unbekannter Röhrling (Bild) *PIC*

Martl, (vor 8833 Tagen)

Hallo zusammen,

bei meinem heutigen Steinpilzrausch im Schwarzwald fand ich den folgenden Gesellen ganz alleine ím Wald rumlungern. Ich hielt ihn zuerst für einen farbarmen Flocki, merkte jedoch, nachdem ich immerhin schon 80 % des Stieles wegen der Maden weggeschnitten hatte, daß die blaue Farbe fehlt! Hmmm..

Was könnte das sein?
Standort: ca. 1000 m NN; Nadelwald; wahrscheinlich sauer

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Danke & Gruß,
Martl

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Re: unbekannter Röhrling (Bild)

Matthias, (vor 8833 Tagen) @ Martl

Hallo zusammen,
bei meinem heutigen Steinpilzrausch im Schwarzwald fand ich den folgenden
Gesellen ganz alleine ím Wald rumlungern. Ich hielt ihn zuerst für einen
farbarmen Flocki, merkte jedoch, nachdem ich immerhin schon 80 % des
Stieles wegen der Maden weggeschnitten hatte, daß die blaue Farbe fehlt!
Hmmm..
Was könnte das sein?
Standort: ca. 1000 m NN; Nadelwald; wahrscheinlich sauer

Danke & Gruß,
Martl

Hallo Martl,
das ist der falsche Anhängselröhrling Boletus subappendiculatus, ein nicht sehr häufiger Röhrling,
viele grüsse
Matthias

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Re: unbekannter Röhrling (Bild)

Karl Keck ⌂, (vor 8833 Tagen) @ Martl

Hallo Martl,

was hältst du vom Sommer-Steinpilz, Boletus reticulatus (= B. aestivalis)?
Den hab ich heute auch gefunden und ich habe genauso viel vermadete Teile wegschneiden müssen.
Für B. subappendiculatus ist mir das Fleisch zu wenig gelb.
Aber die Boletus-Spezialisten werden sich schon noch exakter dazu äußern.
Grüße aus Oberschwaben
Karl

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Re: unbekannter Röhrling (Bild)

Christoph Hahn, (vor 8833 Tagen) @ Martl

Hi Martl,

das ist Boletus subappendiculatus. Kein Steinpilz, weil:

enges, gelbes Stielnetz (wenn dein Bild keinen Gelbstich hat ;-), Poren im Alter etwas orange verfärbend; er kann auch ganz schwach blauen, was dein Fund ja macht.

Es tut nur weh, ihn so abgeschnitten zu sehen! In der Stielbasis ist er schön rosa gefärbt... Zudem ist er wirklich selten und sollte nicht gegessen werden.

Wenn du einen Röhrling nicht kennst, dann nimm ihn doch komplett mit, damit er bestimmt werden kann, oder lass ihn stehen.

Aber bitte keine unbekannten Röhrlinge zum Essen abschneiden. Dafür sind die nicht-banalen Boletusarten einfach zu selten und schützenswert!

Grüße, Christoph

Hallo zusammen,
bei meinem heutigen Steinpilzrausch im Schwarzwald fand ich den folgenden
Gesellen ganz alleine ím Wald rumlungern. Ich hielt ihn zuerst für einen
farbarmen Flocki, merkte jedoch, nachdem ich immerhin schon 80 % des
Stieles wegen der Maden weggeschnitten hatte, daß die blaue Farbe fehlt!
Hmmm..
Was könnte das sein?
Standort: ca. 1000 m NN; Nadelwald; wahrscheinlich sauer

Danke & Gruß,
Martl

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"sollte nicht gegessen werden" / "schützenswert"

Karl Keck ⌂, (vor 8833 Tagen) @ Christoph Hahn

Zudem ist er wirklich selten und sollte nicht gegessen
werden.
Wenn du einen Röhrling nicht kennst, dann nimm ihn doch komplett mit, damit
er bestimmt werden kann, oder lass ihn stehen.
Aber bitte keine unbekannten Röhrlinge zum Essen abschneiden. Dafür sind die
nicht-banalen Boletusarten einfach zu selten und schützenswert!

Hallo Christoph,

dein "sollte nicht gegessen werden" reizt mich zum Widerspruch:
von wem sollte der subappendiculatus nicht gegessen werden?
Wie sagst du das den Schnecken, den Rehen, den Hasen und wer weiß, wer noch alles Pilzfruchtkörper verspeist?
Der Martl isst ja nicht den vegetativen Teil des Pilzes, das Myzel, sondern nur den reproduktiven Teil, den Fruchtkörper.
Prof. Regis Courtecuisse macht in seinem Buch "Mushrooms and Toadstools of Britain and Europe" (ich habe nur die englische Ausgabe, Harper Collins 1995) den Vergleich Apfelbaum/Apfel und Myzel/Fruchtkörper.
Du kennst ja sicher die Untersuchung der Schweizer Forscher Egli, Ayer und Chatelain (1990), die immerhin über einen Zeitraum von 14 Jahren ging und in der "keine signifikante Beeinflussung" der Pilzflora durch das Ernten von Pilzen nachgewiesen werden konnte (zitiert in Ryman & Holmåsen, S. 32).
Wir sollten alles tun, um die B i o t o p e zu schützen, in denen "schützenswerte" Pilze vorkommen.
Grüße, Karl

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Re: "sollte nicht gegessen werden" / "schützenswer

Christoph Hahn, (vor 8833 Tagen) @ Karl Keck

Hallo Karl,

klar, ich kenne die Studien von Egli et al. Ich teile auch prinzipiell deine Meinung.
Dem Geflecht machts sicher wenig.
Bei wirklich seltenen Arten sollte man aber die Sporenausbreitung nicht zu sehr behindern.
Glücklicherweise werden wohl nicht alle Nadelwaldanhängselröhrlinge gesammelt.
Wenn aber z. B. Königsröhrlinge gesammelt werden (immerhin RL 1), so wäre das verwerflich. Wenn die Art eh kaum noch vorkommt, dann sollte sie doch alle Chancen bekommen, sich weider etwas auszubreiten. Ich könnte alle Fruchtkörper rupfen, bis das Mycel irgendwann von selbst, durch Stickstoffeintrag oder sonstwas draufgeht. Dann hat sich der Pilz ganz sicher nicht ausbreiten können und schwupps ist er weg.

Drum ist meine Meinung:
Sammeln ist an sich nicht schlimm. Wirklich seltene Arten hingegen zum Essen zu sammeln ist einfach unnötig, es gibt genug anderes essbares. Lasst den raritäten die Möglichkeit, möglichst viele Sporen in die Luft zu schleudern...

Und man sollte eh nur essen, was man kennt. Drum sollte man unbekannte Röhrlinge eben aus Prinzip wenn, dann zum Bestimmen mitnehmen. Sonst findest du keinen Bol. fechtneri, Bol. regius etc. mehr, denn kaum dass diese Arten Fruchtkörüer schieben, würden sie gerupft werde. "Den kenn ich zwar nicht, aber bitter ist er nicht -> ab in die Küche...".

Ansonsten gebe ich dir völlig Recht. Biotopschutz ist das wichtigere...

Grüße, Christoph

Hallo Christoph,
dein "sollte nicht gegessen werden" reizt mich zum Widerspruch: von
wem sollte der subappendiculatus nicht gegessen werden?
Wie sagst du das den Schnecken, den Rehen, den Hasen und wer weiß, wer noch
alles Pilzfruchtkörper verspeist?
Der Martl isst ja nicht den vegetativen Teil des Pilzes, das Myzel, sondern
nur den reproduktiven Teil, den Fruchtkörper.
Prof. Regis Courtecuisse macht in seinem Buch "Mushrooms and Toadstools
of Britain and Europe" (ich habe nur die englische Ausgabe, Harper
Collins 1995) den Vergleich Apfelbaum/Apfel und Myzel/Fruchtkörper.
Du kennst ja sicher die Untersuchung der Schweizer Forscher Egli, Ayer und
Chatelain (1990), die immerhin über einen Zeitraum von 14 Jahren ging und
in der "keine signifikante Beeinflussung" der Pilzflora durch
das Ernten von Pilzen nachgewiesen werden konnte (zitiert in Ryman &
Holmåsen, S. 32).
Wir sollten alles tun, um die B i o t o p e zu schützen, in denen
"schützenswerte" Pilze vorkommen.
Grüße, Karl

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Der Rupfer...

Martl, (vor 8832 Tagen) @ Christoph Hahn

Lieber Christoph,

auch mir tat es leid, diesen Pilz abgeschnitten zu haben. Leider habe ich, wie ich in meinem Beitrag auch geschrieben habe, nicht mit einer Rarität sondern mit einem albinotischen Flocki gerechnet. Es war ein Versehen. Ich verwehre mich jedoch dagegen, von Dir hier als blindwütiger Pilzeausrupfer dargestellt zu werden! Daß es weiß Gott genügend eßbare Pilze gibt, die nicht gefährdet sind, ist mir durchaus klar. Nun kenne ich diesen Pilz und er wird zukünftig außer fotografiert zu werden nichts von mir zu befürchten haben.

Wenn es dich beruhigt, werde ich den Pilz inklusive verbliebener Sporen in einen sauren Nadelwald zurückbringen. Vielleicht kann so ja ein neues Mycel und damit ein neur Standort entstehen.

Martl

Hallo Karl,
klar, ich kenne die Studien von Egli et al. Ich teile auch prinzipiell deine
Meinung.
Dem Geflecht machts sicher wenig.
Bei wirklich seltenen Arten sollte man aber die Sporenausbreitung nicht zu
sehr behindern.
Glücklicherweise werden wohl nicht alle Nadelwaldanhängselröhrlinge
gesammelt.
Wenn aber z. B. Königsröhrlinge gesammelt werden (immerhin RL 1), so wäre das
verwerflich. Wenn die Art eh kaum noch vorkommt, dann sollte sie doch alle
Chancen bekommen, sich weider etwas auszubreiten. Ich könnte alle
Fruchtkörper rupfen, bis das Mycel irgendwann von selbst, durch
Stickstoffeintrag oder sonstwas draufgeht. Dann hat sich der Pilz ganz
sicher nicht ausbreiten können und schwupps ist er weg.
Drum ist meine Meinung: Sammeln ist an sich nicht schlimm. Wirklich seltene
Arten hingegen zum Essen zu sammeln ist einfach unnötig, es gibt genug
anderes essbares. Lasst den raritäten die Möglichkeit, möglichst viele
Sporen in die Luft zu schleudern...
Und man sollte eh nur essen, was man kennt. Drum sollte man unbekannte
Röhrlinge eben aus Prinzip wenn, dann zum Bestimmen mitnehmen. Sonst
findest du keinen Bol. fechtneri, Bol. regius etc. mehr, denn kaum dass
diese Arten Fruchtkörüer schieben, würden sie gerupft werde. "Den
kenn ich zwar nicht, aber bitter ist er nicht -> ab in die
Küche...".
Ansonsten gebe ich dir völlig Recht. Biotopschutz ist das wichtigere...
Grüße, Christoph

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Re: Der Rupfer...

Christoph Hahn, (vor 8831 Tagen) @ Martl

Hallo Martl,

so hart wollte ich es gar nicht ausdrücken. Ich wollte dich weder als Rupfer oder sonstwas "outen". Es ist halt meist so, dass seltene Röhrlinge aus Versehen gesammelt werden.
Mir tat's nur etwas weh, ihn abgeschnitten zu sehen ;-)
Dass du sowas generell machen würdest, kann ich zum einen weder wissen oder deuten, noch wollte ich es sagen. Die Beispiele zu Karls Posting waren z.B. nur allgemein gemeint.
Und Versehen passieren immer wieder mal und jedem.

Wenn man aber immer wieder so "schöne" Röhrlinge wie Bol. splendidus oder auch B. rhodoxanthus ausgerupft und wieder weggeschmissen findet (und auch mehr als nur einen Fruchtkörper - bzw. besonders dann) wird man halt etwas (über)empfindlich.

Und da ich mit den Röhrlingen intensiv arbeite, tut es mir halt etwas "weh", sowas zu sehen.
Wollte dir nichts generelles unterstellen. Und dem Pilz hat das sicher nicht viel ausgemacht (um punktuell auch Karl rechtzugeben).

Liebe Grüße, Christoph

Lieber Christoph,
auch mir tat es leid, diesen Pilz abgeschnitten zu haben. Leider habe ich,
wie ich in meinem Beitrag auch geschrieben habe, nicht mit einer Rarität
sondern mit einem albinotischen Flocki gerechnet. Es war ein Versehen. Ich
verwehre mich jedoch dagegen, von Dir hier als blindwütiger Pilzeausrupfer
dargestellt zu werden! Daß es weiß Gott genügend eßbare Pilze gibt, die
nicht gefährdet sind, ist mir durchaus klar. Nun kenne ich diesen Pilz und
er wird zukünftig außer fotografiert zu werden nichts von mir zu
befürchten haben.
Wenn es dich beruhigt, werde ich den Pilz inklusive verbliebener Sporen in
einen sauren Nadelwald zurückbringen. Vielleicht kann so ja ein neues
Mycel und damit ein neur Standort entstehen.
Martl

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Re: "sollte nicht gegessen werden" / "schützenswer

Utz, (vor 8832 Tagen) @ Karl Keck

- Schöner Pilz,
"es tut weh ihn abgeschnitten zu sehen" - Da regt sich auch bei mir Widerspruch: Immerhin rutschen wir in eine hausgemachte Klimakatastrophe, die sicher auch nicht nur uns, sondern das gesamte Ökosystem einschliesslich der Pilze betrifft. Es ist schlichtweg Unsinn eine moralische Note wegen des Aufschneidens eines vermeintlich seltenen Pilzes zu verteilen. Er ist ja nicht zum Markt gebracht und in Massen verkauft worden (wie ich leider hier bei Steinpilzen von Zeit zu Zeit beobachten kann). Und dass dieser Boletus an sich selten ist hat wohl auch nichts mit vermehrtem Abschneiden neugieriger Pilzfans zu tun. Sind eben andere Gründe!
Beste Grüße Utz

Hallo Christoph,
dein "sollte nicht gegessen werden" reizt mich zum Widerspruch: von
wem sollte der subappendiculatus nicht gegessen werden?
Wie sagst du das den Schnecken, den Rehen, den Hasen und wer weiß, wer noch
alles Pilzfruchtkörper verspeist?
Der Martl isst ja nicht den vegetativen Teil des Pilzes, das Myzel, sondern
nur den reproduktiven Teil, den Fruchtkörper.
Prof. Regis Courtecuisse macht in seinem Buch "Mushrooms and Toadstools
of Britain and Europe" (ich habe nur die englische Ausgabe, Harper
Collins 1995) den Vergleich Apfelbaum/Apfel und Myzel/Fruchtkörper.
Du kennst ja sicher die Untersuchung der Schweizer Forscher Egli, Ayer und
Chatelain (1990), die immerhin über einen Zeitraum von 14 Jahren ging und
in der "keine signifikante Beeinflussung" der Pilzflora durch
das Ernten von Pilzen nachgewiesen werden konnte (zitiert in Ryman &
Holmåsen, S. 32).
Wir sollten alles tun, um die B i o t o p e zu schützen, in denen
"schützenswerte" Pilze vorkommen.
Grüße, Karl

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Re: "sollte nicht gegessen werden" / "schützenswer

Christoph Hahn, (vor 8831 Tagen) @ Utz

Hallo Utz,

Immerhin rutschen wir in eine hausgemachte Klimakatastrophe,
die sicher auch nicht nur uns, sondern das gesamte Ökosystem
einschliesslich der Pilze betrifft. Es ist schlichtweg Unsinn eine
moralische Note wegen des Aufschneidens eines vermeintlich seltenen Pilzes
zu verteilen.

eine moralische Note sollte es eigentlich gar nicht sein. Allerdings ist die Klimakatastrophe ein Totschlagargument. Da könnte man auch sagen: "Wozu brauchen wir Naturwaldreservate, wenn sich das Klima eh total ändert... oder wozu Naturschutz überhaupt, ist doch eh alles wurscht".
So sehe ich das nicht.
Arten- und Biotopschutz sind auch in heutigen Zeiten wichtig (meine ich, hoffentlich nicht alleine). In welcher gewichtung untereinander, das kann man natürlich diskutieren (siehe Karls posting).

Er ist ja nicht zum Markt gebracht und in Massen verkauft

worden (wie ich leider hier bei Steinpilzen von Zeit zu Zeit beobachten
kann).

Steinpilze sind Massenware. Gewerbliches Sammeln desselben ist vielleicht ärgerlich (kann natürlich auch genehmigt sein - und warum auch nicht?). Gewerbliches sammeln von Raritäten wäre aber schlichtweg Frevel, um es gelinde auszudrücken.

Und dass dieser Boletus an sich selten ist hat wohl auch nichts mit
vermehrtem Abschneiden neugieriger Pilzfans zu tun. Sind eben andere
Gründe!

Sicherlich richtig. Ist aber kein Argument FÜR ein sammeln desselben. Ich bleibe dabei: sehr seltene oder fast aussterbende Arten müssen doch nicht gesammelt werden.
Martl hat es genau richtig ausgedrückt. Es gibt so viele andere.

Vielleicht ist B. subappendiculatus auch gar nicht so selten. Vielleicht suchen zu wenige in sauren Nergnadelwäldern, die interessante Funde dokumentieren würden. Wer weiß? Für mich gilt aber: in dubio pro reo.

Beste Grüße zurück,

Christoph