rechtsdrehende Enzyme

Kerstin, (vor 9868 Tagen)

Hallo Experten,

ein befreundeter Arzt erkärte mir gestern, Pilze
würden im Gegensatz zu Tieren (und Menschen)ihren
Stoffwechsel mit rechtdrehenden Enzymen bestreiten,
und Pilzeiweiße seien deshalb so schwer verdaulich,
weil unsere linksdrehenden Enzyme die nicht knacken
könnten. Was ist davon zu halten?
Ich kannte das rechts-links-Problem bisher nur
von Milchsäure-Bakterien (mein Chemiewissen aus
dem Organik-Praktikum istschon ziemlich verschüttet).

Gruß
Kerstin

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Re: rechtsdrehende Enzyme

Kerstin, (vor 9868 Tagen) @ Kerstin

Hallo Experten,
ein befreundeter Arzt erkärte mir gestern, Pilze
würden im Gegensatz zu Tieren (und Menschen)ihren
Stoffwechsel mit rechtdrehenden Enzymen bestreiten,
und Pilzeiweiße seien deshalb so schwer verdaulich,
weil unsere linksdrehenden Enzyme die nicht knacken
könnten. Was ist davon zu halten?
Ich kannte das rechts-links-Problem bisher nur
von Milchsäure-Bakterien (mein Chemiewissen aus
dem Organik-Praktikum istschon ziemlich verschüttet).
Gruß
Kerstin

oder war das andersrum?

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Re: rechtsdrehende Enzyme

Harry, (vor 9868 Tagen) @ Kerstin

Hallo Experten,
ein befreundeter Arzt erkärte mir gestern, Pilze
würden im Gegensatz zu Tieren (und Menschen)ihren
Stoffwechsel mit rechtdrehenden Enzymen bestreiten,
und Pilzeiweiße seien deshalb so schwer verdaulich,
weil unsere linksdrehenden Enzyme die nicht knacken
könnten. Was ist davon zu halten?
Ich kannte das rechts-links-Problem bisher nur
von Milchsäure-Bakterien (mein Chemiewissen aus
dem Organik-Praktikum istschon ziemlich verschüttet).
Gruß
Kerstin

Jede einzelne Pilzzelle ist von einem Chitinpanzer umgeben,der von der Magensäure nicht aufzuschlüsseln ist.

Das ist der Hauptgrund weshalb Pilze schwer verdaulich sind.

Gute Nacht

Harry.

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Re: rechtsdrehende Enzyme

Werner, (vor 9867 Tagen) @ Kerstin

Hallo Experten,
ein befreundeter Arzt erkärte mir gestern, Pilze
würden im Gegensatz zu Tieren (und Menschen)ihren
Stoffwechsel mit rechtdrehenden Enzymen bestreiten,
und Pilzeiweiße seien deshalb so schwer verdaulich,
weil unsere linksdrehenden Enzyme die nicht knacken
könnten. Was ist davon zu halten?
Ich kannte das rechts-links-Problem bisher nur
von Milchsäure-Bakterien (mein Chemiewissen aus
dem Organik-Praktikum istschon ziemlich verschüttet).
Gruß
Kerstin

Hallo Kerstin,
es freut mich,daß auch mal andere dieses schwier-
ige Thema aufgreifen.
Dazu muß ich aber weiter ausholen:
Ich kenne eine Frau,eine begeisterte Pilzsucherin,
die auch ihre Pilze immer ohne Beschwerden aß.Ei-
nes Tages erzählte mir ihr Mann,daß sie nach der
letzten Pilzmahlzeit arge Magen-Bauchschmerzen be-
kommen habe.nach einigen Nachfragungen kam ich da-
hinter,daß diese Pilzmahlzeit aus tiefgefrorenen
Maronen und Steinpilzen bestand.Ein Pilzirrtum lag
nicht vor,weil mit meinen zur Verfügung gestellten
Tiefkühlpilzen der Frau etwas später das gleiche
passierte wie mit ihren eigenen.Seltsamerweise er-
zählte sie mir,daß sie in der Gaststätte gerne ein
Jägerschnitzel mit Dosenchampignons esse,jedesmal
ohne Beschwerden.
Ich setzte mich mit dem bekannten Giftpilzexperten
Dr.Rene Flammer in der Schweiz in Verbindung und
erfuhr ganz erstaunliches:
Seit jahrtausenden haben wir heute noch ein Enzym
in unserem Darm,das unsere Vorfahren,die noch Kä-
fer,Heuschrecken und ähnliches essen mußten brauch
ten,um diese Nahrung zu verdauen.Das ist das Enzym
"Trehalase" und ist bei uns nicht mehr so stark ausgeprägt wie bei unseren Vorfahren.Das Enzym
Trehalase verwertet den in Käfern usw.,aber auch
in den Pilzen vorhandenen Trehalosezucker,der ei-
ne bestimmte Drehrichtung(weiß auch nicht mehr ge-
nau wieherum)hat.Mein damaliger Verdacht richtete
sich danach,daß etwa das Tiefgefrieren die Dreh-
richtung verändern kann.Dr.Flammer verwies mich
damals an eine russische Ärztin,die in dieser Rich
tung Klinikversuche mache.Leider antwortete diese
Ärztin mir nur,daß es sehr wohl Trehalosezucker-
"Vergiftungen"gibt,aber auch,daß in der damaligen
UdSSR tiefgefrieren von Pilzen nicht üblich sei.
Weiter habe ich nicht geforscht,ein Internet gabs
damals noch nicht.
Wenn aber etwas bekannt wird oder es echt neue Er-
kenntnisse auf diesem Gebiet gibt,würde mich dies
natürlich sehr interessieren.
Ciao
Werner

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Re: rechtsdrehende Enzyme/Vertäglichkeit ?

Heide, (vor 9866 Tagen) @ Werner

Hallo Kerstin und Werner !
Ich habe dieses Jahr zum ersten mal seit 10 jahren wieder Pilze gesammelt,Maronen,Steinpilze,rotkappen und vertrug sie blendend.
Gestern dann fanden wir eine grosse Menge Birkenpilze und die lagen uns allen wie Steine im Magen....weiss jemand ob der chitingehalt der Pilze unterschiedlich ist ??
Oder ist die vertäglichkeit auch von der Menge abhängig?
oder von der Häufigkeit des Pilzverzehrs?
Eventuell auch von der Zubereitungsart
Oder sogar von den begleitenden lebensmitteln ??

Wie sind eure Erfahrungen ??

Liebe Grüsse
Heide

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Re: rechtsdrehende Enzyme

florian, (vor 9866 Tagen) @ Kerstin

Hallo Experten,
ein befreundeter Arzt erkärte mir gestern, Pilze
würden im Gegensatz zu Tieren (und Menschen)ihren
Stoffwechsel mit rechtdrehenden Enzymen bestreiten,
und Pilzeiweiße seien deshalb so schwer verdaulich,
weil unsere linksdrehenden Enzyme die nicht knacken
könnten. Was ist davon zu halten?
Ich kannte das rechts-links-Problem bisher nur
von Milchsäure-Bakterien (mein Chemiewissen aus
dem Organik-Praktikum istschon ziemlich verschüttet).
Gruß
Kerstin

Als Chemiker meine ich einige Dinge klären zu können:
Rechtsdrehend und Linksdrehend bezieht sich auf die Drehung der Polarisationsebene
von Licht das durch eine Lösung der Substanzen geleitet wird.
Dabei sollten zwei Sachen klar sein: Den Körper interessiert eigentlich nicht
nicht was irgendeine Substanz macht wenn man Licht hindurch leitet.
Zum anderen hängt ob Linksherum oder Rechtsherum von der verwendeten Substanz ab.
Wichtiger ist die räumliche Struktur der Moleküle.
Die Eiweise sind alle aus Aminosäuren aufgebaut. Alle diese natürlichen Aminosäuren
haben die selbe räumliche Struktur, obwohl einige linksdrehend
und einige rechtsdrehend sind. Diese Struktur wird durch ein "L" zum
ausdruck gebracht. (Dieses L ist wiederum von Lateinisch
laevus=links abgeleitet, was wohl zu viel Verwirrung führt.)
Damit sollten die Eiweise und Enzyme der Pilze vom Menschen gut verdaut
werden können.
Anders sieht es mit bestimmten Pilzgiften aus wie dem
Amanitin oder Phalloidin des Knollenblätterpilzes.
Diese Gifte sind gleichfalls aus wenigen Aminosäuren aufgebaut,
wobei die eine oder andere in der "unnatürlichen" R-Form
(von Lateinisch rectus=rechts) vorliegt.
Vielleicht hat sich Dein Arzt vage dessen erinnert. Es
stellt aber wirklich nur dann ein Problem dar, wenn Du eine
Knollenblätterpilzmahlzeit zu Dir nimmst.

Was andere Inhaltsstoffe von Pilzen betrifft, ist die Situation
tatsächlich weniger einheitlich.
Wie schon von anderen angemerkt, bestehen die Zellwände
von Pilzen aus Chitin welches unverdaulich ist.
Die Zellwände von höheren Pflanzen sind für den Menschen allerdings
auch nicht verdaulich, so dass ich darin kein großes Problem
erkennen kann.
Was den Zuckergehalt von Pilzen betrifft bin ich schlecht informiert.
Die Sache mit der Trehalose klingt plausibel.
Ich halte es auch für wahrscheinlich, dass Pilze
andere "nichthumane" Zucker produzieren.
Es ist allerdings nicht klar, ob der Körper damit irgendwelche
Probleme hat. Zum anderen machen diese Zucker nur
einen sehr kleinen Bruchteil der Inhaltsstoffe von Pilzen aus.

Grüße,
Florian

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Re: rechtsdrehende Enzyme

MUFTI, (vor 9866 Tagen) @ Kerstin

weil unsere linksdrehenden Enzyme die nicht knacken

oder war das andersrum?

Siehe

http://www.stadtmission.de/evol/dns.htm

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rechts- in linksdrehend bei Tiefgefrieren?

Birgit, (vor 9866 Tagen) @ florian

Hallo Florian,

was sagst du als Chemiker denn zu der Theorie, daß sich bei Tiefgefrieren L- in R-Form umwandeln können? Ist das überhaupt möglich? Anders gefragt, wenn überhaupt möglich, wie wandelt sich eine L- in eine R-Form um? Meine organische CHemiekenntnisse liegen leider auch schon viel zu weit zurück.

Gruß Birgit

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Re: rechtsdrehende Enzyme/Vertäglichkeit ?

Werner, (vor 9866 Tagen) @ Heide

Hallo Kerstin und Werner !
Ich habe dieses Jahr zum ersten mal seit 10 jahren wieder Pilze gesammelt,Maronen,Steinpilze,rotkappen und vertrug sie blendend.
Gestern dann fanden wir eine grosse Menge Birkenpilze und die lagen uns allen wie Steine im Magen....weiss jemand ob der chitingehalt der Pilze unterschiedlich ist ??
Oder ist die vertäglichkeit auch von der Menge abhängig?
oder von der Häufigkeit des Pilzverzehrs?
Eventuell auch von der Zubereitungsart
Oder sogar von den begleitenden lebensmitteln ??
Wie sind eure Erfahrungen ??
Liebe Grüsse
Heide

Hallo Heide,
man geht in der Pilzberatung schon immer,Verstrah-
lung hin oder her,von 250g Frischpilzen pro Woche
aus.Bei Pfifferlingen zB.kann aber je nach Empfind
lichkeit eine Menge von 150g zu einer mech.Magen-
sperre führen und so üble Beschwerden auslösen.
Also maßhalten,aber trotzdem nicht verzichten.
Ciao
Werner

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Re: rechtsdrehende Enzyme/Vertäglichkeit ?

Heide, (vor 9865 Tagen) @ Werner

Hallo Werner ...
da magst du Recht haben...war wohl zu verführerisch plötzlich wieder wilde Pilze als Hauptbestandteile des Essens haben zu können.Zumal es die ja auch nur so kurze Zeit gibt ....seufzz...
Muss ich wohl wie mit gutem Wein umgehen...auch wenn es besonders gut ist ...nur kleine Mengen,sonst straft mich mein körper .......

Liebe Grüsse
Heide

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Re: rechts- in linksdrehend bei Tiefgefrieren?

Florian, (vor 9865 Tagen) @ Birgit

Hallo Florian,
was sagst du als Chemiker denn zu der Theorie, daß sich bei Tiefgefrieren L- in R-Form umwandeln können? Ist das überhaupt möglich? Anders gefragt, wenn überhaupt möglich, wie wandelt sich eine L- in eine R-Form um? Meine organische CHemiekenntnisse liegen leider auch schon viel zu weit zurück.
Gruß Birgit

Der Fachbegriff dafür ist Racemisierung.
Der Punkt ist, dass dieser Prozess sehr viel Energie
erfordert. Du musst normalerweise schon hunderte von
Jahren auf Aminosäuren herumkochen, damit diese Umwandlung
in nennenswertem Maße stattfindet.
Beim Tiefgefrieren ist dieser Prozess noch weiter verlangsamt,
so dass es zehntausende von Jahren dauert
(Die genauen Zeiten kennt man z. B. von der Analyse von
Mammutfleisch, welches über zehntausende von Jahren in
der "Tiefkühltruhe" war.)
Ausserdem gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass dieser
Prozess bei Pilzen in irgendeiner weise schneller ablaufen
sollte als bei anderen eiweishaltigen Lebensmitteln,
wie Fleisch, Fisch etc..
Der Hauptgrund für die gelegentliche Unverträglichkeit
von Pilzen ist wohl ihre schnelle Verderblichkeit.
Fazit:
Lass Dir denn Appetit nicht vermiesen.

Grüsse,
Florian

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Re: rechts- in linksdrehend bei Tiefgefrieren?

Bruno, (vor 9865 Tagen) @ Florian

Hallo Florian,
was sagst du als Chemiker denn zu der Theorie, daß sich bei Tiefgefrieren L- in R-Form umwandeln können? Ist das überhaupt möglich? Anders gefragt, wenn überhaupt möglich, wie wandelt sich eine L- in eine R-Form um? Meine organische CHemiekenntnisse liegen leider auch schon viel zu weit zurück.
Gruß Birgit

Der Fachbegriff dafür ist Racemisierung.
Der Punkt ist, dass dieser Prozess sehr viel Energie
erfordert. Du musst normalerweise schon hunderte von
Jahren auf Aminosäuren herumkochen, damit diese Umwandlung
in nennenswertem Maße stattfindet.
Beim Tiefgefrieren ist dieser Prozess noch weiter verlangsamt,
so dass es zehntausende von Jahren dauert
(Die genauen Zeiten kennt man z. B. von der Analyse von
Mammutfleisch, welches über zehntausende von Jahren in
der "Tiefkühltruhe" war.)
Ausserdem gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass dieser
Prozess bei Pilzen in irgendeiner weise schneller ablaufen
sollte als bei anderen eiweishaltigen Lebensmitteln,
wie Fleisch, Fisch etc..
Der Hauptgrund für die gelegentliche Unverträglichkeit
von Pilzen ist wohl ihre schnelle Verderblichkeit.
Fazit:
Lass Dir denn Appetit nicht vermiesen.
Grüsse,
Florian

Hallo!
Prima, ich lern wieder was dazu, wenigstens. Wenn ich schon keine Zeit habe, Pilze zu jagen.
Bruno

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Re: rechts- in linksdrehend bei Tiefgefrieren?

Werner, (vor 9865 Tagen) @ Florian

Hallo Florian,
was sagst du als Chemiker denn zu der Theorie, daß sich bei Tiefgefrieren L- in R-Form umwandeln können? Ist das überhaupt möglich? Anders gefragt, wenn überhaupt möglich, wie wandelt sich eine L- in eine R-Form um? Meine organische CHemiekenntnisse liegen leider auch schon viel zu weit zurück.
Gruß Birgit

Der Fachbegriff dafür ist Racemisierung.
Der Punkt ist, dass dieser Prozess sehr viel Energie
erfordert. Du musst normalerweise schon hunderte von
Jahren auf Aminosäuren herumkochen, damit diese Umwandlung
in nennenswertem Maße stattfindet.
Beim Tiefgefrieren ist dieser Prozess noch weiter verlangsamt,
so dass es zehntausende von Jahren dauert
(Die genauen Zeiten kennt man z. B. von der Analyse von
Mammutfleisch, welches über zehntausende von Jahren in
der "Tiefkühltruhe" war.)
Ausserdem gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass dieser
Prozess bei Pilzen in irgendeiner weise schneller ablaufen
sollte als bei anderen eiweishaltigen Lebensmitteln,
wie Fleisch, Fisch etc..
Der Hauptgrund für die gelegentliche Unverträglichkeit
von Pilzen ist wohl ihre schnelle Verderblichkeit.
Fazit:
Lass Dir denn Appetit nicht vermiesen.
Grüsse,
Florian

Hallo Florian,
ich habe auch nur eine Theorie aufgestellt,laß
mich gerne vom Gegenteil überzeugen.Aber mit dem
Trehalosezucker hat die Unverträglichkeit irgend-
wie doch was zu tun.
Ciao
Werner

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Re: rechts- in linksdrehend bei Tiefgefrieren?

Florian, (vor 9864 Tagen) @ Werner

Hallo Florian,
was sagst du als Chemiker denn zu der Theorie, daß sich bei Tiefgefrieren L- in R-Form umwandeln können? Ist das überhaupt möglich? Anders gefragt, wenn überhaupt möglich, wie wandelt sich eine L- in eine R-Form um? Meine organische CHemiekenntnisse liegen leider auch schon viel zu weit zurück.
Gruß Birgit

Der Fachbegriff dafür ist Racemisierung.
Der Punkt ist, dass dieser Prozess sehr viel Energie
erfordert. Du musst normalerweise schon hunderte von
Jahren auf Aminosäuren herumkochen, damit diese Umwandlung
in nennenswertem Maße stattfindet.
Beim Tiefgefrieren ist dieser Prozess noch weiter verlangsamt,
so dass es zehntausende von Jahren dauert
(Die genauen Zeiten kennt man z. B. von der Analyse von
Mammutfleisch, welches über zehntausende von Jahren in
der "Tiefkühltruhe" war.)
Ausserdem gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass dieser
Prozess bei Pilzen in irgendeiner weise schneller ablaufen
sollte als bei anderen eiweishaltigen Lebensmitteln,
wie Fleisch, Fisch etc..
Der Hauptgrund für die gelegentliche Unverträglichkeit
von Pilzen ist wohl ihre schnelle Verderblichkeit.
Fazit:
Lass Dir denn Appetit nicht vermiesen.
Grüsse,
Florian

Hallo Florian,
ich habe auch nur eine Theorie aufgestellt,laß
mich gerne vom Gegenteil überzeugen.Aber mit dem
Trehalosezucker hat die Unverträglichkeit irgend-
wie doch was zu tun.
Ciao
Werner

Das mit der Trehalose finde ich auch höchst interessant.
Mir fällt gerade auf,dass ich in meiner Mail leider eine
kleine Begriffsverwirrung begangen habe.
Das Gegenteil von "L" ist nämlich nicht "R" sondern
"D" (von lateinisch "dexter", ebenfalls "rechts").
Alternativ kann man statt D und L, R und S (von sinister= links)
verwenden S und L bzw. R und D sind aber im allgemeinen nicht
identisch. Diese Unterscheidung ist für den gemeinen
Mycophagen allerdings nicht sonderlich relevant.
Ich mag es nur nicht, öffentlich sachlich falsche Aussagen
abzugeben.
Grüße,
Florian

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Re: rechtsdrehende Enzyme

Kerstin, (vor 9864 Tagen) @ Werner

Hallo Experten,
ein befreundeter Arzt erkärte mir gestern, Pilze
würden im Gegensatz zu Tieren (und Menschen)ihren
Stoffwechsel mit rechtdrehenden Enzymen bestreiten,
und Pilzeiweiße seien deshalb so schwer verdaulich,
weil unsere linksdrehenden Enzyme die nicht knacken
könnten. Was ist davon zu halten?
Ich kannte das rechts-links-Problem bisher nur
von Milchsäure-Bakterien (mein Chemiewissen aus
dem Organik-Praktikum istschon ziemlich verschüttet).
Gruß
Kerstin

Hallo Kerstin,
es freut mich,daß auch mal andere dieses schwier-
ige Thema aufgreifen.
Dazu muß ich aber weiter ausholen:
Ich kenne eine Frau,eine begeisterte Pilzsucherin,
die auch ihre Pilze immer ohne Beschwerden aß.Ei-
nes Tages erzählte mir ihr Mann,daß sie nach der
letzten Pilzmahlzeit arge Magen-Bauchschmerzen be-
kommen habe.nach einigen Nachfragungen kam ich da-
hinter,daß diese Pilzmahlzeit aus tiefgefrorenen
Maronen und Steinpilzen bestand.Ein Pilzirrtum lag
nicht vor,weil mit meinen zur Verfügung gestellten
Tiefkühlpilzen der Frau etwas später das gleiche
passierte wie mit ihren eigenen.Seltsamerweise er-
zählte sie mir,daß sie in der Gaststätte gerne ein
Jägerschnitzel mit Dosenchampignons esse,jedesmal
ohne Beschwerden.
Ich setzte mich mit dem bekannten Giftpilzexperten
Dr.Rene Flammer in der Schweiz in Verbindung und
erfuhr ganz erstaunliches:
Seit jahrtausenden haben wir heute noch ein Enzym
in unserem Darm,das unsere Vorfahren,die noch Kä-
fer,Heuschrecken und ähnliches essen mußten brauch
ten,um diese Nahrung zu verdauen.Das ist das Enzym
"Trehalase" und ist bei uns nicht mehr so stark ausgeprägt wie bei unseren Vorfahren.Das Enzym
Trehalase verwertet den in Käfern usw.,aber auch
in den Pilzen vorhandenen Trehalosezucker,der ei-
ne bestimmte Drehrichtung(weiß auch nicht mehr ge-
nau wieherum)hat.Mein damaliger Verdacht richtete
sich danach,daß etwa das Tiefgefrieren die Dreh-
richtung verändern kann.Dr.Flammer verwies mich
damals an eine russische Ärztin,die in dieser Rich
tung Klinikversuche mache.Leider antwortete diese
Ärztin mir nur,daß es sehr wohl Trehalosezucker-
"Vergiftungen"gibt,aber auch,daß in der damaligen
UdSSR tiefgefrieren von Pilzen nicht üblich sei.
Weiter habe ich nicht geforscht,ein Internet gabs
damals noch nicht.
Wenn aber etwas bekannt wird oder es echt neue Er-
kenntnisse auf diesem Gebiet gibt,würde mich dies
natürlich sehr interessieren.
Ciao
Werner

hey Werner,
vielen Dank für die ausführlichen informationen, ich
werde weiterforschen und mich ggf. wieder melden.
Kerstin

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Re: rechts- in linksdrehend bei Tiefgefrieren?

Kerstin, (vor 9864 Tagen) @ Florian

Hallo Florian,
was sagst du als Chemiker denn zu der Theorie, daß sich bei Tiefgefrieren L- in R-Form umwandeln können? Ist das überhaupt möglich? Anders gefragt, wenn überhaupt möglich, wie wandelt sich eine L- in eine R-Form um? Meine organische CHemiekenntnisse liegen leider auch schon viel zu weit zurück.
Gruß Birgit

Der Fachbegriff dafür ist Racemisierung.
Der Punkt ist, dass dieser Prozess sehr viel Energie
erfordert. Du musst normalerweise schon hunderte von
Jahren auf Aminosäuren herumkochen, damit diese Umwandlung
in nennenswertem Maße stattfindet.
Beim Tiefgefrieren ist dieser Prozess noch weiter verlangsamt,
so dass es zehntausende von Jahren dauert
(Die genauen Zeiten kennt man z. B. von der Analyse von
Mammutfleisch, welches über zehntausende von Jahren in
der "Tiefkühltruhe" war.)
Ausserdem gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass dieser
Prozess bei Pilzen in irgendeiner weise schneller ablaufen
sollte als bei anderen eiweishaltigen Lebensmitteln,
wie Fleisch, Fisch etc..
Der Hauptgrund für die gelegentliche Unverträglichkeit
von Pilzen ist wohl ihre schnelle Verderblichkeit.
Fazit:
Lass Dir denn Appetit nicht vermiesen.
Grüsse,
Florian

Hallo Florian,
ich habe auch nur eine Theorie aufgestellt,laß
mich gerne vom Gegenteil überzeugen.Aber mit dem
Trehalosezucker hat die Unverträglichkeit irgend-
wie doch was zu tun.
Ciao
Werner

Das mit der Trehalose finde ich auch höchst interessant.
Mir fällt gerade auf,dass ich in meiner Mail leider eine
kleine Begriffsverwirrung begangen habe.
Das Gegenteil von "L" ist nämlich nicht "R" sondern
"D" (von lateinisch "dexter", ebenfalls "rechts").
Alternativ kann man statt D und L, R und S (von sinister= links)
verwenden S und L bzw. R und D sind aber im allgemeinen nicht
identisch. Diese Unterscheidung ist für den gemeinen
Mycophagen allerdings nicht sonderlich relevant.
Ich mag es nur nicht, öffentlich sachlich falsche Aussagen
abzugeben.
Grüße,
Florian

Hallo Florian,
ist ja nicht so tragisch - danke für die ausführlichen
Informationen zur Chemie. Langsam wird altes "Wissen" -
aus meinem Bio-Studium wieder wachgerüttelt.
Gruß
Kerstin