Tod durch Grünling - nur Medienmache?

Blaukäppchen, (vor 8441 Tagen)

Hallo liebe Pilzfreunde,
ungefähr am 20.9.01 fand ich folgenden Artikel in der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" (ein in Brandenburg viel gelesenes Blatt), den ich hier im Wortlaut wiedergeben möchte:
Grünling geht ans Herz
Als essbar geltender Pilz nicht harmlos

"Der Verzehr von Grünlingen kann zu Muskelzerfall führen. Im Extremfall endet der Genuss sogar tödlich, berichten französische Forscher. Bisher galt der Wildpilz als essbar und wohlschmeckend. Bei der vom Pilz hervorgerufenen Rhabdomylose werden Skelett- und Herzmuskulatur durch eine Vergiftung geschädigt. Es kann auch zum Versagen der Nieren und anderer Organe kommen. Die Patienten leiden unter Übermüdung (ich bin auch schon ganz müde - der Abschreiber), Muskelschwäche und -schmerzen, Steifheit, dunklem Urin, Übelkeit und Erbrechen. Die Mediziner vom Universitätskrankenhaus in Bordeaux hatten die medizinischen Akten von sieben Frauen und fünf Männern untersucht, die etwa sieben Tage nach dem Verzehr von Grünlingen mit einer Rhabdomylose ins Krankenhaus gekommen waren. Alle Patienten im Alter von 24 bis 61 Jahren berichteten, drei oder mehr Mahlzeiten mit dem Wildpilz gegessen zu haben. Drei Patienten starben an der Vergiftung. Im Tierversuch verursachten Extrakte des Pilzes auch bei Mäusen eine Rhabdomylose."

Soweit zu diesem Artikel. Ich bin fast vom Stuhl gerutscht, als ich das las. Ich kenne viele Leute, die Grünlinge in ihrem Leben fast zentnerweise verspeist haben. Jeder, der schon mal etwas mit Statistik zu tun hatte, weiß, dass man mit einer Stichprobe von 12 Personen kaum zu brauchbaren Aussagen kommen kann. Die Aussage mit den Tierveruchen finde ich ziemlich absurd, denn es ist ausreichend bekannt, dass Tiere ganz anders auf Pilzgifte reagieren als der Mensch. So hat zum Beispiel der Grüne Knollenblätterpilze unter den Tieren so manchen Liebhaber.

Hat jemand irgendwo in den Medien oder in der ernsthaften Fachliteratur einen Hinweis zu dieser Thematik gefunden? Oder weiß jemand, wo man solche Probleme unvoreingenommen klären kann?
Über aufschlussreiche Antworten würde ich mich freuen.

Auch bei mir der Originaltext als PDF-Datei unter www.members.aol.com/amanita69 Nach Literatur gab es in den 80er Jahren ebenfalls in Frankreich Vergiftungen mit dem Grünling, die sich aber als Verwechslungen mit Cortinarius splendens herausstellten. C. splendens führt ebenfalls zu u. U. tödlichen Nierenschäden.

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Tod durch Grünling - nur Medienmache?

bert, (vor 8441 Tagen) @ Blaukäppchen

z.B. hier: http://www.pilzepilze.de/neue.html
Gruß
Bert

Hallo liebe Pilzfreunde,
ungefähr am 20.9.01 fand ich folgenden Artikel in der "Märkischen
Allgemeinen Zeitung" (ein in Brandenburg viel gelesenes Blatt), den
ich hier im Wortlaut wiedergeben möchte: Grünling geht ans Herz
Als essbar geltender Pilz nicht harmlos
"Der Verzehr von Grünlingen kann zu Muskelzerfall führen. Im Extremfall
endet der Genuss sogar tödlich, berichten französische Forscher. Bisher
galt der Wildpilz als essbar und wohlschmeckend. Bei der vom Pilz
hervorgerufenen Rhabdomylose werden Skelett- und Herzmuskulatur durch eine
Vergiftung geschädigt. Es kann auch zum Versagen der Nieren und anderer
Organe kommen. Die Patienten leiden unter Übermüdung (ich bin auch schon
ganz müde - der Abschreiber), Muskelschwäche und -schmerzen, Steifheit,
dunklem Urin, Übelkeit und Erbrechen. Die Mediziner vom
Universitätskrankenhaus in Bordeaux hatten die medizinischen Akten von
sieben Frauen und fünf Männern untersucht, die etwa sieben Tage nach dem
Verzehr von Grünlingen mit einer Rhabdomylose ins Krankenhaus gekommen
waren. Alle Patienten im Alter von 24 bis 61 Jahren berichteten, drei oder
mehr Mahlzeiten mit dem Wildpilz gegessen zu haben. Drei Patienten starben
an der Vergiftung. Im Tierversuch verursachten Extrakte des Pilzes auch
bei Mäusen eine Rhabdomylose."
Soweit zu diesem Artikel. Ich bin fast vom Stuhl gerutscht, als ich das las.
Ich kenne viele Leute, die Grünlinge in ihrem Leben fast zentnerweise
verspeist haben. Jeder, der schon mal etwas mit Statistik zu tun hatte,
weiß, dass man mit einer Stichprobe von 12 Personen kaum zu brauchbaren
Aussagen kommen kann. Die Aussage mit den Tierveruchen finde ich ziemlich
absurd, denn es ist ausreichend bekannt, dass Tiere ganz anders auf
Pilzgifte reagieren als der Mensch. So hat zum Beispiel der Grüne
Knollenblätterpilze unter den Tieren so manchen Liebhaber.
Hat jemand irgendwo in den Medien oder in der ernsthaften Fachliteratur einen
Hinweis zu dieser Thematik gefunden? Oder weiß jemand, wo man solche
Probleme unvoreingenommen klären kann?
Über aufschlussreiche Antworten würde ich mich freuen.
Auch bei mir der Originaltext als PDF-Datei unter
www.members.aol.com/amanita69 Nach Literatur gab es in den 80er Jahren
ebenfalls in Frankreich Vergiftungen mit dem Grünling, die sich aber als
Verwechslungen mit Cortinarius splendens herausstellten. C. splendens
führt ebenfalls zu u. U. tödlichen Nierenschäden.

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Tod durch Grünling - nur Medienmache?

Karl Keck ⌂, (vor 8441 Tagen) @ Blaukäppchen

Hallo Blaukäppchen,

das Thema "Grünling" hatten wir schon mehrmals hier im Forum. z. B. ziemlich genau vor einem Jahr hier:

Beitrag 29998

Nach den Fällen in Polen glaube ich nicht mehr an "Medienmache".
Herzlich grüßt
Karl

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: Tod durch Grünling - nur Medienmache?

Thomas Pruß, (vor 8438 Tagen) @ Blaukäppchen

Moin Blaukäppchen,
ganz klar keine „Medienmache“, sondern bittere Realität, denn die Rhabdomyolysefälle waren ganz klar ausgelöst durch den Grünling. Da spielt auch die Statistik keine Rolle. Es verhält sich mit dem Pilz wie mit dem Kahlen Krempling: Viele Leute aßen ihn, und einige kippten um.
Wir haben den Grünling ebenfalls gefuttert bis zum Verlust der Muttersprache, aber nach den Meldungen vor rd. 1 Jahr lassen wir, wenn auch mit blutendem Herzen, die Finger davon.
Grüsslis
Thomas