Re: Pilz der Woche!
Hallo Boris,
Schicke Farbe (war die wirklich so?)! Ausgesprochen schöner Pilz! Wenn ich abends Zugriff auf meine Bücher habe, versuch ich auch mal mein Glück beim Raten!
Stielfarbe? helles Gelb oder?
Apropos, wenn hier unten im ANtwortkasterl immer die Namen drin stehen, tut man sich schon verdammt schwer nicht zu schummeln (Da muß man praktisch schon mit geschlossenen Augen doe Zeilen weglöschen
). Benenn die Bilder doch um, dann hast du nachher auch wieder was zum Raten
)!
sonnige Grüße aus dem Münchner Norden
Birgit
Re: Pilz der Woche!
Boris, (vor 9831 Tagen) @ Birgit
Hi!
Schicke Farbe (war die wirklich so?)! Ausgesprochen schöner Pilz! Wenn ich abends Zugriff auf meine Bücher habe, versuch ich auch mal mein Glück beim Raten!
Ja, die Farbe war genau so
Stielfarbe? helles Gelb oder?
gelb und rötlich
Apropos, wenn hier unten im ANtwortkasterl immer die Namen drin stehen, tut man sich schon verdammt schwer nicht zu schummeln (Da muß man praktisch schon mit geschlossenen Augen doe Zeilen weglöschen
). Benenn die Bilder doch um, dann hast du nachher auch wieder was zum Raten
)!
Wie ich mit Mufti schon besprach, ist das leider aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Unter Netscape ist das Antwortkästchen klein genug um nichts lesen zu können, wenn man nicht will. Oder benutzt du Billies Browser?
Gruß, Boris
Re: Pilz der Woche!
Souler, (vor 9831 Tagen) @ Boris
Hallo Boris,
leider noch nie in natura gesichtet, müßte aber ein Blutroter Röhrling sein, oder?
Tolle Farben!
Grüße Souler
Re: Pilz der Woche!
Georg Müller, (vor 9831 Tagen) @ Boris
Hi Boris,
ich sage auch: Blutroter Röhrling (Xerocomus rubellus). Hab ich dieses
Jahr das erste Mal gefunden (Karlsruher Hardtwald, an einem Wegrand im Frühsommer).
Sehr schöner Pilz.
Georg
Re: Pilz der Woche!
Gestern abend bin ich überhaupt nicht mehr hier reingekommen, aber mein Tip lautet auch Blutroter Röhrling, obwohl ich mir nicht sicher bin.
Aber ja, daheim benutze ich Billies Browser, in der Arbeit Netscape. IE ist in einigen Dingen erheblich benutzerfreundlicher und außerdem hab
ich mich inzwischen an ihn gewöhnt. (Nein, nein, Schueklappn habe ich noch keine und den Fahneneid auf MS habe ich auch noch nicht geschworen
) ).
Gruß
Birgit
Re: Pilz der Woche!
Markus H., (vor 9830 Tagen) @ Boris
Hallo Boris !
Das ist ein Blutroter Röhrling! Ein Pilz der bei uns recht selten ist.
Ähnliche Hutfarben kann aber auch der Rotfußröhling, und seine seltenen Verwandten haben, mit denen ich in manchen Jahren Bestimmungsprobleme habe.
Beste Grüße
Markus H.
Info zum Pilz der Woche
Boris, (vor 9829 Tagen) @ Markus H.
Hallo Boris !
Das ist ein Blutroter Röhrling! Ein Pilz der bei uns recht selten ist.
Ähnliche Hutfarben kann aber auch der Rotfußröhling, und seine seltenen Verwandten haben, mit denen ich in manchen Jahren Bestimmungsprobleme habe.
Beste Grüße
Markus H.
Ja, ja, ich seh´s ja ein! Bei einer Trefferquote von 100% war dieser Pilz der Woche wohl viel zu leicht! Nächste Woche muß ich mal wieder ein etwas sadistischeres Foto aus meiner Krabbelkiste holen... 
Den abgebildeten Pilz fand ich im Sommer in den Wäldern um Lampertheim. War eines der wenigen Male daß ich in den eher besch..eidenen Wäldern im Raum Mannheim eine seltenere Art gefunden habe. Standort war ein sandiger, trockener und lichter Eichenwald. In unmittelbarer Nähe fand ich einen einzelnen Sommersteinpilz und wahrscheinlich ein paar hundert gewöhnliche Rotfußröhrlinge. Im Normalfall trocknet der Sandboden im Raum MA im Sommer ausgesprochen schnell ab, so daß Pilze in dieser Jahreszeit kaum zu finden sind, besagtes Jahr war eine Ausnahme in der der Rotfußröhrling auch so häufig war, daß man ihn mit der Sense hätte ernten können.
Schöne Grüße, Boris
Re: Pilz der Woche!
Andreas Gminder, (vor 9829 Tagen) @ Boris
Wie die einhellige Meinung lautet, so auch meine: Blutroter Röhrling (Xerocomus rubellus).
Zumindest im weiteren Sinn, denn in jüngerer Zeit sind noch weitere rothütige Filzröhrlinge bekannt geworden:
1. Dunkelroter Filzröhrling (X. dryophilus (Smith) Singer) - eine ursprünglich amerikanische Art, bei uns wohl wärmeliebend (mediterran?). Der Stiel ist von der Basis an aufwärts intensivst blutrot, ebenso der Hut, etwa so wie auf dem Bild zu sehen. Abbildungen z.B. im Cetto 6, Bild 2461 (als B. amaranthus nom. prov., oder so ähnlich).
2. Ufer-Filzröhrling (X. ripariellus Redeuilh 1998) - eine feuchtigkeitsliebende Art mit schwach gestreiften Sporen (genau wie der sog. Herbst-Rotfuß).
3. Aprikosenfarbener Filzröhrling (X. armeniacus (Quelet) Quelet) - hat eine leuchtend gelbe Porenschicht (wie die Ziegenlippe) und ist meist nicht so intensiv rot.
4. Der Herbstrotfuß (X. pruinatus) kann auch mal ausgesprochen rote Hüte haben, aber doch wohl kaum so wqie auf dem Bild. Außerdem ist er selten so schmächtig.
5. gibt es noch eine weitere, noch unbenannte Art aus Finnland, die wie der Ufer-Filzröhrling gestreifte Sporen hat, aber gleichzeitig auch abgestutzte (wie X. porosporus und truncatus). Harmaja wollte sie eigentlich letztes Jahr nach Kollektionen von Korhonen neu beschreiben, aber nachdem ich letzteren auf die REM-Abbildung der Sporen von X. armeniacus in Engels Filz- und Schmierröhrlinge (deutlich abgestutze Sporenenden!) aufmerksam gemacht habe, haben sie's offensichtlich verschoben oder fallen gelassen.
Naja, wie auch immer. Jedenfalls scheint's mehrere rothütige Filzröhrlingsarten (-varietäten, -sippen, -formen oder was auch immer) zu geben, die sich auch ökologisch trennen lassen.
Damit steht man natürlich vor dem Dilemma, welche der Arten wohl diejenige war, die Krombholz bei seiner Neubeschreibung meinte! Keine Ahnung? Wunderbar: Wir können also den gut eingeführten Namen X. rubellus verwerfen und den Pilz neu beschreiben, natürlich mit unserem Namen! Da dies offenbar noch keiner gemacht hat, kann man wohl davon ausgehen, dass Marcel Bon sich noch nicht mit den Röhrlingen beschäfigt hat ... 
Bei der Gelegenheit hätte ich noch eine mehr allgemeine Frage: Gibt's zum "Pilz der Woche" eigentlich auch ein dazugehöriges Exsikkat?
Macht ihr überhaupt Exsikkate von euren Funden? Und wenn ja, von allen? Oder nur den fotografierten, oder von gar keinen? Und falls ja, wo bewahrt ihr diese auf? Daheim, im Museum (welchem?) oder wo?
Splitter vs. Lumper 1032:983
Boris, (vor 9829 Tagen) @ Andreas Gminder
Wie die einhellige Meinung lautet, so auch meine: Blutroter Röhrling (Xerocomus rubellus).
Zumindest im weiteren Sinn, denn in jüngerer Zeit sind noch weitere rothütige Filzröhrlinge bekannt geworden:
1. Dunkelroter Filzröhrling (X. dryophilus (Smith) Singer) - eine ursprünglich amerikanische Art, bei uns wohl wärmeliebend (mediterran?). Der Stiel ist von der Basis an aufwärts intensivst blutrot, ebenso der Hut, etwa so wie auf dem Bild zu sehen. Abbildungen z.B. im Cetto 6, Bild 2461 (als B. amaranthus nom. prov., oder so ähnlich).
2. Ufer-Filzröhrling (X. ripariellus Redeuilh 1998) - eine feuchtigkeitsliebende Art mit schwach gestreiften Sporen (genau wie der sog. Herbst-Rotfuß).
3. Aprikosenfarbener Filzröhrling (X. armeniacus (Quelet) Quelet) - hat eine leuchtend gelbe Porenschicht (wie die Ziegenlippe) und ist meist nicht so intensiv rot.
4. Der Herbstrotfuß (X. pruinatus) kann auch mal ausgesprochen rote Hüte haben, aber doch wohl kaum so wqie auf dem Bild. Außerdem ist er selten so schmächtig.
5. gibt es noch eine weitere, noch unbenannte Art aus Finnland, die wie der Ufer-Filzröhrling gestreifte Sporen hat, aber gleichzeitig auch abgestutzte (wie X. porosporus und truncatus). Harmaja wollte sie eigentlich letztes Jahr nach Kollektionen von Korhonen neu beschreiben, aber nachdem ich letzteren auf die REM-Abbildung der Sporen von X. armeniacus in Engels Filz- und Schmierröhrlinge (deutlich abgestutze Sporenenden!) aufmerksam gemacht habe, haben sie's offensichtlich verschoben oder fallen gelassen.
Naja, wie auch immer. Jedenfalls scheint's mehrere rothütige Filzröhrlingsarten (-varietäten, -sippen, -formen oder was auch immer) zu geben, die sich auch ökologisch trennen lassen.
Damit steht man natürlich vor dem Dilemma, welche der Arten wohl diejenige war, die Krombholz bei seiner Neubeschreibung meinte! Keine Ahnung? Wunderbar: Wir können also den gut eingeführten Namen X. rubellus verwerfen und den Pilz neu beschreiben, natürlich mit unserem Namen! Da dies offenbar noch keiner gemacht hat, kann man wohl davon ausgehen, dass Marcel Bon sich noch nicht mit den Röhrlingen beschäfigt hat ...
Tss, Tss, Tss. Andreas, solch exzessives "Splitten" hätte ich dir allerdings nicht zugetraut, nachdem du ja offen gesagt hast daß du mit Krieglsteiner arbeitest, hätte ich dich eher zu den "Lumpern" gestellt... 
Der Rotfussröhrling und seine Verwandten zählen zu den variabelsten Pilzen, die ich kenne. Manche Autoren bezeichnen ja sogar X. rubellus lediglich als eine Farbmutante bei der das braune Pigment der Oberhaut fehlt (Siehe Boletus junquileus). Auch das ökologische Trennen klappt hier nicht, die abgebildeten Pilze wuchsen mit gewöhnlichen Rotfüßen zusammen, unterschieden sich aber deutlich von diesen.
Und was X. pruinatus betrifft, da gibt es wohl mehr als genug Mykologen die sich mit Händen und Füßen wehren, so etwas als eigene Art anzuerkennen. Ich nehme an, die Unterschiede in der Sporenform wurden mit dem Elektronenmikroskop gemacht? 
Durchaus wahrscheinlich, daß der sogenannte "Bereifte Röhrling" lediglich eine Kaltwetterform ist, bei der der Pilz insgesamt langsamer wächst, die Huthaut dabei nicht aufreisst. Ähnliches konnte ich auch schon beim Sommersteinpilz feststellen. Mein Bekannter Adam, ein professioneller Biologe und Pilzfreund meint auch, daß man Gebilden, die aus einem konzentrierten Fadengeflecht erwachsen, ruhig etwas mehr Variabilität zugestehen kann... 
(Morcheln: Etwa 40 Arten nach Breitenbach, exakt 3 Arten nach Krieglsteiner!)
Bei der Gelegenheit hätte ich noch eine mehr allgemeine Frage: Gibt's zum "Pilz der Woche" eigentlich auch ein dazugehöriges Exsikkat?
Macht ihr überhaupt Exsikkate von euren Funden? Und wenn ja, von allen? Oder nur den fotografierten, oder von gar keinen? Und falls ja, wo bewahrt ihr diese auf? Daheim, im Museum (welchem?) oder wo?
Aus Platz- und Artenschutzgründen mache ich keine Exsikate, ich habe auch nur Positive und keine Dias. Ich habe allerdings ein ausgesprochen gutes Ortsgedächtnis für seltenere Arten... 
Schöne Grüße, Boris
Re: Splitter vs. Lumper 1032:983
Wie die einhellige Meinung lautet, so auch meine: Blutroter Röhrling (Xerocomus rubellus).
Zumindest im weiteren Sinn, denn in jüngerer Zeit sind noch weitere rothütige Filzröhrlinge bekannt geworden:
[...]
Naja, wie auch immer. Jedenfalls scheint's mehrere rothütige Filzröhrlingsarten (-varietäten, -sippen, -formen oder was auch immer) zu geben, die sich auch ökologisch trennen lassen.
Tss, Tss, Tss. Andreas, solch exzessives "Splitten" hätte ich dir allerdings nicht zugetraut, nachdem du ja offen gesagt hast daß du mit Krieglsteiner arbeitest, hätte ich dich eher zu den "Lumpern" gestellt...
Ich glaube, da ist was falsch verstanden worden: Ich habe diese "Arten" ja nicht aufgestellt. Ich habe nicht mal gesagt, dass ich sie für berechtigt halte. Ich habe lediglich hinweisen wollen, dass es in der LITERATUR noch mehr gibt. Ob es in der NATUR auch so viel gibt, da kann man natürlich immer trefflich streiten.
Übrigens ist Krieglsteiner durchaus bereit, anderer Leute Ansicht anzuerkennen, sofern er sie in sich schlüssig findet, auch wenn es nicht seine Meinung ist. Für die Ba-Wü-Flora war klar, dass jeder seine eigene Artkonzeption hat, lediglich der "äußere Rahmen" soll natürlich einheitlich sein.
Der Rotfussröhrling und seine Verwandten zählen zu den variabelsten Pilzen, die ich kenne. Manche Autoren bezeichnen ja sogar X. rubellus lediglich als eine Farbmutante bei der das braune Pigment der Oberhaut fehlt (Siehe Boletus junquileus). Auch das ökologische Trennen klappt hier nicht, die abgebildeten Pilze wuchsen mit gewöhnlichen Rotfüßen zusammen, unterschieden sich aber deutlich von diesen.
Würde ich durchaus akzeptieren, dass es rothütige Formen vom Rotfuss-Röhrling gibt. Aber muss das bedeuten, dass ALLE rothütigen Filzröhrlinge zwangsläufig nur rote Formen vom Rotfuss sind?
Und was X. pruinatus betrifft, da gibt es wohl mehr als genug Mykologen die sich mit Händen und Füßen wehren, so etwas als eigene Art anzuerkennen. Ich nehme an, die Unterschiede in der Sporenform wurden mit dem Elektronenmikroskop gemacht?
Ja, das stimmt natürlich, wenn auch Engel behauptet, mit einem guten Lichtmikroskop kann mann die Streifung auch erkennen. Dann habe ich offensichtlich kein gutes ...
Aber das Haupttrennmerkmal zwischen dem "normalen" Rotfuss und dem "Herbstrotfuss" ist eigentlich die Hutdeckschicht, die beim Herbstrotfuß aus eher keuligen, fast hymeniformen Zellen besteht, die NICHT ODER KAUM MERKLICH INKRUSTIERT sind. Beim chrysenteron dagegen sind die Zellen sehr stark inkrustiert, richtig schollenartig mit Pigment besetzt. Dazuhin noch die Sporenstreifung. Also für mich sind das schon Argumente, die nicht so einfach wegzuwischen sind. Zumal ich bisher noch kaum einmal Probleme hatte die beiden Arten (für mich sind's Arten) schon makroskopisch zu erkennen. Wenn sie nicht überaltert sind, wohlgemerkt. Aber alte Schleierlinge bestimmt auch keiner mehr und jeder akzeptiert's dass das eben nicht geht ....
Durchaus wahrscheinlich, daß der sogenannte "Bereifte Röhrling" lediglich eine Kaltwetterform ist, bei der der Pilz insgesamt langsamer wächst, die Huthaut dabei nicht aufreisst. Ähnliches konnte ich auch schon beim Sommersteinpilz feststellen.
Es geht nicht um's Aufreissen der Huthaut oder nicht, die Struktur an sich ist anders (s.o.).
Mein Bekannter Adam, ein professioneller Biologe und Pilzfreund meint auch, daß man Gebilden, die aus einem konzentrierten Fadengeflecht erwachsen, ruhig etwas mehr Variabilität zugestehen kann... 
(Morcheln: Etwa 40 Arten nach Breitenbach, exakt 3 Arten nach Krieglsteiner!)
[...]
Schöne Grüße, Boris
Grüsse an alle,
Andreas
Pilze, die keiner haben will... *PIC*
Boris, (vor 9824 Tagen) @ Andreas
Aber das Haupttrennmerkmal zwischen dem "normalen" Rotfuss und dem "Herbstrotfuss" ist eigentlich die Hutdeckschicht, die beim Herbstrotfuß aus eher keuligen, fast hymeniformen Zellen besteht, die NICHT ODER KAUM MERKLICH INKRUSTIERT sind. Beim chrysenteron dagegen sind die Zellen sehr stark inkrustiert, richtig schollenartig mit Pigment besetzt. Dazuhin noch die Sporenstreifung. Also für mich sind das schon Argumente, die nicht so einfach wegzuwischen sind. Zumal ich bisher noch kaum einmal Probleme hatte die beiden Arten (für mich sind's Arten) schon makroskopisch zu erkennen. Wenn sie nicht überaltert sind, wohlgemerkt. Aber alte Schleierlinge bestimmt auch keiner mehr und jeder akzeptiert's dass das eben nicht geht ....
Muß ich wohl vorerst akzeptieren, aber ich laß mich gern überraschen wie sich diese Arten im Dauerbertrieb in den nächsten Jahren bewähren. Bei so nah verwandten Artenpaaren oder auch dem Hallimasch-Komplex würde es mich nicht wundern, wenn irgendwann eine hochseltene Zwischenform auftaucht und die Arten wieder zusammengelegt werden müssen, wie beispielsweise Hygrocybe nigrescens und Hygrocybe conica.
Meine etwas organische Betrachtungsweise zeigt mir, daß es zu zwei Arten A und B fast immer eine seltene Übergangsform C gibt, die die Mykologen zwingt ihre Artbegriffe zu revidieren. Nicht nur zwischen Arten, sondern manchmal zwischen ganzen Gattungen oder Familien tauchen immer wieder solche "Grenzgänger" auf. Genannt seien hier u.a. Leucoagaricus, Leucocortinarius sowie der bekannte "Blätterröhrling" Paxillus/Phylloporus rhodoxanthus.
Mein Freund Adam hat vor kurzem eine Arbeit über Chamonixia caespitosa veröffentlicht, einen sehr seltenen Pilz der laut Kriegelsteiner-Atlas bis jetzt nur 14 Fundstellen in Deutschland hat, allesamt in hochgelegenen Regionen. Äußerlich erinnert der Pilz an einen kleinen Bovist, blaut jedoch deutlich kornblumenfarben. Man sieht also, selbst zwischen scheinbar so fern verwandten Arten wie dem Kornblumenröhrling und den Bauchpilzen gibt es einen Übergang, und es würde mich nicht wundern wenn in den Tropen oder entlegenen sibirischen Nadelwäldern noch ein paar Überraschungen auf die "Splitter" warten...
Ich lass mich also gern überraschen und verfolge die Entwicklung der nächsten Jahre mit. Auch der (Elekronen-)Mikroskopkult scheint in der Praxis nicht immer so stabile Merkmale zu bringen, wie man gerne hätte...
Gruß, Boris
Re: Pilze, die keiner haben will...
[...]
Meine etwas organische Betrachtungsweise zeigt mir, daß es zu zwei Arten A und B fast immer eine seltene Übergangsform C gibt, die die Mykologen zwingt ihre Artbegriffe zu revidieren. Nicht nur zwischen Arten, sondern manchmal zwischen ganzen Gattungen oder Familien tauchen immer wieder solche "Grenzgänger" auf. Genannt seien hier u.a. Leucoagaricus, Leucocortinarius sowie der bekannte "Blätterröhrling" Paxillus/Phylloporus rhodoxanthus.
Ausnahmen bestätigen die Regel, oder?
Und wenn du jetzt noch eine mögliche Hybridisierung ins Spiel bringst, bricht das ganze Art-/Gattungskonzept vollends zusammen. Warum wagt das eigentlich keiner? Ich bin überzeugt, dass es das bei Pilzen auch gibt.
(Im Mittelalter würde ich jetzt vermutlich auf dem Scheiterhaufen landen ...)
[...] Man sieht also, selbst zwischen scheinbar so fern verwandten Arten wie dem Kornblumenröhrling und den Bauchpilzen gibt es einen Übergang, und es würde mich nicht wundern wenn in den Tropen oder entlegenen sibirischen Nadelwäldern noch ein paar Überraschungen auf die "Splitter" warten...
Ich glaube, du verwechseltst da etwas. Als "splitter" werden landläufig diejenigen Mykologen bezeichnet (oder beschimpft, so wie sich das bei manchen anhört ...), die eine (zu) enge Artauffassung an den Tag legen. Das hat aber mit der Verwandschaft der Gattungen untereinander kaum etwas zu tun. Die Diskussion darum, ob z. B. Rhizopogon und Alpova zwei Gattungen sind oder nur eine ("splitting vs. lumping" nach deiner Definition) hat doch überhaupt nichts damit zu tun, dass nach neueren (oder besser momentanen
) Erkenntnissen diese Gattung zu den Röhrlingen und zwar zu Suillus zu ziehen sind.
Das geht übrigens noch extremer weiter: Es scheint eine nahezu übergangslose Linie von den Boletales: Paxillus über Tapinella zu den Corticiaceen: Leucogryophana und Verwandte zu geben und das alles klingt sehr plausibel. Aber es hat weder was mit "splitten" noch mit "lumpen" zu tun.
Und übrigens: Recht machen kann man's manchen sowieso nicht: Wirft man alles zusammen, wird man als Lumper bezeichnet, der nicht sorgfältig genug arbeitet um Unterschiede herauszufinden. Trennt man alles, so wird man als Splitter beschimpft, der aus einem angefressenen Pilz schon eine neue Varietät macht. Wägt man von Fall zu Fall ab, dann gilt man als inkonsequent und man würde keine durchgehende Linie vertreten.
Also was solls eigentlich???
Ich lass mich also gern überraschen und verfolge die Entwicklung der nächsten Jahre mit. Auch der (Elekronen-)Mikroskopkult scheint in der Praxis nicht immer so stabile Merkmale zu bringen, wie man gerne hätte...
Ich weiss von keinem "Kult". REM bringt weitere Hinweise, aber vorwiegend der Verwandtschaftbeziehungen unter den Arten (oder Sippen, wenn dir das lieber ist). Zur Artabgrenzung ist das REM nicht wesentlich besser als das Lichtmikroskop. Gleiches gilt im übrigen auch für die Analyse der chemischen Inhaltsstoffe und auch für die DNA-Analyse, die ja immer häufger Gegenstand von Doktorarbeiten sind. Natürlich müssen auch da die gewonnenen Ergebnisse interpretiert werden und dabei ist sicherlich vieles nicht beweisbar, wie es eben bei der Pilzbestimmung öfters so ist. Drum kann man ja auch immer wieder herrlich streiten und für gewöhnlich kann keiner seine Theorie beweisen, noch dem anderen seine widerlegen.
Grüsse,
Andreas
Re: Pilz der Woche!
MUFTI, (vor 9829 Tagen) @ Andreas Gminder
4. Der Herbstrotfuß (X. pruinatus) kann auch mal ausgesprochen rote Hüte haben, aber doch wohl kaum so wqie auf dem Bild. Außerdem ist er selten so schmächtig.
Letztes Jahr habe ich eine Pilz gefunden,
den ich als unwissender Dilettant als
"Rotfussroehrling" bezeichnen wuerde.
Dieser Pilz hatte eine ausgesprochen
rote Huthaut.
Der "Pilz der Woche" ist verglichen
mit diesem Pilz viel brauner.
Der Pilz wuchs genau da, wo ich
eine Woche vorher ein paar
Rotfussroehrlinge mit normaler
brauner Huthaut gefunden hatte.
Genauer: Es waren an allen Stellen,
wo ich bisher Rotfussroehrlinge mit brauner
Huthaut gefunden habe, jetzt
Rotfussroehrlinge mit roter Huthaut
zu finden, die fuer mich als Laie nach den
macroscopischen Merkmalen bis auf die Farbe
der Huthaut exakt uebereinstimmten.
Ich hatte mir noch gedacht:
"Wie sinnreich von der Natur:
Wenn die Blaetter fallen, faerben
sich die Pilzhuete rot, damit
die Tarnung besser ist"...