Becherlinge - wer kennt sie? *PIC*

Rainer Albert, (vor 1663 Tagen)

Hallo Pilzfans,

diesmal eine Frage an die, die sich mit Becherlingen auskennen.

Fundort: Neustift/Stubaital --> Oberberg auf 1500 m neben einer Alm auf einem großen Haufen mit verrottendem Material (Holz/Astschnitzel, Nadeln, Rinde, eventuell auch Stroh(?) etc.. --> siehe Foto).

Menge: viele zusammenhängende Flächen mit kleineren Exemplaren und Inseln mit größeren Exemplaren.

Vielen Dank im Voraus für jegliche Info und natürlich viele Grüße an Euch alle aus dem schönen Stubaital von

Rainer

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Re: Becherlinge - wer kennt sie?

Gelbfieber, (vor 1663 Tagen) @ Rainer Albert

Hallo und guten Tag Rainer,

hast du einen Beleg deines Fundes?

Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

Re: Becherlinge - wer kennt sie? *PIC*

Rainer Albert, (vor 1662 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo Gelbfieber & Co,

alle Fotos sind georeferenziert (Fotos vom 10. April - Nikon D5600 mit GPS-Aufsatz; Wanderung mit GPS-Tracker;
Fotos vom 11. April - Lumix/Panasonic TZ41 mit internem GPS-Sensor; ich war heute nach dem Schifahren nochmals dort wegen der besseren Lichtverhältnisse).

Zwecks näherer Bestimmung habe ich ein paar Exemplare mitgenommen - sind im Kühlschrank --> Foto. Die kleinen Exemplare kommen direkt aus den Ästchen hervor. Pilzliteratur habe ich bei meinem Schiurlaub leider nicht im Koffer.

Ich glaube, daß sollte/könnte reichen.

Viele Grüße nochmals aus dem Stubaital

Rainer

Hallo und guten Tag Rainer,
hast du einen Beleg deines Fundes?
Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

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Der Pilz hat einen Namen *PIC*

Gelbfieber, (vor 1638 Tagen) @ Rainer Albert

Hallo und guten Tag,

eins Vorab, Rainer hat etwas ganz Gutes gefunden!

Ohne lange Vorreden, hier die mikroskopischen Merkmale und meine Einschätzung:

Sporen: Schmal elliptisch, hyalin, dickwandig, 15 – 17 x 7,5 – 9µm Q 2, Ornament sehr fein, flachwarzig, 0,2 – 0,5µm Durchmesser, teilweise gratig verbunden. Ornament an den Polen verstärkt, einer Kappe ähnlich.
Paraphysen: Monoliform, inkrustiert, oben leicht verdickt.
Asci: Achtsporig, 235 – 265 x 11 – 16µm
Gewebe: Unterhalb der Fruchtschicht globulosa, mittlere Schicht prismatica/intricata, außen angularis/globulosa.

Nach Auswertung der makro- und mikroskopischen Merkmale und Hinzunahme der frühen Erscheinungszeit, komme ich zum Ergebnis das es sich bei dem Fund um Peziza moravecii handelt.
Mit den sehr markanten Sporen, speziell deren Form und Ornament bin ich rel. schnell zu den Arten Peziza merdae und P. moravecii gekommen. P. merdae kenne ich aus eigenen Aufsammlungen und schließe sie u. a. aufgrund anderer Sporenornamentierung aus.

Nach Rücksprache mit dem Mykologen und Peziales-Fachmann Nicolas van Vooren, sind die perlschurartigen Paraphysen die für diese Art in der Literatur nicht erwähnt werden, im „Normalbereich“, da sie sich je nach Witterung und Reifestadium verändern können.

Bemerkung: Das Sporenornament ist sehr flach, so dass man es kaum sieht. Dem Ornament bin ich auf die Spur gekommen, da ich gesehen habe das bei einigen Sporen (H2O - im optischen Schnitt) die Sporenwände an den Polen leicht wellig sind und eine Farbschattierung hell/dunkel türkisblau (siehe innerer blauer Rand an den Sporenpolen), zu sehen war.
Die schon erwähnte verstärkte Ornamentbildung an den Sporenpolen zeige ich in mehreren Ebenen auf Seite 5. Der Einsatz von Baumwollblau, zu sehen auf Seite 4 (hat nichts mit der inneren türkisfarbenen Sporenwand zu tun) hat sich nicht als nützlich dargestellt, da sich die Sporen überwiegend stark verformt haben und das Sporenornament nicht deutlicher als in Wasser zu sehen war.

Aus meiner Sicht ein Top Fund der bislang rel. selten gefunden bzw. kartiert wurde.
Natürlich zeige ich auch, was ich gesehen und geschrieben habe 😉
Hauptaugenmerk liegt auf den konzentriert dokumentierten Sporen. Sie sind in ihrer Form, Größe und Art der Ornamentation m. E. nur bei Peziza moravecii zu sehen und bislang wenig veröffentlicht worden!

Eine gute Zeit
Gelbfieber & Co

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