Typhula - Keulen mit Sklerotium, von Kazuya *PIC*

Notizbrettbildservice, (vor 8765 Tagen)

Hallo,
wie die Umfrage ergeben hat, seid ihr wohl nicht so sehr interessiert an kleine Becherlinge. Das macht nichts. Meine Fotosammlung hat eine wahre Größe, und viele schöne Fotos warten noch auf eure Besichtigung. Nun kommen wir zu einer Gattung mit ca. 30 - 40 mitteleuropäischen Arten, die oft etwas in den Hintergrund getreten ist, da die Arten leicht übersehen werden oder selten in der Literatur enthalten sind. Sicher wurde noch nie ein Foto im Forum veröffentlicht, und wenn, dann nur sehr selten. Die Gattung heißt Sklerotienkeulchen (Typhula). Alle Arten sind recht winzig (oder hoch und dann sehr dünn) und besiedeln Pflanzenreste oder leben als Schädlinge an z.B. Klee. Sie müssen gezielt gesucht werden. Nach meinen untersuchungen müsste das schnell zum Erfolg führen, da die Arten, die aus einem überwinterden Sklerotium (Dauerfruchtkörper, bestehend aus verflochtenen Hyphen) entspringen, recht häufig auftreten. Dazu sucht man in der Laubschicht, an feuchten Stellen, in Adlerfarnbeständen oder an krautigen Stengeln.
Nicht nur in der Natur häufig, sondern auch in Büchern recht gut verbreitet ist das Rotbraunstielige Sklerotien-Keulchen (Typhula erythropus). Es zählt zu den am leichtesten Bestimmbaren Keulchen. Denn der weiße, fertile Kopfteil und der rötliche, sterile Stielteil sowie das Vorkommen in der Laubschicht auf abgestorbenen Blattstielen von diversen Bäumen machen diese Art unverwechselbar.
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Erscheinungszeit: Im Herbst. Recht häufig.
Viel größer und trotzdem wenig auffallend ist das Linsen-Sklerotienkeulchen (Typhula phacorrhiza). Hier ist der fertile Kopfteil honigfarben. Etwas dunkler ist der Stielteil.
Der Fruchtkörper ist extrem schlank und wird bis 10 cm hoch.
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Erscheinungszeit: Herbst. Häufig.
Das Adlerfarn-Sklerotienkeulchen (Typhula quisquiliaris) ist, wie der Name schon sagt, an ganz anderen Standorten gebunden. Es besiedelt tote Stengel von Adlerfarn (Pteridium). Die Freuchtkörper sind ganz weiß und werden bis 7 mm hoch. Sie wachsen oft in Reihen, ihre Sklerotien sind in der oberen Schicht des Stengels eingegraben.
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Erscheinungszeit: Herbst bis Winter. Nicht selten.
Weniger bekannt und sehr klein ist das Bostenfüßige Sklerotienkeulchen (Typhula setipes). Die Fruchtkörper besiedeln gesellig abgestorbene Blätter von diversen
Laubbäumen. Sie sind weißlich, der Stielteil ist von feinen Härchen (Kaulozystiden) überzogen (Im Foto leider nicht erkennbar, nicht scharf genug), die nur schwer unter der Lupe auszumachen sind.
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Erscheinungszeit: Herbst bis Winter. Häufig.
Die Gattung Typhula wurde früher "Pistillaria" genannt. Diese Keulen besitzen kein Sklerotium und wachsen ebenfalls an verschiedenen Pflanzenresten. Viele
"Pistillaria"-Arten sind zur Gattung Typhula umkombiniert worden.
So, das wars, ich hoffe, es ist interessant.
Viele Grüße,
Kazuya

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Sehr interessant ! *oT*

Werner Edelmann, (vor 8765 Tagen) @ Notizbrettbildservice

- kein Text -

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Re: Typhula - Keulen mit Sklerotium, von Kazuya

Karl Keck ⌂, (vor 8764 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Und ob das interessant ist, Kazuya!
T. phacorrhiza kann makroskopisch m. E. leicht mit einer Macrotyphula verwechselt werden (den Artnamen habe ich leider nicht parat).
Mach nur weiter so!
Gruß Karl

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Re: Typhula - Keulen mit Sklerotium, von Kazuya

Klaus, (vor 8764 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Hallo Kazuya,
erstmal ein Lob dafür, auch mal so eine Gattung wie Typhula ins Blickfeld zu rücken. Zu deinen Becherlingen nochmal kurz: Die waren schon sehr interessant, aber ohne Mikromerkmale bleibt da doch vieles Rätselraterei.
Jetzt noch ein paar Anmerkungen zum aktuellen Beitrag:
Viele gute Beschreibungen und auch Bilder sowie einen brauchbaren Schlüssel findest du in KRIEGLSTEINER (2000). Als deutscher Name würde mir Fadenkeulchen besser gefallen, denn Sklerotien findet man keineswegs bei jeder Typhula. Mindestens 90 % aller T. setipes-Funde dürften ohne entsprechendes Sklerotium stattfinden. Wobei in vielen Fällen gerade dessen Struktur und Beschaffenheit ein wichtiges Bestimmungsmerkmal bildet (neben Sporen und Stielhaaren).

Gattung heißt Sklerotienkeulchen (Typhula). Alle Arten sind recht winzig
(oder hoch und dann sehr dünn) und besiedeln Pflanzenreste oder leben als
Schädlinge an z.B. Klee.

Es gibt auch lignicole Typhulas (u.a. T. spathulata u. T. piceicola).

Zu T. phacorrhiza: Bei Abbildungen ohne die typischen und auffälligen Sklerotien, die bei dieser Art im Gegensatz T. setipes immer vorhanden sind, bin ich immer etwas skeptisch, sieht doch Macrotyphula filiform. fast genauso aus. Für Anfänger zwei absolut kritische Arten!

Die Gattung Typhula wurde früher "Pistillaria" genannt.

Das bezog sich nur auf einige der heutigen Typhulas. Mittlerweile gibt es ja dank BERTHIER einen guten Überblick. Er hat diese schöne Gattung in verschiedene Untergattungen wie Microtyphula oder Cnazonaria aufgeteilt, aber das führt jetzt sowieso schon zu weit.
Ich bin schon mal auf die nächsten Arten gespannt.
Schöne Grüße
Klaus

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Re: Typhula - Keulen mit Sklerotium, von Kazuya

Klaus, (vor 8763 Tagen) @ Klaus

Kleiner nomenklatorischer Hinweis!!
Ehe jetzt jemand durcheinander kommt:
Typhula filiformis Fries heißt heute natürlich Macrotyphula juncea (Fr.) Berthier 1974.
Ciao
Klaus