Selbstversuch mit Satanspilz (von Boris)

Georg, (vor 8828 Tagen)

Diese Mail hat mir Boris (älteren Forumsteilnehmern wohlbekannt ;-)
zukommen lassen mitsamt Erlaubnis sie hier zu veröffentlichen:

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Schöne Grüße!

Heute habe ich den Mut und die Zeit gehabt, einen Selbstversuch mit dem
Satanspilz zu machen. Bei den schönen Fruktifikationsschüben der letzten
zwei Wochen habe ich mir ein schönes junges Exemplar beiseitegelegt. Ich
mußte es allerdings nach dem Ausputzen in der Tiefkühltruhe zwischenlagern
da ich nur selten Zeit zum Kochen habe, denke jedoch nicht daß das das
Versuchsergebnis nennenswert verfälscht. Insgesamt waren es 100g trocken
eingefrorene Pilzstücke die ich heute verkonsumierte.

Ich habe mir schon lange überlegt, wie man das seltsame an Maggi erinnernde
Aroma des Satanspilzes für ein Pilzgericht nutzbar machen kann und bin zu
folgendem Ergebnis gekommen:

Pilzrezepte, die keiner haben will, Folge 1:

- Satanstopf-

1 junger fester Satanspilz
2 kleine Dosen Kidney Bohnen
1 Tomate
1 Zwiebel
1 Handvoll Speckwürfel
1 Becher Sahne
1 Würfelchen Butter
3 getrocknete Chilischoten
Gewürze: Cayennepfeffer, Pfeffer, Salz

Satanspilz fein blättrig schneiden um den Garvorgang zu erleichtern und die
meist reichlich vorhandenen Madengänge zu entfernen. Butter in der Pfanne
zum Schmelzen bringen, Pilzstücke hinzufügen und scharf braten, ggf. mit
etwas Wasser aufgießen und ständig rühren. Nach fünf Minuten Speck,
Zwiebel- und Tomatenwürfel hinzufügen. Gemüsepaprika würde sich hier wohl
auch gut machen, ich hatte allerdings in meinem Junggesellenhaushalt grad
keinen zur Hand. Weitere fünf Minuten alles knusprig garen, dann die Pfanne
vom Herd nehmen.

Dosenbohnen abspülen, in einen Topf geben. 1 Becher Sahne, die Chilies und
die geschmorten Pilze hinzufügen. Das Ganze unter ständigem Rühren nochmals
aufkochen. Wegen des Giftes sollte man von Probierversuchen vor Ende der
Kochzeit besser absehen, danach kann man das Ganze mit den Gewürzen
abschmecken.

Das Resultat war ein ausgesprochen pikanter Eintopf, den ich mit Genuß
verzehrte. Um eins war ich mit der Mahlzeit fertig. Unangenehme
Nebenerscheinungen gabs bis jetzt keine außer daß ich alles auf einmal aß
und danach so vollgestopft war daß ich zu platzen drohte.

Meine Forschungen haben somit Dähnckes Worte bestätigt: Gut durchgeschmort
ist der Pilz nicht giftig! Wer natürlich zu einem empfindlichen Magen neigt
und bereits mit Hexenröhrlingen Probleme hat, sollte natürlich von
Kostversuchen besser absehen. Ich selbst habe Boletus luridus bereits
mehrere Male verzehrt, zweimal sogar mit Alkohol, und hatte bis jetzt keine
Probleme. Ich bin immer noch der Meinung daß hier ein und dasselbe Gift am
Werk ist, Hennig schreibt in seinem Buch über Boletus luridus: "Vor dem
Genuß des rohen Pilzes ist eindringlich zu warnen!"

Da der Satanspilz allerdings wesentlich seltener ist als die Hexenröhrlinge
und zudem ein herrliches Fotoobjekt darstellt, sollte man ihn schon aus
Fairneß gegenüber anderen Pilzfreunden nicht sammeln. Alte Exemplare sind
ohnehin wegen des Gestankes zu meiden. Ich bin aber zufrieden daß ich
zumindest diesen Versuch über den kulinarischen Wert des Pilzes endlich
durchführen konnte und werde wohl bis auf weiteres von weiterem Sammeln
dieser Art absehen.

Schöne Grüße, Boris

Bei Rückfragen: Mail an bguenter@rhein-neckar.de

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Georg

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Re: Selbstversuch mit Satanspilz (von Boris)

Birgit, (vor 8828 Tagen) @ Georg

Ich kenn dieses Rezept schon länger und dachte mir spontan, ob das überhautp noch nach Pilz geschmeckt haben konnte. ;-) Naja die Geschmäcker sind halt verschieden :-). Leonie wär bestimmt was anderes dazu eingefallen.

Wahrscheinlich liegts an den Bohnen, die hatte der Lenz wohl bei seinem Versuch vergessen ;-).

Guten Appetit

Birgit

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Re: Selbstversuch mit Satanspilz (von Boris)

adi rehm, (vor 8828 Tagen) @ Birgit

Ich kenn dieses Rezept schon länger und dachte mir spontan, ob das überhautp
noch nach Pilz geschmeckt haben konnte. ;-) Naja die Geschmäcker sind halt
verschieden :-). Leonie wär bestimmt was anderes dazu eingefallen.
Wahrscheinlich liegts an den Bohnen, die hatte der Lenz wohl bei seinem
Versuch vergessen ;-).
Guten Appetit
Birgit

hallo, ihr schwammerlköche,
ich kann birgit nur beipflichten. ich habe schon herrliche gemüseeintöpfe ohne satanspilz gegessen, der tatsächlich in der natur draußen, besonders, wenn man ihn dort lässt,am besten zur geltung kommt.für die "maggi-note" nehme ich, wennich sie haben will (recht oft), das liebstöcklkraut.
dass der satanspilz schwach giftig ist, steht außer frage, meine ich. was es dann bewirken soll, dass man "ihn doch verträgt", wird sich meinem verständnis wohl für immer entziehen. bringt pilzkundlich nix, und derjenige, der ihn "verträgt" (nachdem er mit allen erdenklichen küchentricks "entschärft" worden ist) , ist weder ein mutigerer oder "besserer" mensch noch ein begnadeterer pilzkenner als alle anderen.- um die 140 arten pilze beliebe ich zu verspeisen. für mich steht fest: es muss nicht eine fragwürdige weiter art dazukommen.
mahlzeit!
adi

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Auch Bocksdickfuss und Stinkmorchel schmecken :-)

Werner, (vor 8828 Tagen) @ adi rehm

Ich moechte meinen Vorrednern nur beipflichten :-) Ich kann nicht verstehen, was an diesem Rezept noch nach Pilz schmecken soll:

Insbesondere diese Zutaten lassen mich eher an Chilli con carne denken, denn an ein Pilzgericht.

2 kleine Dosen Kidney Bohnen
1 Tomate
1 Zwiebel
1 Handvoll Speckwürfel
3 getrocknete Chilischoten
Gewürze: Cayennepfeffer

Seit ich Gisela Lockwalds Pilzkochbuch "Pilzgerichte, noch feiner" gelesen habe, begehe ich derartige "kulinarische Schwerverbrechen" nicht mehr. Mit dem Rezept kann man ja wohl sogar noch Bocksdickfuss und erwachsene Stinkmorcheln ertragen, da sie nach Zwiebeln, Chilli und Speck schmecken.

Oje :-0

Gruss,

Werner

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Re: Auch Bocksdickfuss und Stinkmorchel schmecken

Georg, (vor 8827 Tagen) @ Werner

Hi Werner,

Mit dem Rezept kann man ja wohl sogar
noch Bocksdickfuss und erwachsene Stinkmorcheln ertragen, da sie nach
Zwiebeln, Chilli und Speck schmecken.
Oje :-0

Boris hat doch extra dazugeschrieben:

Pilzrezepte, die keiner haben will.

Offensichtlich hat er recht :-)

Georg

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A propos Boris

Leonie, (vor 8827 Tagen) @ Georg

Hi Werner,
Boris hat doch extra dazugeschrieben: Pilzrezepte, die keiner haben will.
Offensichtlich hat er recht :-)
Georg

Genau, mit genug Chili (ok, ich liebe Chili) kann man jede Zunge betäuben. Der gute Boris hätte besser reines Satanspilsgericht kosten sollen. offenbar hatte der alte Lenz nur einen empfinlichen Magen oder hätte sich die Verdauungsschnäpse verkneifen sollen.

A pro pos Boris...
Warum postet er denn immer noch nicht wieder hier - bzw. nur indirekt? Boris ist doch der absolute Freak (arbeitet er immer noch mit seinem 8-Bit Apple II??) und bereichert jedes Forum.Das zeigt nicht nur dieser Beitrag.

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Re: Selbstversuch mit Satanspilz (von Boris)

Leonie, (vor 8827 Tagen) @ Birgit

Ich kenn dieses Rezept schon länger und dachte mir spontan, ob das überhautp
noch nach Pilz geschmeckt haben konnte. ;-) Naja die Geschmäcker sind halt
verschieden :-). Leonie wär bestimmt was anderes dazu eingefallen.
Wahrscheinlich liegts an den Bohnen, die hatte der Lenz wohl bei seinem
Versuch vergessen ;-).
Guten Appetit
Birgit

Birgit, zum Satanspilz fällt mir kulinarisch nicht viel ein. Ich denke Boris' Rezept geht in die richtige Richtung.

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Re: A propos Boris

Georg, (vor 8827 Tagen) @ Leonie

Hi Leonie,

A pro pos Boris...
Warum postet er denn immer noch nicht wieder hier - bzw. nur indirekt? Boris
ist doch der absolute Freak (arbeitet er immer noch mit seinem 8-Bit Apple
II??) und bereichert jedes Forum.Das zeigt nicht nur dieser Beitrag.

Sehe ich auch so. Drei Jahre Abstinenz sollten genug sein und seine
Beiträge waren fast immer lesenswert. Aber das muss
Boris entscheiden. Er ist da aber hart mit sich selbst so wie es aussieht.

Georg

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Re: Auch Bocksdickfuss ...Stimme W. zu *oT*

hansuwe, (vor 8827 Tagen) @ Werner

- kein Text -

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Geschmacksfragen :-)

Birgit, (vor 8827 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

Ich moechte meinen Vorrednern nur beipflichten :-) Ich kann nicht verstehen,
was an diesem Rezept noch nach Pilz schmecken soll: Insbesondere diese
Zutaten lassen mich eher an Chilli con carne denken, denn an ein
Pilzgericht.
2 kleine Dosen Kidney Bohnen
1 Tomate
1 Zwiebel
1 Handvoll Speckwürfel
3 getrocknete Chilischoten
Gewürze: Cayennepfeffer
Seit ich Gisela Lockwalds Pilzkochbuch "Pilzgerichte, noch feiner"
gelesen habe, begehe ich derartige "kulinarische
Schwerverbrechen" nicht mehr. Mit dem Rezept kann man ja wohl sogar
noch Bocksdickfuss und erwachsene Stinkmorcheln ertragen, da sie nach
Zwiebeln, Chilli und Speck schmecken.

Gisela Lockwalds Kochbuch in allen Ehren, ich habs selber. Aber ihre strikte Verbannung von Speck und Zwiebeln aus der Pilzküche kann ich nicht teilen. Und nach der xten Sahnesauce nach einem ihrer Rezepte, hängen einem die Sahnesaucen auch mal zum Hals raus (ganz zu schweigen davon, daß man nur selten einen Kapaun, einen Hecht oder ein Täubchen griffbereit hat ;-)). Wie fast immer im "richtigen" Leben liegt die Wahrheit in der Mitte und ist - vermaledeit nochmal ;-) - auch noch individuell unterschiedlich. Als kulinarische Sünde würde ich z.B. Reizker in Sahne bezeichnen, ein Rezept aus dem Lockwaldschen Kochbuch, wos mich schüttelt. Reizker gehören gebraten und ein kleines bißchen Cayennepfeffer paßt hervorragend dazu, dann noch ein Rührei machen und die fertig gebratenen Reizker druntermischen, lecker :-), Reizker können das vertragen die haben ja ein starkes Aroma. Maronen mache ich sehr gerne mit SPeck oder Schinken, meist ohne Sahne und am SCHluß kommt noch etwas Petersilie dazu, auch hier kommt das Aroma problemlos damit klar. Bei Trompetenpfifferlingen halte ich hingegen Zwiebel und Speck fast für ein Verbrechen, da paßt auch keine Petersilie dazu, allerhöchstens am SChluß ein Klacks Creme fraiche, das gleiche gilt für Morcheln wobei ich da der süßen Sahne den Vorzug gebe. Totentrompeten finde ich in einer Sahnesauce auch nicht so gut. Ach und dann erinnere ich mich auch noch an einen Pilztoast mit Käse und Tomaten aus dem Lockwaldschen Kochbuch, auch nicht besser als Speck und Zwiebeln.

ALso seid mal nicht gar so dogmatisch. Ich hab diese Kritikwelle ja angestoßen, aber das war eher scherzhaft gemeint. Interessant an diesem Rezept ist jedenfalls die Verwendung eines jungen Satanspilzes, der im Gegensatz zu Adis Meinung auch nicht besonders für eine Entgiftung behandelt behandelt wurde, sondern nur max. 15 min erhitzt wurde. Auch wenn bei nur einer einzigen Testperson nicht davon ausgegangen werden kann, daß Satanspilze ungiftig sind (schließlich gibts auch Leute die Karbolchampignons vertragen), kann man doch an diesem Besispiel sehen, daß der Pilz eigentlich nicht stark giftig sein kann. Wer weiß, vielleicht gilt der Satanspilz in 50 Jahren auch nur noch als roh giftig, wie flockenstieliger und netzstieliger Hexenröhrling. Es wäre vermutlich nicht der erste Pilz, dem dieses wiederfahren würde.

Liebe Grüße

Birgit

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Schön, daß du wieder da bist :-)))) *oT*

Birgit, (vor 8827 Tagen) @ Leonie

- kein Text -

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Konsequent undogmatische Antwort :-)))

Werner, (vor 8827 Tagen) @ Birgit

Hallo Werner,
Gisela Lockwalds Kochbuch in allen Ehren, ich habs selber. Aber ihre strikte
Verbannung von Speck und Zwiebeln aus der Pilzküche kann ich nicht teilen.

Doch, der Speck leuchtet mir schon ein. Die Zwiebeln in sehr geringen Mengen gehen ja noch. Aber Speck macht doch jedes feinere Pilzaroma zunichte! Zu grausamen Pilzen (fuer mich sind das z.B. Lepista nuda) kann man das ja zulassen und insofern mag der Satanspilz ja auch dazugehoeren ...

Und nach der xten Sahnesauce nach einem ihrer Rezepte, hängen einem die
Sahnesaucen auch mal zum Hals raus (ganz zu schweigen davon, daß man nur
selten einen Kapaun, einen Hecht oder ein Täubchen griffbereit hat ;-)).

Was die Kapaun usw. Rezepte angeht, gebe ich Dir recht. Die halte ich auch fuer *leicht* ueberzogen. Nur - es sind ja bei Weitem nicht nur Sahnesaucen im Buch ... habe grade noch mal nachgelesen. Aber, ich stimme mit Lockwald ueberein, dass Sahne das Aroma feinerer Pilze herausbringt - was keinesfalls heissen muss, dass man immer und ueberall Sahne dazukippen muss :-)

Wie fast immer im "richtigen" Leben liegt die Wahrheit in der
Mitte und ist - vermaledeit nochmal ;-) - auch noch individuell
unterschiedlich.

Gebe ich Dir voll und ganz recht. Nur gibt's halt doch wieder Sachen, die den Gourmet vom McDonaldisten unterscheiden. Rechne mich zu keinem von beiden, da ich ein Wanderer zwischen den Welten bin *bg*

Aber, wer wuerde schon Kaviar mit Speck und Zwiebeln braten? Sicher, man kann sagen: wem's schmeckt. Aber dann muss man auch sagen duerfen: der hat keinen blassen Schimmer von Kaviar. Kommt mir so vor, wie manche Muenchner Schickis.

Als kulinarische Sünde würde ich z.B. Reizker in Sahne

bezeichnen, ein Rezept aus dem Lockwaldschen Kochbuch, wos mich schüttelt.

Kann ich nicht beurteilen, muss ich doch glatt mal probieren :-)

Reizker gehören gebraten und ein kleines bißchen Cayennepfeffer paßt
hervorragend dazu, dann noch ein Rührei machen und die fertig gebratenen
Reizker druntermischen, lecker :-), Reizker können das vertragen die haben
ja ein starkes Aroma.

Wenn Du das sagst, muss ich das auch mal probieren. Wieso hast Du uns eigentlich in Hornberg nicht damit beglueckt *frech grinsend fragend*

Maronen mache ich sehr gerne mit SPeck oder

Schinken, meist ohne Sahne und am SCHluß kommt noch etwas Petersilie dazu,
auch hier kommt das Aroma problemlos damit klar.

Jo, jo. Oje. Maronen. Ein Trauma. Habe immer noch nicht ausreichend junge Exemplare gefunden, um das mit dem Huthautabschneiden auszuprobieren. Aber - Maronen gehoeren irgendwie zu meinen Hassliebepilzen. Hass, weil in meinen Lieblingszubereitungsformen immer schleimig. Liebe, weil hier ein wahrer Massenpilz.

Gluecklicherweise habe ich aber vorgestern statt der erwarteten Maronen Pfifferlinge und Trompetenpfiffer gefunden. Hat mich sehr, sehr angenehm ueberrascht. Im direkten Umland von Muenchen sind naemlich beide relativ selten, im Vergleich zu Maronen und Safranschirmlingen.

Anyway, die Maronen mag ich immer weniger und koennte mir deshalb vorstellen, an denen ein Speckverbrechen zu begehen ...

Bei

Trompetenpfifferlingen halte ich hingegen Zwiebel und Speck fast für ein
Verbrechen, da paßt auch keine Petersilie dazu, allerhöchstens am SChluß
ein Klacks Creme fraiche, das gleiche gilt für Morcheln wobei ich da der
süßen Sahne den Vorzug gebe. Totentrompeten finde ich in einer Sahnesauce
auch nicht so gut. Ach und dann erinnere ich mich auch noch an einen
Pilztoast mit Käse und Tomaten aus dem Lockwaldschen Kochbuch, auch nicht
besser als Speck und Zwiebeln.

Naja, bei den Trompeten sind wir uns ja einig. Aber, was soll am Pilztoast so furchtbar sein? Kommt natuerlich auf den Kaese an - Gorgonzola oder Romadur waeren wohl schon ein Verbrechen - milder Butterkaese m.E. nicht. Muss ich aber noch probieren :-)

ALso seid mal nicht gar so dogmatisch. Ich hab diese Kritikwelle ja
angestoßen, aber das war eher scherzhaft gemeint.

Ich und dogmatisch? Siehe meine Titelzeile! Ich gehoere zu den Leuten, die jedes denkbare pilzkulinarische Verbrechen gestehen - gell, Andi, ca. 5 kg Gallenroehrlinge!!! Nur, ich habe seit 1 Jahr ein klein bisschen dazugelernt und Curry bleibt nun in der Dose, desgleichen diverse andere drastische Gewuerze. Das halte ich nicht fuer dogmatisch, sondern einen positiven Lerneffekt. Ich wusste z.B. ewig lang nicht, wie Perlpilze schmecken. Ich habe die immer ins Mischgericht geschmissen, mit Speck, reichlich Zwiebeln und Curry "abgeschmeckt" und dann gemeint, ich haette Pilze gegessen! So erging es mir mit vielen essbaren Arten. Ich will ja niemand davon abbringen, weiter Pilz con chilli, Currypilz und dgl. zu brutzeln. Aber, ich wuerde auch gerne andere zum Nachdenken anregen, die heute die gleichen Fehler machen, die ich Jahrzehnte lang gemacht habe. Ich betrachte das jedenfalls als positiven Lernprozess vom Pilzmcdonald zum Pilzhalbgourmet :-)

Interessant an diesem

Rezept ist jedenfalls die Verwendung eines jungen Satanspilzes, der im
Gegensatz zu Adis Meinung auch nicht besonders für eine Entgiftung
behandelt behandelt wurde, sondern nur max. 15 min erhitzt wurde. Auch
wenn bei nur einer einzigen Testperson nicht davon ausgegangen werden
kann, daß Satanspilze ungiftig sind (schließlich gibts auch Leute die
Karbolchampignons vertragen), kann man doch an diesem Besispiel sehen, daß
der Pilz eigentlich nicht stark giftig sein kann. Wer weiß, vielleicht
gilt der Satanspilz in 50 Jahren auch nur noch als roh giftig, wie
flockenstieliger und netzstieliger Hexenröhrling. Es wäre vermutlich nicht
der erste Pilz, dem dieses wiederfahren würde.

Da bin ich wieder voll auf Deiner Linie. Ich bin ein Anhaenger der These: das Gift macht nur die Menge. Siehe Bruchreizker. Aber ich bin auch ueberzeugt davon - auch wenn ich keine Selbstversuche mache - ,dass sogar A. phalloides in geringsten Mengen unbeschadet ueberstanden wird. So koennte ich mir gut vorstellen, dass man ihn zwecks Geschmacksprobe kauen und ausspucken kann. Nur, warum sollte ich :-) Aber, die Dramatisierung seitens gewisser offizieller Pilzverbaende z.B. hinsichtlich des Gruenlings kann ich nicht nachvollziehen. Das ist halt die neue Zeit, wo man jegliches Minimalrisiko durch "Verbote" ausschliessen will und dabei ganz nebenbei die Lebensfreude zerstoert. Das meine ich jetzt nicht nur auf Pilze bezogen. Ich erlebe das immer wieder in den USA, wo heutzutage von vielen Zivilisationsbuergern die Natur als so gefaehrlich angesehen wird, dass man beispielsweise beim Baden in Gebirgsfluessen Gummischuhe traegt, weil sonst die "hook worms" die Sohlen befallen koennten. Und das im Volke Daniel Boones und Jesse James' :-)

So, jetzt habe ich mich aber philosophisch wieder verausgabt und bevor ich anfange, darueber zu sinnieren, warum ich nicht "filosofisch" schreibe, trete ich lieber ab.

Mit unkonventionellen, politisch unkorrekten und undogmatischen Gruessen,

Werner

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Re: Geschmacksfragen :-)

Leonie, (vor 8826 Tagen) @ Birgit

Birgit, ich kann Deinen Ausführungen in jeder Beziehung zustimmen. Ich mag den Dogmatismus von Gisela Lockwald auch nicht, auch wenn Ihr Buch gute Anregungen gibt. Für mich überbewertet sie die Aromen der Pilze total. Und die Butter- und Sahnesoßenmacherei ist eigentlich auch überholt, aber ich stehe ab und auch da drauf. Und 'ne "Maronenpfanne" mit Speck und Zwiebeln (und mit glatter Petersilie umso besser) hat doch auch was. Und von Rösch gebrutzelten Reizkern ganz zu schweigen.

Hallo Werner,
Gisela Lockwalds Kochbuch in allen Ehren, ich habs selber. Aber ihre strikte
Verbannung von Speck und Zwiebeln aus der Pilzküche kann ich nicht teilen.
Und nach der xten Sahnesauce nach einem ihrer Rezepte, hängen einem die
Sahnesaucen auch mal zum Hals raus (ganz zu schweigen davon, daß man nur
selten einen Kapaun, einen Hecht oder ein Täubchen griffbereit hat ;-)).
Wie fast immer im "richtigen" Leben liegt die Wahrheit in der
Mitte und ist - vermaledeit nochmal ;-) - auch noch individuell
unterschiedlich. Als kulinarische Sünde würde ich z.B. Reizker in Sahne
bezeichnen, ein Rezept aus dem Lockwaldschen Kochbuch, wos mich schüttelt.
Reizker gehören gebraten und ein kleines bißchen Cayennepfeffer paßt
hervorragend dazu, dann noch ein Rührei machen und die fertig gebratenen
Reizker druntermischen, lecker :-), Reizker können das vertragen die haben
ja ein starkes Aroma. Maronen mache ich sehr gerne mit SPeck oder
Schinken, meist ohne Sahne und am SCHluß kommt noch etwas Petersilie dazu,
auch hier kommt das Aroma problemlos damit klar. Bei
Trompetenpfifferlingen halte ich hingegen Zwiebel und Speck fast für ein
Verbrechen, da paßt auch keine Petersilie dazu, allerhöchstens am SChluß
ein Klacks Creme fraiche, das gleiche gilt für Morcheln wobei ich da der
süßen Sahne den Vorzug gebe. Totentrompeten finde ich in einer Sahnesauce
auch nicht so gut. Ach und dann erinnere ich mich auch noch an einen
Pilztoast mit Käse und Tomaten aus dem Lockwaldschen Kochbuch, auch nicht
besser als Speck und Zwiebeln.
ALso seid mal nicht gar so dogmatisch. Ich hab diese Kritikwelle ja
angestoßen, aber das war eher scherzhaft gemeint. Interessant an diesem
Rezept ist jedenfalls die Verwendung eines jungen Satanspilzes, der im
Gegensatz zu Adis Meinung auch nicht besonders für eine Entgiftung
behandelt behandelt wurde, sondern nur max. 15 min erhitzt wurde. Auch
wenn bei nur einer einzigen Testperson nicht davon ausgegangen werden
kann, daß Satanspilze ungiftig sind (schließlich gibts auch Leute die
Karbolchampignons vertragen), kann man doch an diesem Besispiel sehen, daß
der Pilz eigentlich nicht stark giftig sein kann. Wer weiß, vielleicht
gilt der Satanspilz in 50 Jahren auch nur noch als roh giftig, wie
flockenstieliger und netzstieliger Hexenröhrling. Es wäre vermutlich nicht
der erste Pilz, dem dieses wiederfahren würde.
Liebe Grüße
Birgit