Röhrling: Bestimmungshilfe erbeten *PIC*

Jürg, (vor 8430 Tagen)

Hallo
zur Zeit scheinen die seltenen Röhrlingsarten Hochsaison zu haben.Gestern
hatten wir gleich zwei für die Zentralschweiz wohl seltene Arten am
Bestimmungsabend unseres Pilzvereins. Boletus fechtneri den Sommerröhrling
konnten wir wohl zweifelsfrei bestimmen.

Beim unten abgebildeten Pilz hatten wir aber unsere liebe Mühe.

[image]

[image]

Es handelt sich um einen milden Röhrling mit auffallend goldgelben Röhren.
Keine Stelle des Pilzes blaut. Stiel und Röhren bräunen bei Berührung.
Am Stiel ist keinerlei Netz zu sehen, höchstens feine Schüppchen. Die
Stielbasis ist fast wurzelnd. Stielrinde beim Ankratzen mit dem Fingernagel
chromgelb mit unangenehmem Geruch. Unsere Verdachtsdiagnose lautete
"Boletus impolitus", wobei vor allem die Beschreibungen von Galli und im alten
Michael-Hennig recht gut passten. Er blieb aber vorerst namenlos.
Leider wissen wir über den Fundort nur, dass er in der Zentralschweiz liegt,
da der Pilz in die Pilzkontrolle gebracht wurde. Wie Ihr auf den Bildern
sehen könnt, sind die Pilze auch schon nicht mehr ganz taufrisch. Vielleicht
erkennt ihn aber einer der Röhrlingsspezialisten trotzdem?
Vielen Dank für die Tipps!
Jürg und Kollegen vom Pilzverein Zug

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Re: Röhrling: Bestimmungshilfe erbeten

Rudi, (vor 8430 Tagen) @ Jürg

Hallo Jürg &co!

Offensichtlich ist es ein Leccinum. Ich hab zuerst an crocipodium gedacht, aber der wird - zumindest frisch- in kurzer Zeit (30-60 sec ) bei druck und Berührung am Stiel und im Fleisch schwarz. Später werden die schwarzen Verfärbungen jedoch braun.
Es gibt ja am Mittelmeer noch weitere gelbporige Leccinumarten, z.B. lepidum und corsicum.

Grüße Rudi

Hallo
zur Zeit scheinen die seltenen Röhrlingsarten Hochsaison zu haben.Gestern
hatten wir gleich zwei für die Zentralschweiz wohl seltene Arten am
Bestimmungsabend unseres Pilzvereins. Boletus fechtneri den Sommerröhrling
konnten wir wohl zweifelsfrei bestimmen.
Beim unten abgebildeten Pilz hatten wir aber unsere liebe Mühe.


Es handelt sich um einen milden Röhrling mit auffallend goldgelben Röhren.
Keine Stelle des Pilzes blaut. Stiel und Röhren bräunen bei Berührung.
Am Stiel ist keinerlei Netz zu sehen, höchstens feine Schüppchen. Die
Stielbasis ist fast wurzelnd. Stielrinde beim Ankratzen mit dem Fingernagel
chromgelb mit unangenehmem Geruch. Unsere Verdachtsdiagnose lautete
"Boletus impolitus", wobei vor allem die Beschreibungen von Galli
und im alten
Michael-Hennig recht gut passten. Er blieb aber vorerst namenlos.
Leider wissen wir über den Fundort nur, dass er in der Zentralschweiz liegt,
da der Pilz in die Pilzkontrolle gebracht wurde. Wie Ihr auf den Bildern
sehen könnt, sind die Pilze auch schon nicht mehr ganz taufrisch. Vielleicht
erkennt ihn aber einer der Röhrlingsspezialisten trotzdem?
Vielen Dank für die Tipps!
Jürg und Kollegen vom Pilzverein Zug

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Boletus depilatus? *PIC*

Jürg, (vor 8430 Tagen) @ Jürg

In der Zwischenzeit habe ich es mit dem Schlüssel aus Grosspilze BW Band 2
versucht und komme auf "Boletus depilatus".
Hier noch eine Mikroaufnahme der (etwas arg gequetschten) Huthaut,
die aber m.E. schön die "hymeniforme Hutdeckschicht aus rundlichen bis
keuligen Elementen" zeigt, wie sie als Unterscheidungsmerkmal zwischen
B.Impolitus und B. depilatus erwähnt wird. (Grosspilze BW, Band 2, Seite 228)

[image]

Jetzt warte ich nur noch auf die Bestätigung (oder Korrektur) durch die Experten.
Gruss
Jürg

P.S. den Leccinum glaube ich nicht so recht, allerdings dachten wir auch
zuerst an L.crocipodium, der aber mit Bestimmtheit ausscheidet.

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Re: Röhrling: Bestimmungshilfe erbeten

Wolfgang P., (vor 8430 Tagen) @ Rudi

Hallo Jürg &co!
Offensichtlich ist es ein Leccinum. Ich hab zuerst an crocipodium gedacht,
aber der wird - zumindest frisch- in kurzer Zeit (30-60 sec ) bei druck
und Berührung am Stiel und im Fleisch schwarz. Später werden die schwarzen
Verfärbungen jedoch braun.
Es gibt ja am Mittelmeer noch weitere gelbporige Leccinumarten, z.B. lepidum
und corsicum.
Grüße Rudi

Hi Rudi,

ich hab' mal gerade Bilder von Leccinum lepidum bei Alessio und Lannoy/Estades angeschaut, das passt alles genau. Ich wär' nie drauf gekommen, aber Du hast sicher recht! "Boletus" impolitus und depilatus , die ja - glaube ich - inzwischen auch in die Gruppe um crocipodium gehören, würden nicht auf Druck so röten.

Grüße,

Wolfgang

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Re: Boletus depilatus?

Christoph G, (vor 8429 Tagen) @ Jürg

Hallo Jürg, ich bin zwar kein Experte, aber habe selber schon einige Exemplare von B.depilatus finden können. Mal abgesehen von der fleckigen verfärbung, sehen deine Exemplare für mich wie ganz typische depilati aus.
Vielleich find ich ja morgen Vergleichsexemplare in Konstanz und kann mal ein Bild ins Netz stellen.

Gruß in die Nachbarschaft

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Denke auch

Jürgen, (vor 8429 Tagen) @ Jürg

dass es sich um stark abgegriffenen Boletus depilatus handelt (der im Anschnitt im Gegensatz etwa zu Leccinum crocipodium unverändert bleiben sollte).

Bei deinem Mikrobild der Huthaut wundert mich etwas, dass doch einiges an fädigen Hyphen vorhanden ist; sie scheint doch - wie du auch sagst - sehr stark gequetscht zu sein. Normalerweise müssten sich die keuligen Elemente dicht parallel aneinanderreihen.

Das Röten an der Stielbasis macht depilatus manchmal, aber hier ist die Verfärbung ungewöhnlich stark ausgeprägt. Häufiger sieht man eine Rötung unterhalb der Stielspitze.

Gruß, Jürgen

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Re: Boletus depilatus?

Fridu, (vor 8429 Tagen) @ Jürg

In der Zwischenzeit habe ich es mit dem Schlüssel aus Grosspilze BW Band 2
versucht und komme auf "Boletus depilatus".
Hier noch eine Mikroaufnahme der (etwas arg gequetschten) Huthaut,
die aber m.E. schön die "hymeniforme Hutdeckschicht aus rundlichen bis
keuligen Elementen" zeigt, wie sie als Unterscheidungsmerkmal zwischen
B.Impolitus und B. depilatus erwähnt wird. (Grosspilze BW, Band 2, Seite 228)

Jetzt warte ich nur noch auf die Bestätigung (oder Korrektur) durch die
Experten.
Gruss
Jürg
P.S. den Leccinum glaube ich nicht so recht, allerdings dachten wir auch
zuerst an L.crocipodium, der aber mit Bestimmtheit ausscheidet.

Eins zu Null für Dich!! Aufgrund der hymeniformen Huthaut schliesse ich mich Deiner Meinung an. Ich wünsche schöne, pilzreiche Ferien in Korsika.
Gruss:
Fridu

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Re: Boletus depilatus?

Wolfgang P., (vor 8427 Tagen) @ Jürg

P.S. den Leccinum glaube ich nicht so recht, allerdings dachten wir auch
zuerst an L.crocipodium, der aber mit Bestimmtheit ausscheidet.

Habt ihr denn auf eine negative Farbreaktion mit Eisensulfat getestet? Leccinum lepidum müßte dagegen grün werden.

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Re: Röhrling: Bestimmungshilfe erbeten

Jürgen, (vor 8427 Tagen) @ Jürg

Hallo Wolfgang,

diese chemische Reaktion ist sicher als zusätzliches Trennungsmerkmal sinnvoll, doch kann das schon makroskopisch kein Leccinum lepidum sein. Ausschalggebend ist für mich vor allem die Beschaffenheit der oberen Stielhälfte, die ganz depilatus-typisch weißliche Flöckchen auf weißlichem Grund zeigt; L. lepidum ist intensiver gelb und rauer flockig.

Zudem müsste L. lepidum ja im Schnitt nach rosa-lila>>grauocker verfärben, doch so wie ich Jürg verstehe, ist das Fleisch der fraglichen Kolektion unveränderlich gewesen - was ebenfalls charakteristisch für B. depilatus ist.

Gruß, Jürgen

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Danke! Man lernt nie aus... *oT*

Wolfgang P., (vor 8426 Tagen) @ Jürgen

- kein Text -

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Re: Röhrling: Bestimmungshilfe erbeten *PIC*

Markus Wilhelm ⌂, (vor 8425 Tagen) @ Jürg

Hallo liebe Freunde aus Zug, lieber Jürg,

bei dem Röhrling handelt es sich mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit um Boletus depilatus. Der wie gehämmerte Hut, die leuchtend gelben Lamellen und der eigenartige Geruch lassen kaum was anderes zu. Meine Bilder, leider etwas zerfressen, zeigen doch die gleichen Merkmale.

Weiterhin viel Spass, Markus

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Re: Röhrling: Bestimmungshilfe - noch so einer!

Anette, (vor 8421 Tagen) @ Markus Wilhelm

Lieber Jürg, lieber Markus,

scheint das Jahr der unidentifizierbaren Röhrlinge zu sein.

Ich habe letztes Wochenende etwas gesichtet, das euren Funden äußerst ähnlich sah. Leider habe ich die Pilze weder fotografiert noch aufgehoben, daher hier nur die Beschreibung:

Fundort: Rheinland, Eifelrand Nähe Steinbachtalsperre, Laubwald (Eiche, Buche, Hainbuche) ca. 10 m neben Fichtenschonung, Untergrund Schieferiger Tonstein/Quarzit.

Die Pilze waren leider schon älter und mit Wasser vollgesaugt. Hut hellbraun ähnlich Steinpilz, durch Regen klebrig-schmierig, Stiel mittelmäßig dick, Textur wie Hexenpilz oder Marone, aber hell, ohne Rottöne (soweit unter der Verfärbung noch zu erkennen), im oberen Teil weiß bis hellgelb, Stielbasis fast wurzelnd, Röhren leuchend gelb wo sie nicht wie auf dem Foto von Jürg rotbraun angelaufen waren. Fleisch im frischen Anschnitt gelblich-weiß, mild, Geschmack leicht fruchtig-säuerlich, Textur weich, erinnert an Xerocormus, kann aber wegen Alter und Nässe täuschen. Alle Teile des Pilzes liefen auf Druck und Verletzung hin erst dunkel-blaugrün und dann schwarzbraun an, und zwar mit einer Geschwindigkeit und Intensität, wie ich sie sonst nur vom Hexenpilz kenne (dem die Pilze abgesehen von der Farbe auch am ähnlichsten sahen). Mangels besserer Idee habe ich diese Pilze daher als ältere, möglicherweise vom Dauerregen ausgebleicht Exemplare des schwarzblauenden Röhrlings angesehen - solange, bis ich Jürgs Foto stieß.

An Krombholzia/Leccinum glaube ich nicht, der Stiel hatte weder Netzzeichnung noch Schuppen sondern eher feine Flöckchen. Interessant ist vielleicht auch noch, daß die Pilze trotz ihres Alters überhaupt keine Maden hatten.

Frage: Hatten eure Funde auch diese starke Farbreaktion? Gibt es für Boletus depilatus eine deusche Bezeichnung/Synomyme? Und ist euch vielleicht etwas über eine Variante von Boletus erythropus bekannt der der rote Farbstoff fehlt? Das könnte es nämlich auch sein.

Wäre dankbar für jede Meinung.

Gruß, Anette

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Re: Röhrling: Bestimmungshilfe - Heureka!

Anette, (vor 8421 Tagen) @ Anette

Bin auf der Seite der DGFM fündig geworden und kann mir die Frage gleich selbst beantworten. Was ich gefunden habe war nicht Boletus depilatus, obwohl er diesem zu Verzweifeln ähnlich sah, sondern Boletus junquilleus, der in älteren Pilzbüchern noch als Schwefel- oder Narzissenröhrling beschrieben wird, von jüngeren Autoren jedoch tatsächlich als teilalbinotische Varietät von Boletus erythropus aufgefaßt wird. Lag mit der Diagnose also gar nicht so falsch.

Anette

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Re: Röhrling: Bestimmungshilfe - noch so einer!

Matthias, (vor 8421 Tagen) @ Anette

Gibt es für Boletus depilatus eine deusche Bezeichnung/Synomyme?

Hallo Anette,
Boletus depilatus wird im Deutschen als gefleckthütiger Röhrling bezeichnet,
viele Grüsse
Matthias

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Re: Röhrling: Bestimmungshilfe - noch so einer!

Jens ⌂, (vor 8420 Tagen) @ Matthias

Ein weiterer deutscher Name für diese Art ist marmorierter Röhrling.

Gruß Jens