Champignon-Frage *PIC*

UmUlmHerum, (vor 2236 Tagen)

Hallo miteinander!

Diese Champignons fand ich letzten Freitag in einem jungen Mischwald, hauptsächlich Fichte, aber auch Birke, Espe, Hainbuche, Eiche, Weide, Erle – ein ehemaliger Windbruch von Wiebke. Die Stelle kenne ich seit vielen Jahren, diese Art sah ich dort aber erstmalig.

Nach Moser komme ich ohne wirkliche Zweifel zu Agaricus squamulifer:
Fleisch ± rötend
hängender Ring
in Wäldern wachsend
–> 3.6.1.2 Rubescentes p.p.
Hut weiß bzw. schwach gefärbt, ..., feinschuppig (nicht "Hut braun")
Fleisch verletzt stärker rötend (versus "höchstens schwach rötend")
Hut fein schuppig (versus "kahl" – führt zu A. benesii und deylii)
Hut dickfleischig, usw., – A. squamulifer

In Pilze-Deutschland sind A. benesii und A. squamulifer synonym?!
A. benesii rötet aber viel stärker (blutrot) und hat einen quasi kahlen Hut – das ist für mich und den Moser-Schlüssel was Verschiedenes.

Wenn ich nach dem 2. Rubescentes-Teil des Moser-Schlüssels gehe, so sollte der Pilz auf gedüngten Flächen wie, wenn nicht auf Wiese, allenfalls auf Viehweiden im Wald gedeihen. Also, am Fundort ist weder ein spezielles Rehklo noch ein typisches Wanderer-WC. Begleitpilze in dieser Ecke: verschiedene Täublinge, Waldchampignons (richtig braun, langei oder silvaticus oder so), Birken-Raufüße. Die Arten dieses Moser-Teils passen auch alle nicht wirklich. Der Gegürtete (A. subpersonatus), der meinem Fund am nächsten kommt, müsste Zystiden haben, "fruchtartig bis unangenehm süßlich" riechen und hätte größere Sporen.

Noch ein paar technische Daten zusätzlich zu den Fotos:
Am Sonntag ca. 15 Frk., sehr früh madig (kein Wunder bei dem heißen Wetter), Hut-Ø 12...13 cm, kräftige Gesamtstatur, kein besonderer Geruch, keine Zystiden, Sporen 5,0...6,5 x 3,3...4,2 µm

Diese braunen Ringstrukturen im unteren Stielteil hatten nur die beiden jüngeren Frk., die ausgewachsenen Exemplare haben da unten nur weißliche Flöckchen und eine leicht verdickte Stielbasis.

Was haltet Ihr von diesem Fund?

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Re: Champignon-Frage

leofelsle, (vor 2235 Tagen) @ UmUlmHerum

hallo Rika,
ich würde es versuchsweise im Schlüssel mal mit der Alternative "Hut braun" versuchen. Da wirst Du wohl bei irgendeinem Waldchampignon landen..
Gruß
Michael

Hallo miteinander!
Diese Champignons fand ich letzten Freitag in einem jungen Mischwald,
hauptsächlich Fichte, aber auch Birke, Espe, Hainbuche, Eiche, Weide, Erle
– ein ehemaliger Windbruch von Wiebke. Die Stelle kenne ich seit vielen
Jahren, diese Art sah ich dort aber erstmalig.
Nach Moser komme ich ohne wirkliche Zweifel zu Agaricus squamulifer :
Fleisch ± rötend
hängender Ring
in Wäldern wachsend
–> 3.6.1.2 Rubescentes p.p.
Hut weiß bzw. schwach gefärbt, ..., feinschuppig (nicht "Hut
braun")
Fleisch verletzt stärker rötend (versus "höchstens schwach rötend")
Hut fein schuppig (versus "kahl" – führt zu A. benesii und deylii)
Hut dickfleischig, usw., – A. squamulifer
In Pilze-Deutschland sind A. benesii und A. squamulifer synonym?!
A. benesii rötet aber viel stärker (blutrot) und hat einen quasi kahlen Hut –
das ist für mich und den Moser-Schlüssel was Verschiedenes.
Wenn ich nach dem 2. Rubescentes-Teil des Moser-Schlüssels gehe, so sollte
der Pilz auf gedüngten Flächen wie, wenn nicht auf Wiese, allenfalls auf
Viehweiden im Wald gedeihen. Also, am Fundort ist weder ein spezielles
Rehklo noch ein typisches Wanderer-WC. Begleitpilze in dieser Ecke:
verschiedene Täublinge, Waldchampignons (richtig braun, langei oder
silvaticus oder so), Birken-Raufüße. Die Arten dieses Moser-Teils passen
auch alle nicht wirklich. Der Gegürtete (A. subpersonatus), der meinem
Fund am nächsten kommt, müsste Zystiden haben, "fruchtartig bis
unangenehm süßlich" riechen und hätte größere Sporen.
Noch ein paar technische Daten zusätzlich zu den Fotos: Am Sonntag ca. 15
Frk., sehr früh madig (kein Wunder bei dem heißen Wetter), Hut-Ø 12...13
cm, kräftige Gesamtstatur, kein besonderer Geruch, keine Zystiden, Sporen
5,0...6,5 x 3,3...4,2 µm
Diese braunen Ringstrukturen im unteren Stielteil hatten nur die beiden
jüngeren Frk., die ausgewachsenen Exemplare haben da unten nur weißliche
Flöckchen und eine leicht verdickte Stielbasis.
Was haltet Ihr von diesem Fund?

Re: Champignon-Frage

UmUlmHerum, (vor 2235 Tagen) @ leofelsle

hallo Rika,
ich würde es versuchsweise im Schlüssel mal mit der Alternative "Hut
braun" versuchen. Da wirst Du wohl bei irgendeinem Waldchampignon
landen..
Gruß
Michael

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Hallo Michael,

dank´ Dir für Deine Antwort!
Ich hab´ die Braunhütigen schon auch durchgeschaut... und komme da auch nicht weiter. Die Teile sind kaum kleiner als der Riesen-Egerling (A. arvenis). Und dann dieser komische Ring!? Die Rundsporer fallen schon mal weg, Cheilos habe ich auch nicht gefunden... Mal schauen, ob noch eine gute Idee reinkommt.

Viele Grüße – Rika

P.S.: Mein Rechner ist gerade am Abnippeln, habe noch keinen Ersatz – weiß nicht, wann ich wieder antworten kann :-(

Re: Champignon-Frage

leofelsle, (vor 2234 Tagen) @ UmUlmHerum

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Hallo Michael,
dank´ Dir für Deine Antwort!
Ich hab´ die Braunhütigen schon auch durchgeschaut... und komme da auch nicht
weiter. Die Teile sind kaum kleiner als der Riesen-Egerling (A. arvenis).
Und dann dieser komische Ring!? Die Rundsporer fallen schon mal weg,
Cheilos habe ich auch nicht gefunden... Mal schauen, ob noch eine gute
Idee reinkommt.
Viele Grüße – Rika
P.S.: Mein Rechner ist gerade am Abnippeln, habe noch keinen Ersatz – weiß
nicht, wann ich wieder antworten kann :-(

hallo Rika,
jetzt hat es mir doch keine Ruhe gelassen und ich habe mich in meine Champignonliteratur gestürzt (in diesem Fall Fungi Europaei/ Agaricus von L.A.P. Sanchez) Ich komme da zu A. benesii und da passt die ganze Beschreibung eigentlich ganz gut, vor allem der doppelte Ring mit dem Zahnkranz, das Vorkommen im Nadelwald und die Gürtelung an der Stielbasis. Species Fungorum führt A. benesii und A. squamulifer als Synonyme mit ersterem als gültigem Namen. Horak gibt für benesii "rel. dünnfleischig" an, was für die zahlreichen Abbildungen bei Sanchez allerdings nicht zutrifft. In PdS ist von Zwischenformen die Rede.

Gruß
Michael

Re: Champignon-Frage

UmUlmHerum, (vor 2234 Tagen) @ leofelsle

hallo Rika,
jetzt hat es mir doch keine Ruhe gelassen und ich habe mich in meine
Champignonliteratur gestürzt (in diesem Fall Fungi Europaei/ Agaricus von
L.A.P. Sanchez) Ich komme da zu A. benesii und da passt die ganze
Beschreibung eigentlich ganz gut, vor allem der doppelte Ring mit dem
Zahnkranz, das Vorkommen im Nadelwald und die Gürtelung an der Stielbasis.
Species Fungorum führt A. benesii und A. squamulifer als Synonyme mit
ersterem als gültigem Namen. Horak gibt für benesii "rel.
dünnfleischig" an, was für die zahlreichen Abbildungen bei Sanchez
allerdings nicht zutrifft. In PdS ist von Zwischenformen die Rede.
Gruß
Michael

Hallo Michael,

herzlichen Dank für Deine Mühe! In der Pilze-Deutschland-Kartierung hatte ich auch gelesen, dass benesii und squamulifer synonym seien. A. benesii kenne ich halt viel stärker rötend (blutrot) und mit recht kahlem Hut. Aber anscheinend sind die beiden Arten wohl zumindest sehr nah verwandt. Deine Beschreibungen passen ja auch ganz gut, und doppelte Ringe sind nicht soo häufig. Jedenfalls habe ich diese Champignon-Art noch nie gesehen (A. benesii dagegen schon ;-)).

Gibt es nach Deiner Recherchen noch was, das ich zur Absicherung untersuchen könnte?

LG – Rika

Re: Champignon-Frage

leofelsle, (vor 2234 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Michael,
herzlichen Dank für Deine Mühe! In der Pilze-Deutschland-Kartierung hatte ich
auch gelesen, dass benesii und squamulifer synonym seien. A. benesii kenne
ich halt viel stärker rötend (blutrot) und mit recht kahlem Hut. Aber
anscheinend sind die beiden Arten wohl zumindest sehr nah verwandt. Deine
Beschreibungen passen ja auch ganz gut, und doppelte Ringe sind nicht soo
häufig. Jedenfalls habe ich diese Champignon-Art noch nie gesehen (A.
benesii dagegen schon ;-)).
Gibt es nach Deiner Recherchen noch was, das ich zur Absicherung untersuchen
könnte?
LG – Rika

hallo Rita,
fällt mir im Moment nichts ein, ich werde Lothar mal fragen, sehe ihn im Seminar morgen.
Gruß
Michael

Re: Champignon-Frage

UmUlmHerum, (vor 2233 Tagen) @ leofelsle

hallo Rita,
fällt mir im Moment nichts ein, ich werde Lothar mal fragen, sehe ihn im
Seminar morgen.
Gruß
Michael

Vielen Dank, Michael!! Sag´ ihm schöne Grüße. Ich bin gespannt.
Wenn mein uralter Rechner nicht gerade dauernd am Abstürzen wäre, würde ich ihn ja selber fragen...
LG – Rika

Re: Champignon-Frage

UmUlmHerum, (vor 2232 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Michael,

vorhin hat sich Christoph H. die Zeit genommen und ist mit mir telefonisch den Para-Schlüssel durchgegangen: Vorausgesetzt, ich finde noch Cheilos, sollte es entweder A. benesii oder silvaticus (jeweils atypisch) sein. Dann könnte man anhand der Farbe des Huts bei Trockung + Schäffer-Test diese Beiden unterscheiden. Ich hol´ nochmal Frischmaterial... es ist noch einiges vorhanden, wie ich heute sah.

Viele Grüße – Rika

Re: Champignon-Frage Agaricus benesii

UmUlmHerum, (vor 2225 Tagen) @ UmUlmHerum

Hallo Michael,
vorhin hat sich Christoph H. die Zeit genommen und ist mit mir telefonisch
den Para-Schlüssel durchgegangen: Vorausgesetzt, ich finde noch Cheilos,
sollte es entweder A. benesii oder silvaticus (jeweils atypisch) sein.
Dann könnte man anhand der Farbe des Huts bei Trockung + Schäffer-Test
diese Beiden unterscheiden. Ich hol´ nochmal Frischmaterial... es ist noch
einiges vorhanden, wie ich heute sah.
Viele Grüße – Rika

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Hallo Michael (und alle anderen)!

Inzwischen hat sich nach Para (= Sanchez) A. benesii herauskristallisiert: blasig-birnenförmige Cheilos, und beim Trocknen wird nur der Stiel braun (genau genommen werden die Teile braun, die im frischen Zustand röten), Huthaut und -trama bleiben ziemlich unverändert hell. Fotos kann ich im Moment leider nicht einstellen, erst brauche ich eine Kopie meiner alten Festplatte.

Da A. squamulifer nun synonym zu A. benesii ist, hatte auch Moser recht. Er hat die "Waldform" A. squamulifer zugeordnet, während A. benesii auf der Wiese wächst und normalerweise hellere Schuppen hat. Aber die Farben sind bei den Champis genauso unzuverlässig wie bei den Täublingen...

Noch mal herzlichen Dank an Michael (und natürlich Christoph, falls er hier reinschaut) und viele Grüße - Rika