Weiße Lamellenpilze mit weißen Lamellen, v. Kazuya *PIC*
hallihallo,
Bemerkungen: In diesem Beitrag sind mehrere Gattungen vorzustellen, die z.T. wenige Arten haben, so dass man keine "Gattungsbeiträge daraus machen könnte, da dies zu kurz werden würde. Deshalb führe ich hier mehrere Gattungen zusammen, indenen sich Arten mit gänzlich oder überwiegend weißen Fruchtkörperfarben befinden. In der Reihenfolge der Gattungen richte ich mich nach Breitenbach&Kränzlin (s. auch Literaturverzeichnis).
1) Die Gattungen:
RIPARTITES (Filzkremplinge)
Hierbei handelt es sich um eine recht kleine Gattung mit kaum mehr als 10 mitteleuropäische Arten, die zumeist innerhalb von Wäldern zu finden sind. Sie sind nahe mit den Kremplingen (Paxillus) verwandt und wurden z.T. auch in diese Gattung gestellt. Aufgrund der fein bewimperten (ist nicht bei jeder Art vorhanden) Hutränder wurde die Gattung Filzkrempling aufgestellt. Die Arten kennzeichnen sich durch kleine Fruchtkörper unter 50 mm Hutbreite und jung weißliche, später grau bis rosagrau gefärbte Lamellen sowie durch den lange eingerollten Hutrand, der bewimpert oder auch völlig glatt sein kann. Alle Arten haben breit angewachsene bis leicht herablaufende Lamellen, die sich ebenso wie bei den Kremplingen leicht vom dünnen Hutfleisch trennen lassen. Es zeigt sich hier also eine entfernte Verwandtschaft mit den Röhrlingen, auch wenn die Paxillaceae keine Röhren, sondern eindeutig Lamellen bilden. Die Fruchtkörper der Ripartites-Arten sind meist recht schlank und weißlich bis grauweißlich, seltener auch rosafarben oder cremegelblich gefärbt. Die Stiele zeigen keine auffallenden Merkmale, sie sind unberingt und glatt oder weißfaserig. Die Filzkremplinge sind in Laub- wie Nadelwäldern anzutreffen. Gerne erscheinen sie im Spätherbst unter Gebüschen, an Wegrändern, auf dicken Laubschichten an feuchten Stellen.
HYGROCYBE (speziell Ellerlinge; "Camarophyllus")
Hier halten sich besonders bei den Ellerlingen, die lange Zeit unter einem eigenen Gattungsnamen Camarophyllus geführt wurden, Arten mit völlig weißen Fruchtkörpern auf. Diese sind vor allem durch herablaufende, etwas wachsige Lamellen, die zudem meist ziemlich entfernt stehen, sowie durch nicht trichterige Hüte gekennzeichnet. Manchmal wirken die Fruchtkörper etwas glasig, es zeigt sich also eine Verwandtschaft mit den Saftlingen. Den Ellerlingen fehlen aber die bei den Saftlingen insgesamt viel kräftigeren Farben. Eine weiße Ellelingsart ist der Weiße Ellerling (Hygrocybe virginea), lt. B&K soll der gar schon "Weißer Saftling" genannt werden. Zu beachten ist jedoch auch, dass B&K sowie auch andere Autoren verschiedene Ellerlinge noch in ihrer ursprünglichen Gattung (Camarophyllus) belassen, so z.B. auch die größte Art, der Wiesen-Ellerling (Camarophyllus pratensis). Hier ist die Hutfarbe aber orangebraun, weshalb dies hier aus dem Rahmen fallen würde.
HYGROPHORUS (Schnecklinge)
Weiße Arten sind in dieser umfassenden Gattung (ca. 50 Arten in ME) nicht selten. Allgemein sind Schnecklinge durch eine +/- dicke Schleimschicht auf der Hutoberfläche gekennzeichnet, außerdem noch durch wächserne Lamellen, die oft am Stiel herablaufen und bei vielen Arten entfernt stehen. Und genau eine weiße Art bricht hier die Regel mit dem schleimigen oder zumindest schmierigen Hut: der Trockene Schneckling (Hygrophorus penarius), der mehr trocken als wirklich schmierig ist. Alle anderen weißen Schnecklinge sind zumindest feucht schleimig resp. schmierig. Der Goldzahn-Schneckling (Hygrophorus chrysodon) weist zudem noch einen wunderschön goldgelb gefärbten Hutrand auf, womit die Art unverwechselbar wäre. Andere weiße Schnecklinge sind da eher bestimmungsfeindlich, lassen sich z.T. aber durch unterschiedliche Standorte (Birkenschneckling bei Birken usw.) leicht trennen.
CALOCYBE (Schönkopf)
Den Maipilz kennt sicher jeder. Die Art ist mit ihren gänzlich weißen Fruchtkörpern, die recht robust sind und stark mehlig riechen kaum zu verwechseln. Die Jahreszeit teilt die Art aber mit dem Ziegelroten Risspilz (Inocybe erubescens), der zumindest jung ähnliche Fruchtkörper bilden kann. Die Lamellen dieser Art sind aber auch dann schon nicht mehr reinweiß wie beim Maipilz. Außerdem hat der Risspilz keinen mehligen Geruch.
CLITOCYBE (Trichterlinge)
In der Literatur wird immer auf mögliche Verwechslungen weißer, essbarer Lamellenpilze mit weißen Trichterlingen hingewiesen. Dabei wählt man absichtlich die Wortkombination "weiße Trichterlinge", d.h. man sollte alle Trichterlinge meiden, die eine irgendwie weiße Hutfarbe haben. Von den über 100 Me-Arten sind mindestens ein Duteznd als giftig einzustufen, davon befinden sich ca. die Hälfte bei den weißen Trichterlingen. Die Giftigkeit ist mit einem hohen Muscarin-Gehalt der Pilze zu begründen, ein Gift, dass vor allem auf das Nervensystem wirkt und sogar zum Kreislaufzusammenbruch führen kann. Deshlab gelten die weißen Trichterlinge auch als "sehr" giftig, dem bekannten Pantherpilz sicher ebenbürtig. Todesfälle sind trotzdem nicht sonderlich häufig. Dafür müsste man schon eine recht große Menge der ohnehin kleinen Fruchtkörper (Hut meist 50 mm leicht von Sericeomyces-Arten abzutrennen.
SERICEOMYCES (Seidenschirmlinge, Egerlingsschirmlinge)
Eine kleine Gattung mit überwiegend weißlich gefärbten Arten, die allesamt ungenießbar sind. Die kleinen Fruchtkörper (Hut < 50 mm) weißen nur im Hutscheitel ockerliche bis blassgelbliche Töe auf. Der Hut ist ansonsten schneeweiß und reißt im Alter bisweilen vom Rand her faserig-schuppig auf. Die Lamellen sind weißlich bis ganz hell creme und frei. Der Stiel ist basal auffallend keulig verdickt und beringt. Der Ring ist aufsteigend angewachsen, lässt sich also nur nach UNTEN abziehen.
2) Die Arten
RIPARTITES TRICHOLOMA
![[image]](http://joachim.rippel.bei.t-online.de/Ripartites.tricholoma.jpg)
CLITOCYBE DEALBATA
![[image]](http://joachim.rippel.bei.t-online.de/Clitocybe.dealbata.jpg)
LYOPHYLLUM CONNATUM
![[image]](http://joachim.rippel.bei.t-online.de/Lyophyllum.connatum.jpg)
CLITOPILUS PRUNULUS
![[image]](http://joachim.rippel.bei.t-online.de/Clitopilus.prunulus.jpg)
LIMACELLA ILLINATA
![[image]](http://joachim.rippel.bei.t-online.de/Limacella.illinata.jpg)
LEUCOAGARICUS LEUCOTHITES
![[image]](http://joachim.rippel.bei.t-online.de/Sericeomyces..serenus.jpg)
SERICEOMYCES SERENUS
3) Worterläuterungen
Hygrocybe = "wasserkopf"; hygro, hydro "wasser"; cybe "kopf"
chrysodon = "goldzahn"; chryso "Gold"; odon "Zahn"
Calocybe = "Schönkopf"
phyllophila = "Laubliebend"; phyllos "laub, Blatt"; phila "liebend, bevorzugend"
maculata = "gefleckt"
Literaturangaben:
Breitenbach&Kränzlin; Band 3 und 4 (1991 und 1995) "Pilze der Schweiz"
Ryman&Holmäsen (1990) "Pilze"
