Agaricus xanthodermus vs. arvensis

Haddy, (vor 8917 Tagen)

Hallo Forum,

ich hab heute ein paar schicke Champignons in einem Fichte-Buchen-Eichen-Mischwald gefunden. Sie waren an der Stielbasis etwas gelblich, rochen etwas muffig (Tinte?) und schmeckten roh auch eher unagenehm. Daher gehe ich davon aus dss das der A. Xanthodermus war, jetzt hab ich in meiner Pilzlektüre gesehen, dass die Vergiftungserscheinungen nicht grundsätzlich auftreten. Vorsichtshalber hab ich ihn weg geschnmissen. Habt ihr schon Ess-Erfahrungen mit den beiden Rassen? Oder wie unterscheidet ihr Sie? Gibt es noch einen weiteren A. mit gelblicher Stielbasis und diesem Geruch und Geschmack?

Mit traurigem Blick auf die dahin siechenden Pilzchen

Eure Haddy

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Re: Agaricus xanthodermus vs. arvensis

Christoph ⌂, (vor 8917 Tagen) @ Haddy

Hi Haddy,

willst Du's etwa versuchen? Auch, wenn du dir den Bauch völlig verrenken kannst? Mann, musst Du Hunger auf Pilze haben... das wäre es mir nicht wert.

Aber mal im Ernst. Agaricus xanthoderma zu essen ist in etwa so gesunf wie Benzin zu trinken (sorry, der Vergleich hinkt, ich weiß). Er ist voller Phenolverbindungen -> ungesund bis zum geht nicht mehr. Auch wenn einem nicht schlecht davon wird.

Mahlzeit,

... und Grüße, Christoph
www.dgfm-ev.de/phorum

Hallo Forum,
ich hab heute ein paar schicke Champignons in einem
Fichte-Buchen-Eichen-Mischwald gefunden. Sie waren an der Stielbasis etwas
gelblich, rochen etwas muffig (Tinte?) und schmeckten roh auch eher
unagenehm. Daher gehe ich davon aus dss das der A. Xanthodermus war, jetzt
hab ich in meiner Pilzlektüre gesehen, dass die Vergiftungserscheinungen
nicht grundsätzlich auftreten. Vorsichtshalber hab ich ihn weg
geschnmissen. Habt ihr schon Ess-Erfahrungen mit den beiden Rassen? Oder
wie unterscheidet ihr Sie? Gibt es noch einen weiteren A. mit gelblicher
Stielbasis und diesem Geruch und Geschmack?
Mit traurigem Blick auf die dahin siechenden Pilzchen
Eure Haddy

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Re: Agaricus xanthodermus vs. arvensis

Andreas ⌂, (vor 8917 Tagen) @ Haddy

Hallo Forum,
ich hab heute ein paar schicke Champignons in einem
Fichte-Buchen-Eichen-Mischwald gefunden. Sie waren an der Stielbasis etwas
gelblich, rochen etwas muffig (Tinte?) und schmeckten roh auch eher
unagenehm. Daher gehe ich davon aus dss das der A. Xanthodermus war, jetzt
hab ich in meiner Pilzlektüre gesehen, dass die Vergiftungserscheinungen
nicht grundsätzlich auftreten. Vorsichtshalber hab ich ihn weg
geschnmissen. Habt ihr schon Ess-Erfahrungen mit den beiden Rassen? Oder
wie unterscheidet ihr Sie? Gibt es noch einen weiteren A. mit gelblicher
Stielbasis und diesem Geruch und Geschmack?
Mit traurigem Blick auf die dahin siechenden Pilzchen
Eure Haddy

Hallo Haddy,

es gibt etliche gilbenden Arten von Champignons, eßbare und giftige.
Um die Gruppe der Karbolegerlinge zu erkennen, muss sich das Fleisch IN der Stielbasis schnell quietschgelb verfärben. Also nicht nur außen, das macht auch der A. essettii und ähnliche Arten, sondern wichtig ist ob die Verfärbung INNEN stattfindet.
Leute mit wenig anspruchsvollen Magennerven (wie ich z.B.) haben keine Probleme mit A. xanthoderums, empfindliche Leute können recht erheblich Beschwerden bekommen. Man sollte es also nicht unbedingt testen. Im übrigen soll ein Pilzgericht noch wesentlich unangenehmer riechen als die frischen Pilze selbst, aber auch das kann ich von meiner früherer Erinnerung her nicht unterstreichen. Sonst hätten wir ihn sicher nicht öfters gegessen (unerkannt).

herzliche Grüße,
Andreas

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Nachtrag

Andreas ⌂, (vor 8917 Tagen) @ Andreas

Ach ja, vergessen:

Der Standort spricht nicht gerade für A. xanthodermus, den ich nur von offenen Stellen, Wegrändern, Parks, Gärten her kenne, aber nicht aus dem Wald wie A. essettii oder silvicola.

Gruß,
Andreas

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Re: Nachtrag

Birgit, (vor 8917 Tagen) @ Andreas

Hi Andreas,

Ach ja, vergessen: Der Standort spricht nicht gerade für A. xanthodermus, den
ich nur von offenen Stellen, Wegrändern, Parks, Gärten her kenne, aber
nicht aus dem Wald wie A. essettii oder silvicola.

Kann ich nicht bestätigen. Ich hab in Laufnähe einen Fichtenwald, wo wirklich 95% der weißen Champignons, die ich bisher aufgesammelt und aufgeschnitten habe, Karbolchampignons waren (Inzwischen probier ichs schon gar nicht mehr). In diesem kleinen Waldstück gibts sie am Waldrand im Gras, aber auch mitten drin im Fichtenwald, an beiden Standorten in großen Mengen, bei weitem der häufigste CHampignon in dem Waldstück. Riesenchampignon (A. augustus) und den kleinen Waldchampignon (A. silvaticus) gibts dort auch, die bevorzugen dort aber wirklich den Waldrandbereich.

Vielleicht poste ich heute abend noch ein Bild der Karbolchampis.

Liebe Grüße

Birgit

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Re: Agaricus xanthodermus vs. arvensis

Christoph ⌂, (vor 8917 Tagen) @ Andreas

Leute mit wenig anspruchsvollen Magennerven (wie ich z.B.) haben keine
Probleme mit A. xanthoderums, empfindliche Leute können recht erheblich
Beschwerden bekommen. Man sollte es also nicht unbedingt testen.

Wie ich schon geschrieben habe: Die ganzen Karbolegerlinge sind nichtnur leicht Magen-Darm-giftig, sondern sehr sehr UNGESUND.

Dass alleine solte schon reichen, ihn nicht zu essen, oder man darf sich über die Lebensmittelskandale auch nicht aufregen. Dann wärs ja wurscht, ob das Fleisch verseucht ist oder nicht...

Nicht alles muss in die Pfanne, was aussieht wie ein Pilz...

Grüße, Christoph

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Re: Agaricus xanthodermus vs. arvensis

Haddy, (vor 8917 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

vielen Dank für Deine Antwort. Irgendwie die einzige die mir tatsächlich behilflich ist. Ich gehe mal davon aus, dass der Karbolegerling der Xanthodermus ist, mir als Giftchampignon bekannt, und ich somit ein Körbchen voll leckerer Champis weg geworfen hab. Die Stielbasis war nämlich nur zwischen dem Mycelflaum gelblich, beim Anschneiden passierte rein garnichts. Kein Gelb kein irgendwas, weder oben noch unten.

Ciao Haddy

Hallo Haddy,
es gibt etliche gilbenden Arten von Champignons, eßbare und giftige.
Um die Gruppe der Karbolegerlinge zu erkennen, muss sich das Fleisch IN der
Stielbasis schnell quietschgelb verfärben. Also nicht nur außen, das macht
auch der A. essettii und ähnliche Arten, sondern wichtig ist ob die
Verfärbung INNEN stattfindet.
Leute mit wenig anspruchsvollen Magennerven (wie ich z.B.) haben keine
Probleme mit A. xanthoderums, empfindliche Leute können recht erheblich
Beschwerden bekommen. Man sollte es also nicht unbedingt testen. Im
übrigen soll ein Pilzgericht noch wesentlich unangenehmer riechen als die
frischen Pilze selbst, aber auch das kann ich von meiner früherer
Erinnerung her nicht unterstreichen. Sonst hätten wir ihn sicher nicht
öfters gegessen (unerkannt).
herzliche Grüße,
Andreas

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Re: Agaricus xanthodermus vs. arvensis *PIC*

Birgit, (vor 8917 Tagen) @ Haddy

Hi Haddy,

vielen Dank für Deine Antwort. Irgendwie die einzige die mir tatsächlich
behilflich ist. Ich gehe mal davon aus, dass der Karbolegerling der
Xanthodermus ist, mir als Giftchampignon bekannt, und ich somit ein
Körbchen voll leckerer Champis weg geworfen hab. Die Stielbasis war
nämlich nur zwischen dem Mycelflaum gelblich, beim Anschneiden passierte
rein garnichts. Kein Gelb kein irgendwas, weder oben noch unten.

das mit dem Gilben in der Stielbasis funktioniert nur 100%, wenn du den Pilz nicht etwa abgeschnitten, sondern mitsamt Stielbasis aus dem Boden geholt hast und dann quer durchgeschnitten hast. Schneidest du den Pilz ab, kann der stark gilbende Teil noch im Boden stecken. Der Tintengeruch (oder Desinfektionsmittel), der auch in der Stielbasis am intensivsten ist spricht nämlich schon ziemlich dafür, daß du Karbolchampignons gefunden hast. Die Anischampignons (A. essettei und A. silvicola) sollten eigentlich nach ANis riechen.

ANbei noch ein Bild von Karbolchampignons (A. xanthoderma), die nicht direkt am Waldrand wuchsen:

und hier noch ein süßer, kleiner, der im Gras wuchs:

Viele Grüße

Birgit

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Re: Agaricus xanthodermus vs. arvensis

Andreas ⌂, (vor 8917 Tagen) @ Birgit

Hi Haddy,
das mit dem Gilben in der Stielbasis funktioniert nur 100%, wenn du den Pilz
nicht etwa abgeschnitten, sondern mitsamt Stielbasis aus dem Boden geholt
hast und dann quer durchgeschnitten hast. Schneidest du den Pilz ab, kann
der stark gilbende Teil noch im Boden stecken. Der Tintengeruch (oder
Desinfektionsmittel), der auch in der Stielbasis am intensivsten ist
spricht nämlich schon ziemlich dafür, daß du Karbolchampignons gefunden
hast. Die Anischampignons (A. essettei und A. silvicola) sollten
eigentlich nach ANis riechen.
ANbei noch ein Bild von Karbolchampignons (A. xanthoderma), die nicht direkt
am Waldrand wuchsen:

und hier noch ein süßer, kleiner, der im Gras wuchs:

Hallo Birgit,

hast natürlich recht, es geht um den etwas verdickten, fast knolligen alleruntersten Teil des Stieles. Der Rest des Stieles gilbt nicht.

Deine Karbolegerlinge hätt ich nicht erkannt, weil bei meinen Funden die typische etwas trapezförmige Hutform immer gut zu sehen war, so dass man daher schon auf Karbolegerling tippen konnte. Deine sind dagegen schon halbkugelig, wirklich tückisch! Wenn die jetzt jemand abgeschnitten in die Pilzberatung bringen würde ..... Ich bin nicht ganz sicher ob ich sie ihm aussortieren würde, zumal wenn er sagt sie kommen aus dem Wald ....

Beste Grüße,
Andreas

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"untypische"? Karbolegerlinge

Birgit, (vor 8917 Tagen) @ Andreas

Hi Andreas,

Deine Karbolegerlinge hätt ich nicht erkannt, weil bei meinen Funden die
typische etwas trapezförmige Hutform immer gut zu sehen war, so dass man
daher schon auf Karbolegerling tippen konnte. Deine sind dagegen schon
halbkugelig, wirklich tückisch! Wenn die jetzt jemand abgeschnitten in die
Pilzberatung bringen würde ..... Ich bin nicht ganz sicher ob ich sie ihm
aussortieren würde, zumal wenn er sagt sie kommen aus dem Wald ....

die sind dort alle so! Deswegen schau ich diejenigen, die von abgeplatteten trapezförmigen Karbolegerlingen sprechen auch immer so ungläubig an, hab ich noch nie gesehen hier. Komm mich mal besuchen ;-), dann dokumentieren wir eine neue Unterart ;-). KÖnnte es denn möglicherweise doch was anderes sein???? Der typische Geruch ist nach Reiben der Stielbasis jedenfalls immer da. Die gleiche Variante hatten wir übrigens letztes Jahr direkt am Haus, ich hatte mich schon so auf ne Champignonmahlzeit gefreut.

Gute Nacht

Birgit

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Re: "untypische"? Karbolegerlinge

Andreas ⌂, (vor 8916 Tagen) @ Birgit

Hi Andreas,

Hallo Birgit,

die sind dort alle so! Deswegen schau ich diejenigen, die von abgeplatteten
trapezförmigen Karbolegerlingen sprechen auch immer so ungläubig an, hab
ich noch nie gesehen hier. Komm mich mal besuchen ;-)

Mach ich!

dann dokumentieren wir eine neue Unterart ;-)

Mach ich nicht!
Agaricus xanthoderums var. semiglobata Weisel klingt doch gut ;-)

KÖnnte es denn möglicherweise doch was anderes sein???? Der typische Geruch ist nach Reiben der Stielbasis jedenfalls immer da. Die gleiche Variante hatten wir übrigens letztes Jahr direkt am Haus, ich hatte mich schon so auf ne Champignonmahlzeit gefreut.

Glaub' ich eher nicht, aber Champignons kenn' ich überhaupt nicht. Erstens find ich selten welche und zweitens immer dann wenn genügend anderes draußen steht.

Gruß,
Andreas

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Re: Agaricus xanthodermus vs. arvensis

Jens ⌂, (vor 8917 Tagen) @ Haddy

Hallo Haddy,

Habt ihr schon Ess-Erfahrungen mit den beiden Rassen? Oder

wie unterscheidet ihr Sie?

welche beiden Rassen meinst Du?

Gibt es noch einen weiteren A. mit gelblicher

Stielbasis und diesem Geruch und Geschmack?

ja es gibt noch weitere Egerlinge aus der gleichen Sektion, die ebenfalls
leicht giftig sind. Der Perlhuhnegerling (A. meleagris) und der Rebhuhnegerling( A. phaeolepidotus) sind mir bekannt. Diese beiden sind
allerdings nicht so weiß auf dem Hut, sondern mit dunkleren (rotbraun bis fast schwarz) Schüppchen bedeckt. Auch meine ich, daß die chromgelbe Verfärbung beim Anschnitt der Stielbasis nicht ganz so deutlich wie bei A. xanthodermus hervortritt.

Alle drei Arten sind in der Umgebung von Magdeburg zu finden, wobei der Perlhuhnegerling bei uns der seltenste zu sein scheint.

Gruß Jens