Gabeltrichterling. von Kazuya *PIC*

Notizbrettbildservice, (vor 8721 Tagen)

Hallo,
ich hoffe, dass euch mein letzter Beitrag mit dem kleinen Reisigbecherchen gefallen hat. Mir kam zu Ohren, dass so manch ein Amateur bzw. Laie nicht mit meinem "Fachchinesisch" klarkommt. Dem weis ich abzuhelfen, indem ich von jetzt ab einfach alle unverständlichen Wörter aus dem lateinischen erkläre.
Ich hätte zudem sämtliche Skizzen zur Verfügung stehen, die ich nach belieben einfügen könnte (z.B. Lamellentrama, Zystidenformen etc.). Wenn euch das recht ist, so kann ich diese bei schwierigen Beiträgen gerne hinzufügen.
Doch kommen wir zum nächsten Beitrag. Er handelt um einen Trichterling, der eigentlich gar keiner ist: Gabeltrichterling (Pseudoclitocybe). Clitocybe ist die Trichterlingsgattung, in der sich weit über 100 Arten in ME befinden. Das Wort pseudo- bedeutet soviel wie "falsch" und bezeichnet in Kombination mit Clitocybe also einen falschen Trichterling.
[image]
Die Gattung beinhaltet in ME 3 Arten, die sich durch schnallenlose Septen, amyloide Sporen und durch gegabelte Lamellen von den richtigen Trichterlingen deutlich abheben. Septen sind Querwände, die verhindern, dass sich die Zellen innerhalb der Hyphen mehr als 2-mal teilen. Auf Grund des Platzmangels (bei der Teilung) entsteht ein seitlicher Auswuchs, den man als Schnalle bezeichnet. Fachleute unterscheiden sogar verschiedene Schnallen (Wirtelschnallen, Bügelschnallen usw.). Doch das dürfte zu chinesisch werden. Deshalb schnell zu den Sporen. Amyloid sind Sporen, die sich in Jod-Reagenzien blau verfärben. Die Lamellen sind dann gegabelt, wenn sie sich in Richtung Stiel oder zum Hutrand hin teilen. Sie können somit durchaus einer Gabel ähneln.
[image]
Der häufigste der Gattung ist der Kaffeebraune Gabeltrichterling (P. cyathiformis). Kennzeichnend ist der milchkaffeefarbene (trocken) bzw. schokoladenbraune (feucht) Hut, der bis 100 und mehr mm breit werden kann und in der Mitte immer deutlich vertieft ist. Die Lamellen sind hellgrau und laufen sichelförmig herab. Der Stiel ist berindet und eher dünn, hellbraun bis graubraun gefärbt und weist an der Basis Rhizomorphen auf, also weiße Faserbündel bestehend aus Hyphen.
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Der Pilz scheint recht häufig zu sein. Er erscheint vorzugsweise im Herbst auf Rindenmulch, unter Gebüsch oder auch im Wald.
Viele Grüße,
Kazuya

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Re: Gabeltrichterling. von Kazuya

Markus S, (vor 8721 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Salü Kazuya

Gratulation auch mal von meiner Seite zu Deinen immer sehr interessanten Beiträgen!

Zum Beitrag "Gabeltrichterling" möchte ich Dir jetzt aber eine Frage stellen:

Wo siehst Du die "Gabel"? Ich habe schon des öftern den Kaffebraunen Gabeltrichterling (P. cyathiformis) näher angeschaut, und habe bis jetzt die Gabelung der Lamellen höchst selten gesehen :-( (obwohl das ja eigentlich typisch sein sollte).
Auch auf Deinen Bildern ist diese erwähnte Gabelung nicht ersichtlich. Stell doch mal eine Makroaufnahme einer gegabelten Lamelle eines Gabeltrichterlings ins Forum (wenn Du eine findest). Die Anfänger unter den Forumsteilnehmern wären Dir sicherlich dankbar.

Gruss Markus

Hallo,
ich hoffe, dass euch mein letzter Beitrag mit dem kleinen Reisigbecherchen
gefallen hat. Mir kam zu Ohren, dass so manch ein Amateur bzw. Laie nicht
mit meinem "Fachchinesisch" klarkommt. Dem weis ich abzuhelfen,
indem ich von jetzt ab einfach alle unverständlichen Wörter aus dem
lateinischen erkläre.
Ich hätte zudem sämtliche Skizzen zur Verfügung stehen, die ich nach belieben
einfügen könnte (z.B. Lamellentrama, Zystidenformen etc.). Wenn euch das
recht ist, so kann ich diese bei schwierigen Beiträgen gerne hinzufügen.
Doch kommen wir zum nächsten Beitrag. Er handelt um einen Trichterling, der
eigentlich gar keiner ist: Gabeltrichterling (Pseudoclitocybe). Clitocybe
ist die Trichterlingsgattung, in der sich weit über 100 Arten in ME
befinden. Das Wort pseudo- bedeutet soviel wie "falsch" und
bezeichnet in Kombination mit Clitocybe also einen falschen Trichterling.

Die Gattung beinhaltet in ME 3 Arten, die sich durch schnallenlose Septen,
amyloide Sporen und durch gegabelte Lamellen von den richtigen
Trichterlingen deutlich abheben. Septen sind Querwände, die verhindern,
dass sich die Zellen innerhalb der Hyphen mehr als 2-mal teilen. Auf Grund
des Platzmangels (bei der Teilung) entsteht ein seitlicher Auswuchs, den
man als Schnalle bezeichnet. Fachleute unterscheiden sogar verschiedene
Schnallen (Wirtelschnallen, Bügelschnallen usw.). Doch das dürfte zu
chinesisch werden. Deshalb schnell zu den Sporen. Amyloid sind Sporen, die
sich in Jod-Reagenzien blau verfärben. Die Lamellen sind dann gegabelt,
wenn sie sich in Richtung Stiel oder zum Hutrand hin teilen. Sie können
somit durchaus einer Gabel ähneln.

Der häufigste der Gattung ist der Kaffeebraune Gabeltrichterling (P.
cyathiformis). Kennzeichnend ist der milchkaffeefarbene (trocken) bzw.
schokoladenbraune (feucht) Hut, der bis 100 und mehr mm breit werden kann
und in der Mitte immer deutlich vertieft ist. Die Lamellen sind hellgrau
und laufen sichelförmig herab. Der Stiel ist berindet und eher dünn,
hellbraun bis graubraun gefärbt und weist an der Basis Rhizomorphen auf,
also weiße Faserbündel bestehend aus Hyphen.

Der Pilz scheint recht häufig zu sein. Er erscheint vorzugsweise im Herbst
auf Rindenmulch, unter Gebüsch oder auch im Wald.
Viele Grüße,
Kazuya

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Nicht nur díe Anfänger ;-)

Birgit, (vor 8721 Tagen) @ Markus S

Hi Kazuya,

Gratulation auch mal von meiner Seite zu Deinen immer sehr interessanten
Beiträgen!

Ebenfalls :-).

Zum Beitrag "Gabeltrichterling" möchte ich Dir jetzt aber eine
Frage stellen: Wo siehst Du die "Gabel"? Ich habe schon des
öftern den Kaffebraunen Gabeltrichterling (P. cyathiformis) näher
angeschaut, und habe bis jetzt die Gabelung der Lamellen höchst selten
gesehen :-( (obwohl das ja eigentlich typisch sein sollte).

Kann dir nur beipflichten, auch ich finde seltenst bis gar nie eine Gabelung der Lamellen. Da auch die Amyloidität der Sporen nicht gut ausgeprägt ist, ist das für mich sehr unbefriedigend, da diese beiden Merkmale ja die Abtrennung zu den Trichterlingen darstellen und es einen zumindestens in B&K nicht näher beschriebenen ähnlichen dunkelbraunen Trichterling geben soll. Ich hab hier auch schon mal Makro- und Mikrobilder von sehr untypischen potentiellen kaffeebraunen Gabeltrichterlingen (halbkugeliger, genabelter Hut) veröffentlicht, leider gabs da keine Reaktion drauf.

Auch auf Deinen Bildern ist diese erwähnte Gabelung nicht ersichtlich. Stell
doch mal eine Makroaufnahme einer gegabelten Lamelle eines
Gabeltrichterlings ins Forum (wenn Du eine findest). Die Anfänger unter
den Forumsteilnehmern wären Dir sicherlich dankbar.

Wie gesagt nicht nur die Anfänger werden dir danken. Christoph Hahn hatte hier mal eine andere Unterscheidungsmöglichkeit angesprochen, nämlich den Pilzhut durchzureißen, dabei spaltet sich laut Christoph beim kaffeebraunen Gabeltrichterling eigentlich immer eine Lamelle, ich habs allerdings noch nicht selber ausprobiert.

Liebe Grüße

Birgit

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Re: Nicht nur díe Anfänger ;-)

Wolfgang P., (vor 8720 Tagen) @ Birgit

Wie gesagt nicht nur die Anfänger werden dir danken. Christoph Hahn hatte
hier mal eine andere Unterscheidungsmöglichkeit angesprochen, nämlich den
Pilzhut durchzureißen, dabei spaltet sich laut Christoph beim
kaffeebraunen Gabeltrichterling eigentlich immer eine Lamelle, ich habs
allerdings noch nicht selber ausprobiert.

Ich hab's sofort am nächsten Tag ausprobiert, und es hat geklappt!

Wolfgang

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Ich auch....(Bild) *PIC*

Georg, (vor 8720 Tagen) @ Wolfgang P.

und es stimmt. Hab sogar ein verwackeltes Bild dazu:

[image]

Georg

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Re: Gabeltrichterling. von Kazuya

André, (vor 8721 Tagen) @ Markus S

Hallo Markus S. und Kazuya
Auf die Gefahr hin mich zu blamieren, erzähle ich Euch eine andere Story, warum der Gabeltrichterling so heisst. Sie ist glaube ich in unserem Pilzverein aufgetaucht. Also , wenn Du ein Gabeltrichterling vom Hut her durchbrichst und ihn auseinanderziehst, dann (und jetzt kommts) teilt oder gabelt sich das Fleisch durch eine Lamelle. Wegen dem Aufbau der Zellen in der Lamelle gut denkbar.
Ich hoffe ich habe das so erklärt, dass Ihr Euch dass vorstellen könnt.
Gruss
André

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Re: Gabeltrichterling - Genau hinsehen!

Ralf, (vor 8720 Tagen) @ Markus S

Salü Kazuya
Gratulation auch mal von meiner Seite zu Deinen immer sehr interessanten
Beiträgen!
Zum Beitrag "Gabeltrichterling" möchte ich Dir jetzt aber eine
Frage stellen: Wo siehst Du die "Gabel"? Ich habe schon des
öftern den Kaffebraunen Gabeltrichterling (P. cyathiformis) näher
angeschaut, und habe bis jetzt die Gabelung der Lamellen höchst selten
gesehen :-( (obwohl das ja eigentlich typisch sein sollte).
Auch auf Deinen Bildern ist diese erwähnte Gabelung nicht ersichtlich. Stell
doch mal eine Makroaufnahme einer gegabelten Lamelle eines
Gabeltrichterlings ins Forum (wenn Du eine findest). Die Anfänger unter
den Forumsteilnehmern wären Dir sicherlich dankbar.
Gruss Markus

Hallo Markus,

meiner Meinung nach sind die gegabelten Lamellen sehr wohl auf Kazujas Bildern zu sehen.

Schau einmal auf das obere Bild, linker Pilz, ganz am Hutrand, bei ca. "11.30 Uhr."

Was nicht heissen soll, dass auch ich schon bei einem Pilz, den ich mit ziemlicher Sicherheit für den Kaffeebraunen Gabeltrichterling gehalten habe, nach den Gabeln vergelbich gesucht habe.

Gruss

Ralf

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Re: Gabeltrichterling - Genau hinsehen!

Ralf, (vor 8720 Tagen) @ Ralf

Hallo Markus,
meiner Meinung nach sind die gegabelten Lamellen sehr wohl auf Kazujas
Bildern zu sehen.
Schau einmal auf das obere Bild, linker Pilz, ganz am Hutrand, bei ca.
"11.30 Uhr."
Was nicht heissen soll, dass auch ich schon bei einem Pilz, den ich mit
ziemlicher Sicherheit für den Kaffeebraunen Gabeltrichterling gehalten
habe, nach den Gabeln vergelbich gesucht habe.
Gruss
Ralf

Entschuldigung, ich meinte Kazuyas zweites, das mittlere Bild. Nicht das obere.

Hätte auch hier genau hinsehen sollen! ;-)

Ralf

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Re: Gabeltrichterling. von Kazuya

Wolfgang P., (vor 8720 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Die Gattung beinhaltet in ME 3 Arten, die sich durch schnallenlose Septen,
amyloide Sporen und durch gegabelte Lamellen von den richtigen
Trichterlingen deutlich abheben.

Vorsicht: Gabeltrichterlinge haben im Basalfilz sehr wohl jede Menge Schnallen, nur in den Lamellen nicht. In diese Falle bin ich 'mal getappt, aber in der Flora Neerlandica (man kann das Werk gar nicht oft genug loben!) ist die Art korrekt auch in diesem Detail beschrieben.

Wolfgang