändert?
Wenn dem so ist, wie war dann die Ausgangslage?
Zeigte in der Ausgangslage die Unterseite des Pilzes nach unten - also auf
den Boden - so ist ziemlich sicher Geotropismus Ursache für diese
Wuchsform des Rotrandigen Baumschwamms, wenn nicht bin ich auch überfragt.
Gruß
Marcus B.

Hi Marcus

Ich habe die Lage des Baumstamm nicht verändert. Da es in dieser Schlucht bei
extremen Regengüssen oder Gewittern gewaltig zu und her geht, ist es durchaus
möglich, dass die Lage des Stammes durch tosende Wasser- oder
Gesteinsmassen immer wieder verändert wird, oder dass die Temperatur und die
Feuchtigkeit einen Einfluss auf das Erscheinungsbild der Fruchtkörper haben.

Vielleicht hat auch das kollektive Unterbewusstsein des morphogenetischen Feldes
dreingepfuscht und diese Anomalie verursacht ;-).

Gruss Galadriel

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Re: Welcher Porling ist das?

Andreas Gminder, (vor 8975 Tagen) @ Galadriel

Hallo allerseits
In den schwer bis undurchdringlichen Schluchten des Napfgebietes
mit dem typischen Schrattenflue- und Sandgestein gibt es immer
wieder interessante Dinge zu sehen.
Bei der gestrigen Tour trafen wir neben Gämsen, diversen Skeletteilen
und imposanten Steingebilden auch einen Porling den ich in meiner
spärlichen Pilzliteratur nicht finde.
Ich bin mir sicher, dass einige unter euch diesen Pilz locker einordnen
können.
Also, erst zwei Bilder von der Umgebung und anschliessend die Bilder
des Porlings.
Herzliche Grüsse aus der Schweiz
Galadriel

Hallo,

es ist sicher der Rotrandige Baumschwamm, nicht nur 99% wie Markus vorsichtigerweise meinte.

Wenn die Fruchtkörper an der Stammunterseite gebildet werden, dann bilden sie eben nur eine Röhrenschicht. Wo sollte denn auch der Hut wachsen? Du siehst beim 2 Bild noch eine abstehende Hutkante mit ganz typischer Färbung für den Rotrandigen. Pilze die seitlich am Substrat wachsen bilden "normale" Hüte.
Die unterseits und dann zwangsläufig flächig wachsenden ("resupinate" oder "effuso-reflexe" wenn sich Hutkanten bilden) Fruchtkörper sind kaum seltener anzutreffen als hutbildende ("pileate"), werden aber meist nicht wahrgenommen.

"Geotrope" Fruchtkörper sind übrigens was anderes: Nämlich wenn die Ausrichtung der Poren senkrecht zum Erdboden, damit die Öffnungen immer nach unten zeigen. Wenn also ein toter stehender Baum mit Fruchtkörpern dran umfällt, dann liegen die Poren waagrecht. Der Pilz wird sich im Laufe der Zeit beim weiterwachsen wird an die neue Ausrichtung gewöhnen, wächst also um 90° gedreht weiter (-> Geotropismus). Hat aber mit Deinen gezeigten Fruchtkörpern nix zu tun.

herzliche Grüße,
Andreas

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Re: Scheint mir auch die logischste Erklärung! *oT*

Galadriel, (vor 8975 Tagen) @ Andreas Gminder

- kein Text -